Herz-Jesu-Weihe von Ecuador 1874

Herz-Jesu-Weihe von Ecuador 1874 durch den Präsidenten Gabriel García Moreno

Die Herz-Jesu-Weihe von Ecuador 1874 und der gottselige Gabriel García Moreno, Präsident von Ecuador und Märtyrer † 1875

Das Land Ecuador liegt in Südamerika. Es gehörte früher zu den überseeischen Besitzungen der Krone Spaniens, hat sich aber im Jahr 1830 von dem Mutterland losgemacht und bildet nun einen unabhängigen Freistaat mit dem Präsidenten an der Spitze der Regierung.

Im siebzehnten Jahrhundert hatten die Väter der Gesellschaft Jesu dort eine ihrer blühendsten Ordensprovinzen. Sie waren es, welche zuerst in Ecuador die Andacht zum hl. Herzen einführten und eifrig zu verbreiten suchten. Noch jetzt sieht man an der Vorderseite ihrer schönen Kirche in Quito, der Hauptstadt des Landes, oberhalb der zwei Seitentüren die Bildnisse der hl. Herzen Jesu und Maria aus Stein gehauen angebracht. (ab Min. 11:00)
(https://youtu.be/JvYb-G2Gneg?t=661)

Ablassbriefe aus dem Jahr 1750 bezeigen, dass auch bereits in anderen Kirchen der Hauptstadt das heilige Herz von den Gläubigen verehrt wurde, und der erste Freitag des Monats dieser Verehrung besonders gewidmet war.

Zu Anfang dieses Jahrhunderts hatte Papst Pius VII. auf Bitten des spanischen Königs Ferdinand VII. die kirchliche Andacht zum hl. Herzen über alle Länder der spanischen Krone ausgedehnt und verordnet, dass das Fest desselben hl. Herzens in allen Kirchen des Reiches alljährlich feierlich begangen werde. Dieses Dekret dürfte in Ecuador ungefähr im Jahr 1816 veröffentlicht worden sein; gewiss ist, dass im Laufe der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts (Anm.: 19. Jahrhundert) in sehr vielen Kirchen des Landes das Fest alljährlich mit einer neuntägigen Vorbereitung und anderen Übungen begangen und auch die Bruderschaft des hl. Herzens eingeführt wurde.

Der Aufschwung der Herz-Jesu-Verehrung in Ecuador

Den eigentlichen Aufschwung gewann die Verehrung des hl. Herzens in Ecuador seit dem Jahr 1856, als Papst Pius IX. die Feier des Herz-Jesu-Festes in der ganzen katholischen Kirche anordnete. Vier Jahre nachher wurde der ausgezeichnete, heldenmütige und gottesfürchtige Gabriel García Moreno zum Präsidenten der Regierung gewählt.

Er war von tiefer Frömmigkeit, ein treuer, entschiedener Sohn der katholischen Kirche. Wenn er auf seinem Landhaus war, pflegte er vor dem Dorfvolk zur Messe zu dienen. Am Tisch des Herrn pflegte er monatlich, in der letzten Zeit seines Lebens aber jede Woche zweimal zu erscheinen. Gerne begleitete er die Prozession, welche in den Faschingstagen in Quito, der Hauptstadt des Landes und dem Sitz der Regierung, abgehalten wurde; ja er trug sogar die Fahne dem Allerheiligsten voraus und wurde dafür einmal von dem freudig erstaunten Volk mit einem Blumenregen überschüttet. Auch zur Anbetung des Kreuzes am Karfreitag begab er sich als Präsident mit seinem ganzen Ministerium in die Domkirche, um die Wunden am Bild des Gekreuzigten zu küssen.

So fromm und gottergeben Moreno war, so tatkräftig wirkte er auch für das Land, das durch innere Kämpfe sehr zerrüttet war; er sorgte für Ordnung, Ruhe, Wohlstand und Gedeihen seines Vaterlandes mit unermüdlichem Eifer. Zur Hebung der Religion berief er mehrere Orden beiderlei Geschlechtes nach Ecuador, unter ihnen auch die Jesuiten, und zwar mehrere aus Deutschland. Diese bemühten sich auf das Eifrigste, dem hl. Herzen auch in Ecuador neue und zahlreiche Verehrer zu gewinnen. Sie führten in ihrer Kirche in Quito die Bruderschaft des hl. Herzens und im Jahr 1869 auch das Gebetsapostolat ein.

