Abtötung

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Abtötung

Abtötung bezeichnet in der kirchlichen Sprache jene Übung, die auf Beherrschung und Unterdrückung der ungeregelten Triebe hinzielt, die im Menschen als einem geistig-sinnlichen Wesen sich geltend machen. Sie wird unterschieden in äußere und innere Abtötung: erstere bezähmt die körperlichen Triebe und handelt der körperlichen Lust entgegen durch Entziehung des Zusagenden und durch Zufügung von Unlust und Schmerz; die innere Abtötung besteht in der Niederkämpfung der Leidenschaften, nicht nur insofern sie sich auf Unerlaubtes richten, sondern auch innerlich des Erlaubten , um desto leichter bei Versuchungen zu Unerlaubtem den Sieg zu sichern. Die christliche Aszese hebt die Abtötung als notwendig hervor, weil ohne Überwindung im Erlaubten die Überwindung bei Unerlaubtem fehlen wird (vgl. Gal. 5,24; Kol. 3,5). Der Leib mit seinem Triebleben ist von Gott geschaffen und daher gut (1. Tim. 4,4), aber er ist nicht Eigenwesen, sondern Werkzeug der Seele, die ihn beleben und leiten soll. Auch er ist durch die Seele in den Dienst Gottes zu stellen (Röm. 6,13), ja er wird durch die Teilnahme an den Sakramenten, besonders an der hl. Eucharistie, zu einem Tempel des Hl. Geistes und zur Teilnahme an der ewigen Seligkeit vorbereitet. Diese christliche Auffassung ist gleich entfernt von sektenmäßigem Haß und Verachtung des Leibes wie von seiner Vergötterung im Sinne des modernen Heidentums. Gemäß den Worten Christi, der von seinen Nachfolgern Selbstverleugnung fordert (Mt. 16,24-25), spricht Paulus (Röm. 8,12-13) ausdrücklich davon, daß der Christ, damit er lebe, „nicht nach dem Fleisch lebe, sondern durch den Geist die Werke des Fleisches ertöte“. Ohne Abtötung ist eine Nachfolge Christi unmöglich. Sie bekämpft nicht den Leib, sondern die Sünde im Leib (Augustinus, De doctr. Christ. 1,24), eine notwendige Folgerung aus der Tatsache der Erbsünde. Sie will keine Verkümmerung des natürlichen, gesunden Lebens, vielmehr nur die Unterwerfung der Materie unter den Geist und damit Harmonie zwischen Leib und Seele. Daraus ergeben sich ihre Einzelforderungen. – S. Thomas 2,2, q. 25, a. 5. F. Mutz, Aszetik (1923) und andere Lehrbücher der Aszetik. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 54

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