Abfall des Menschen von der Übernatur

Abfall des Menschen von der Übernatur

Der Abfall: Die Sündentat und die Sündenfolgen

§ 20. Die persönliche Sünde der Stammeltern oder die Ursünde

1. Die Sündentat

Die Stammeltern im Paradies sündigten durch Übertretung des göttlichen Prüfungsgebotes schwer. De fide auf Grund der allgemeinen und ordentlichen kirchlichen Lehrverkündigung.

Das Konzil von Trient lehrt, daß Adam durch Übertretung des göttlichen Gebotes die Heiligkeit und Gerechtigkeit verlor (D 788). Da sich die Größe der Strafe nach der Größe der Schuld richtet, so wird damit die Sünde Adams als schwere Sünde gekennzeichnet.

Der biblische Bericht über den Sündenfall der Stammeltern ist in Gn. 2, 17 und 3, 1ff enthalten. Da die Sünde Adams die Grundlage der Dogmen von der Erbsünde und von der Erlösung ist, so ist in den wesentlichen Punkten an der Geschichtlichkeit der Erzählung festzuhalten. Nach einer Entscheidung der Bibelkommission vom Jahre 1909 darf der buchstäbliche, geschichtliche Sinn bezüglich folgender Tatsachen nicht in Zweifel gezogen werden: a) daß dem ersten Menschen von Gott ein Gebot gegeben wurde, um seinen Gehorsam zu prüfen, b) daß er das göttliche Gebot durch Verführung des unter dem Bild der Schlange dargestellten Teufels übertrat, c) daß die Stammeltern aus dem ursprünglichen Zustand der Unschuld ausgeschlossen wurden. D 2123.

Die späteren Bücher der Hl. Schrift bestätigen die buchstäbliche, geschichtliche Auffassung. Sir. 25, 33: „Vom Weibe nahm die Sünde ihren Anfang, und um ihretwillen sterben wir alle.“ Weish. 2, 24: „Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt.“ 2. Kor. 11, 3: „Ich fürchte aber, gleichwie die Schlange mit ihrer Arglist Eva verführte, so könnte auch euer Sinn verdorben und von der aufrichtigen Hingabe an Christus abgelenkt werden.“ Vgl. 1. Tim. 2, 14; Röm. 5, 12ff.; Joh. 8, 44. Abzulehnen ist die mythologische Erklärung und die rein allegorische Erklärung (Alexandriner).

Die Sünde der Stammeltern war ihrer moralischen Art nach eine Sünde des Ungehorsams. Vgl. Röm. 5, 19: „Durch den Ungehorsam des einen Menschen wurden die Vielen zu Sündern.“ Die Wurzel des Ungehorsams war Stolz. Tob. 4, 14: „Alles Verderben hat im Stolz seinen Anfang genommen.“ Sir. 10, 15: Der Anfang jeder Sünde ist Stolz.“ An eine geschlechtliche Verfehlung (Klemens von Alexandrien, Ambrosius) ist nach dem Zusammenhang der biblischen Darstellung nicht zu denken. Die Schwere der Sünde ergibt sich aus dem zweck und den Umständen des göttlichen Gebotes. Augustinus betrachtet die Sünde Adams als eine „unaussprechlich große Sünde“ (ineffabiliter grande peccarum; Op. Imperf. c. Jul. I 105.

2. Die Sündenfolgen

a) Die Stammeltern verloren durch die Sünde die heiligmachende Gnade und zogen sich den Zorn und Unwillen Gottes zu. De fide. D 788

In der Hl. Schrift ist der Verlust der heiligmachenden Gnade angedeutet in dem Ausschluß der Stammeltern von dem Umgang mit Gott (Gn. 3, 10. 23). Gott tritt als Richter auf und verkündet die Strafsentenz (Gn. 3, 16ff).
Das Mißfallen Gottes wirkt sich schließlich in der ewigen Verwerfung aus. Tatian lehrte tatsächlich, daß Adam das ewige Heil verlor. Irenäus (Adv. Haer. III 23, 8), Tertullian (De peonit. 12) und Hippolyt (Philos. 8, 16) traten dieser Ansicht bereits entgegen. Nach ihnen lehren die Väter allgemein, gestützt auf Weish. 10, 2 („sie (die Wahrheit) hat ihn aus seinem Fall errettet“), daß die Stammeltern Buße taten und „durch das Blut des Herrn“ vor dem ewigen Verderben gerettet wurden (vgl. Augustinus, De peccat. Mer. Et rem. II 34, 55).

b) Die Stammeltern verfielen dem Tod und der Herrschaft des Teufels. De fide. D 788.

Der Tod und die damit zusammen hängenden Übel haben ihren Grund in dem Verlust der Integritäts-Gaben. Nach Gn. 3, 16ff. verhängte Gott zur Strafe für die Sünde Leiden und Tod. Die Herrschaft des Teufels ist in Gn. 3, 15 angedeutet und in Joh. 12, 31; 14, 30; 2. Kor. 4, 4; Hebr. 2, 14; 2. Petr. 2, 19 ausdrücklich gelehrt.

aus: Ludwig Ott, Grundriss der katholischen Dogmatik, 1954, S. 123-124

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