Unterricht von den vierzigtägigen Fasten

Von den vierzigtägigen Fasten

Was nennt man die vierzigtägigen Fasten?

Jene vierzig Tage, welche die heilige Kirche vor der Osterzeit besonders der Buße widmet.

Was hat sie angeordnet?

Die Fastenzeit vor Ostern ist apostolischen Ursprungs. Die vierzigtägige Fasten aber, wie wir sie heute haben, hat Papst Gregor der Große angeordnet.

Zu welchem Zweck ist diese Fasten verordnet?

1) Um Jesus Christus nachzuahmen;
2) um an den Verdiensten des Fastens und Leidens Christi teilzunehmen und durch diese freiwillige Abtötung, nach dem Beispiel des hl. Paulus (Kol. 1,24), an unserem Leib das, was dem Leiden Christi abgeht, zu ersetzen; nicht als wäre das Leiden Christi an sich unzureichend, sondern weil alle als Glieder, Christo, dem Haupt, ähnlich werden, sein Leben leben, also mit Ihm leiden, an seinem Leiden durch Mitleiden teilnehmen müssen, wenn sie mit Ihm verherrlicht werden wollen. Dieses Mitleiden, Mitsterben mit Christo kommt alsdann allen Gläubigen zu, weil in allen Christus gleichsam leidet, wie der hl. Leo sagt, da alle nur einen Leib bilden;
3) um das Fleisch dem Geist untertänig zu machen und seine bösen Gelüste, die wider den Geist sich auflehnen, zu besiegen, damit wir ein keusches und reines Leben führen und auf diese Weise
4) zum heiligen Osterfest und zum Genuss des göttlichen Osterlammes uns würdig vorbereiten, wie sich auch die Israeliten zum Genuss ihres Osterlammes, welches nur ein Sinnbild von dem unsrigen war, durch Kasteiungen des Leibes vorbereiten mußten, indem sie nur ungesäuertes Brot und wilde bittere Kräuter essen durften;
5) endlich, um Gott eine Genugtuung für unsere Sünden zu leisten und, wie der hl. Papst Leo sagt, die Sünden eines ganzen Jahres durch ein kurzes Fasten, dessen Dauer nur den zehnten teil des Jahres ausmacht, abzubüßen, was am füglichsten in der Zeit vor Ostern, die ganz besonders der Betrachtung des bitteren Leidens Christi gewidmet ist, geschehen kann.

Welche allgemeine Gebräuche und Zeremonien kommen in der heiligen Fastenzeit vor?

Um uns zur Trauer und Buße und zur Betrachtung des Leidens Jesu aufzufordern, läßt die Kirche die Blumen von den Altären entfernen, Abbildungen des leidenden Heilandes hinstellen, die Priester, wenn kein Fest gefeiert wird, in blauen (Anm.: gemeint sind die violetten) Gewändern den Gottesdienst halten, die Freudengesänge verstummen; sie verbietet Hochzeiten, Tänze und öffentliche Lustbarkeiten, seufzt in ihren Gebeten, Tagzeiten usw. unablässig um Erbarmung, Gnade und Hilfe zur Besserung des Lebens.

Wie soll man also die heilige Fastenzeit zubringen?

1) Man soll vorerst dasjenige beobachten, was im Unterricht vom Kirchenjahr über das Fasten gesagt worden ist. Man soll
2) die Fasten hindurch nicht nur sich Abbruch tun im Essen und Trinken, sondern auch aller sündhaften Lüste sich enthalten und , während man den Leib schwächt, den Geist durch öfteres Gebet und ernstliche Betrachtung des Leidens Christi, durch öfteren Empfang der heiligen Sakramente, öftere Anhörung der heiligen Messe, Lesung geistlicher Bücher, Betrachtung der ewigen Wahrheiten und Ausübung anderer guter Werke, besonders der christlichen Wohltätigkeit, stärken; denn man soll, wie die heiligenVäter sagen, dasjenige, was man dem Leib entzieht, den Armen geben, wenn man Nutzen davon haben will. Wer aus rechtmäßigen Ursachen nicht fasten kann, soll seine Beschwerlichkeiten mit um so größerer Geduld zu tragen sich bestreben, um wenigstens so mit dem Gekreuzigten etwas zu leiden.

„Ein wahres, gutes und lobenswertes Fasten ist es, sich des Bösen enthalten, die Zunge bezähmen, den Zorn besiegen, sich von seinen Leidenschaften trennen, die üble Nachrede meiden und die Lüge zerstören“, sagt der hl. Basilius.
„Es faste das Auge von vorwitzigen Blicken und jeglicher Unbescheidenheit, damit es durch Buße in Schranken gehalten werde, während es sonst schuldvoll frei umher schaute; es faste das Ohr von Geschwätz und müßigem Gerede, das nicht zum Heil dient; es faste die Zunge von der Ehrabschneidung, von unnützen, eitlen und leichtfertigen Worten; es faste die Hand von allen verbotenen Werken; am meisten aber faste die Seele von ihren Sünden und allem Eigenwillen“, mahnt der hl. Bernhard.

Hat man die Fasten allzeit beobachtet?

Ja, und zwar früher weit strenger als heute; denn
1) man enthielt sich nicht nur wie jetzt, vom Fleisch, sondern auch von Eiern, Butter Käse etc., ja sogar von wein und von Fischen, wiewohl dieses kein allgemeines Kirchengesetz war;
2) man fastete den ganzen Tag und aß nur des Abends nach der Vesper oder zu Nacht…
Wie sehr werden durch diesen alten Gebrauch viele von den jetzigen Christen beschämt, denen auch die so leichte zu fasten doch noch zu streng scheint! „Aber was sind dieses wohl für Christen“, fragt der hl. Ambrosius, „die ihren Leib mästen, während Christus Hunger leidet? Der keine Sünde getan hat, fastet für unsere Sünden; und wir wollen für unsere eigenen vielen und schweren Sünden nicht fasten!“

Gebet am Anfang der heiligen Fastenzeit.
Allmächtiger, ewiger Gott! Ich vereinige mich beim Anfang dieser heiligen Fasten mit der ganzen streitenden Kirche, um gemäß ihrem Geist diese Tage zu Tagen des Nachdenkens, der Buße und Kreuzigung des sinnlichen Menschen zu machen und mein Fasten und Leiden mit dem bitteren Leiden und Sterben deines Sohnes zu vereinigen. O Herr Jesus Christus! In Vereinigung mit deinen Fasten und Leiden opfere ich Dir mein Fasten auf zu deiner Ehre, zum Beweis des Gehorsams gegen die Kirche, zur Danksagung für so viele empfangenen Wohltaten, zur Genugtuung für meine und fremden Sünden, zur Erhaltung der Gnade, diese Sünde … zu meiden, diese Tugend … zu üben, endlich zum Heil der armen Seelen im Fegefeuer. Herr! Erhöre meine Bitten um deines heiligen Namens willen. Amen. –
aus: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 136- S. 138

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