Autonomie

  1. Start
  2. Irrlehren
  3. Autonomie

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Autonomie

Autonomie des Willens, das von Kant namentlich dem Utilitarismus eines Hume und Wolff gegenüber gestellte Moralprinzip: Letztere Quelle des sittlichen, des kategorischen Imperativs ist der menschliche Wille selbst; seine Bestimmung durch außer ihm liegende Beweggründe, auch durch göttliches Gesetz, Glückseligkeit, Gemeinwohl, ist als Fremd-Gesetzlichkeit (Heteronomie) abzuweisen; die Befolgung eines fremden Gesetzes ist nur dann sittlich (nicht nur legal), wenn es von dem eigenen autonomen Willen als vernünftig auf- und angenommen wird. Im Sinne dieser sittlichen Autonomie des Willens haben auch Fichte (System der Sittenlehre), Hegel, Schelling und die meisten modernen Moralphilosophen ihre Systeme entwickelt und die autonome Moral (Laienmoral) begründet, die eine religiöse Begründung der Moral, ihre Herleitung von einem göttlichen Gesetz ablehnt.
Ohne Zweifel ist die sittliche Güte einer menschlichen Handlung davon abhängig, daß der Mensch aus innerer Überzeugung und mit freier Hingabe des Willens das gute verrichtet. Bloß äußere Erfüllung ohne innere Zustimmung ist Sklavendienst und auch mit dem Christentum im Widerspruch, das auf die innere Gesinnung den Hauptwert legt. Daß aber endgültig nur des Menschen eigener Wille und eigenes Gesetz den letztenGrund alles sittlichen Handelns bilden dürfe, könnte nur dann behauptet werden, wenn der Mensch in seinem Sein und Streben völlig autonom und nicht einem Schöpfer und dessen göttlichen Willen unterworfen wäre, wie das Christentum es lehrt. Daher steht die autonome Moral im Gegensatz zu grundlegenden christlichen Wahrheiten. Danach schafft nicht unsere Vernunft den sittlichen Imperativ, sondern verkündet ihn uns nur, und zwar als Lebensordnung, die dem Geschöpf vom Schöpfer gegeben ist. Sie entspricht des Geschöpfes innerstem Wesen (Augustinus: lex intima) und erscheint daher nicht als etwas Heteronomes, wenn sie auch zuweilen zu unserem sinnlichen Triebleben in Gegensatz tritt. Aus dem göttlichen Ursprung erklärt sich die wesentlichen Unveränderlichkeit des Sittengesetzes und seine alles überragende Autorität. Diese bleiben unerklärlich, wenn man den sittlichen Imperativ nur auf Selbstverpflichtung des Willens zurück führt, die übrigens an einem innern Widerspruch leidet. Wie die moderne Entwicklung der Ethik beweist, führt die Autonomie zum Subjektivismus.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, S. 856

Buch mit Kruzifix
Antinomismus
Buch mit Kruzifix
Naturalismus

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Naturalismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Naturalismus Naturalismus bedeutet etwas Verschiedenes, je nach dem Begriff von Natur, den man zu Grunde legt. 1) Natur im Unterschied von Übernatur. Der Naturalismus in diesem Sinne leugnet jede Beziehung des Menschen zu einer…
Buch mit Kruzifix

Günther

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Günther Günther, Anton, Begründer der sogenannten Wiener theologischen Schule und des Güntherianismus, *17.11.1783 zu Lindenau (Böhmen), †24.2.1863 zu Wien; studierte Philosophie und Rechte in Prag (Schüler Bolzanos) und (auf Rat des hl. Klemens Maria…
Buch mit Kruzifix

Galerius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Galerius römischer Kaiser und Christenverfolger Galerius, eigentlich Cajus Galerius Valerius Maximianus, römischer Kaiser. Illyrier von niederer Herkunft, tüchtiger Soldat und Heerführer, aber von barbarischen Sitten, fanatischer Heide und Christenfeind. Diokletian machte ihn 1.3.293 zum…
Buch mit Kruzifix

Skapulier

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Skapulier Skapulier (scapulare = Schulterkleid) bezeichnet 1) einen breiten, über Brust und Rücken bis zu den Füßen herab fallenden Tuchstreifen, den manche Orden, so die Benediktiner(vgl. Revue Bén 1921, 58/61) und Dominikaner als Teil…
Buch mit Kruzifix

Waldenser

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Waldenser Waldenser, auch Waldesier, mittelalterliche Sekte, benannt nach ihrem Stifter Waldes (Valdus, Valdesius) – der Vorname Petrus wird erst 1368 erwähnt – aus Lyon. Nach den sich ergänzenden Berichten im Chronicon universale anonymi Laudunensis…

Weitere Lexikon-Beiträge

Es wurden keine Ergebnisse gefunden, die deinen Suchkriterien entsprechen.
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner