Syllabus die Wahrheit gegen die Lüge

Papst Pius IX. in seiner päpstlichen Kleidung sitzend, mit der Abfassung des Syllabus die Verwerfung des Liberalismus und damit auch des Modernismus.

Syllabus von Pius IX. – Wahrheit gegenLüge

Sieben Beispiele

Läuft ein Gassenbube daher und schreit dich an: „Lauf lauf, die Donau brennt.“ – Gelt, du findest es unter deiner Würde, auch nur eine Miene um seinen schlechten Witz zu verziehen. Aber ein noch viel elenderer Witz, ein fader, abgedroschener Strohwisch ist…, welche sagt: „Es steht jedem Menschen frei, Religion zu haben, wie es seinem Kopf zusteht, und jede Religion führt zum Himmel!“ (Syllabus Nr. 15,16) Es ist nur gut, daß nicht diesen Narren die Schlüssel des Himmels anvertraut sind, sonst käme im Himmel eine Gesellschaft zusammen, daß kein ehrlicher Wilder unter ihr bleiben möchte.

„Der Staatsgewalt steht es zu, zu bestimmen, was die Kirche für Recht hat.“ (Syllabus Nr. 19) Ja wenn die Kirche Menschenwerk wäre, so aber nicht. Demjenigen, der gesagt hat: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden“, vorschreiben wollen, wie und was er seiner Braut, der katholischen Kirche für Gewalt und Recht geben soll, heißt so viel, als wenn der Stadtschreiber hinter seinem Tintenfass den Schnauzbart dreht und zur Sonne drohend sagt: „Ich werde dir bestimmen, wann und wo du aufzugehen, zu stehen und zu scheinen hast.“

Das ist Größenwahnsinn! –

Da steht die katholische Kirche seit achtzehnhundert Jahren in Amt und Würde, in die sie ihr Stifter Christus Jesus gesetzt. Sie sagt und lehrt: Christus hat nur eine Kirche gestiftet und zwar für ewige Weltzeit; die eine Kirche muss also auch jetzt noch da sein und muss die wahre sein; und diese allein wahre Kirche Christi bin ich.“ So lehrt die katholische Kirche und weist jedem, der lesen und denken kann aus den Akten nach, daß es so sei. Da stehen jetzt so Wasserköpfe in der Welt herum auf und protestieren und schreien: „nichts da; die katholische Kirche hat kein Recht zu sagen und zu beweisen, daß ihre Religion die einzig wahre Religion sei.“ (Syllabus Nr. 21) Aber wenn sie es nun einmal ist, was soll sie denn sagen? Soll sie vielleicht aus Furcht oder Respekt vor diesen Strolchen gar lügen und sagen: „ich bin die falsche Religion?“ Dieses hat überhaupt noch nie eine Religion von sich gesagt, die protestantische nicht, die calvinische nicht, die türkische nicht und die heidnische nicht; – alle sagen wenigstens, sie seien die wahre; nur die katholische Kirche soll das nicht sagen dürfen, trotzdem sie es wirklich ist.

Das Christentum hat nun allbekannt das abscheuliche Götzentum abgeschafft mitsamt dessen Lastern und Menschenopfern; das Christentum hat die Sklaverei aufgehoben, hat dem Weibe seine Menschenwürde zurückgegeben, hat die Kinderzucht geadelt, hat den Tyrannen feste Grenzen gezogen, hat die Arbeit geheiligt, die Armen wie eine Mutter besorgt, die besten Künstler in ihrem Dienst gehabt, die wilden Völker zivilisiert; das Christentum verbietet die kleinste Lüge, den geringsten Betrug, die winzigste Verstellung, verbietet sogar über den anderen freventlich zu denken; verbietet den Ungehorsam gegen gesetzliche Obrigkeit und so weiter. Das ist das Christentum, das ist die Lehre der katholischen Kirche. Was muss demnach derjenige für ein schlechter, grundverdorbener Mensch sein, der da sagt: „Die Lehre der katholischen Kirche ist für das Wohl und die Interessen der menschlichen Gesellschaft gemeinschädlich.“ – (Syllabus Nr. 40)

Das kann nur der Vagabund, der Lastermensch sein, der sich durch die Lehre der katholischen Kirche gehindert sieht in Ausübung seiner Schlechtigkeiten.

Du wirst meinen, ich trieb jetzt nur Spaß mit dir; einen solchen Unsinn könne doch niemand am offenen Tage sagen. Aber die Lehre, von der ich da rede, ist leider kein Spaß, sondern blutiger Ernst; und sie wird von Machthabern gepredigt und ausgeführt vor unseren Augen; es ist die Lehre „von den vollbrachten Tatsachen“, – die Lehre: was einer tut ist Recht, oder wie es im Syllabus heißt: „alle menschlichen Tatsachen besitzen Rechtskraft.“ (Syllabus 59) Man raubt zum Beispiel dem Papst den Kirchenstaat; und darum, weil der Raub geschehen ist, soll nun der Kirchenstaat der italienischen Regierung gehören und zwar mit Recht. Das heißt mit anderen Worten, wenn ich`s gut verstehe; „das Stehlen ist zwar Unrecht; aber das Gestohlen-Haben ist Recht“. „Das Töten ist unrecht; aber das getötet haben ist Recht“; den regierenden Fürsten und die rechtmäßige Regierung stürzen ist unrecht; aber sie gestürzt haben, die vollbrachte Tatsache ist Recht; denn: „eine tatsächliche Ungerechtigkeit mit Erfolg gekrönt ist keine Verletzung der Heiligkeit des Rechtes.“ (Syllabus Nr. 61)

(Syllabus Nr. 55) „Die Ehe ist kein Sakrament“ sagen alle Ehebrecher und ihre Effilierten aus Sodoma und Gomorrha.

Damit du diese letzte Lüge leicht verstehst, will ich dir erst allerhand anderes vorlügen; paß nur auf: Ich sage und lüge also: Wenn man faules Obst zu frischem gibt, so schadet das gar nichts; das faule Obst steckt das frische nie an!

Wenn man eine Kuh, die an der Viehseuche krankt, in einen Stall stellt, wo gesundes Vieh steht, so schadet das dem gesunden Vieh gar nichts; es wird nie angesteckt…

Wenn du ein braves Kind unter Spitzbuben bringst, so führt das gar nicht dazu, dem Kind die Pest der Verderbnis beizubringen; denn schlechtes Beispiel verführt niemand.

Hast du genug an Lügen, mein lieber Leser? Ich denke wohl, und es ekelt dich schon an, noch mehr zu hören. Nun, so wirst du auch Pfui sagen zu der (…) Lüge, die lautet: „Wenn in dem Staat alle das Recht haben, jede beliebige Meinung und Ansicht öffentlich kund zu geben, so ist deswegen keine Gefahr, daß die Sitten und Herzen des Volkes leichter verführt und die Pest der religiösen Gleichgültigkeit verbreitet werde!“ (Syllabus Nr. 79)-
aus: Franz Ser. Hattler SJ, Wanderbuch für die Reise in die Ewigkeit, II. Band, Dritter Teil Warnungstafeln, 1884, S. 170 – S. 176

Bildquellen

  • Gueranger Pius IX: Bildrechte beim Autor

Verwandte Beiträge

Offene Entstellung der katholischen Wahrheit
Kirchenlexikon Stichwort Syllabus von Pius IX.
Menü