Jesuiten

  1. Start
  2. Orden
  3. Jesuiten

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Jesuiten

Jesuiten. Der Name Jesuit, im 15. Jahrhundert = „frommer Mann“, Anfang des 16. Jahrhunderts = „Betbruder“, bezeichnete erst als Spottname, dann schon im 16. Jahrhundert einfachhin die Mitglieder der Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, abgekürzt SJ), gegründet vom hl. Ignatius von Loyola 15. 8. 1534 in der Dionysius-Kapelle auf dem Montmartre zu Paris, bestätigt von Papst Paul III. durch die Bulle Regimini militantis Ecclesiae v. 27.9.1540.

1. Die Verfassung ist enthalten in den Constitutiones S.J., welche 1550 vom Stifter fertig gestellt, versuchsweise in einzelnen Provinzen eingeführt und schließlich auf der 1. Generalkongregation 1558 zu Rom als bindende Norm anerkannt wurden. Danach ist die eigentliche Gesetzgebung Sache der Generalkongregation , die statutengemäß beim Tod des Generals und ausnahmsweise auf Berufung durch den General oder dessen Assistenten sich versammelt; sie wird gebildet aus dem General bzw. dem General-Vikar, den (…) Assistenten, den Provinzial-Oberen und je 2 Delegierten der einzelnen Provinzen, die auf der Provinzial-Kongregation gewählt werden. Die gesamte Regierungsgewalt liegt in der Hand des auf Lebenszeit gewählten Generals. Er ernennt sämtliche Oberen und bestimmt ihre Befugnisse. Die Provinzen haben ihre Provinzial-Oberen (Provinziale) und die einzelnen Häuser ihre Hausoberen, die in den Studienhäusern (Kollegien) und Noviziaten Rektor, sonst einfach Superior heißen. Die Mitglieder sind: 1) Professen. Nur sie haben feierliche Gelübde abgelegt, und zwar außer den 3 gewöhnlichen Ordensgelübden noch das vierte: ohne Zögern hinzugehen, wohin immer der Papst sie zu religiösen Arbeiten senden sollte (Const. VIII 1). Sie müssen außer einem erfolgreichen 7jährigen Studium der Philosophie und Theologie noch mindestens 10 Jahre in der Gesellschaft verlebt haben. 2) Formierte Koadjutoren (Priester und Laienbrüder). Sie haben öffentliche, wenn auch nur einfache Gelübde abgelegt, was nicht vor dem 10. Jahr ihres Ordenslebens geschieht. 3) Scholastiker und Laienbrüder. Sie haben nach 2jährigem Noviziat einfache, aber ewige Gelübde abgelegt. Der gewöhnliche Bildungsgang der Scholastiker ist: 1-2 Jahre humanistische Studien, 3 Jahre Philosophie, 3-5 Jahre Lehrtätigkeit, 4 Jahre Theologie und das 3. Probejahr. 4) Novizen. – Der Zweck des Ordens ist, „nicht bloß das Heil und die Vollkommenheit der eigenen Seele zu erstreben, sondern auch mit allem Eifer das Heil und die Vollkommenheit des Nächsten zu fördern“ (Examen gener. I 2).

2. Die kirchengeschichtliche Bedeutung der Gesellschaft Jesu liegt in deren Anteil an der Bewahrung und Erneuerung des katholischen Lebens in den romanischen Ländern zurzeit der Glaubensspaltung, verbunden mit der Zurückdrängung des Protestantismus in Deutschland, Österreich, Ungarn und Polen. Versuche zur Wiedergewinnung der nordischen Länder, besonders England, scheiterten. Durch den Unterricht an über 600 Kollegien und Akademien war sie im 17. und 18. Jahrhundert der größte Schulorden. Sie beeinflußte durch Seelenführung (Hofbeichtväter), Exerzitien, Marianische Kongregationen, aszetische und wissenschaftliche Schriftstellerei mächtig die kirchliche Frömmigkeit und katholische Kultur (Barock) ihrer Zeit. Ebenso war sie stark beteiligt an der neuen Blüte der Scholastik, eifrigste Vertreterin der Rechte und Lehrhoheit des Papsttums, Begründerin eigener Systeme in Dogmatik (Molinismus) und Moral (Probabilismus), was sie in lange Kämpfe mit andern Schulen und mit Irrlehren, besonders dem Jansenismus, verwickelte. In den Missionen Asiens bahnbrechend (Franz Xaver), in Amerika (Paraguay) auch zivilisatorisch erfolgreich, diente sie auch dort der Wissenschaft (Astronomie, Sprach-, Erd- Völkerkunde).

23 Heilige: Ignatius, Franz Xaver, Franz de Borja, Canisius, Bellarmin, Franz Régis, Franz de Hieronymo, Petrus Claver, Alfons Rodriguez, Aloysius v. Gonzaga, Joh, Berchmans, Stanislaus Kostka, 3 japanische, 8 kanadische Märtyrer, – 139 Selige, davon 134 Märtyrer.

Hervorragende Jesuiten in Wissenschaft und Kunst:

Dogmatik u. Apologetik: Toletus, Molina, Greg. De Valentia, G. Vasquez, Suarez, Bellarmin, Ripalda, Lessius, Becanus, Gretser, A. Tanner, Petavius, De Lugo, Franzelin, Perrone, Wilmers Kleutgen, Palmieri, Chr. Pesch, Billot.

Moraltheologie: Th. Sanchez, De Lugo, Laymann, Busenbaum, Escobar y Mendoza, Gury, A. Ballerini, Lehmkuhl, Vermeersch, Noldin.

Kirchenrecht: Pirhing, Schmalzgrueber, Pichler, Biner, Nilles, Wernz,

Exegese: Salmeron, Maldonatus, Toletus, Sa, Pereyra, Serarius, B. Giustiniani, Kornelius a Lapide, Bonfrère, Fr. S. Patrizi, R. Cornely, Hummelauer, Knabenbauer.

Patrologie: Fronton du Duc, Petavius, Sirmond, Garnier, P. Fr. Chifflet.

Kirchengeschichte und Archäologie: die Bollandisten, Labbe, Pallavicini, Gretser, Sacchini, Cossart, Hardouin, Hartzheim, Hansiz, Farlatti, Fr. A. Zaccaria, Morcelli, Garrucci, Schneemann, Granderath, H. Grisar.

Beredsamkeit: Bourdaloue, Segneri, Vieira, Skarga, Hunolt, Ravignan, Roh, Félix.

Katechetik: Canisius, Auger, Bellarmin, Ripalda, Deharbe,

Aszetik: Ignatius, A. Rodriguez, De Ponte, L. Lallemant, Drexel, Lancicius, Nieremberg, Nouet, Scaramelli, Pergmayr, Caignon, A. v. Doß, Meschler.

Philosophie: P. Da Fonseca, Coimbrizenser, Suarez, B. Stattler, Taparelli, Liberatore, Tilm. Pesch, Urráburu. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1931, Sp. 328- Sp. 333

Jesuaten
Mallinckrodt

Weitere Lexikon-Einträge

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gürtelbruderschaften Gürtelbruderschaften, religiöse Vereinigungen, deren Mitglieder gemäß Psalm 17,33 u. 40; Lk. 12,35 usw. zum Zeichen ihrer Verbundenheit mit Gott und den betreffenden Heiligen, der Abtötung und Buße (vgl. Cilicium) sich gürten: 1) Erzbruderschaft…

Bajus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bajus Bajus (De Bay), Michael, belgischer Theologe und Vorläufer des Jansenius, *1513 zu Melin (heute Meslin, Hennegau); 1543 Professor der Philosophie, 1552 der Exegese in Löwen, † 16.9.1589 daselbst. Sein Kampf gegen die scholastische…