Zu den eifrigsten Mitgliedern desselben gehörte Moreno, der Präsident des Landes. An den ersten Freitagen des Monats sah man ihn öffentlich die Sühnungskommunion zu Ehren des göttlichen Herzens empfangen. Den Segen, welchen er selbst in dieser Andacht gefunden hatte, wollte er auch über das ganze Land ausgehen lassen und fasste daher den Entschluss, Ecuador unter den besonderen Schutz des heiligsten Herzens zu stellen. Die nähere Veranlassung hierzu verdient wohl beachtet zu werden.

Im Jahr 1873 wurde die Erinnerung an die vor 200 Jahren geschehene erste Offenbarung des hl. Herzens gefeiert. Überall waren die Katholiken bemüht, dieses Jubiläum in feierlicher Weise zu begehen. Die Hochwürdigsten Bischöfe in Ecuador hatten im Monat August desselben Jahres beschlossen, das Land unter den besonderen Schutz des allmächtigen Herzens Jesu zu stellen, alle Jahre sein Fest zu feiern, an allen Pfarrkirchen die Bruderschaft zu dessen Ehre einzuführen, den Monat Juni alljährlich zur Verehrung dieses Herzens zu bestimmen und endlich in der Fastenzeit des nächsten Jahres die feierliche Weihe des Landes an das Herz Jesu vorzunehmen. Diese Feier sollte ursprünglich einen bloß kirchlichen Charakter haben.

Präsident Moreno unterstützte tatkräftig das Vorhaben der Bischöfe

Allein der Präsident Moreno erkannte in dem Vorhaben der Bischöfe eine Maßregel von hoher Wichtigkeit für das Wohl des Vaterlandes. Es lag ihm daran, dass der Beschluss der Kirchenvorstände auch zur Wahrheit werde, und das ganze Land die schöne Weihe vollziehe. Er machte also seinen Vortrag im Herrenhaus und in der Kammer der Abgeordneten. Da zeigte es sich jetzt im schönsten Licht, was die Überzeugung und das Beispiel eines großen Regenten auf ein ganzes Volk vermag.

Die Ratsversammlung stimmte dem Gedanken des Präsidenten bei und setzte eine Schrift auf, in welcher die Andacht zum Herzen Jesu gleichsam zu einem Staatsgesetz erhoben wurde.

„Die Kirchenversammlung von Quito hat durch einen besonderen Beschluss die Republik Ecuador dem heiligen Herzen Jesu geweiht und sie unter dessen Schutz und Obsorge gestellt.“

„Der Senat und die Kammer der Angeordneten sind aber der Ansicht, es gehöre sich für die gesetzgebende Gewalt, im Namen der Nation bei einem Akt sich zu beteiligen, der mit ihren durchaus katholischen Gesinnungen vollkommen übereinstimmt und zugleich das wirksamste Mittel ist, den Glauben zu wahren und den Fortschritt und das Glück des Staates zu fördern.“

Nach diesem schönen Anfang folgten die ebenso schönen vier Beschlüsse. Fürs Erste soll die Republik ihrerseits die Weihe and das Herz Jesu vollziehen. Sodann wird das Herz-Jesu-Fest zu einem öffentlichen Nationalfeiertag erhoben. Zum Dritten wird in allen Domkirchen ein Herz-Jesu-Altar errichtet; und endlich soll auf Staatskosten auf jedem dieser Altäre eine Marmortafel angebracht und in dieselbe dieses ganze Dekret eingeschrieben werden.

So wurde am 8. Oktober 1873 beschlossen und die Ausführung dem Präsidenten Moreno aufgetragen. Das war ihm lieb und recht.

Die Vorbereitungen für die Herz-Jesu-Weihe

Der Tag der feierlichen Weihe sollte am 25. März, am Fest Mariä Verkündigung des nächsten Jahres 1874, in erhebender Weise vorgenommen werden.

