Predigt am Pfingst-Sonntag: Wie der Satan die Seinigen firmt
„Es kommt aber der Fürst dieser Welt; hat aber keinen Anteil an mir.“ (Joh. 14)
Die Kirche Gottes, das Reich des Lichtes, feiert an dem heutigen Tag das Fest ihrer Stiftung, d. h., wenn gleich seit den Tagen der Schöpfung wir Menschenkinder berufen sind, gemeinschaftlich Gott zu ehren, zu lieben, Ihm zu dienen und der Herr zu diesem Zweck an die Menschen seine Boten abgesendet, um sie den Weg des Heiles zu leiten, so gibt es von der anderen Seite auch ein Reich der Finsternis, welches das Reich Gottes, das Reich des Lichtes bekämpft, die Seelen zu verblenden und zu verderben sich bemüht und alles aufbietet, um in den Ehren der Menschen das Reich der Tugend zu zerstören und das der Sünde zu bekräftigen und zu verbreiten.
Das Haupt des Reiches des Lichts ist Christus – das des Reiches der Finsternis ist Luzifer.
Die heiligen Väter nennen ihn mit Recht den Affen Gottes.
Luzifer wünscht nämlich die Ehre, die Gott gebührt, sich selbst zuzuwenden, und wissend, dass Gott in seiner Weisheit die wirksamsten Mittel anwendet, um das Ziel zu erreichen, wofür Er den Menschen erschuf, so trachtet er, Gott nachahmend, in ähnlicher Weise am Verderben des Menschen zu arbeiten.
Was er in dieser Beziehung besonders zu bewirken wünscht, ist dies, dass die Menschen seinem Rat nicht nur für eine Zeit folgen, sondern im Bösen verhärten und zu Grunde gehen.
Da nun der heilige Geist besonders durch seine charakteristischen Gaben die Guten im Guten zu befestigen trachtet, so sucht Luzifer durch die diesen Gaben entgegengesetzte Stimmung die Bösen im Bösen zu befestigen.
Das nenne ich die Art und Weise, wie der Satan die Seinigen firmt, und weise heute hin auf den Charakter dieser Teufels-Firmung und deren sieben im Bösen befestigenden Gaben.
O Maria, zärtlichste der Mütter, erbitte uns die Gnade, uns zu retten, solange wir noch Zeit und Gelegenheit dazu haben.
Ich rede im heiligsten Namen Jesu, zur größeren Ehre Gottes.
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Der Sünder aber, wenn er in die Tiefe kommt, verachtet. So versichert der heilige Geist, und in diese Tiefe des Abgrundes sucht der Satan die Sünder zu ziehen, so dass denselben endlich nichts mehr daran liegt, ob sie selig werden oder nicht.
Ich sagte, der Satan trachtet auch, so viel er nur kann, den Menschen zu diesem Stand der Verhärtung zu bringen und im Bösen zu befestigen; denn sei es auch, dass er den Menschen zum Fall in die Sünde bringe, wenn derselbe sich wieder aus derselben erhebt, so hat er dennoch verlorenes Spiel.
Es sucht demnach dem Menschen gerade die den sieben Gaben des heiligen Geistes entgegengesetzte Stimmung einzuflößen, auf dass derselbe im Bösen für immer gefirmt und befestigt werde. Ich sagte in dieser Beziehung: die erste Gabe des heiligen Geistes ist die Furcht Gottes; dass der Mensch eigentlich nur eines fürchte, nämlich die Sünde, Gott zu beleidigen. Auf diese Weise wird das Kind Gottes im Dienst Gottes gefirmt und befestigt.
Was tut nun der Satan, um den Sünder im Bösen zu firmen und zu befestigen? Ich antworte: Er trachtet, so viel er kann, den Sünder zu überreden: Sünden seien nur menschliche Schwächen, die kaum der Rede wert seien, wenn nicht äußerliche, zeitliche Nachteile damit verbunden sind. Dabei sucht er sie durch Menschenfurcht in einer Weise einzuschüchtern, dass sie zu jeder Zeit und unter allen Umständen es lieber vorziehen, Gott als den Menschen zu missfallen.
Wehe dem, dem der Satan diese Stimmung eingeflößt; der ist im Bösen gefirmt.
Die zweite Stimmung, um die Menschen im Guten zu befestigen, ist der Gebetseifer – der Wandel in Gottes Gegenwart, – unsere Vereinigung mit Ihm.
Der Satan versucht die entgegengesetzte Stimmung dem Sünder einzuflößen, dass er das Gebet vernachlässige, ja wohl ganz aufgebe und an Gott nicht einmal denke, sondern gerade wie ein unvernünftiges Tier in der Welt herum trabe, in gänzlicher Gott-Vergessenheit und bloß um den Umgang mit Menschen sich bekümmere. Wehe dem, der in dieser Stimmung gebetlos dahinlebt, den hat der Satan in seinem Dienst gefirmt.
Die dritte Stimmung des Herzens, die uns Beharrlichkeit im Guten sichert, ist die Wissenschaft des Heiles, die da macht, dass uns das Geschäft des Heiles bleibend vor dem Auge steht, als unser erstes, eigenes, wesentliches und einzig notwendiges Geschäft.
Dagegen sucht der Satan den Sünder mit irdischen Wünschen und Plänen zu umgarnen, wie die Spinne eine Fliege im Netz umspinnt und an den Füßlein und Flügelchen einwebt, dass sie bewegungslos wird. So die Menschen, wenn sie vor lauter Geschäfte und Sorgen für die Welt, sich keine Zeit mehr nehmen, für das Geschäft der Ewigkeit zu sorgen, und dabei wohl gar noch denken, sie handeln klug und recht, klüger wie andere.
