Das Fest Allerheiligen am 1. November

Christus sitzt in der Mitte, Löwe und Stier zu seinen Füßen, die Heiligen aus den Orden und Jungfrauen stehen in der oberen Reihe, in der unteren Reihe knien heilige Kinder und Ehepaare

1. November – Allerheiligen

(Heiligkeit)

Es wird wohl das Angemessenste sein, am heutigen Tag nicht von einem besondern Heiligen zu reden, sondern, dem Fest gemäß, von der Gesamtheit der Heiligen. Und zwar will ich hier einen Auszug machen von einer Predigt, welche der berühmteste portugiesische Prediger, Vieira, darüber gehalten hat:

Gott sprach: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“ Möget ihr Kaiser oder König oder Papst sein, wenn ihr nicht heilig seid, so seid ihr doch Nichts. Möget ihr hingegen das geringste, verachtetste Geschöpf von der Welt sein, – wenn ihr heilig seid, so seid ihr Alles, was nur der glücklichste Mensch sein kann, ihr seid wie Gott. Die vier Abteilungen aller heiligen Wesen sind: 1) Gott, 2) die Mutter Gottes, 3) die neun Chöre der Engel, 4) die sechs Chöre der heiligen Menschen. Alle diese lehren uns die Heiligkeit über Alles zu schätzen.

Der hl. Ambrosius sagt: „Wir finden nichts Vortrefflicheres um Gott preisen zu können, als wenn wir ihn heilig nennen.“ Im alten Testament musste der hohe Priester eine Goldplatte an der Stirn tragen, worauf die Worte standen: „Heilig dem Herrn.“ Die Propheten nennen Gott geradezu den Heiligen Israels – zum Unterschied von den falschen Göttern. Und wo Gott dem David die große Verheißung gab wegen des kommenden Messias, tat er es durch einen Schwur; er schwur: „bei meiner Heiligkeit“. Damit zeigte Gott, was ihm das Höchste sei. – Als der Vater den Sohn in die Welt sandte, sandte er ihn aus der größten Armut; nur Eines gab er ihm mit, nämlich die Heiligkeit; der Engel sprach zu Maria: „Das Heilige, was aus dir geboren wird, wird Sohn Gottes genannt werden.“ – Die dritte Person in der Gottheit hat aber ihre Benennung ganz allein von der Heiligkeit, zum Zeichen, daß diese gleichsam der ganze Charakter Gottes ist; es ist der heilige Geist.

Die Mutter des Herrn ist die Einzige von allen Menschen auf Erden, welche vollkommen heilig geblieben ist von Anfang ihres Daseins bis zu ihrem Tod. Sie ist die unbefleckte und ist darum auch die unverwesene; selbst ihr Leib wurde in den Himmel aufgenommen, weil sie von Anfang bis ans Ende stets heilig war; darum rufen wir sie alle Tage an mit dem Namen: Heilige Maria

Die Engel loben Gott für und für, wie es ihm gebührt, weil sie ihn immerdar schauen. Welches Lob sie aber singen, das wurde dem Propheten Jesaias geoffenbart, er sagt. „Die Seraphim standen um ihn und riefen einander zu: „heilig, heilig, heilig!“ Achthundert Jahre später, als dem hl. Johannes die geheime Offenbarung mitgeteilt wurde, hörte er sie noch dasselbe singen: „Sie ließen nicht ab zu sprechen: heilig, heilig, heilig!“ Warum ändern sie nicht ihren Preisgesang und singen unaufhörlich in alle Ewigkeit heilig? Weil von Allem, was an Gott zu preisen ist, ihm am meisten gefällt, daß er heilig gepriesen wird. – Die Engel selbst besitzen nichts Höheres, als eben die Heiligkeit; das Heiligsein und das Nicht-Heiligsein bildet eben die unendliche Kluft zwischen ihnen und zwischen den Teufeln. Luzifer empörte sich mit seinem Anhang gegen Gott, der Engel Michael trat mit den gut gebliebenen Engeln ihm entgegen und besiegte ihn. Luzifer und seine Gefährten verloren die Heiligkeit und wurden dadurch Teufel; die Sieger gewannen die Heiligkeit als Siegespreis, d. h. sie können sie nie mehr verlieren. Alles, was die Teufel noch haben, z. B. Verstand, macht sie nur unselig, weil ihnen die Heiligkeit dazu fehlt; und Alles, was die Engel haben, z. B. große Schönheit, ist nur deshalb etwas wert, weil sie heilig sind.

