Der Heilige Geist und die Kirche

Ein Glasfenster aus Montserrat, welches die Taube als heiligen Geist darstellt, umgeben von schönen Verzierungen

Die Lehre von der Kirche

§ 11. Der Hl. Geist und die Kirche

1. Die Seele der Kirche

Der Heilige Geist ist die Seele der Kirche. Sent. communis.

Leo XIII. erklärte in der Enz. „Divinum illud“ (1897): „Es genüge der eine Satz: Christus ist das Haupt der Kirche, der Hl. Geist ihre Seele.“ Pius XII. bekräftigte diese Lehre in der Enz. „Mystici Corporis“ (D 2288). Inhaltlich besagt sie, daß der Hl. Geist ähnlich wie die Seele im Leibe Wesens- und Lebensprinzip der Kirche ist. Er ist es, der die Glieder der Kirche untereinander und mit Christus, dem Haupt, verbindet, da er ganz im Haupt und ganz in den Gliedern des mystischen Leibes ist. Er ist es, der die kirchliche Hierarchie bei der Ausübung des Lehramtes, des Hirtenamtes und des Priesteramtes mit seinem Beistand unterstützt. Er ist es, der mit seiner Gnade jede Heilstätigkeit in den Gliedern des mystischen Leibes anregt und begleitet. Alles Leben und Wachstum des mystischen Leibes geht von dem ihm innewohnenden göttlichen Lebensprinzip aus.

Biblisch grundgelegt ist diese Lehre in den zahlreichen Aussagen der Hl. Schrift über das innere, verborgene Wirken des Hl. Geistes in der Kirche:

Er bleibt an Jesu Statt für alle Zeiten bei dessen Jüngern (Joh. 14, 16);
er wohnt in ihnen wie in einem Tempel (1. Kor. 3, 16; 6,19);
er lehrt sie alles und erinnert sie an alles, was Jesus ihnen gesagt hat (Joh. 14, 26; 1. Joh. 2, 27);
er legt Zeugnis über Jesus ab (Joh. 15, 26);
er führt in alle Wahrheit ein (Joh. 16, 13);
er redet in ihnen, wenn sie vor Gericht gestellt werden (Mt. 10, 20);
er wirkt in ihnen, wenn sie Jesus als den Herrn bekennen (1. Kor. 12, 3);
er hilft das anvertraute Glaubensgut bewahren (2. Tim. 1, 14);
er verleiht die außerordentlichen Gnadengaben und teilt einem jeden zu, wie er will (1. Kor. 12, 11);
er gestaltet den Christen zu einer Wohnung Gottes (Eph. 2, 22);
er bewirkt die Sündenvergebung (Joh. 20, 22f), die Wiedergeburt (Joh. 3, 5), die geistige Erneuerung (Tit. 3, 5);
er schenkt die Gotteskindschaft (Röm. 8, 15);
er gießt die Liebe Gottes in den Herzen der Gläubigen aus (Röm. 5, 5);
er bringt alle christlichen Tugenden hervor (Gal. 5, 22);
er setzt die kirchlichen Vorsteher ein (Apg. 20, 28);
er leitet sie in ihrer amtlichen Tätigkeit (Apg. 15, 28);
er nimmt sich unserer Schwachheit an und tritt für uns beim Vater ein (Röm. 8, 26);
von ihm unterstützt, rufen wir zu Gott: „Abba, Vater“ (Röm. 8, 15; Gal. 4, 6).