Die Vorbereitungen zu diesem Tag des Segens waren ganz außerordentlich. Alle Gläubigen hielten nach Ständen öffentliche Exerzitien und Missionen. In einer einzigen Klosterkirche wurden sie drei Mal für Männer und zwei Mal für die Frauen gegeben. In der geräumigen Jesuitenkirche in Quito wurden sie zuerst für das ganze Volk, dann für die Männer, für die Frauen, für gebildete Stände, für die Studenten der niederen und höheren Schulen und auch in den Kasernen für die Soldaten gehalten.

Da kam endlich der 25. März. Um 10 Uhr sollte die Feierlichkeit beginnen. Die Domkirche der Stadt steht auf einem weiten Platz; rechter Hand von ihr ist das Gebäude der Regierung, links das Stadthaus, und der Haupttür gegenüber der erzbischöfliche Palast. In der Mitte des Platzes steht ein prächtiger Brunnen und von da aus gehen sternförmig Wege in grüne Alleen, zwischen denen Blumengärten liegen.

Als nun die Stunde zum Gottesdienst gekommen war, zog der Erzbischof aus seinem Palast zur Domkirche, die ganze Stadtgeistlichkeit und das Domkapitel gingen voraus. Zu gleicher Zeit kam auch der Präsident Moreno vom Regierungsgebäude heraus mit allen seinen Ministern und Behörden. Die Ordensleute verschiedener Männerklöster holten ihn ab und führten ihn prozessionsweise in den Dom. Die Militärmusik in mehreren Banden spielte dabei ihre besten Stücke.

Während des feierlichen Gottesdienstes nun weihte sich die geistliche und weltliche Obrigkeit und das Volk der Republik dem Herzen Jesu. Das ist bis jetzt der erste und einzige Staat auf der ganzen Welt, der diese Weihe gemacht und sich unter den besonderen Schutz des Herzens Jesu gestellt hat.

Da die Kirche nicht alle Leute bei der Feierlichkeit hat fassen können, mussten die Soldaten weg bleiben. Sie vollzogen aber ihre Weihe einige Tage nachher; dabei versprachen sie dem göttlichen Herzen, alle Jahre am selben Tag die heiligen Sakramente zu empfangen und die Weihe zu erneuern und aus den Kasernen alle schlechten Unterhaltungen zu verbannen.

Sie haben das Jahr darauf getreulich Wort gehalten, wie es sich für Männer wohl geziemt. Sie machten zuerst die geistlichen Übungen wie im Jahr zuvor. Ein Jesuit hielt ihnen die Predigten und erzählt von der Andacht der Soldaten wie folgt:

„Die gemeinen Soldaten beichteten alle samt den Hauptleuten und Unteroffizieren, und von den höheren Befehlshabern und anderweitigen Beamten nahezu alle. Dabei muss man bedenken, dass es bisher im Militär fast als Regel galt, nicht zu beichten, solange einer im Dienst war, außer in Todesgefahr.“

„Wie rührend war die Feier der GeneralKommunion der Soldaten mit ihren Befehlshabern an der Spitze, die wir Sonntags darauf in unserer Kirche abhielten!“

„Der Zudrang zu diesem ergreifenden Akt war ein großer; die Festlichkeit selbst wurde durch eingelegte Musikstücke erhöht; gegen Schluss legte ich ihnen noch in einer Ansprache die Notwendigkeit und die Mittel der Beharrlichkeit ans Herz. Dann warfen sich alle auf die Knie und machten drei Vorsätze:

Erstens keine schlechten Reden zu führen; zweitens die Gelegenheiten zur Sünde zu fliehen; drittens, sich in allen Versuchungen und Gefahren häufig den hl. Herzen Jesu und Mariä zu empfahlen. Unmittelbar daran reihte sich die feierliche Weihe aller an das Herz Jesu. Auf den Gesichtern der Soldaten strahlte wieder die Ruhe und Freudigkeit eines guten Gewissens. Es war ein erhebendes Fest, und für viele der Tag der ersten oder zweiten heiligen Kommunion.“

