Die Träger des Lehramtes der Episkopat

Die Gabe des heiligen Pfingstfestes

Das Kirchliche Lehramt –Die Träger des Lehramtes

Zweiter Teil der Reihe zum Stichwort Kirchliches Lehramt

2. Wer sind nun die Träger dieses Lehramtes?

Das sind (…) die Inhaber der hierarchischen Gewalt: vor allem der Papst, dann die mit ihm vereinigten Bischöfe und in deren Auftrage die Priester. Zu den Aposteln und ihren Amtsnachfolgern allein hat der Herr gesprochen: „Gehet hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur… Wer nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Mk. 16, 15f) Zu Petrus sprach er: „Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht wanke.“ (Lk. 22, 32) Die Apostel also waren die eingesetzte organische Körperschaft, das Vermächtnis des Glaubens zu bewahren und zu verwalten. Stets sahen sie sich als diejenigen an, die im Namen Christi den Glauben predigen und seine Botschafter bei den Menschen sind. (2. Kor. 5, 20) In Jerusalem, in Athen und Rom kam es ihnen nicht in den Sinn, vom Hohen Rate, vom Areopag und vom Senat sich eine Bevollmächtigung zum Predigen geben zu lassen. Sie erklärten vielmehr bei jedem Verbot: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg. 5, 29) Sie waren sich ihrer Aufgabe völlig bewußt. Wenn sie predigen, behaupten sie und bezeugen, wie der Herr selbst es getan, und wenn sie die Heilige Schrift anführen, so haben sie es nicht nötig, dieselbe als Beweis ihrer Worte zu gebrauchen, sondern als Erklärung und Erfüllung durch ihre Worte. – In die leer gewordenen Reihen der Apostel trat nun der katholische Episkopat ein, und in seiner Gesamtheit ist er das Apostelkollegium und besitzt dieselbe Fülle der Macht.
Das sind also die bevollmächtigten Träger des Lehramtes, und

wie stehen sie nun zum Heiligen Geist?

Sie sind einfach seine Organe und seine Stimme in Bezug auf Glauben und Sittenlehre. Der Heilige Geist ist es, der durch sie spricht, und zwar mit göttlicher Unfehlbarkeit, so daß sie nicht irren können, wenn sie von Amts wegen sprechen und die ganze Kirche belehren. Eine solche unfehlbare göttliche Stimme des Heiligen Geistes ist also der einhellige Ausspruch der heiligen Väter und Kirchenlehrer aller Zeiten, ferner die Entscheidungen der allgemeinen Kirchenversammlungen, ja diese sind die höchsten und erhabensten Aussprüche der kirchlichen Lehrgewalt und deshalb seit der Apostel Zeiten auf besondere Weise dem Heiligen Geiste zugeschrieben. „Dem Heiligen Geiste und uns hat es gefallen“ (Apg. 15, 28) – mit diesen Worten hebt die Entscheidung des ersten Konzils an. Eine unfehlbare Stimme des Heiligen Geistes sind endlich die Aussprüche des Papstes auch ohne ausdrückliche Zustimmung der Bischöfe, wenn er als höchster Lehrer der Kirche einen amtlichen Ausspruch tut über Glaubens- und Sittenlehre. In diesem Falle ist er unfehlbar, und seine Stimme ist die Stimme des Heiligen Geistes, eben weil er Oberhaupt der Kirche ist und als solches unabhängig alle Privilegien der Glieder in sich schließt. Wie könnte er auch ein würdiges Haupt der Kirche sein, wenn er nicht eben so viel besäße wie die Kirche selbst, und wie kann er das unsichtbare Haupt Christus würdig darstellen, wenn er durch den Heiligen Geist nicht teilhat an der Unfehlbarkeit? In allen diesen Fällen hören wir also die Stimme des Heiligen Geistes: die Worte sind menschlich, die Stimme ist göttlich. (Manning, Vernunft und Offenbarung)

Daher kommt es, daß die Kirche nicht bloß die Tatsache, sondern auch ihrer Natur nach unfehlbar ist und die göttliche Wahrheit nicht verlieren kann. Irrtum und Lüge können nichts gegen sie. Man müsste sonst die Ewigkeit der Wahrheit, die Vereinigung der Kirche mit dem Heiligen Geiste und dessen Wirksamkeit als Lehrer der Wahrheit leugnen. Die Lehre der Kirche ist nicht bloß unverfälscht, sondern unverfälschlich. Sie hat wohl manchmal die Sitten ihrer Kinder, nie aber ihre endgültigen Aussprüche über Glaubens- und Sittenlehre reformiert. Sie bedarf überhaupt, wie die Wahrheit selbst, nie einer Reform. Sie hängt nicht von den Individuen ab, sie hat eine ganz selbständige Existenz in ihrer Vereinigung mit dem unsichtbaren Haupte durch die Gegenwart des Heiligen Geistes. Es ist eine wahrhaft göttliche Schöpfung, die immer vom göttlichen Willen abhängt, wahrhaft das Sakrament der Wahrheit, unabhängig vom Träger und Empfänger. Wer wollte sie auch reformieren? „Wenn das Salz seine Kraft verliert, womit wollt ihr es würzen?“ (Mk. 9, 49). Es ist alles göttlich in unserer Kirche, nicht bloß die Quelle der Wahrheit, sondern auch die Kanäle, durch die sie uns zufließt. Auch sie sind, wenngleich Menschen, auf göttliche Weise angeordnet und in ihrem Bestand erhalten. So entspricht es eben Gott, der von einem Ende zum andern mit Macht und Milde schafft.

Die einzelnen Textteile:

1. die Quelle, aus welcher das Lehramt den Glauben schöpft,

2. die Träger dieser Gewalt,

3. die verschiedenen Betätigungen.

aus: Moritz Meschler SJ, Die Gabe des heiligen Pfingstfestes, Betrachtungen über den Heiligen Geist, 1905, S. 103 – S. 105

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