Judenchristen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judenchristen Judenchristen, die aus dem Judentum hervorgegangenen Christusgläubigen der apostolischen und nachapostolischen Zeit. Die Urgemeinde in Jerusalem hielt streng konservativ am jüdischen Gesetz und Kult fest (Apg. 2,46; 3,1: 5,12; 10,14; 21,20-24). Die Forderung…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Römisch-deutsche Kaiser mit Namen Karl Karl der Große (768-814) * Karl II. der Kahle (875-877) * Karl III. der Dicke (881-888) * Karl IV. (1316 bis 1378) * Karl V. (1500 bis 1558) Karl…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Joseph von Arimathäa Joseph von Arimathäa, im Neuen Testament ein reicher und frommer Israelit, dem das Vorrecht zufiel, Jesu die letzte Ehre zu erweisen. Er wird zum Unterschied von Anderen nach seinem Geburtsort genannt;…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Saint-Jure, Johann Baptist

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Saint-Jure Saint-Jure, Jean Baptist, SJ (seit 1604), * 19.2.1588 zu Metz, lehrte an Ordensschulen und war Oberer der Häuser in Amiens, Alençon, Orléans und (nach einem Zwischenaufenthalt in England) in Paris, † ebd. 30.4.1657. Einer der bedeutendsten geistlichen Schriftsteller der Gesellschaft Jesu, neben Alfons Rodriguez zu stellen, den er…

Bollandisten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bollandisten Bollandisten, Bollandus, Jean, SJ (seit 1612), Hagiograph, * 13.8.1596 zu Julémont (bei Lüttich), † 12.6.1665 zu Antwerpen; überall gefeiert, in regem Verkehr mit fast allen Gelehrten seiner Zeit, von scharfem Verstand und erstaunlichem Gedächtnis; 1630 von seinen Ordensoberen mit der Herausgabe des Riesenwerkes Acta Sanctorum betraut. Bollandus veröffentlichte…
Buch mit Kruzifix

Meschler, Moritz

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Meschler Meschler, Moritz, SJ (seit 1850), aszetischer Schriftsteller, * 16.9.1830 zu Brig (Kanton Wallis, Schweiz), machte seine höheren Studien zu Paderborn, Bonn und Maria Laach, 1866 Prediger in Bonn, 1867-1871 Novizenmeister (zu Gorheim, Münster, Exaeten, Blyenbeck), 1881-1884 Provinzial der deutschen Jesuiten, 1892 -1906 Assistent des Ordensgenerals, zuletzt Schriftsteller zu…

Lessius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lessius Lessius (Ley), Leonhard, SJ (seit 1572), scholastischer Theologe, * 1.10.1554 zu Brecht bei antwerpen, lehrte 1574-1581 Philosophie in Douai, studierte 1583-1584 in Rom Theologie unter Suarez, lehrte 1585 bis 1600 Theologie am Jesuitenkolleg zu Löwen, † ebd. 15.1.1623. Lessius litt lebenslang an einer schmerzlichen Krankheit, die er sich…

Friedrich von Spee

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Friedrich von Spee Spee, (Spe), Friedrich von, SJ, bekannt als Dichter und als Vorkämpfer gegen die Hexenverfolgung, entstammte der bald nach ihm ausgestorbenen geldernschen Adelsfamilie der Spee von Langenfeld und wurde am 25. Februar 1591 zu Kaiserswerth bei Düsseldorf als Sohn des damaligen kurkölnischen Burgvogts und Amtmanns von Kaiserswerth…
Buch mit Kruzifix

Deharbe, Joseph

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Deharbe Deharbe, Joseph, SJ (seit 1817), * 1.4.1800 zu Straßburg i. E., † 8.11.1871 zu Maria Laach. 1830-1836 und 1839 Professor der Rhetorik zu Brig, 1840-1841 Volksmissionar in der Schweiz und in Bayern, 1842-1845 Hilfs-Seeelsorger in Cöthen (Anhalt), 1845 Rhetorik-Professor zu Freiburg im Schwarzwald, 1846 Regens und Pastoralprofessor am…
Menü