Die Verschwörung der Freimaurer gegen die katholische Regierung Ecuadors

Es stand zu erwarten, dass diese großartige Huldigung der geistlichen und weltlichen Regierung von Ecuador dem göttlichen Herzen dargebracht, von den Feinden Gottes und der hl. Religion mit bösen Augen werde angesehen werden. Und solcher Feinde gab es im Land genug; es waren die Freimaurer, welche schon in früheren Jahren das Land in heillose Unruhe und Unordnung gestürzt hatten. Diese verschworen sich nun, die katholische Regierung Ecuadors zu entfernen und sich die Gewalt anzumaßen. Dieser teuflische Plan gelang ihnen wirklich, da sie vor den abscheulichsten Freveltaten nicht zurückschreckten.

Im Jahr 1875 wurde Moreno das dritte Mal zum Präsidenten der Republik gewählt. Er zeigte dem heiligen Vater seine Ernennung durch ein Privatschreiben an, in welchem er um den päpstlichen Segen zu seiner bevorstehenden sechsjährigen Regierungsperiode bittet.

„Heute“, heißt es darin unter anderem, „wo die Logen der Nachbarländer alle Arten der schändlichsten Beschimpfungen und der ungeheuerlichsten Verleumdungen gegen mich schleudern, sich im Geheimen die Mittel verschaffend, um mich zu ermorden, bedarf ich mehr denn je des göttlichen Schutzes, um zu leben und zu sterben in der Verteidigung unserer heiligen Religion und dieser geliebten Republik, welche mir Gott zur Regierung anvertraut hat. Welches Glück ist es für mich, heiligster Vater, gehasst und verleumdet zu werden um unseres göttlichen Erlösers willen, und welche übergroße Seligkeit wäre für mich, wenn Eurer Heiligkeit Segen mir die Gnad erlangen würde, mein Blut für den vergießen zu können, welcher das seinige für uns am Kreuz hat vergießen wollen.“

Das freimaurerische Attentat auf den Präsidenten Moreno

Attentat und Ermordung des Präsidenten von Ecuador durch die Freimaurer

Die Ahnung, die aus diesem Brief hervorschimmert, sollte sich bald bestätigen. Am Morgen des 6. August, als am ersten Freitag des Monats, war Moreno seiner Gewohnheit gemäß am Tisch des Herrn erschienen. Um 10 Uhr vormittags kam ihm eine doppelte Mahnung in Betreff eines geplanten Attentats zu, allein alles, was er sagte, war: „Cobardia!“ – Freiheit und Gemeinheit!“ und ohne sich stören zu lassen, arbeitete er eine Botschaft an den Kongress aus.

Etwas nach 1 Uhr hatte er noch seine Gemahlin zu seiner Schwiegermutter begleitet und trat auf dem Rückweg zum Regierungsgebäude in die Kathedrale ein, wo eben das hochwürdigste Gut ausgesetzt war. Hier wurde er von einem Burschen abgerufen, da wichtige Depeschen eingelaufen seien.

Kaum hatte er die Galerie seines Palastes erreicht, als hinter einer Säule fünf Meuchelmörder hervorsprangen. Der Führer der Bande, ein gewisser Rayo, versetzte dem Präsidenten von hinten her einen so furchtbaren Schlag mit einem Fleichermesser, dass diese Wunde allein hingereicht hätte, um den stärksten Leben ein Ende zu machen. Aber Moreno wankte nicht und rief nicht um Hilfe. Mit seiner gewohnten Willenskraft wandte er sich um und suchte den eigenen Revolver zu ziehen. Da fielen die Schüsse der übrigen Attentäter, und der Präsident stürzte über den Rand der Galerie auf das Straßenpflaster hinab. Dorthin folgten ihm die Mörder, um ihn mit Schüssen und Messerstichen vollends zu verstümmeln, und Moreno flüsterte mit schwacher Stimme sein letztes Wort: „Gott stirbt nicht!“

Bereits hatten sich viele Vorübergehende angesammelt, allein niemand besaß Waffen, so gelang mehreren der Verbrecher die Flucht. Nur Rayo wurde von dem herbeieilenden Militär auf dem Platz der Tat niedergeschossen. Moreno, der, aus zweiundzwanzig Wunden blutend, noch immer lebte, hatte zwar die Sprache verloren, blieb jedoch bis zum letzten Augenblick bei vollem Bewusstsein. Man trug ihn in die nahe Kathedrale, wo er auf die Frage des Priesters, ob er seinen Mördern vergebe, zustimmend nickte und nach anderthalb Stunden mit der Ergebung eines Heiligen verschied.

