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Katholische Kirche – Mystici Corporis
Die Fahne Christi Heerführer der Guten
Meschler: Betrachtung über zwei Fahnen, die eine Christi, des obersten Heerführers und unseres Herrn, die andere Luzifers, des Todfeindes unserer menschlichen Natur
Betrachtung über zwei Fahnen – Die Fahne Luzifers und die Fahne Christi
Zweiter Teil.
Die Fahne Christi
1. Unser oberster Heerführer
Exerzitienbuch:
In ähnlicher Weise soll man sich auf der entgegengesetzten Seite den höchsten und wahren Heerführer vorstellen, der da ist Christus unser Herr.
Man betrachte, wie Christus unser Herr auf einer großen Ebene jener Umgegend von Jerusalem an einem einfachen Platz Stellung nimmt, schön und liebenswürdig. (vgl. Ps. 44, 3)
Ausführung:
Betrachte:
1) Die erhabene Fürstengestalt unseres Herrn
Er ist unser rechtmäßiger Herr, der Herr unserer Tage und unseres Lebens und der Herr der ganzen Welt. Er ist wirklich der allein Heilige, aufrichtig Treue und Wahrhaftige, der allein Mächtige und über alles Erhabene, dem wir alles zu verdanken haben. Und doch ist er die Herablassung und Liebenswürdigkeit selbst. O, wer wollte ihn nicht lieben! Ihn, unseren Gott, Ihn, unseren Heiland, Ihn, unseren Jesus!
2) Die Absicht, die den Heiland beseelt, wenn er uns seine Grundsätze vorträgt
Er will unser wahres, zeitliches und ewiges Wohl. Er ist unser bester Freund, das treueste Herz, das für uns schlägt. Was er aus uns machen will, wenn wir auf seinen Geist und seine Grundsätze eingehen, das sagt uns der hl. Ignatius mit wenigen inhaltsschweren Worten: »Er will uns das wahre Leben geben.« Diese Grundsätze sind das wahre übernatürliche, vollkommene Leben; alles andere ist ein Scheinleben der Vollkommenheit.
Der Heiland will uns ferner zu seinen »Schülern und zu seinen Freunden« machen. Es kommt vor allem darauf an, dass wir den Schlüssel seiner Lehre kennen und besitzen, und den will er uns jetzt geben. Damit haben wir dann das Mittel, uns selbst und andere zu heiligen. Und das beabsichtigt der Heiland, aus uns zu machen, Freunde, Heilige, Apostel und Werkzeuge seiner Liebe zu den Menschen und zu seinem himmlischen Vater. Wer möchte ihm nicht folgen auf allen seinen Wegen!
3) Die Umstände des Auftretens Jesu
Der Ort ist Jerusalem, die Stadt des Wohnens und der Herrschaft Gottes, deren Schöne nicht kriegerische Macht, sondern der Friede ist. – Näher ist der Ort eine liebliche Niederung; nicht ein Thron, sondern der Plan, auf dem die anderen Menschen auch stehen. –
Es ist endlich Christus unser Herr; aber er will nichts zum voraus von uns haben. Als unser Bruder der menschlichen Natur nach steht er mitten unter uns, und seine königliche Auszeichnung ist nur Herablassung und eine herzgewinnende Liebenswürdigkeit. Er ist der Lehrer, das Vorbild der Armut und Demit; in seiner Brust schlägt das edelste Herz voll treuester Liebe.
2. die Sendung seiner Boten
Exerzitienbuch:
Man betrachte, wie der Herr der ganzen Welt so viele Personen auserwählt, Apostel, Jünger usw. und sie über die ganze Welt hin entsendet (vgl. Mark. 16, 15; Matth. 28, 19; Apg. 1, 8), auf dass sie den Samen seiner heiligen Lehre unter den Menschen aller Stände und in allen Lebenslagen ausstreuen (vgl. Matth. 13, 4ff.; Mark. 4, 3ff.).
Ausführung:
Auch der Heiland sendet seine Apostel und Jünger und alle seine Getreuen in alle Welt und zu allen Menschen. »In alle Lande ging aus ihr Schall und bis an des Erdballs Grenzen ihre Rede« (Ps. 18, 5; Röm. 10, 18).
