Offene Entstellung der katholischen Wahrheit

Ein gemaltes Bild von Papst Pius IX.

Syllabus Pius IX. gegen die Entstellung der katholischen Wahrheit

Sturmwind der Welt gegen die katholische Wahrheit

… Das ist das offene Wegleugnen oder die offene Entstellung der katholischen Wahrheit. Solcher Lügen ist eine Unzahl in der jetzigen Welt… So steht sie da, die heilige göttliche Wahrheit des Christentums, angeschwärzt und verleumdet, wie ehedem die keusche unschuldige Susanna von den beiden alten wüsten Juden. Da hat Gott ihr einen Daniel gesendet in unseren Tagen, der Gericht hält. Es ist der Papst Pius IX. Er hat sich erhoben in seiner Vollmacht und Weisheit und sich der verleumdeten Wahrheit angenommen und sie verteidigt. Er hat die ärgsten und schmählichsten Lügen gesammelt und zusammen geschrieben und ein Verzeichnis davon gemacht und vor aller Welt diese Lügen offen dargelegt. Das ist der Syllabus, ein Register der vornehmsten Irrtümer und Lügen aus unserer Zeit. Es sind darin achtzig Stück an den Pranger gestellt. Der unfehlbare Lehrer der heiligen Kirche ist zu Gericht gesessen über die falschen Ankläger und über ihre lügenvollen Anklagen gegen die heilige reine Wahrheit der katholischen Kirche, und seine Rechtserkenntnis lautet auf „schuldig“; es sind Grundsätze, die schuldig sind der Lüge und des Irrtums, schuldig der Verführung der Völker und Fürsten, schuldig der Feindseligkeit gegen die Kirche, schuldig des Untergrabens der gesunden Fundamente jeder menschlichen Gesellschaft, schuldig vielfach der Gotteslästerung, schuldig der Herabwürdigung des Menschen und seiner Würde.

So hat Pius IX. geurteilt und es weiß jetzt jeder Katholik, wo die Wahrheit und wo die Lüge ist. So haben es die römischen Päpste immer gehalten; so oft die Macht der Lüge, die alte Schlange, wieder einmal ihr Maul aufgetan, die Menschen zu verführen, haben sie dagegen ihre Stimme erhoben, die Wahrheit verteidigt und der Schlange auf den Lügenkopf getreten.

In dem Sendschreiben, mit welchem der heilige Vater die Verurteilung jenes Lügenregisters an die katholischen Bischöfe geschickt hat, sagt er:

„Unsere Vorfahren haben ohne Unterlaß mit apostolischer Kraft den nichtswürdigen Umtrieben schlechter Menschen Widerstand geleistet, welche wie die Wogen des wildbewegten Meeres ihre eigenen Schändlichkeiten aufschäumen und Freiheit verheißen, während sie doch selber Knechte sind, und so mit ihren verdorbenen betrügerischen Meinungen und höchst gefährlichen Schriften dahin gearbeitet haben, die Grundlagen der katholischen Religion und der bürgerlichen Gesellschaft zu untergraben, alle Tugend und Gerechtigkeit zu beseitigen, aller Geist und Herz zu verderben, die Unvorsichtigen und namentlich die unerfahrene Jugend von der rechten Zucht abzulenken und sie elendiglich zu Grunde zu richten, in die Schlingen des Irrtums zu verstricken und endlich dem Schoße der katholischen Kirche zu entreißen.“

Ich will dir jetzt die Ehre antun und dich für so aufgeklärt und vernünftig halten, daß du selber im Stande bist, den Unsinn und den Betrug gleich zu sehen, wenn ich dir da aus dem „Lügenregister“ ein paar solcher hirnrissiger Ansichten zur Schau stelle und deinem gerechten Spott preisgebe, wie Daniel die falschen Ankläger der gerechten Susanna dem Fluch und der Verwünschung des Volkes preisgegeben. Ich sage nicht ohne Grund „deinem Spott“ – denn du wirst gleich sehen, man kann solche Sachen nicht anhören, ohne zu lachen darüber. Es mag dir leicht der Gedanke kommen, ob denn überhaupt ein Mensch solche ungeheuere Torheiten und Verkehrtheiten je gesagt habe, weil sie einmal zu dumm seien. Aber merk dir; der Papst hat diese ungeheueren Verkehrtheiten nicht aus der Luft gegriffen, sondern aus den gedruckten Büchern genommen, und zwar (was gar merkwürdig ist) einen großen Teil der achtzig Ungeheuer gerade aus den Büchern und Schriften von deutschen Gelehrten.

Wenn es dich etwa wundert, warum denn eigentlich diese Gelehrten so verkehrt reden und schreiben, und was sie denn gewinnen, wenn sie ganz offen ihren schwachen Verstand sehen lassen, und woher denn überhaupt so viel Lügen kommen können, …; ich will nur auf einiges hindeuten.