Nach dem gewaltsamen Tod des Präsidenten durchzog die Revolution das Land und wütete sieben Jahre lang mit allen Gräueln, die stets in ihrem Gefolge sind. Aber auch während dieser traurigen Zeit hatte das katholische Volk nicht desjenigen vergessen, unter dessen Schutz es sich gestellt. Vom heiligsten Herzen des Erlösers erwartete und erflehte es Hilfe. Fast in allen Kirchen wurden Andachten zu Ehren desselben gehalten, die jährliche Weihe erneuert, neue Altäre des göttlichen Herzens errichtet und das Apostolat des Gebetes verbreitet.

Im Jahr 1876 wurde das Bild des hl. Herzens in feierlicher Prozession in der Hauptstadt des Landes herumgeführt; es war auf einen prächtig verzierten Triumphwagen gestellt, welchen Männer vom adel und auserlesene Jünglinge zogen, während eine Schar von mehr als 4000 Herren und Frauen dasselbe mit brennenden Kerzen begleiteten.

Nach sieben Jahren voll Unruhe und Kämpfen war es endlich der konservativen Partei in Ecuador gelungen, die Feinde der Ordnung zu besiegen. Bis zur Wahl eines neuen Präsidenten wurde eine provisorische Regierung eingesetzt, welche größtenteils aus braven Katholiken bestand. Eine ihrer ersten Taten war der Beschluss, dem göttlichen Herzen in der Hauptstadt eine prächtige Kirche zu bauen. Am 5. Oktober 1883 fand in Gegenwart der Regierung und einer großen Volksmenge die feierliche Einsegnung des Bauplatzes statt.

Am 4. Februar 1884 wurde der Präsident gewählt und das neue Staatsgesetz veröffentlicht. Am Morgen dieses Tages hatten sich die Mehrzahl der Abgeordneten des ganzen Landes in einer Kirche versammelt, um Gottes Beistand und Segen über die wichtige Staatsangelegenheit herab zu flehen. Vor Beginn des hl. Hochamtes erneuerten sie nun die Weihe des Landes an das hochheiligste Herz. Auf den Knien liegend, sprachen sie die Worte des eigens für diese Gelegenheit verfassten Gebetes nach, welches der Priester am Altar vorsagte. Es lautete:

Anbetungswürdiges Herz Jesu, des Königs der Könige, des Herrn der Heerscharen, für den und durch den alle Völker und Geschlechter der Erde geschaffen worden! Zur Anerkennung Deiner liebenswürdigsten und unendlichen Herrschaft bieten wir an und weihen wir unsererseits heute und für immer die Republik von Ecuador zu Deinem ausschließlichen Eigentum und Besitz. Würdige Dich, o Herr, diese Volk als Dein Erbe anzunehmen! Nimm es unter Deinen höchsten Schutz, befreie es von allen seinen Feinden; zeige es allen Völkern, dass Ecuador Dein ist; beweise der Welt, dass das Volk, welches Gott zu seinem Herrscher erwählt, ein glückliches Volk sei, und lass für immer in unserem Freistaat die Herrlichkeit Deines heiligsten Namens leuchten. Amen.“

Kaum war der neue Präsident und die neue Regierung gewählt und in Amt getreten, brachten sie den Beschluss des Kirchenbaues vor den neuen Bundesrat, um ihn durch denselben und somit vom ganzen Land genehmigen zu lassen. Eine große Mehrheit von Stimmen nahm den Beschluss an, und am 29. Februar 1884 wurde derselbe ausgefertigt.

