Unterricht über die Versuchungen

Goffine: Unterricht über die Versuchungen

„Damit Er von dem Teufel versucht würde.“ (Matth. 4, 1)

Was ist eine Versuchung?

Ein Gedanke, eine Empfindung, eine Rede, Tat oder Eingebung, welche den Menschen reizt, gegen den Willen Gottes und das Gewissen zu handeln.

Von wem werden wir versucht?

1, Vor allem von unserer eigenen, von der Erbsünde her uns inne wohnenden Begierlichkeit und Neigung zum Bösen (Jak. 1, 14 u. 15), indem das Fleisch beständig wider den Geist gelüstet. (Gal. 5, 17; Röm. 7) 2, Durch die Welt, deren gefährliche Reize, wie Reichtümer, Ansehen, Vergnügungen, Tänze, Schauspiele, diese Begierlichkeit wecken und nähren. (1. Joh. 2, 15 u. 16) 3) Durch böse Menschen, die durch falsche Grundsätze , schlechte Bücher, freche Beispiele, Schmeicheleien, oder selbst mit Gewalt uns zum Bösen verführen wollen. So wurde der keusche Jospeh durch die Frau des Putiphar (1. Mos. 39), Job (Job 2, 9) und Tobias (Tob. 2, 20ff) durch ihre eigenen Weiber versucht. 4) Durch den Teufel, der, wie er die ersten Eltern versucht und zum Fall gebracht hat, auch Jesum versuchte und noch immer umher geht, wie ein brüllender Löwe, und sucht, wen er verschlingen könne. (1. Petr. 5, 8)

Wie versucht uns denn der Teufel?

Durch eine lange Erfahrung belehrt, bewegt er die natürliche Begierlichkeit, zu denjenigen Sünden, zu denen er im Menschen eine besondere Neigung wahrnimmt, verblendet dann und verwirrt die Einbildung so sehr, daß der Mensch weder den zeitlichen Schaden, die Schande und den Spott, welche der Sünde folgen, noch ihre Abscheulichkeit und die ewigen Strafen deutlich erkennt und deswegen sich in die Sünde stürzt. So hat er unsere erste Mutter Eva durch den Vorwitz in der Anschauung der verbotenen Frucht zur Esslust, hernach zur Hoffart und endlich zum Ungehorsam gebracht. (1. Mos. 3, 5 u. 8) Das nämliche wollte er im heutigen Evangelium an Christus wagen.

Kann uns der Teufel auch zum Bösen zwingen?

Nein; denn er ist, wie der hl. Augustinus sagt, in seinen Versuchungen einem an Ketten gebundenen Hunde gleich, der niemand beißen kann, als diejenigen, die mutwilliger Weise zu ihm hintreten. Wenn wir uns als befleißen, unsere Leidenschaften zu bezwingen und unsere Sinne, namentlich die Augen, im Zaum zu halten, um ihm nicht selbst Gelegenheit zu geben, so werden wir von seinen Versuchungen entweder ganz frei bleiben oder doch dieselben um so leichter überwinden, als Christus ihn schon überwunden hat.

Versucht auch Gott den Menschen?

Nein! Das wäre seinem Wesen zuwider. Aber Er läßt die Versuchungen zu, unserer Prüfung wegen. So wurden Job, Abraham, Joseph, die machabäischen Brüder, so durch Jesus das kananäische Weib, so die heiligen alle geprüft.

Läßt Er uns auch über unsere Kräfte versuchen?

Nein! Er läßt uns nie über unsere Kräfte versuchen, sondern Er ist in uns, streitet mit uns und gibt uns immer so viel Gnade, daß wir überwinden und aus der Versuchung noch Nutzen schöpfen können, wie wir es am hl. Paulus ersehen. (Siehe die Epistel am Sonntag Sexagesima)

Sind die Versuchungen auch schädlich?

Solange sie uns missfallen und wir in dieselben nicht einwilligen, sind sie nicht schädlich; ja, wenn wir tapfer widerstehen und sie überwinden, sind sie sogar nützlich, indem sie uns in der Tugend üben und uns eine herrliche Krone im Himmel verschaffen. (Offenb. 3)

Wann willigt man in die Versuchungen ein?

Bei einer Versuchung sind drei Dinge zu unterscheiden, nämlich die Einflüsterung des Feindes, das Gefühl oder die Empfindung, und die bestimmte Einwilligung; nur diese letztere ist Sünde. Man willigt aber nicht eher ein, als bis man wissentlich und freiwillig das Böse, das einem vorgehalten wird, zu tun beschließt. Solange man noch den geringsten Widerstand leistet, so lange willigt man noch nicht ein. So lehrt der hl. Franz von Sales in seiner Philothea. Also die Empfindung der Versuchung ist noch keine Sünde.

