Unterricht über das Kreuzmachen

Unterricht über das heilige Kreuzzeichen

Ist das Kreuzmachen ein alter Brauch?

Der Gebrauch des heiligen Kreuzzeichens ist uralt. Schon der heilige Ignatius, ein Schüler der Apostel schreibt: „Das Zeichen des heiligen Kreuzes ist die Trophäe wider die Macht des Fürsten der Welt; wenn er es sieht, erschrickt er; wenn er davon hört, so fürchtet er sich.“ Tertullian († um das Jahr 240) sagt: „Was wir immer tun, sei es, daß wir eine Reise antreten oder fortsetzen, aus- oder eingehen, uns an- oder auskleiden, uns waschen oder zu Tisch setzen, das Licht anzünden, uns legen oder setzen, so bezeichnen wir die Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes. Freilich steht davon nichts in der heiligen Schrift; die Tradition hat es aber eingeführt, die Gewohnheit bekräftigt, der Glaube beobachtet.“ Der hl. Hieronymus glaubt sogar, daß Christus der Herr bei seiner Auffahrt seine Jünger mit dem Kreuzzeichen gesegnet habe, welche Ansicht der hl. Cyprian teilt, indem er sagt: „Du, o Herr! Gabst uns das Zeichen des Kreuzes und das Beispiel der Abtötung.“

Wann soll man das heilige Kreuzzeichen machen?

Besonders soll man es machen: 1) Am Morgen, sobald man erwacht; 2) abends, wenn man sich schlafen legt; 3) vor nach dem Gebet; 4) wenn man ein wichtiges Geschäft anfängt; 5) wenn man in einer Gefahr des Leibes oder der Seele ist. – Möchten doch ganz besonders die Mütter ihre Kleinen recht früh das heilige Kreuzzeichen machen lehren und daran den ersten Unterricht in der heiligen Religion knüpfen!

Warum bezeichnen wir uns beim Evangelium und vor der Predigt mit dem Kreuzzeichen?

Damit uns Gott durch die Kraft des Kreuzes, d. h. durch die Verdienste Christi, des gekreuzigten, die Gnade gebe, 1) das Evangelium recht zu verstehen und uns desselben nicht zu schämen; deswegen bezeichnen wir mit demselben die Stirn; 2) mit dem Mund es zu bekennen, damit auch Christus uns einst vor seinem himmlischen Vater bekenne; darum bezeichnet man damit den Mund; 3) es mit dem Herzen zu lieben und im Werk auszuüben; deshalb bezeichnet man die Brust.

Warum machen die Priester beim Gottesdienst das Kreuzzeichen über das Volk?

Damit den Christen der reiche Gnadensegen mitgeteilt werde, welchen uns Christus durch das Kreuz erworben hat, wie der hl. Paulus sagt: „Gelobt sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns mit allem geistlichen Segen und himmlischen Gaben in Christo gesegnet hat.“ (Ephes. 1,3) Ein Vorbild dieses Gebrauches gab der Patriarch Jakob, der die zwei Söhne Josephs, Ephraim und Manasses, mit gekreuzten Händen gesegnet hat. (1. Mos. 48,14) Dieser Gebrauch ist auch in der Kirche schon sehr alt. So gebot z.B. der Kirchenrat von Agde im Jahr 506, daß das Volk nach dem Gebet von dem Priester mit dem Segen entlassen werde.

Wie soll man das heilige Kreuzzeichen machen?

Es hat nur dann seine segensreiche Wirkung, wenn es nicht als eine bloß äußerliche Sache, wenn es nicht gedankenlos und eilfertig, sondern mit innerer Aufmerksamkeit und Andacht, mit gläubigem Vertrauen auf die Verdienste Jesu Christi und auf den Schutz der heiligen Dreifaltigkeit verrichtet wird. Gar manche machen das Kreuz nur aus Gewohnheit, ohne Ernst und innere Erbauung; noch andere fahren hastig über das Gesicht herab und sprechen die heiligen Worte undeutlich oder unvollständig aus. Diese alle haben von ihrem Kreuzmachen keinen Nutzen, ja, sie versündigen sich sogar, weil sie dem Zeichen, an dem ihr göttlicher Erlöser für sie geblutet hat, so wenig Ehrerbietung erweisen, daß sie dabei ohne innere Regung bleiben und sich nicht einmal die Mühe nehmen, dasselbe mit Ernst nachzubilden, und weil sie die allerheiligste Dreifaltigkeit, der sie alle Gedanken, Worte und Werke aufopfern sollten, auf geringschätzige Weise behandeln. Vergiß also niemals, daß erst der geist des Kreuzmachens ihm seinen wahren Wert verleiht, und erwecke jedesmal, so oft du dich mit dem heiligen Kreuz bezeichnest, Andacht in dir. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 578 – S. 579

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