Teufel

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Teufel

Teufel. I. Dogma und Bibel.

„Der Teufel und die andern Dämonen sind von Gott geschaffen worden als von Natur gut, aber sie sind durch sich selbst schlecht geworden“ (Denzinger nr. 428). Diese vom Laterankonzil 1215 so formulierte Wahrheit hat schon 447 Leo der Große in der Epistel ad Turrib. c. 6 als „fides vera, quae est catholica“ bezeichnet und aus ausdrücklich hinzu gefügt, daß dieses „schlecht“ werden nicht bedeutet, daß der gefallene Geist in eine gegenteilige Wesenheit übergegangen sei, sondern daß er „abfiel vom höchsten Gut, dem er anhangen sollte.“ Die Lehre vom Abfall des ursprünglich gut gewesenen Teufels ist Offenbarung aus Christi Mund selbst: „Jener hielt nicht stand in der Wahrheit“ (Joh. 8, 44). Der Abfall war der eines Einzigen, dem aber sofort viele sich anschlossen, die mit ihm zur Hölle verdammt wurden, wo „das ewige Feuer dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist“ (Mt. 25, 41). Judas 6 und 2. Petr. 2, 4 tragen die Lehre von der Engelsünde und dem Engelsturz übereinstimmend vor. Hieraus sowie aus dem Namen Michael („Wer ist wie Gott“), jenes Engels, der die guten Geister anführt, im Kampf gegen „den großen Drachen, die alte Schlange, die Teufel und Satanas genannt wird, der das ganze bewohnte Universum verführt, der auf die Erde geworfen wurde und dessen Engel mit ihm geworfen wurden“ (Apk. 12, 9), geht hervor, daß die Ursünde der Engel die gleiche war wie jene, zu der die Schlange die ersten Menschen verführte: Sein zu wollen wie Gott, selbst bestimmen zu wollen, was als gut und böse zu gelten hat (Gn. 3, 4f), also Stolz und Auflehnung. „Der Teufel sündigt von Anfang an“ (1. Joh. 3, 8). „Anfang aller Sünde ist der Stolz“ (Eccli. 10, 15; vgl. Tob. 4, 14). Als Anlass zur Empörung mag (so Scheeben, Mysterien 236ff) die teilweise Offenbarung des Menschwerdungs-Geheimnisses gedient haben, worin die Aufforderung lag, einen in seiner Menschennatur niedriger stehenden „Herrn, durch welchen alles ist“ (1. Kor. 8, 6) und „auf den hin alles ist“ (Röm. 11, 36), und dessen Mutter als Höchste unter allen geschaffenen Geistern anzuerkennen. Der wütende Angriff, den in Apk. 12 der Drache, der „ein Drittel der Himmelssterne hinter sich herzog und auf die Erde warf“ (12, 4), gegen die Frau und ihr Kind richtet, „das alle Völker mit eiserner Rute als Hirte weiden soll“ und das „zu Gott und seinem Thron empor gerissen wurde“ (12, 5), wird als biblische Grundlage für diese Meinung angesprochen. Die Tatsache, daß Christus selbst den Teufel 3mal als „Herrscher dieser Welt“ bezeichnet Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11), daß Paulus ihn (Gott dieser Welt) (2. Kor. 4,4) nennt, gibt der alten, seit Tertullian (Contra Marc. I.II), Laktanz, Hieronymus, Gregor d. Gr. fest gewordenen Überlieferung recht, wonach der Teufel seiner Natur nach der höchste aller Engel-Geister ist.

