Die Fahne Luzifers Anführer der Bösen

Meschler: Betrachtung über zwei Fahnen, die eine Christi, des obersten Heerführers und unseres Herrn, die andere Luzifers, des Todfeindes unserer menschlichen Natur

Betrachtung über zwei Fahnen – Die Fahne Luzifers und die Fahne Christi

Exerzitienbuch:
Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich

Erste Vorübung: Sie bietet den geschichtlichen Vorgang, hier: wie Christus alle unter seine Fahne ruft und sammlen will, und Luzifer dagegen unter die seinige.

Zweite Vorübung: Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier schaue man eine Ebene der gesamten Gegend von Jerusalem, wo als höchster einziger Oberfeldherr der Guten Christus unser Herr steht; eine andere Ebene aber in der Gegend von Babylon, wo als Haupt der Feinde Luzifer auftritt.

Dritte Vorübung: Ich bitte um das, was ich begehre, und zwar werde ich hier bitten um Erkenntnis der Trugwerke des bösen Anführers und um Hilfe, damit ich mich davor bewahre, sowie um Erkenntnis des wahren Lebens (vgl. Joh. 14, 6), das der höchste und wahre Heerführer (vgl. Matth. 2, 6; Mark. 8, 34; Luk. 9, 23; 1. Petr. 2, 21) zeigt, und um Gnade, ihn nachzuahmen.

Erster Teil.

Die Fahne Luzifers

1. Der Anführer der Bösen und Feind aller Menschen

Exerzitienbuch:
Ich stelle mir vor, ich sähe den Anführer aller Feinde in jener großen Ebene von Babylon gleichsam auf einem hohen Stuhl von Feuer und Rauch sitzen (Vgl. Is. 14, 13) in schrecken-erregender und furchtbarer Gestalt.

Ausführung:
Betrachten wir zunächst das Haupt der Feinde, Luzifer, um uns mit Abscheu und Hass gegen ihn zu erfüllen; dann werden wir uns leichter vor seinen Fallstricken und Täuschungskünsten hüten.

1) Wer ist also Luzifer?

Er ist der verworfenste und letzte Sklave Gottes, der Feind Gottes und der Erbfeind unserer menschlichen Natur, die er verfolgt aus Hass gegen Gott und aus Neid gegen uns. Er ist der Fürst der Welt, ein Ausbund von Stolz und Hochmut.

Er ist es, der schuld ist, dass wir nicht sind, was wir sein könnten und sollten. Er ist schuld an allen Sünden, die wir begangen, an allen Strafen, denen wir verfallen, an allen Verlusten, die wir erlitten an Verdiensten und Tugenden. Niemand hat uns so geschadet wie er! Müssen wir uns denn nicht mit unserem ganzen Wesen von ihm wenden?

2) Was beabsichtigt Luzifer?

Er beabsichtigt nicht unser Wohl, sondern nur unseren Nachteil und Schaden. Er hasst uns alle und einen jeden von uns. Er will uns endlich und letztlich nur zur Sünde verführen, uns unglücklich machen für Zeit und Ewigkeit. Wir sollen die Genossen seines Unglücks, die Helfershelfer seiner Pläne und Absichten, seine Jagdhunde sein. Er benützt Menschen, um Menschen zu verderben. Er beabsichtigt wenigstens – und das ist wohl zu beachten – wenn er uns nicht zur Sünde verleiten kann, uns von der Vervollkommnung abzuhalten. Wir sollen nichts Namhaftes leisten für das Reich Christi. Er will uns schach und matt legen, dass wir ihm nicht schaden, Gott nichts nützen; zu armseligen, lächerlichen, erbarmungswürdigen Wesen will er uns machen.

3) Betrachte auch die Umstände seines Auftretens

Sie predigen schon, wenn auch unwesentlich und stillschweigender maßen seinen Geist und seine Grundsätze.

Der Ort ist die große Ebene Babylon. Dort hat er sein Hoflager aufgeschlagen in der ehemaligen Stadt der Weltherrlichkeit, zu der, als dem Mittelpunkt einer großen Weltmonarchie, aller Reichtum floss, von der eitler Ehrgeiz und Weltruhm Könige und Herrscher in alle Welt zu Eroberungen hinaustrieb, wo sie dann nach ihren Siegen wie Götter thronten, in den Weihrauchdüften göttlicher Verehrung schwelgten und sich über Gott deuchten (Dan. 4, 26ff.; 5, 1 ff.); dort, wo einst schon das Menschengeschlecht in wahnwitziger Betörung sich in den Himmel einbauen wollte (1. Mos. 11, 4).