Wie ganz anders ist bei ihm die Art und Weise der Behandlung. Er »sendet« die Jünger, er sprengt sich nicht aus, wie der Feind es macht. Er behandelt uns Menschen als vernünftige Wesen. Wir sollen nicht hintergangen und überlistet werden, man soll uns bloß raten, helfen, zeigen. Wir sollen selbst unsere Vernunft und Überlegung brauchen. – Er behandelt uns auch sehr ehrfurchtsvoll, als freie und selbständige Wesen. Wir sollen uns selbst entscheiden. –
Endlich behandelt er uns aufrichtig. Er sagt uns offen und gerade heraus, was er will und was er von uns erwartet. Er will Liebe zur Armut und große Armut, Liebe zur Verdemütigung von uns, aber dafür bietet er uns zum Entgelt das wahre Leben und seine Freundschaft, während Luzifer uns scheinbare Güter verspricht und uns damit verderben will.
Der Heiland behandelt uns auch insofern aufrichtig, als er für alle, auch für sich gleiches Maß hat und dieselben Anforderungen stellt. Sich selbst und seine heilige Mutter hat er auf dieselbe Weise behandelt. Am Ende, für wen begehrt er alles? Ist es nicht für uns und zu unserem Besten? Und was braucht es denn mehr als etwas Festigkeit, Mut und Ausdauer, um nach seinen Grundsätzen zu leben? »Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens« (Joh. 6, 69).
3. Die Ansprache des Herrn
Exerzitienbuch:
Man betrachte die Ansprache, die Christus unser Herr an alle seine Diener und Freunde hält, die er zu solchem Unternehmen aussendet; wie er ihnen empfiehlt, sie möchten allen zu helfen suchen, indem sie dieselben zuerst zur größten geistlichen Armut bewegen und, wenn seine göttliche Majestät sich darin gefiele und sie dazu auserwählen wollte, nicht minder auch zur wirklichen Armut; zweitens zum Verlangen nach Schmähungen und Verachtung, weil aus diesen beiden dingen, der Armut und Verachtung, die Demut hervorgeht.
Es gibt demnach drei Stufen: erstens die Armut gegen den Reichtum, zweitens Schmach und Verachtung gegen die weltliche Ehre, drittens die Demut gegen den Hochmut; und von diesen drei Stufen aus sollen die Gesandten Christi die Menschen zu allen übrigen Tugenden anleiten.
Ausführung:
In seiner Ansprache legt der Heiland seinen Geist und seine Grundsätze dar. Dem Welt- und Satansgeist entgegen empfiehlt er Liebe zur Armut, und nicht bloß geistiger Armut, sondern auch die Bereitschaft zu wirklicher durch Drangsalen, freiwillige Entäußerung von zeitlichen, äußeren Gütern; ja große Armut! –
Zweitens predigt der Heiland Liebe zur Verdemütigung, dass man sich wohl gefalle, unbekannt vor den Menschen zu sein; ja gering geschätzt, verachtet und mit Unbilden überhäuft zu werden. –
Drittens predigt der Heiland Demut, große Demut, Selbstlosigkeit, Untertänigkeit. Die wird auch sicher entstehen aus der Armut und aus der Liebe zur Verdemütigung.
All dies ist jedoch nur die notwendige Vorbedeutung. Von diesen drei Stufen sollen die Sendboten des Herrn die Menschen anleiten zu allen Tugenden, vor allem natürlich zur höchsten unter ihnen, zur wahren Gottes- und Nächstenliebe, ohne Losschälung von den äußeren Gütern, von eitler Weltlehre und vom eigenen Ich ist alle andere Tugend eben nur leerer Schein. Darum sollen die Sendboten Jesu diese Losschälung empfehlen und alle anleiten, die Armut, Verdemütigung und Demut des Herzens zu lieben.