Um so gefährlicher ist seine Macht über alle, die sich nicht an Christus halten. Sie sind gegen seinen überlegenen Verstand, seine gottwidrigen Einflüsterungen, seine „Fallstricke“ von Natur aus die Schwächeren, wie denn auch die Stammeltern seiner List und Verführung unterlagen (siehe den Beitrag: Der Sündenfall der ersten Menschen) und Judas, sobald er sich nicht mehr an Christus hielt, von ihm zu seiner Tat getrieben wurde (Lk. 22, 3; Joh. 13, 27). Diese Gewalt Satans ist sehr ernst zu nehmen. Indem Jesus sich selbst vom Teufel entführen und versuchen ließ, bezeugte er dessen natürliche Macht, die der Versucher allerdings lügnerisch übertreibt durch die Behauptung, ihm sei die Gewalt über alle Königreiche der Erde gegeben, und er gebe sie, wem er wolle (Lk. 4, 6). Christus nennt den Teufel „einen Menschenmörder von Anfang an“ (Joh. 8, 44), siegt in ihm den Feind seines ganzen Erlösungswerkes und des Gottesreiches: er sät ihm Unkraut unter seinen Weizen (Mt. 13, 39); er darf gerade die Grundsäulen des Gottesreiches versuchen und wie Weizen sieben (Lk. 22, 31); „er nimmt das Wort hinweg aus den Herzen“ (Mk. 4, 15 u. Parall.); er und die Seinigen, die „Pforten der Hölle“, bekämpfen immerwährend die Kirche, ohne sie jedoch überwältigen zu können (Mt. 16, 18). Denn Christus hat sich ihm zur Versuchung gestellt und ihn überwunden (Mt. 4, 3-10 u. Parall.); „es kommt der Fürst dieser Welt aus seiner Übermacht geworfen (Joh. 12, 31). Jedoch bleibt nur die auf dem Felsen Petri gegründete Kirche unbesieglich, und bloß wer sich an Christus und die Kirche hält, vermag sich seinem Einfluss zu entziehen.“Widerstehet ihm tapfer – im Glauben“ (nämlich an Christus) (1. Petr. 5, 9). „Unterwerft euch Gott, widerstehet dem Teufel, so wird er vor euch fliehen“ (Jak. 4, 7; vgl. 1. Joh. 2, 14). „Wer Sünde tut, ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang. Und dazu ist der Sohn Gottes erschienen, damit er die Werke des Teufels zerstöre“ (1. Joh. 3, 8). Die Bibel bestätigt also, gegen die Leugnung oder Bespottung seitens der Rationalisten, die kirchliche Lehre von der Existenz und Gewalt des Teufels, gegen dessen Anfechtungen wir Gebet, Fasten, Gebrauch der Sakramente und Sakramentalien zu Hilfe nehmen.

Als „Ankläger und Widersacher“ (nicht als Verleumder) erscheint der Teufel im Alten Testament. Satan ist jeder Ankläger vor Gericht (Ps. 108, 6. 20. 29) und jeder Widersacher (1. Sm. 29, 4; 2 Sm. 19, 23; 1. Kg. 5, 4; 11, 14. 23. 25). Selbst der Engel des Herrn, der dem Balaam auf dem Weg entgegen trat, wird Satan genannt (Nm. 22, 22. 32). Satan gehört im Prolog des Job (1, 1-10) (…) als derjenige, der in der Versammlung der Engel vor Gott dessen Urteil über Job widerspricht und diesen verdächtigt. Die ihm von Jahwe zugewiesene Verfügungsgewalt geht über die lebensfeindlichen Mächte, Krankheit, Natur, Raub usw. Gott bedient sich seiner als des „Lügengeistes“, am Achab zu verderben (1. Kg. 22, 20-23; 2. Chr. 18, 19-22) und um David zur Zählung des Volkes zu reizen (2. Sm. 24, 1; 1. Chr. 21, 1). Aus eigener, widergöttlichen Haltung tritt er Zach. 3, 1 als Ankläger des Hohenpriesters auf, wird aber vom Herrn zurück gewiesen. Als Verführer der Menschen von Anbeginn wird Satan erstmals Weish. 2, 24 ausdrücklich bezeichnet. Die Erinnerung an diese Urzusammenhänge zwischen Teufel und Menschensünde wurde aber seit alters durch die Übergabe des Sündenbocks an Azazel, den Widersacher Gottes in der Wüste, alljährlich am Versöhnungstag neu erweckt (Lv. 16, 7-28).

An Teufelsnamen kommen in der Bibel außer Satan vor: Belial (2. Kor. 6, 15; vgl. Kinder Belials: 1. Sm. 1, 16; 2, 12; 2. Sm. 16, 7; 1 Kg. 21, 10), Beelzebul (Mt. 12, 24ff; Mk. 3, 22; Lk. 11, 15ff), der im Alten Testament nur 2. Kg. 1, 1ff als Name des Gottes von Akkaron vorkommt und von da im Neuen Testament auf den Teufel übertragen wird, Azazel (Lv. 16, 10), Leviathan (Is. 27, 1) und (als Name eines Dämons) Asmodäus (Tob. 3, 8). Viele Väter bezogen Is. 14,12, wo der König von Babylon helêl (Glanzgestirn) = Luzifer genannt und wegen seines Himmel stürmenden Stolzes ihm der Sturz prophezeit wird, auf den Teufel; so erhielt dieser den Namen Luzifer.

