Heilige Messe am heiligen Pfingstfest

Am Pfingsttag kommt über die Jünger Jesu der heilige Geist: in der Mitte des Saales steht Maria, rechts und links die Apostel und Jünger; über ihrem Haupt sieht man Flammenzungen

Die heilige Messe am hochheiligen Pfingstfest

Von dem göttlichen Geist erfüllt, steht die Kirche im Begriff, den erhabenen Tribut ihrer Dankbarkeit für den heiligen Geist zu entrichten, indem sie das Opferlamm darbringt, das uns durch seine Hinopferung eine solche Gabe verdient hat. Die Worte des Einganges enthalten einen Spruch aus dem Buch der Weisheit, der heute seine Erfüllung erhalten hat. Voll Freude über die Erfüllung singt sie: „Der Geist des Herrn hat erfüllt den Erdkreis, Alleluja! Und dem, der alles zusammen hält, ist jeder Laut bekannt. Alleluja! Alleluja!“ (Weish. 1,7) „Es erhebe sich Gott, daß zerstreut werden seine Feinde, und fliehen, die Ihn hassen, vor seinem Angesicht!“ (Ps. 67,2) – Ehre sei dem Vater etc.

Gebet der Kirche.
O Gott! Der Du am heutigen Tage die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehrt hast, gib, daß wir in demselben Geist, was recht ist, erkennen und seines Trostes uns allezeit erfreuen; durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.

Lesung aus der Apostelgeschichte. Kap. 2, V. 1 – 11

siehe: Apg. 2, 1-11

Warum wurde der heilige Geist am Pfingstfest den Juden gesendet?

Weil der Pfingsttag der Juden das Vorbild des Pfingstfestes des neuen Bundes war. Wie einst das Gesetz auf Sinai unter Blitz und Donner, so ward hier unter Brausen des Windes das Gesetz der Gnade gegeben, das, weil vollkommener, an die Stelle des alten Gesetzes durch den heiligen Geist eingesetzt worden. – Zudem waren an diesem Tage Juden von allen Ländern und Sprachen versammelt und konnten Zeugen dieses Wunders und der Verkündigung des neuen Gesetzes sein.

Warum kam der heilige Geist unter sinnlich wahrnehmbaren Zeichen?

Dies geschah, um die Aufmerksamkeit zu erregen und äußerlich anzudeuten, was innerlich vor sich ging. Das Brausen des Sturmwindes sollte nach der Sprache des Propheten auf die nahende Gottheit, und daher auf etwas Außerordentliches aufmerksam machen. Die Zungengestalt deutete auf die Gabe der Sprachen, und die Zerteilung auf die Verschiedenheit der vom heiligen Geist mitgeteilten Gaben; das Feuer, das leuchtet, erwärmt und schnell um sich greift, auf die Erleuchtung, die Liebe Gottes, die Kraft und Freude, womit die Apostel und durch sie die Menschheit erfüllt werden sollten, und auf die schnelle Verbreitung des Christentums hin.

Ist dies auch wirklich geschehen?

Ja; die Apostel waren mit einem Male andere Menschen, erleuchtet und in alle Wahrheit eingeführt, befreit von aller Furcht und Zaghaftigkeit und so unerschrocken, daß sie Christus, den Gekreuzigten, allenthalben verkündeten und alle Leiden mit Freuden aus Liebe zu Ihm ertrugen. Ihre Reden wurden von allen Umstehenden, obschon diese die verschiedensten Sprachen redeten, so deutlich verstanden, als hätten die Apostel ihre Sprache genau gekannt. Und von da an verbreiteten sie das Christentum mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit. Bitte also heute den heiligen Geist, daß Er auch dich erleuchte, mit heiliger Liebe entzünde und dir die Kraft gebe, in allem Guten täglich zu wachsen.

An diesem Fest und während der ganzen Pfingstoktav betet der Priester in der heiligen Messe nach der Epistel und dem Graduale folgende herrliche Sequenz.

Pfingst-Sequenz

Komm, o Geist der Heiligkeit,
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende deines Lichtes Strahl!

Vater aller, die da arm,
Gnadenspender, Dich erbarm`
Komm, Du Licht der Herzen all!

Bester Trost bei Leid und Last,
Uns`rer Seele süßer Gast,
Labetrunk in heißer Qual!

Ruhe schenkst Du von den Müh`n,
Kühlung bei der Sonne Glüh`n,
Trost in diesem Tränental!

O Du Licht von sel`gem Schein,
O erfüll` den Herzensschrein
Deiner Gläub`gen allzumal!

Ohne dein belebend Weh`n
Kann im Menschen nichts besteh`n,
Nichts ist ohne Sündenmal!

Was befleckt ist, wasche rein,
Laß benetzt das Dürre sein,
Heil` die Wunden überall!

Beuge, was da starr und hart,
Wärme, was in Kält` erstarrt,
Leite die Verirrten all!

Gib uns, die wir mit Vertrau`n
Fest auf deine Hilfe bau`n,
Deiner Gaben Siebenzahl!

Gib uns Tugend in der Zeit,
Gib uns Sieg im letzten Streit,
Ew`ge Freud` im Himmelssaal! Amen.