Das ist der Geist Jesu und die Gesinnung seines heiligsten Herzens. Diesen Geist sollen sie allenthalben in der Welt zu verbreiten suchen. Diese drei Stücke sind die Grundsätze der christlichen Vollkommenheit, und jeder, der sich zu derselben bekennen will, muss sie seinem Leben zu Grunde legen und dasselbe mehr oder weniger mit denselben in Einklang bringen (vgl. die Bergpredigt, in der genau derselbe Weg zur Gottesliebe vom Heiland dargelegt wird).
Das Schlussgebet
Exerzitienbuch:
Dann stelle ich ein Zweigespräch an mit U.L. Frau, damit sie mir von ihrem Sohn und Herrn die Gnade erlange, unter sein Banner aufgenommen zu werden, und zwar zuerst in der größten geistlichen Armut und, wenn seine göttliche Majestät sich darin gefiele und mich dazu auserwählen und aufnehmen wollte, nicht minder auch in wirklicher Armut, zweitens im Ertragen von Schmähungen und Unbilden, um ihn hierin mehr nachzuahmen, wofern ich nur das erdulden kann ohne irgendeines Menschen Sünde und ohne Missfallen seiner göttlichen Majestät; hierauf ein Ave Maria.
Dasselbe erbitte ich vom Sohn, damit er es mir vom Vater erlange; darauf bete ich ein Anima Christi.
Und dasselbe erbitte ich auch vom Vater, dass er selbst es mir gewähre; dann bete ich ein Vaterunser.
Ausführung:
Der hl. Ignatius setzt hier ein dreifaches Kolloquium an:
a) Der Gegenstand dieses Gebetes ist Gnade der Erleuchtung, um die Betrügereien Satans einerseits und anderseits das wahre Leben zu erkennen, das Christus uns zeigt. Es ist diese Gnade der Erleuchtung, das Erkennen, außerordentlich notwendig aus drei Gründen: Erstens schmeicheln die Grundsätze Luzifers unserer Natur, und wir sind deshalb in großer Gefahr, ihnen zuzuneigen, sie anzunehmen und zu befolgen. Zweitens folgen ihr auch die meisten Menschen, und ihr Beispiel kann leicht verderblichen Einfluss auf uns ausüben. Drittens fallen unter diese Grundsätze oft so feine Sachen, dass es einer besonderen Gnade bedarf, um den bösen Feind noch zu erkennen.
b) Die Personen, von welchen diese Gnade erbeten wird, ist die Mutter Gottes, der göttliche Heiland und der himmlische Vater. Die Wahl der Personen ist äußerst passend! Maria war die weise Jungfrau, der Sitz der Weisheit. Sie hatte sich diesen Geist und diese Grundsätze ganz zu eigen gemacht und war darin das Ebenbild ihres Sohnes; niemand kann uns besser zum Geist ihres Sohnes verhelfen als sie. –
Der göttliche Heiland ist das übernatürliche Licht, das die Welt erleuchtet; er ist der Urheber des Glaubens, der Lehrmeister des wahren Lebens, nicht bloß durch seine Lehre, sondern auch durch sein Leben. Alles an ihm predigt diesen Geist. Er möge uns doch mit seinem Licht durchleuchten! –
Der himmlische Vater ist es endlich, von dem die Offenbarung des Sohnes ausgeht (Matth. 11, 27; 16, 17). Er möge uns dem göttlichen Sohn zugesellen; denn ohne ihn kommt niemand zum Sohn, er muss ziehen und uns ihm geben und schenken! (Joh. 6, 44 u. 45)
Die hier erbetene Gnade ist dann die »innerste Erkenntnis des Heilandes, sein innerster Geist, der sein ganzes Leben getragen und bestimmt hat und zu dem er auch alle einlädt, namentlich die dem apostolischen Beruf folgen wollen. Es ist dies wirklich die Trikolore des Heilandes. Er möge uns in seine Farben kleiden, wie er sie auch getragen!. –
aus: Moritz Meschler, Das Exerzitienbuch des hl. Ignatius von Loyola, erklärt und in Betrachtungen vorgelegt, Dritter Band, 1926, S. 58 – S. 64
Siehe auch den ersten Teil: Die Fahne Luzifers Anführer der Bösen
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