Im Neuen Testament lassen Jesu Worte über Beelzebul (Mt. 12, 22ff; Mk. 3, 22; Lk. 11, 15ff) oder den Teufel (Mt. 12, 26) und das Gesicht von den Heuschrecken-Dämonen und ihrem „König“ Abaddon (Offb. 9, 3-11) erkennen, daß die bösen Geister ein Reich bilden unter einem Oberhaupt, das als der Feind schlechthin (Lk. 10, 19) dem Gottesreich sich entgegen stellt. Jesus benützt es geradezu als Beweis für die Ankunft dieses Gottesreiches, daß er in Kraft Gottes die Teufel austreibt (Mt. 12, 28; Lk. 11, 20). Als der Verführer der ganzen Welt (Apk. 12, 9), als der Drache (Apk. 12, 3), die alte Schlange, als Herrscher auf einem Thron (2, 13), aber als ein mit seinem Anhang von Michael und seinen Engeln besiegter und aus dem Himmel herab gestürzter (12, 7 u. 8) erscheint er in den Gesichten der Apk., die ihre Leser für den Kampf schulen will, den der Teufel. Von 2 Untieren unterstützt, beständig gegen die Kinder Gottes führt (13, 1-17). In großem Feldzug gegen den als Reitererscheinenden Logos und seine himmlischen Kriegsscharen (19, 11-15) stürmt Satan mit dem Antichrist und dem falschen Propheten, mit den Königen und Mächten, unterliegt jedoch und wird für 1000 Jahre in Ketten gelegt. Aber nach diesen 1000 Jahren verführt er von neuem die Völkerschaften gegen die hl. Stadt (20, 7ff), wird indes jetzt endgültig in den Feuerpfuhl geworfen (20, 9ff). Nach Jud. 9 kämpfte Satan mit Michael um den Leichnam des Moses.

II. Dogmengeschichte

Die Frühkirche hielt fest an der Lehre, daß die Teufel ursprünglich gute, aber durch die Sünde in Teufel verkehrte Engel sind (Justin, Apol. 1, 28; 2, 5; Dial. n. 103; Athenagoras, Leg. c. 24) und verteidigte diese Wahrheit gegen den gnostischen und manichäischen Ur-Dualismus Jahrhunderte lang. Tertullian (de pat. c. 5) und Cyprian (De zelo et livore) sahen im Neid Satans gegen die Menschen, Augustin (De Gen. Ad lit. 11 c. 14 und c. 23) in dem diesem Neid zu Grunde liegenden Stolz des Teufels Ursünde. Daß die Teufel wie die Engel als materielle, hauchartige Leibeswesen angesehen wurden, hing mit der damals vorherrschenden stoischen Naturphilosophie zusammen. Deshalb werden sie im Exorzismus durch symbolisches Anblasen vertrieben, wie dies noch heute im Taufritus erfolgt, im Altertum aber viel öfter geschah, so daß die Kirche früh ein Amt des Exorzistates schuf. Allein diese materielle Vorstellung blieb immer verbunden mit der geistig-sittlichen Lehre, daß der Täufling dem Teufel und seiner „pompa“ entsagen müsse (vgl. Taufritus). Schließlich hat die Kirche in konziliaren und päpstlichen Entscheidungen die ursprüngliche Güte und Engelsnatur der Teufel dogmatisch verteidigt, 553 gegen die Origenisten, 561 zu Braga gegen die Priscillianisten (Denzinger 237), 1208 in der Professio fidei gegen die Waldenser (ebd. 427), 1215 auf dem 4. Laterankonzil (ebd. 428). Auch abergläubische Vorstellungen über die Teufelsmacht hatte die Kirche zurück zu weisen, so 1140 zu Sens gegen Petrus Abaelard (Denzinger 383), 1687 gegen Michael de Molinos (ebd. 1261) und 1887 gegen Antonio Rosmini (ebd. 1923). –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. X, 1938, Sp. 10 – Sp. 14

Tanz
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