Darin heißt es:

„In Erwägung, dass es eine Pflicht ist, dem Allmächtigen für die dem Land namentlich in der letzten Zeit erwiesenen Wohltaten zu danken und in Erwägung, dass das Land dem hl. Herzen Jesu geweiht ist, und zum öffentlichen Zeugnis dieser Weihe und um den Segen des Himmels für Ecuador herabzuflehen, beschließen wir, dass ein National-Denkmal errichtet werde.“

Dieser Beschluss wurde vom ganzen Land mit großer Freude vernommen, und an ihn neue Hoffnungen auf eine bessere Zukunft geknüpft. Es handelte sich nun darum, die freiwilligen Beiträge so reich und rasch als möglich zusammenzubringen, damit der Bau der prächtigen Herz-Jesu-Kirche bald könne begonnen und vollendet werden.

Veranstaltung einer Katholikenversammlung

Zu diesem Zweck wurde bei Gelegenheit der zweihundert-jährigen Gedenkfeier der ersten öffentlichen Einführung der Andacht zum heiligen Herzen eine großartige Katholikenversammlung veranstaltet. An der Spitze derselben stand der Erzbischof von Quito selbst. Ihre Aufgabe sollte eine dreifache sein.

1. Dem hl. Herzen Jesu im Namen der Republik einen öffentlichen und gemeinsamen Beweis der Liebe und einen Akt der Sühne darzubringen. 2. In der ganzen Republik die Einsammlung von Geldern und die anderweitigen Arbeiten zum schnellen Bau der Kirche zu ordnen. 3. Eine Vereinigung aller Katholiken zu bewerkstelligen gegen die schädliche Tätigkeit der Freimaurer und Radikalen, um so der Anweisung nachzukommen, welche Seine Heiligkeit Papst Leo XIII. zu diesem Zweck gegeben.

Um diese Versammlung so großartig und umfassend als nur möglich zu gestalten, wurden zwei Monate hindurch sehr praktische Vorbereitungen getroffen, der Paln zur Abhaltung entworfen, die zu behandelnden Gegenstände geordnet und im ganzen Land die Wahlen für die Mitglieder vorgenommen. Die Hochwürdigsten Bischöfe hatten begeisternde Hirtenbriefe an die Gläubigen erlassen.

So war der Monat des hl. Herzens Jesu herangerückt. Am 21. Juni, dem zweihundert-jährigen Erinnerungstag, sollte die Versammlung in der Hauptstadt eröffnet und die erste feierliche Sitzung gehalten werden. Eine neuntägige Andacht in der Domkirche diente zur Vorbereitung. Am 19. Juni beschloss der Bundesrat, am Tag dieses Festes keine Sitzung zu halten, um so gleichsam seine Beistimmung zu den Absichten der Volksversammlung zu geben. Am Vorabend des 21. Juni gab es eine prachtvolle Beleuchtung der Stadt. An vielen Häusern waren Altäre mit dem Bild des hl. Herzens aufgerichtet, strahlend in einem Meer von Licht. Musikbanden durchzogen die Gassen; in manchen Häusern hörte man aus den geöffneten Fenstern fromme Lieder unter Begleitung von Fortepianos ertönen.

Quito, sonst bei nächtlicher Weile schweigsam und öde, wurde plötzlich in eine der belebtesten und bewegtesten Hauptstädte verwandelt. Bei 50.000 Menschen durchwandelten entzückt und fröhlich gestimmt die Straßen der Stadt. Und all dies geschah, ohne dass irgendwelche Verordnung oder Einladung von geistlicher oder weltlicher Obrigkeit hierfür war gemacht worden. Das bekundet, dass die Teilnahme an den bevorstehenden Festlichkeiten von Seite des Volkes eine ganz allgemeine war.

Der Morgen des 21. Juni war angebrochen und durch Kanonenschüsse den katholischen Bewohnern angekündigt. Während ein teil derselben sich in den Frühstunden noch mit Ausschmückung der Häuser beschäftigte, strömten andere in die Domkirche, um dort sich den hl. Sakramenten zu nahen. Die hl. Kommunion wurde fast ununterbrochen bis 11 Uhr Vormittag ausgeteilt. Den Glanzpunkt aber bildete die General-Sühnungskommunion , welche um 7 Uhr morgens stattfand.