Wehe, wenn es dem Satan gelingt, den Sünder mit den Bindfäden und Stricken zeitlicher Sorgen zu binden; er zieht ihn an denselben nach Gefallen und hindert ihn nach Belieben, die Umstände und Mittel, die Gott ihm zu seinem heil gesendet, wirklich zu benützen.
Die vierte Stimmung, durch welche der heilige Geist uns im Guten firmt und befestigt, ist die Stimmung des Rates, dass der Mensch sich imstande befindet, sich selbst und anderen im Dienst Gottes und für seinen Fortschritt wohl zu raten.
Der Satan dagegen ist ein rebellischer Geist, dessen Elemente Aufruhr und Unruhe sind und der im Trüben zu fischen sucht. Was braucht es mehr, um den Sünder in Sünden zu befestigen, als wenn es uns gelingt, denselben ratlos zu machen? Denken wir an Judas! Als der Satan in ihn fuhr, da wusste er sich nicht einmal an jenem Tag zu raten und zu retten, an welchem Jesus sich für ihn und für das Heil aller Sünder, dem himmlischen Vater aufzuopfern.
Die fünfte Stimmung, die der heilige Geist in unser Herz flößt, ist die der Stärke, um unsere Beharrlichkeit zu sichern.
Luzifer, von seiner Seite, legt alles darauf an, um durch Rückfälle und scheinbare Besserung, sowie durch den Missbrauch der Gnaden, besonders diejenigen in seinen Ketten zu bewahren, welche als Kinder der Kirche im Besitz jener Gnaden-Mittel sind, die Gott, zur Wieder-Versöhnung des Sünders mit Ihm, eingesetzt.
Der rückfällige Sünder denkt, er habe nicht Ursache zu bangen; er habe ja gebeichtet und die Sünden seien ihm vergeben worden; und doch ist all das nur Täuschung. Er wird ein unbußfertiger Gewohnheits-Sünder – der Satan schwächt ihn durch Rückfälle und firmt ihn durch Sakrilegien in seinem Dienst, durch Kleinmütigkeit und Verzweiflung.
Die sechste Stimmung, durch die der heilige Geist die Kinder der Kirche im Guten festigt, ist das Glaubens-Bewusstsein; – dass nämlich der Mensch es nicht dabei bewenden lasse, den heiligen Glauben nur mit dem Mund zu bekennen und aus Gewohnheit und Erziehung seine religiösen Pflichten erfülle, sondern, dass er sich seines Berufes als Kind Gottes auf Erden bewusst, aus eigener Glaubens-Überzeugung angetrieben, das Leben des Eifers lebe, und als Christ in der Nachfolge Jesu, Gott zu dienen und selig zu werden, sich bestrebe.
Dagegen trachtet der Satan, diesen Einfluss des heiligen Glaubens auf das Leben, so viel er kann, zu hindern, zu unterdrücken, zu entkräften und zu entfruchten, dass der Mensch, weil er äußerlich als Gewohnheits-Christ dahinlebt, darum auch nicht mehr ängstlich besorgt ist, wie es mit seinem Gewissen vor Gott stehe, und ob er wohl im Stand sein werde, vor Gottes Richterstuhl zu bestehen und Rechenschaft für alle die Gnaden abzulegen, die ihm als Kind der Kirche zuteil geworden, die er aber leider zu seinem größeren Unheil missbrauchte.
Wehe, wenn es dem Satan gelingt, den Sünder zu überreden, er habe ja den rechten Glauben, sei katholisch und werde deshalb nie und nimmer verloren gehen. Einen solchen Mensch Menschen, den hat der Satan gefirmt. Er gehört einmal zur Zahl derjenigen, von denen es geschrieben steht: „Und die Kinder des Hauses werden hinausgeworfen werden.“
Endlich, die siebente Stimmung ist die der Liebe Gottes über alles, und die des Nächsten wie uns selbst, worin die Gabe der Weisheit des katholischen Lebens besteht und die uns die Beharrlichkeit im Dienst Gottes sichert.
Dagegen sucht der Satan in das Herz des Sünders Ekel und Gleichgültigkeit gegen Gott und die Abneigung gegen den Nächsten einzuflößen, oder aber eine leidenschaftliche Zuneigung, die ihn zu Sünden der schändlichsten Art verleitet.
Leider wie viele, die der Satan in seinem Dienst auf diese Weise firmt und die als Sklaven der Leidenschaft sich zu schwach fühlen, die Bande unerlaubter Verbindungen zu zerreißen.
Ja der Sünder, wenn er in die Tiefe gerät, – er verachtet; und es schiene unglaublich, wäre es nicht durch die Erfahrung bestätigt, dass es dem Satan nur zu oft gelingt, durch die eine oder andere dieser Stimmungen die Herzen der Menschen zu verhärten, dass gleichsam für dieselben keine Mittel mehr übrig bleiben, um sie wieder auf den Weg des Heiles zu leiten.
Sahen doch die Feinde Christi Lazarus vom Tode erweckt, und dennoch auf die Frage: „Was sollen wir mit Ihm tun – Er erweckt Tote zum Leben?“ blieb ihre Antwort: „Ans Kreuz mit Ihm!“
Dies die Wirkung der Teufels-Firmung auf dem Weg der Unbußfertigkeit, bis an das Ende. – Amen!
aus: F. X. Weninger, Originelle kurz-gefasste praktische Festtags-Predigten, 1881, Zweite Predigt, S. 344 – S. 349
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