Welches sind die besten Mittel, die Versuchungen zu überwinden?

Es gibt allgemeine und besondere Mittel. Die allgemeinen sind:
1) Stürze dich nicht freiwillig in Versuchung; denn in einer freiwilligen Versuchung darfst du die Hilfe Gottes nicht erwarten. Fliehe deshalb die böse Gelegenheit, meide Personen, Bücher, Orte, die dich versuchen. „Wer die Gefahr liebt, wird darin umkommen.“ (Sir. 3, 27) „Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.“ (Matth. 4, 7)

2) Kommt eine unfreiwillige Versuchung über dich, so fürchte sie nicht; denn alle Menschen werden versucht, selbst an Christus wagte sich der Versucher. Du kannst sie sicher mit der Gnade Gottes überwinden; sie ist nur ein Prüfstein, ob du Gott fürchtest; sie ist die beste Gelegenheit, die ewige Krone zu verdienen; sie ist eine Schule der Tugend und ein Spiegel, worin dir Gott deine schwäche und dein Elend zeigt, damit du die Demut übst.

3) Sei allezeit zum Kampf gerüstet durch Tätigkeit, durch Wachsamkeit und Gebet, durch Abtötung und Almosengeben, durch häufigen und würdigen Empfang der heiligen Sakramente und Betrachtung der ewigen Wahrheiten. Empfang der heiligen Sakramente und Betrachtung der ewigen Wahrheiten. „Der Mensch lebt nicht allein vom Brot.“ (Matth. 4, 4)

Die besonderen Mittel sind folgende. Wenn eine bestimmte Versuchung an dich heran tritt,

1) so verliere die Fassung und die Ruhe des Herzens nicht;

2) ermutige dich zum Kampf und Sieg durch den Gedanken an die Hilfe Gottes, an deinen Fahneneid bei der heiligen Taufe („Widersagst du?“ „Ich widersage!“), an den Siegeslohn, an das Beispiel Christi und aller Heiligen;

3) widerstehe gleich im Anfang. Aber da heißt es Gewalt brauchen: „Weiche Satan!“;

4) denke an den allgegenwärtigen Gott, an die Ungewissheit des Todes, an die Strafe der Sünde, an das süße Glück, das dir schon auf Erden zu teil wird für die Überwindung;

5) bete mündlich und innerlich.

Die sichersten Mittel aber sind: Demütig sein, fasten , wachen, beten und arbeiten!
Du überwindest aber nur so viel, als du dir Gewalt antust.

In Versuchungen magst du folgende Gebete verrichten.

O göttlicher Arzt! Ändere meine Bosheiten, dämpfe den Andrang meiner bösen Neigungen und Begierden, da ich wider mich selbst weder Stärke, noch Kräfte habe. (Hl. Franz von Sales)
Göttlicher Jesus! In deine heiligen Wunden fliehe ich jetzt; gib nicht zu, daß ich Dich beleidige! (40 Tage Ablass)
O meine Gebieterin! O meine Mutter! Dir bringe ich mich ganz dar, und um dir meine Hingabe zu bewähren, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar. Weil ich denn nun dir gehöre, o gute Mutter! So bewahre mich, beschütze mich als dein Gut und als dein Eigentum!

Anrufung.
O meine Gebieterin! O meine Mutter! Erinnere ich, daß ich dir gehöre! Bewahre mich, beschütze mich als dein Gut und als dein Eigentum!

Papst Pius IX. verlieh am 5. August 1851 allen Gläubigen, welche, um mit Hilfe Mariens die Versuchungen, namentlich die gegen die heilige Reinigkeit, zu überwinden, morgens und abends eifrig und mit reumütigem Herzen ein gegrüßt seist du etc. und obiges Gebet: O meine Gebieterin! etc. nebst der Anrufung sprechen, 100 Tage Ablass einmal am Tage. – Für die Anrufung allein 40 Tage Ablass jedesmal.

Gebet.
O Herr Jesus! der Du vierzig Tage ohne Speise und Trank in der Wüste hast zubringen und dazu noch vom bösen Geist versucht werden wollen, ich bitte Dich durch dein heiliges Fasten, Du wollest mir die Gnade geben, in dieser heiligen Fastenzeit wider alle verbotene Lust zu streiten und allen Eingebungen des Satans schnell Widerstand zu leisten, damit ich die Krone des ewigen Lebens verdiene. Amen.

Betrachtung.
Jesus ermahnt die Jünger, welcher Er schlafend antraf, sich durch Gebet und Wachsamkeit gegen die Versuchung zu schützen. – Wache und bete auch du, damit du nicht der Versuchung unterliegst. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 148 – S. 150

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