Zur festgesetzten Zeit füllten sich die weiten Räume des Somes mit Menschen aus allen Klassen. Im Hauptschiff vor dem Chor hatten die für die Katholikenversammlung abgeordneten Männer Platz genommen, denen sich verschiedene katholische Vereine anreihten. Es war ein erhebendes Schauspiel, zweitausend Männer zu sehen, die andächtig, gesammelten Geistes, mit gesenktem Haupt sich auf den feierlichsten Akt des christlichen Lebens vorbereiteten.

Mit edler Gesinnung hatten sie alle Menschenfurcht beiseite gesetzt und sich als Hilfsbedürftige der Majestät Gottes vorgestellt, um durch das Brot der Starken gekräftigt, sich sodann an die Arbeit der streitenden Kirche zu machen. Man sah da am Fuße des Altars Männer aus allen Schichten der Gesellschaft: hohe Magistratspersonen, gelehrte Professoren, kräftige Soldaten in festlicher Montur, Advokaten, Ärzte, Schriftsteller, Studierende, Kaufleute, Künstler, Handwerker und Bauern; kurz, es gab keine Gattung Männer aus den gesellschaftlichen Kreisen, die hier nicht vertreten waren.

Versammlung des Volkes zum Sühnungsakt

Die Seitenschiffe des Doms hatten unzählige Personen des Frauengeschlechts bis auf den letzten Winkel ausgefüllt. Ja, da war ein ganzes Volk zum Festmahl der hl. Kommunion, zum Sühnungsakt versammelt, das mit gereinigtem Herzen für seine Sünden Genugtuung leisten und ein offenes Zeugnis seines Glaubens und seiner Liebe zu geben bereit stand.

Vor dieser zahlreichen Versammlung begann nun der Hochwürdigste Erzbischof die hl. Messe und spendete während derselben die hl. Kommunion an die Männer aus, während zwei andere Bischöfe zu gleicher Zeit dieselbe in den Seitenschiffen austeilten. Beim Anblick dieser so großartigen Feier des unblutigen Opfers traten vielen vor Freude und Rührung die Tränen ins Auge.

Man hat berechnet, dass bei dieser Gelegenheit im Dom allein 10.000 Kommunionen und unter diesen zum wenigsten 3000 an Männer gespendet wurden. Diese Sühnungskommunionen fanden an diesem Tage im ganzen Land statt, und man berechnet ihre Zahl auf ungefähr 80.000. Das war die Frühfeier dieses Tages.

Um 12 Uhr ungefähr fand im selben Dom die erste öffentliche Sitzung statt.

Die Seitenschiffe waren von einer Menge Volkes besetzt; im Hauptschiff hatten die von allen Teilen der Republik abgesandten Männer ihren Platz genommen. Im Chor der Kirche und an der Spitze der Versammlung stand der päpstliche Nuntius, der Hochwürdigste Erzbischof von Quito und die übrigen Bischöfe des Landes, sowie die Vertreter der Domkapitel und der Hochschule und die Oberen der religiösen Orden.

Den zweiten Ehrenplatz nahmen die weltlichen Behörden ein, der Präsident der Republik mit den Staatsministern, der oberste Gerichtshof, die von den beiden Kammern der Landtagsabgeordneten ausgewählten Herren, die oberste Militärbehörde, der Bürgermeister der Hauptstadt und andere. So war in der Tat das ganze Land in jener feierlichen Stunde versammelt, eine Versammlung, wie eine gleiche wohl noch nirgends stattgefunden.

Denn hier war vor dem heiligsten Sakrament Staat und Kirche eines Herzens und Sinnes vereint, um ihren Glauben zu bekennen, Gott anzubeten und dem Herzen des Herrn der Heerscharen ein zweites Mal ihre öffentliche Huldigung darzubringen.

Mit einer kurzen aber kraftvollen Ansprache eröffnete der Hochwürdigste Erzbischof die Versammlung. Er betonte darin besonders, dass Ecuador seinen ganzen Ruhm, den es in den letzten zwanzig Jahren in der ganzen katholischen Welt errungen, nicht seinen Waffen, seinem Handel, seiner Schifffahrt, seiner Wissenschaft oder Kunst, sondern einzig nur der Kraft und Einheit seines Glaubens und seines Gerechtigkeitssinnes verdanke.