(Jedesmal 100 Tage, in der Pfingstoktav jedesmal 300 Tage Ablass. Pius VI. 26. Mai 1796)

Evangelium nach dem hl. Johannes. Kap. 14, V. 23 – 31

siehe: Joh. 14, 23-31

Was lehrt uns Jesus in diesem heiligen Evangelium?

Er lehrt uns folgende große Wahrheiten:
1) Daß der heilige Geist nicht bloß in die Welt, sondern in das Herz eines jeden Menschen kommen wolle.
2) Er stellt die Bedingung auf, unter welcher der heilige Geist kommen will, nämlich, daß wir Ihn lieben und sein Wort halten.
3) Er verspricht, daß mit dem heiligen Geist auch der Vater und der Sohn in uns Wohnung nehmen werde.
4) Er belehrt uns über das Verhältnis des heiligen Geistes zu Vater und Sohn. Der heilige Geist wird vom Vater gesendet, aber Er ist ebenso vom Sohne, Er geht aus dem einen und dem andern als aus der nämlichen Quelle hervor.
5) Daß der heilige Geist den Aposteln nicht neue Lehren mitteilen, sondern sie einführen werde in die klare Erkenntnis der von Christus mitgeteilten Wahrheiten, so daß sie dieselben unfehlbar erkennen und der Welt mitteilen könnten.
6) Daß Er ihnen den wahren Frieden, d.h. das ganze Heil, das Jesus vom Himmel gebracht, und das in dem Menschen, der es aufnimmt, den wahren Seelenfrieden bewirkt, durch den heiligen Geist schenken werde.
7) Daß wir uns mit den Jüngern darüber freuen sollen, daß Jesus jetzt auch seiner menschlichen Natur nach bei dem Vater seine Verherrlichung findet.
8) Daß Er den Kampf des Fürsten dieser Welt gegen Ihn zulasse, damit Er ihn überwinde und besiege.

Wie kann Gott zu uns kommen und Wohnung bei uns nehmen, da Er doch bei allen ist durch sein Wesen, seine Gegenwart und Allmacht?

Das ist zu verstehen von einer neuen und übernatürlichen Wirkung, indem Gott bei einem Menschen, der Ihn liebt, als ein Freund einkehrt und ihn deswegen mit seiner Gnade ziert, erleuchtet, beschützt und zur Vollkommenheit führt.

Warum wird der heilige Geist ein „Tröster“ genannt?

Weil Er alle diejenigen tröstet, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, so auch die, welche auf dem mühsamen Pfad der Tugend wandeln.

Warum wird der heilige Geist ein „Geist“ und zwar der „heilige Geist“ genannt?

Weil Er vom Vater und Sohn ausgeht, gleichsam der Geist des Vaters und Sohnes, und die Quelle der Heiligkeit und aller Gnaden und Gaben ist, durch die wir heilig werden.

Was wirkt der heilige Geist in den Menschen?

Er erleuchtet sie, daß sie die Glaubens- und Heilswahrheiten und die Schönheit der Tugend erkennen; Er bewegt sie, das Erkannte zu verlangen, zu suchen, zu lieben; Er erneuert ihre Herzen, indem Er sie von Sünden reinigt, ihnen die durch Jesus erworbene Heiligkeit und Göttlichkeit verleiht und alle jene übernatürlichen Gaben und Gnaden mitteilt, durch die sie heilig und selig werden können und bringt in ihnen die wundervollsten Früchte der Heiligkeit hervor.

Welches sind diese Gaben des heiligen Geistes?

Die sieben folgenden:
1) Die Gabe der Weisheit, die uns das Himmlische mehr als alles Irdische schätzen lehrt, Verlangen nach demselben einflößt und die rechten Mittel zum Heil zeigt;
2) die Gabe des Verstandes, die uns erleuchtet, die Geheimnisse und Lehren der heiligen Religion recht zu verstehen;
3) die Gabe des Rates in zweifelhaften Fällen, die zu erkennen gibt, was man tun oder lassen und auch andern raten soll. Diese Gabe ist besonders nötig Vorstehern, bei der Standeswahl, bei verwickelten, unglücklichen Eheverhältnissen;
4) die Gabe der Stärke, welche alle Zaghaftigkeit und Menschenfurcht besiegt und den Menschen stärkt, das Laster zu hassen und die Tugend unerschütterlich zu üben und lieber Verachtung, zeitlichen Nachteil, Verfolgung und Tod zu wählen, als Christus durch Wort oder Tat zu verleugnen;
5) die Gabe der Wissenschaft, durch die der heilige Geist innerlich uns erleuchtet, daß wir uns selbst, die Fallstricke der Eigenliebe, der Leidenschaften, des Teufels und der Welt erkennen und die geeignetsten Mittel wählen, sie zu überwinden;
6) die Gabe der Gottseligkeit und Andacht, die uns Ehrfurcht vor Gott und göttlichen Dingen, und Freude am Umgang mit Ihm einflößt;
7) die Gabe der Furcht Gottes, jener kindlichen Furcht, die kein anderes Unglück fürchtet, als das, Gott zu mißfallen, und die daher die Sünde als das größte Übel flieht. –
Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 307 – S. 311

Veni Creator Spiritus (Pentecost, Sequence)

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