Gehen wir zu den Menschen.

Heilige Patriarchen, Propheten, Märtyrer

Alles, was die Heiligen getan und gelitten, Alles geschah um der Heiligkeit willen. Von der so langen und standhaften Hoffnung der Patriarchen, von dem Glauben und der Geduld der Propheten, von dem Feuereifer der Apostel, von den harten Bußübungen der Bekenner, von der Enthaltsamkeit und Lauterkeit der Jungfrauen, von all` dem war die Quelle: die Heiligkeit. Betrachten wir z. B. den Patriarchen Abraham mit dem Schwert in der einen Hand, bereit dem einzigen Sohn den Kopf abzuhauen, und mit dem Feuer in der andern ihn zum Brandopfer darzubringen und in seiner Asche zu begraben. Nur ein Engel konnte ihm den Arm zurück halten. Abraham wagte eine so fürchterliche Handlung, um nicht das Gebot Gottes zu vernachlässigen, um der Heiligkeit willen.

Unter den Propheten wurde Isaias mitten entzwei gesägt; Daniel ließ sich in der Löwengrube werfen; die Apostel Petrus, Andreas und Philippus wurden gekreuzigt; Paulus enthauptet, Bartholomäus die Haut abgezogen, Matthäus und Thomas mit Pfeilen durchbohrt, Simon und Thaddäus in Stücke gehauen – Alles dieses duldeten sie, um heilig zu sein und andere heilig zu machen.

Betrachten wir das unermessliche Heer der übrigen Märtyrer. Manche wurden mit den Haare, oder mit dem eine Fuß, oder mit den Daumen aufgehängt, entblößt und mit Peitschen, die vorne Bleiballen oder eiserne Spitzen hatten. So lange geschlagen, bis der ganze Leib eine einzige Wunde war, und sie nichts mehr zu verwunden hatten. Andere wurden unter schwere Mühlsteine gelegt, ihnen das Blut ausgepreßt und die Gebeine zermahlen, bis nur noch ein gestaltloser Klumpen übrig war. Andern gab man geschmolzenes Blei zu trinken oder überstrich ihren ganzen Leib mit Pech, Harz und Schwefel, zündete sie an und ließ sie als lebendige Fackeln brennen. Andere setzte man auf glühende Eisensessel, andere schob man in Feueröfen oder warf sie in Kessel voll siedendes Öls. Andere band man mit Händen und Füßen an vier starke Baumäste, die man mit Gewalt herab gebogen hatte, und ließ sie dann los schnellen, wodurch der Angebundene plötzlich in vier Stücke zerrissen wurde. Andere wurden mit Schlangen und Hunden in einen Sack eingenäht und dann ins Meer geworfen. Und warum duldeten die Streiter Christi alle erdenklichen Qualen mit größer Standhaftigkeit, selbst mit Freuden? Ganz allein, um die Heiligkeit zu erhalten und ewig zu befestigen.

Heilige Kirchenlehrer und Einsiedler

Die heiligen Kirchenlehrer taten und opferten nicht weniger um der Heiligkeit willen. Sie waren das Licht der Welt und das Salz der Erde; und wie die Wachskerze sich verzehrt um zu leuchten, so verzehrten jene ihr Leben und gossen gleichsam tropfenweise die Quelle ihrer Seele aus, um die Welt zu erleuchten. Alle die wunderbaren Schriften des hl. Athanasius, des hl. Basilius, des hl. Chrysostomus, des hl. Hieronymus, der hl. Augustinus, der hl. Thomas von Aquin, des hl. Bonaventura, des hl. Hilarius usw., all` diese Schriften voll himmlischer Weisheit, was sind sie anders, als die Seelen dieser Heiligen, die Blüten ihres Geistes? – Aber welcher Fleiß, welche Anstrengung war ihnen notwendig zur Erlangung dieser unermesslichen Gelehrsamkeit; wie sehr haben sie zugleich ihre natürlichen Geistesanlagen durch unaufhörliches Gebet unterstützt und gehoben! Sie versagten sich am Tage Ruhe und Rast, des Nachts den erquickenden Schlaf, um geistige Reichtümer in die Schatzkammer der Kirche zu sammeln, um die Heiligkeit zu fördern.