Ecuador sei der einzige Staat in der Welt, der gegen die ungerechte Beraubung des hl. Vaters Protest erhoben; der einzige Staat, der sich bisher als solcher öffentlich und gleichsam gesetzlich dem hl. Herzen Jesu geweiht und ihn als seinen König und Schutzherrn anerkannt habe, der einzige Staat endlich, der keine von der Kirche verbotene Gesellschaft innerhalb seiner Grenzen dulde.

Noch kraftvoller waren die Worte, welche der Erzbischof in seinem Hirtenbrief, der bei Anfang der feierlichen Sitzung an die Versammlung verteilt wurde, ausgesprochen, und in welchen er das hl. Herz des Gottmenschen als die einzige Rettung der hinsiechenden menschlichen Gesellschaft darstellte.

Andere Redner, welche nun zur Versammlung sprachen, entwickelten diese Gedanken weiter und knüpften daran ihre Vorschläge und begeisternden Einladungen zum Abu der gelobten Kirche zu Ehren des hl. Herzens. Diese feurigen Reden an heiliger Stätte fanden so lebhaften Widerhall in den Herzen der Versammlung, dass alle in den Vorsitzungen zum Zweck des besagten Baues gefassten Beschlüsse einmütig angenommen wurden.

Den Schluss dieses ersten Tages sollte nun die Erneuerung der staatlichen Weihe Ecuadors sowie der feierliche Sühnungsakt an das göttliche Herz bilden. Die ganze Versammlung war vor dem heiligsten Sakrament auf die Knie hingesunken. Da erteilte der Erzbischof einem Priester die Anweisung, von der Kanzel aus im Namen der geistlichen und weltlichen Behörden die beiden Akte vorzusprechen. Tiefergreifend war die Abbitte! Welch ein Schauspiel! Ein ganzes Volk zu den Füßen seines Gottes um Gnade und Schonung bittend für alle Frevel der Gesellschaft:

„Herr“ (sprach der Priester auf der Kanzel) „Herr! Für alle unsere Missetaten!“ – „Barmherzigkeit!“ riefen Priester und Volk in den weiten Räumen des Domes.

Für alle Sünden der Priester! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle Fehler unserer Gesetzgeber! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle Schuld unserer Beamten! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle Vergehungen unserer Familienväter! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle Missetaten unseres ganzen Volkes! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle Gottlosigkeiten und Gotteslästerungen! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle falschen Eide und Sakrilegien! Barmherzigkeit, o Herr!
Für die Entweihungen der Gotteshäuser! Barmherzigkeit, o Herr!
Für unsere Empörungen und Bruderkriege! Barmherzigkeit, o Herr!
Für unsere Missachtung der geistlichen Gewalt! Barmherzigkeit, o Herr!
Für die Freveltaten gegen die weltliche Behörde! Barmherzigkeit, o Herr!

Für die Mordtaten des 6. August und des 30. März! (*) Barmherzigkeit, o Herr!
Für die zügellosen Ausschweifungen der Presse! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle politischen Verbrechen! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle öffentlichen Ärgernisse! Barmherzigkeit, o Herr!
Für alle – alle unsere Missetaten! Barmherzigkeit, o Herr!

(*) Ermordung des Präsidenten Moreno und Vergiftung des Erzbischofs.

Bei diesen Worten des reuigen Volkes traten vielen die Tränen in die Augen und lautes Schluchzen ging durch den Dom.

Er, der ein reumütiges und zerknirschtes Herz nicht verachtete, möge diesen Ruf eines ganzen Volkes um Gnade und Schonung erhören und dem schwer heimgesuchten Ecuador seinen Frieden und Segen im reichsten Maße verleihen. –
aus: P. Franz Hattler, SJ, Großes Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, 1897, S. 731 – S. 739

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Bildquellen

  • Ba_scones_Julio__Pra_sident_Gabriel_Garci_a_Moreno__1870: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • Gabriel_Garci_a_Moreno: wikimedia | Public Domain Mark 1.0

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