Erstlich ist gegen die Wahrheit nicht anzukämpfen mit Wahrheit; also bleibt nur der Hinterlader der Lüge und des Betruges übrig. Wer aber lügt, redet gegen die Vernunft und das kann nie anders ausfallen als dumm, auch wenn es ein Professor mit Bart und Augengläser sagt. So kommt es, daß die Herren in ihrem tollen Anrennen an den Felsen der Wahrheit sich das Gehirn schwer verletzen und irrsinnig und unsinnig werden.

Es gibt Leute, die ihre Zunge und ihre Feder verkaufen; wer mehr gibt, der hat sie. … Es braucht einer Geld oder Anstellung oder großes Ansehen, oder es soll eine fatale Geschichte vertuscht werden. Flugs sitzt er bei der Partei der öffentlichen Lügner und singt oder geigt oder bläst beim Lügenkonzert. Oder zieht wenigstens den Blasebalg dazu. Die Partei der Unwahrheit ist immer zahlreicher als die Freunde der Wahrheit sind. Er hat daher bei derselben vielmehr Hoffnung auf Hilfe; und um die Wahl der Mittel braucht dem nie bang zu sein, der lügen will…

Pilze wachsen meist nur auf Moder und je mehr Fäulnis, desto mehr gedeiht darauf der Pilz. Desgleichen wo ein Mensch sittlich modert und in Fäulnis übergegangen ist, da wächst der Lügenpilz am besten. Natürlich. Wer recht handelt, braucht die Wahrheit nicht zu fürchten; aber das Laster ist immer lichtscheu gegen die Wahrheit, darum schlägt es mit aller Gewalt aus gegen sie in Wort und Schrift und Erziehung und Tat. Findest du also jemand, der so mit vollem Bewusstsein in Lügen macht und mit Lügen loszieht gegen die katholische Lehre und gegen katholisches Recht, so sei überzeugt, dem sitzt ein Düngerhaufen im Herzen und die Lüge ist nur die stinkende Ausdünstung davon. Genau so war es bei den zwei falschen Anklägern der Susanna; ihre Verleumdung ist die unsaubere Blüte ihrer Unlauterkeit.

Es sind das Leute, welche das Volk leiten und führen und regieren. Da sitzen in ihrem Kopf allerhand politische Pläne und Ränke, zu deren Ausführung sie allein sich zu schwach finden. Nun wissen sie aber recht wohl, welche Macht die katholische Kirche zur Leitung und Führung der Geister hat; da möchten sie jetzt gerne, die Kirche soll mit ihrer Macht ihnen helfen, Ränke zu vollbringen…

Und wieder haben sie gefordert, „der Papst könne und solle sich mit dem Fortschritt, mit dem Liberalismus und mit der modernen Bildung aussöhnen und verständigen.“ (Syllabus Nr. 80) Aber der Papst sagt: Das darf nicht sein, das tue ich nicht. Darüber nun, daß die Kirche sich nicht fügen, nicht Staatsdienste tun, nicht den Gelüsten der Volksführer und Regierer sich hingeben will, werden diese Leute wütig und schmieden nun Lügen und Verleumdungen gegen Papst und Kirche und katholische Wahrheit; der Papst, die Katholiken sind Feinde des Fortschrittes, der Kultur, sind staatsgefährlich, Empörer gegen die Regierung und ihre Gesetze usw.

…endlich ist nicht zu vergessen, daß einer lebt, der aus purer Bosheit und Schlechtigkeit und Haß gegen die Menschen selber lügt, und zur Lüge reizt und Lügen stiftet und ein ganzes Beamtenheer von lauter Lügnern unterhält. Das ist der lebendige Teufel, der Vater der Lüge, mitsamt seiner Familie im Unterhaus der Hölle, wie im Oberhaus der Erde. Das erste Gebot und Staatsgesetz im Reiche Satans heißt: Lügt doch und lügt nur wacker; etwas bleibt immer hängen… Wollte man das Bild von gewissen Herren auf den hohen und niederen Schulen und gewisser öffentlicher Redner bei Wahl- und anderen Versammlungen, so wie des ganzen Regimentes der „Skandalpresse“ malen, so müsste man eine Fledermaus mit dem Teufelsgesicht an ihr Ohr malen; denn sie werden von untenherum vom Satan „inspiriert“.

Nach alledem wirst du dich also nicht mehr wundern, weder über die Masse von Lügen und Irrtümern, noch über die ungeheuere Dummheit vieler derselben. Und so magst du ohne Gefahr ein Dutzend solcher Modelügen anhören, du wirst es auch ohne meine Auslegung denselben auf den ersten Blick ansehen, wie falsch, wie blöd, wie unsinnig und mitunter wie wahnsinnig sie seien.-
aus: Franz Ser. Hattler SJ, Wanderbuch für die Reise in die Ewigkeit, II. Band, Dritter Teil Warnungstafeln, 1884, S. 164 – S. 170

Bildquellen

  • Stangl Pius IX: Bildrechte beim Autor

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