Das kurze Pontifikat von Petrus Cölestin V.

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Statthalter Jesu Christi regieren die Welt

Der heilige Papst Cölestin kniet in seiner päpstlichen Kleidung, die Hände zum Gebet gefaltet, den päpstlichen Kreuzstab hält er mit dem Arm

Das kurze Pontifikat von Petrus Cölestin V. (regierte 1294)

Nach dem Tode Nikolaus` IV. konnten sich die Kardinäle über eine Neuwahl wieder nicht einigen und so blieb die Kirche 27 Monate ohne Oberhaupt. Es standen sich zwei Parteien gegenüber, an deren Spitze sich die Colonna und die Orsini befanden. Endlich vereinigten sich die Stimmen aller auf den im Rufe der Heiligkeit lebenden Eremiten Petrus Morrone, den der Kardinal Latinus von Ostia vorgeschlagen hatte. Von ehrsamen und frommen Eltern in der Kampagna geboren, hatte er schon frühzeitig die Einsamkeit aufgesucht, um Gott ungeteilt dienen zu können. Der Ruf seines strengen Lebens und seiner Tugenden zog viele herbei, die sich unter seine Leitung stellten; mit diesen gründete er den Orden der Cölestiner oder Himmelsbrüder. Auf einem Berge bei Sulmona lebte er als Einsiedler in einer kleinen Zelle. Die Abgesandten der Kardinäle stiegen auf dem rauhen Pfad den steilen Berg hinan und gelangten zur Zelle des Klausners; durch ein vergittertes Fenster erblickten sie einen Greis von einigen 70 Jahren, von Fasten und Strengheiten abgezehrt und ganz blaß, mit einem struppigen Bart und von Tränen angeschwollenen Augen. Sie übergaben ihm das Wahldekret und beschworen ihn, die Wahl anzunehmen. Nachdem er eine Zeitlang auf den Knien gebetet, erklärte er sich dazu bereit, aus Furcht, gegen den Willen Gottes zu handeln.

In Aquila wurde Petrus als Papst gekrönt und nahm den Namen Cölestin V. an. Den Einzug in diese Stadt hielt er auf einem Esel. Die beiden Könige von Neapel und Ungarn hielten die Zügel. Cölestin war ein frommer, dabei schüchterner und menschenscheuer Mann, zwar nicht ohne Wissenschaft, aber doch ohne Welterfahrung. Er wurde von Karl II. von Neapel völlig umgarnt, so daß er als Werkzeug ihm diente und mehr auf ihn als auf den Rat der Kardinäle hörte. Dabei wurde sein Ansehen von der Umgebung in der empörendsten Weise mißbraucht. Während Cölestin im Innern seines Palastes sich ein Zimmer nach dem Muster seiner früheren Eremitage herrichten ließ, darin betete, fastete, sich kasteite und um die Regierungsgeschäfte sich wenig kümmerte, wurden Würden und Pfründen vergeben, Privilegien und Gunsterweisungen erteilt. Cölestin fühlte bald, daß seine Schultern für eine so schwere Bürde zu schwach seien.

Als die Kardinäle auf sein Ersuchen das Gutachten abgaben, daß ein Papst seine Würde niederlegen könne, war er hoch erfreut. Er erließ sofort eine Konstitution, in welcher er erklärte, daß ein Papst die Würde niederlegen und die Kardinäle die Abdankung annehmen können. Am 13. Dezember 1294 entsagte er vor den versammelten Kardinälen dem päpstlichen Throne mit der Begründung: „Wegen meiner Niedrigkeit, wegen besseren Lebens und ruhigen Gewissens, wegen Schwäche des Leibes und Mangel an Wissenschaft, wegen der Bosheit der Menschen, und um zurückkehren zu können zum Trost und zur Ruhe meiner früheren Lebensweise.“ Froh ergriff er wieder sein früheres Einsiedler-Leben.

Da aber sein Nachfolger mit Recht befürchtete, den gutmütigen Mann könnten Gegner mißbrauchen und ihn zu einem Schisma benützen, so schickte ihn Bonifatius VIII. unter Begleitung nach Rom voraus, und als Cölestin derselben entfloh, um sich in die Einöde zurück zu ziehen, ließ ihn Bonifatius auf das Schloß Fumone bei Anagni bringen, wo er in strengster Buße seine letzten Lebenstage zubrachte. Er starb am 19. Mai 1296 und wurde schon zu Lebzeiten vom Volk als Heiliger verehrt, im Jahre 1313 aber von Klemens V. heilig gesprochen. –
aus: P. Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste II. Band, 1907, S. 455 – S. 456

Bildquellen

  • stangl-heiliger-papst-coelestin-v: Bildrechte beim Autor
  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor
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