Auf anderm Weg erwarben sich die Heiligkeit die Einsiedler; diese waren die Himmelsbäume, womit die Einöden von Palästina und Ägypten bepflanzt waren, wo sie wie Engel lebten; so Paulus, Hilarion, Antonius, Makarius usw. Man sah sie viele Jahre, manche ihr Leben lang nie mehr. Sie wohnten in Höhlen, und wenn sie heraus gingen, sahen sie mehr Toten gleich als Lebenden. Ihr Aussehen glich den Wurzelgeflechten jener Kräuter, wovon sie lebten. Bei den schrecklichen Versuchungen, womit die Hölle diese christlichen Helden angriff, kämpften und siegten sie mit wunderbarer Kraft und Ausdauer, die sie in stetem Gebet und Betrachtung gewonnen. Einige maßen ihre Betstunden nach der Sonne, wenn sie unterging, fingen sie an zu beten, und endigten, wenn sie aufging. Es gab sogar Einsiedler der Lüfte, die auf hohe Säulen sich stellten und Jahre lang mit größten Beschwerden darauf ausharrten – einen so hohen Wert hat die Heiligkeit für diejenigen, welche sie zu schätzen wissen.

Heilige Jungfrauen und Eheleute

Die Zierde der Heiligen ist die liebliche Schar der Jungfrauen. Was wagten nicht die heiligen Jungfrauen um der Heiligkeit willen? Wie streng und hart waren sie gegen sich selbst? Wie verachteten sie den Glanz, die Üppigkeit, die Freuden des Lebens, das Glück der Welt? Wie entsagten sie der glanzvollsten Ehe, nur um ihre jungfräuliche Keuschheit zu bewahren und dem himmlischen Bräutigam treu zu bleiben. Die königliche Prinzessin Editha wählte statt der Ehe einen Büßerorden; die hl. Petronilla erbat sich und erhielt den Tod innerhalb der drei Tage, nach deren Abfluss sie zur Ehe gezwungen werden sollte. Die hl. Maxelende wurde von ihrem eigenen Bräutigam mit dem Schwert getötet, als sie, gewaltsam zur Trauung geführt, standhaft das Ja verweigerte. Die hl. Brigitta und die hl. Wilgo waren außerordentlich schön und deshalb fortwährend Heiratsanträgen ausgesetzt. Da baten sie Christus, ihnen ein Gut zu nehmen, das sonst das weibliche Geschlecht so hoch schätzt; sie wurden von Dem erhört, der nur die Schönheit der Seele liebt, ihre äußerliche Gestalt wurde ganz häßlich. Wie wunderbar ist die Strenge und Unbarmherzigkeit, womit diese Engel im Fleisch dasselbe abtöteten, quälten und marterten! Entweder leiden oder sterben, sprach die hl. Theresia. Leiden, nicht sterben, sprach die hl. Magdalena von Pazzi. Und warum suchten diese schuldlosen Jungfrauen die strengsten Bußübungen, da sie doch keine schweren Sünden zu büßen hatten? Nur darum, weil sie wußten, was es heiße, heilig sein, und weil sie es immer mehr werden wollten.

Noch begegnen uns andere Heilige, welche in der Ehe selbst die Jungfrauschaft bewahrten. Das war ein Kampf, der nicht einen Tag, sondern das ganze Leben hindurch währte. So z. B. das kaiserliche Ehepaar Kunigunde und der hl. Heinrich; das Königspaar die hl. Editha und der hl. Eduard; die hl. Basilissa und der hl. Julian. Warum beraubten sich diese all` der Lust und Vorteile des ehelichen Umganges? Nur aus glühender Begierde nach Heiligkeit.

Die Reinheit des Herzens

Alles, was die menschliche Natur begehrt, Alles, was das Herz erfreut, verließen und verachteten diese Heiligen; Alles dagegen, was den natürlichen Begierden widerstreitet, was die menschlichen Neigungen belästigt und kränkt, Alles das unterdrückten und besiegten sie. Warum? Weil sie heilig werden wollten.