Die Väter bezeugen die innige Verbindung des Hl. Geistes mit der Kirche. Irenäus sagt: Wo die Kirche ist, da ist auch der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes ist, dort ist die Kirche und alle Gnade“ (Adv. Haer. III 24, 1). Augustin vergleicht das Wirken des Hl. Geistes in der Kirche mit dem Wirken der Seele im Leib: „Was die Seele für den Leib des Menschen ist, das ist der Hl. Geist für den Leib Christi, d. i. die Kirche. Das wirkt der Hl. Geist in der ganzen Kirche, was die Seele in allen Gliedern des einen Leibes wirkt.“

Wie die Seele jedes Glied des Leibes belebt und jedem eine bestimmte Verrichtung verleiht, so belebt der Hl. Geist durch seine Gnade jedes Glied der Kirche und verleiht jedem eine bestimmte Tätigkeit im Dienst des Ganzen. Durch die einen wirkt er Wunder, durch andere verkündet er die Wahrheit, in den einen bewahrt er die Jungfräulichkeit, in anderen die eheliche Keuschheit, in den einen bewirkt er dieses, in den anderen jenes. Wie die Seele nicht dem Glied folgt, das vom Leib getrennt wird, so folgt auch der Hl. Geist nicht dem Glied, das sich vom Leib der Kirche trennt. (Sermo 267, 4, 4).

Die Scholastik hat den Gedanken Augustins übernommen, z.B. Thomas in seiner Erklärung des Symbolum Apostolicum (a. 9). In einem anderen Bild nennt Thomas den Hl. Geist das Herz der Kirche (cor Ecclesiae), von dem aristotelischen Gedanken ausgehend, daß das Herz das Zentralorgan ist, von dem aus alle Lebenskräfte auf den Leib überströmen. In analoger Weise ist der Hl. Geist das Universalprinzip, von dem aus alle übernatürlichen Lebenskräfte, d.h. alle Gnaden auf die Kirche, das Haupt (Christus nach seiner Menschheit) und die Glieder, überfließen. Wie das Herz und seine universale Wirksamkeit für das Auge unsichtbar ist, so ist auch der Hl. Geist und seine universale belebende und einigen Wirksamkeit in der Kirche unsichtbar. Der Hl. Geist wird darum treffend mit dem Herzen verglichen, während Christus mit Rücksicht auf seine sinnenfällige menschliche Natur treffend mit dem Haupt verglichen wird (S.th. III 8, 1 ad 3). Ohne Bild sagt Thomas über das Verhältnis des Hl. Geistes zur Kirche: Der Hl. Geist eint, belebt, lehrt, heiligt die Kirche, wohnt ihr inne, teilt die Güter des einen dem anderen mit. Vgl. S. th. 2 II 1, 9 ad 5; III 8, 1 ad 3; III 68, 9 ad 2;In Cor. c. 12 lect. 2.

2. Leib und Seele der Kirche

Während der Hl. Geist die Seele der Kirche ist, ist die rechtlich organisierte, sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen der Leib der Kirche. Beide bilden miteinander ein zusammengehöriges Ganzes, ähnlich wie die Seele und der Leib im Menschen. 1. Kor. 12, 13: „In einem Geist wurden wir alle zu einem Leib getauft.“ Daraus folgt, daß derjenige, der schuldbar außerhalb der Leibes der Kirche steht, des Hl. Geistes und des von ihm bewirkten Gnadenlebens nicht teilhaftig sein kann. Augustin sagt: „Von Geist Christi lebt nur der Leib Christi. … Willst du also vom Geist Christi leben? Sei im Leib Christi!“ (In Ioan. tr. 26, 13) „Einem abgetrennten Glied folgt nicht der Geist“ (Sermo 267, 4, 4).

Anderseits ist aus der Allgemeinheit und Aufrichtigkeit des göttlichen Heilswillens zu folgern, daß derjenige, der in unüberwindlichem Irrtum befangen die wahre Kirche Christi nicht kennt, auch außerhalb des Leibes der Kirche den Hl. Geist und das von ihm bewirkte übernatürliche Leben empfangen kann, wenn er wenigstens Einschlussweise darnach verlangt, die Taufgnade erlangen kann. Vgl. D 1647, 1677. –
aus: Ludwig Ott, Grundriss der Dogmatik, 1954, S. 340 – S. 342

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