Das äußere Auftreten Luzifers ist der Ausdruck der sinnlichen Pracht, des Reichtums und der Macht. Er sitzt auf einem hohen Thron von gleißendem Schimmer und Feuerschein in schrecken- und ekelerregender Gestalt – alles Sinnbilder von unsicherer Macht und gleisnerischer Herrlichkeit. – Alles predigt so seinen Geist und seine Grundsätze, und die sucht er den Menschen beizubringen. Er ist der verkörperte Weltgeist und deshalb auch der Fürst der Welt.

2. Luzifers Tätigkeit

Exerzitienbuch:
Man betrachte, wie er unzählige böse Geister zusammenruft und wie er sie aussprengt, die einen in diese Stadt und die anderen in eine andere und so über die ganze Welt hin, ohne irgendein Land, einen Stand oder irgendeinen Menschen im Einzelnen zu übergehen.

Ausführung:
Eine unzählige Schar von Vasallen umgibt den Satan. Es sind seine Sendboten, die er hinausjagt in alle Welt, in jedes Land, in jedes Haus. An alle und jeden einzelnen sollen sie sich heranmachen.

Und wie behandelt er die Seinen? Und auch uns? Man erkennt es aus seinen Manieren. Mit unerträglichem Stolz und mit Wegwerfung wie Sklaven, ja wie vernunftlose Tiere, die man mit Netzen und Lockspeise fängt. Er vergewaltigt uns durch unsere Leidenschaften. –

Er behandelt uns ferner unehrlich und hinterlistig, wie wir gleich näher sehen werden. Es sind nicht sündhafte Dinge, zu denen er uns zuerst verleitet, sondern gleichgültige: Liebe zum Reichtum und zur Ehre, die aber auch nur Scheingüter sind. In seinen Händen werden sie aber Schlingen und Fallstricke, um uns ins Verderben zu bringen (1. Tim. 6, 9). Er gönnt uns eigentlich auch nicht einmal diese eitlen Vorteile. Allein, weil er mit nichts nichts bekommt, bietet er etwas. Es sind eben nur Angeln und Köder, wahres Sünden- und Judasgeld für unsere Seelen und die Interessen Gottes. –

So ist es mit Satan beschaffen! Verdient er nicht, dass wir ihm den Abschied geben mit seinen Zumutungen, Ratschlägen und Geschenken?

3. Luzifers Ansprache

Exerzitienbuch:
Man betrachte die Ansprache, die er an sie hält, und wie er sie auffordert, Netze und Ketten auszuwerfen, und zwar sollen sie die Menschen zuerst versuchen durch die Begierde nach Reichtümern, wie er es selbst bei den meisten zu tun pflegt, auf dass sie desto leichter zur eitlen Ehre der Welt und dann zu einem unbändigen Hochmut, und von diesen drei Stufen aus verführt Luzifer zu allen übrigen Lastern.

Ausführung:
Ganz wesentlich enthüllt Luzifer seinen Geist und seine Grundsätze in den Worten, welche er zu den versammelten bösen Geistern spricht, und die er den Menschen beizubringen suchen.

Das erste ist Liebe zum Reichtum, zu äußerem, zeitlichem Besitz, zu Geld, Gütern, Häusern, glänzender Einrichtung und Lebensart und Macht.

Das zweite ist Liebe zur Ehre und zum Ansehen vor Menschen durch Talent, Geschicklichkeit, durch Ämter und Einfluss, hohe Lebensstellung und Würden.

Das dritte ist Hochmut, Selbstbewusstsein, Selbstgenügsamkeit, Unabhängigkeit, Freiheit von Gott und Menschen, also ein gewisses Halbgöttertum.

Das sind die Grundsätze und Strebungen, für welche die bösen Geister die Menschen gewinnen, für welche sie ihnen beibringen sollen. Es sind dies so recht im großen und kleinen, insgesamt und im Einzelnen die Ziele der Welt und ihre Strebungen. Es sind also drei Stücke: Reichtum, Ehre und völlige Unabhängigkeit oder Hochmut. Das eine soll dem anderen den Weg ebnen. –
aus: Moritz Meschler, Das Exerzitienbuch des hl. Ignatius von Loyola, erklärt und in Betrachtungen vorgelegt, Dritter Band, 1926, S. 53 – S. 58

Siehe auf katholischglauben.online:

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