Aus all` dem Gesagten ergibt sich, daß die Heiligkeit etwas Großes ist, ja Alles übertrifft. Und dennoch ist es leicht, heilig zu sein. Denn um heilig zu werden, ist nicht Jedem notwendig in steter Jungfräulichkeit zu leben, in Einöden zu gehen und dort ein Einsiedler-Leben zu führen, große Gelehrsamkeit zu besitzen, als Märtyrer zu sterben, als Apostel das Evangelium zu verkünden. Nur Eines ist notwendig und das ist Jedem möglich, das gute Gewissen oder die Reinheit des Herzens. Gott hat den Weg zum Himmel und zur Heiligkeit leicht gemacht, da er die Heiligkeit und Seligkeit in etwas setzte, was Jeder hat, was so recht unser Eigentum ist, in das Herz. Wie das Herz die Quelle des Lebens ist, so ist es auch die Quelle der Heiligkeit.

Wenn ihr ein reines Herz habt, dann mag euch alles Übrige fehlen, oder ihr möget Überfluss haben, nichts wird euch hindern, zur Heiligkeit zu gelangen. Seid ihr reich, so gebt Almosen und ihr könnt heilig werden, wie der hl. Johannes, der Almosengeber; seid ihr arm und müsst um Almosen bitten, so könnt ihr heilig werden, wie der hl. Alexius; und seid ihr so verlassen, daß ihr Niemand findet, der euch ein Almosen gebe, so habt Geduld und ihr könnt heilig werden, wie es der hl. Lazarus war.

Wunderbar ist Gott in Seinen Heiligen

Im Adels- und Militärstand

Tertullian war der Meinung, Könige und Kaiser könnten nicht heilig werden – allein er irrte. König von Frankreich war der hl. Ludwig, König von England der hl. Eduard, König von Dänemark der hl. Kanut, König von Böhmen der hl. Kasimir, König von Spanien der hl. Ferdinand – Kaiser von Deutschland war der hl. Heinrich. Denn haben Fürsten mehr Gelegenheit und Versuchung zur Sünde, so haben sie auch einen weitern Wirkungskreis zur Ausübung des Guten. Dasselbe kann man von kirchlichen Würden sagen. Manche wurden heilig, weil sie auf den Glanz der Würde verzichteten, Andere, weil sie deren Last und Arbeit trugen. Der hl. Gregor war nicht weniger heilig, weil er Papst war, als der hl. Cölestin, weil er der Papstwürde entsagte; der hl. Augustinus dadurch, daß er Bischof war, als der hl. Thomas von Aquin, welcher diese Würde ausschlug; der hl. Karl von Borromäus nicht minder, weil er Kardinal war, als der hl. Franz Borgias, welcher sich weigerte, es zu werden.

Derjenige ist und wird in jedem Stand am heiligsten sein, der darin mit dem reinsten Herzen lebt. Welche Orte stehen in schlimmerem Ruf, als die Paläste der Fürsten, als Werkstätte der Hoffart, des Neides, der Lüge? Und doch gibt es kein Amt daselbst, das nicht seinen Heiligen hätte. Der hl. Leodegar war Oberhofmeister, der hl. Hyacinth Oberkammerherr, der hl. Wandrigil Oberstallmeister, der hl. Mauraneus oberster Forstmeister, der hl. Sebastian Hauptmann der Leibwache, der hl. Anastasius Staatssekretär, der hl. Germanus und Andere Staatsräte, der hl. Heribert Reichskanzler, der hl. Dionys Reichsrat, der hl. Fulgentius Schatzmeister, der hl. Ambrosius und andere Advokaten, der hl. Anastasius Richter, der hl. Basilides Gerichtsdiener, der hl. Cyriak Scharfrichter.

In keinem Stand, sollte man glauben, gehe das Seelenheil mehr zu Grunde, als in dem Militärstand. Und doch findet sich eine unermessliche Anzahl von heiligen Soldaten, die standhaft ihr Leben für Christus hingegeben haben. In der Verfolgung des Kaisers Diokletian und Maximian wurden zehntausend Soldaten des Glaubens wegen gekreuzigt. Die thebaische Legion, welche für den Glauben ihr Leben hingab, bestand gleichfalls aus sechstausend Soldaten.

Die Wurzel aller Sünde – sagt der Apostel Paulus – ist die Habsucht. Ungeachtet nun diese besonders gern in der Kaufmannschaft Boden faßt, so brachte dieser Stand doch auch Früchte der Heiligkeit hervor. Aus dieser Wurzel entsproßte der hl. Franz von Assisi, der hl. Fulgentius, der hl. Guido und viele Andere.

Im Arbeiterstand

Wenn aber selbst Standesarten, welche der Tugend gefährlich sind, so viele Heilige hervor brachten, um wieviel mehr wird dies der Fall sein bei solchen, wo durch Arbeit die Quelle aller Laster, der Müßiggang, verbannt wird! Hierher gehören bekanntlich der hl. Joseph und die heiligen Apostel. Der hl. Jakob von Böhmen war ein Schreiner, der hl. Symphorian ein Bildhauer, der hl. Paul Hellatik ein Drechsler, der hl. Florus ein Goldschmied, der hl. Andronikus ein Silberarbeiter, der hl. Dunstan ein Hufschmied, der hl. Marcian ein Waffenschmied, der hl. Hildas ein Schmelzer, der hl. Prokulus ein Steinhauer, der hl. Crispian ein Schumacher, der hl. Homobon ein Schneider, der hl. Onofrius ein Weber, der hl. Qualfund ein Kellner, der hl. Johann von Gott ein Buchhändler, der hl. Isidor ein Bauer, der hl. Moritz ein Gärtner, der hl. Leonhard ein Hirt, der hl. Arnold ein Schiffmann, der hl. Pathenius ein Fischer, der hl. Benthier ein Maultier-Treiber. Der hl. Richard ein Fuhrmann, der hl. Adrian ein Gerber, der hl. Wilhelm ein Müller, der hl. Gemian ein Wirth, der hl. Quiriak ein Koch, der hl. Alexander ein Kohlenbrenner, der hl. Heinrich ein Metzger. Es ist kein Amt, kein Stand, kein Geschäft oder Gewerbe so mühsam, so niedrig, daß es nicht Heilige bilden kann, wenn das Herz rein ist.

In allen Ständen

In allen Ständen kann man zum höchsten Glück aufsteigen, nämlich zur Heiligkeit; denn dazu braucht es nichts, als die Reinheit des Herzens. Und es gibt keinen Sünder, der nicht diese Herzens-Reinheit erreichen könnte; wer in diese Kirche als Sünder eingetreten ist, kann als Heiliger hinaus treten. Ein Aussätziger fiel vor Christus auf die Knie und sprach: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Der Herr entgegnete: „Ich will, sei gereinigt.“ Und in demselben Augenblick war er gereinigt von seiner bösen abscheulichen Krankheit. Ebenso leicht, noch leichter könnt ihr die Reinheit des Herzens erlangen, wenn nur das Herz will. Der Aussatz des Herzens, weit hässlicher und ekelhafter als der des Leibes, ist die Sünde. Davon könnt ihr rein werden durch ein einziges Ja, wenn ihr es von ganzem Herzen aussprechen könnt auf meine Frage: Schmerzt es euch tief, den unermesslich guten und majestätischen Gott beleidigt zu haben? Bereut ihr von Grund der Seele, so undankbar gewesen zu sein gegen Den, der euch erschaffen, der euch mit seinem Blut erlöst hat? Verabscheut ihr nicht all` eure Sünden, da sie Beleidigungen Gottes sind? Seid ihr fest entschlossen, ihn nie mehr zu beleidigen? Könnt ihr darauf von ganzem Herzen mit Ja antworten, dann ist euer Herz schon rein geworden. Also schon durch eine Regung des Herzens, durch die Liebe, die Liebe zum höchsten Gut könnt ihr die Heiligkeit erreichen – es kommt nur darauf an, bis ans Ende in dieser Liebe zu bleiben, dann folgt jenseits die Seligkeit von selbst. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 181 – S. 188

Bildquellen

  • Bitschnau Das Fest Der Heiligen: Bildrechte beim Autor

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