Das Leiden Jesu Der Gang nach dem Ölberg

Das Leben und Leiden und der Tod am Kreuz, das kostbarste Blut Jesu am Kreuz vergossen; Jesus hängt, halb nackt und mit einer Dornenkrone "geschmückt", mit ausgebreiteten Armen am Kreuz, geschunden durch die Marter der Geißelung und der Wunden, und verspottet

Das Leben und Leiden und der Tod Jesu

Der Gang nach dem Ölberg

Matth. 26,30. Und nachdem Jesus und die Jünger den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. – 31. Da sprach Jesus zu ihnen: „In dieser Nacht werdet ihr euch alle an mir ärgern: denn es steht geschrieben: Ich will den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden. – 32. Wenn ich aber werde auferstanden sein, werde ich euch voruas gehen nach Galiläa.“ – 33. Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: „Wenn sich auch alle an dir ärgern, so werde ich niemals mich ärgern.“ – 34. Jesus aber sagte zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir, in dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ – 35. Da sprach Petrus zu ihm. „Wenn ich auch mit dir sterben müßte, so würde ich dich doch nicht verleugnen.“ desgleichen sagten auch alle Jünger.

Mark. 14,26. Und nachdem Jesus und die Jünger den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. – 27. Und Jesus sprach zu ihnen: „Ihr alle werdet euch an mir ärgern in dieser Nacht; denn es steht geschrieben: Ich will den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden. – 28. Nachdem ich aber auferstanden sein werde, will ich euch voraus gehen nach Galiläa.“ – 29. Petrus aber sprach zu ihm: „Wenn sich auch alle an dir ärgern sollten, so würde ich es nicht tun.“ – 30. Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich, sag` ich dir, heute in dieser Nacht, noch ehe der Hahn zweimal gekräht hat, wirst du mich dreimal verleugnen.“ – 31. Er aber redete noch mehr: „Und wenn ich auch mit dir sterben müßte, so würde ich dich doch nicht verleugnen.“ Desgleichen sagen sie alle.

Luk. 22,39. Und Jesus ging nach seiner Gewohnheit hinaus an den Ölberg: es folgten ihm aber auch die Jünger dahin nach.

Joh. 18,1. Als Jesus dies gesagt hatte, begab er sich mit seinen Jüngern über den Bach Cedron, wo ein Garten war, in welchem er mit seinen Jüngern ging.

Jesus verläßt den Abendmahlssaal

Nach den hoch herrlichen Geheimnissen des Abendmahles erhob sich der Herr und verließ das Gebäude, in welchem er das Mahl gehalten. Mann kann hier erwägen, warum der Herr nicht in dem Haus des Abendmahlssaales gefangen werden wollte. Es geschah dieses wohl aus drei Gründen.

Erstens will er frei in das Leiden und in den Tod gehen. Selbst der Schein irgend einer Unfreiheit und Überraschung sollte fern bleiben. Von dieser Seite sollte die Majestät seines Leidens in nichts verdunkelt werden. Es gehört dieses zu den edlen Empfindlichkeiten des Heilandes.

Zweitens vermied es der Herr, dem wohlwollenden Gastgeber Unannehmlichkeit, Störung und Schaden zu verursachen, die bei einem plötzlichen, bewaffneten Überfall unvermeidlich gewesen wären.

Drittens wollte der Heiland nicht, daß die letzte Abschiedsstunde, die stille Feier seines Passahmahles und die erste Begehung des hochheiligen Geheimnisses, die letzten traulichen Erschließungen seines Herzens in Mahnung und Tröstung, durch ein so rauhes und gewaltsames Eingreifen feindlicher Mächte gestört und abgebrochen würden. Die letzten Stunden seiner Freiheit sollten in gewohnter Ruhe und Majestät verlaufen. Deshalb erhob sich der Heiland erst, als alles vollendet war, was er beabsichtigte, und verließ mit den Jüngern den Abendmahlssaal auf der Höhe der Oberstadt oder Sion.

Jesus geht an den Ölberg

An diesem Gang ist zu erwägen die Gemütsstimmung des Heilandes und seine Unterhaltung mit den Jüngern.
Der Herr macht erstens diesen Gang mit großem Dank gegen Gott. Deshalb heißt es ausdrücklich, daß er zuerst den Lobgesang anstimmte (Matth. 26,30; Mark. 14,26). Wenn die Eucharistie mit dem fünften Becher eingesetzt wurde, war dieser Lobgesang das große Hallel (Ps. 120-137). Gewiß war das Herz des Heilandes voll Freude und überströmenden Dankes gegen Gott für die vielen und großen Geheimnisse, die er gewirkt und die für Gott und für uns von so vielen herrlichen Wirkungen sein sollten. Sicher verabschiedete sich der Heiland auch vom Hauswirt und Gastgeber mit Dankbezeigung. – Die zweite Gemütsstimmung des Herrn war Wehmut und Trauer. Alles stimmte ihn zur Trauer. Sein Leiden kam mit Riesenschritten heran. Es war sein letzter Gang. Wahrscheinlich führte ihn sein Weg durch die Vorstadt Ophel, an der Südseite des Tempelberges, in das Tal Josaphat. Es gibt kaum einen ernsteren und düsteren Ort in der Welt als dieses Tal mit dem trockenen Bett des Winterbaches Cedron, mit seinen Schluchten, starren Felsen, unfruchtbaren Bergen und verkrüppelten Bäumen im Schatten der hinziehenden Mauern der Stadt. Ehemals mochte es, da die Höhen bewaldet waren und die vielen Wasserleitungen zum Tempel den Bach fließend erhielten, anders sein. Immerhin war es ein düsterer Gang, tief in der Nacht, und derselbe Weg, den einst David ging mit verhülltem Haupt, barfuß, als er, auf der Flucht vor seinem ungeratenen Sohn Absalom, das Bett des Cedron durchschritt, um sich mit seinen Treuen in die Wüste zurück zu ziehen, (2. Kön. 15,16). An das mahnte es wohl den Heiland, als er über eine der Brücken des Cedron schritt und an der linken Seite des Baches (Joh. 18,1) talauf ging und auf die finstere Stadt hinauf schaute, wo auch ein ungeratener Sohn, ein abgefallener Apostel Beamte und Soldaten auftrieb, um das Geheimnis der Freveltat zu vollführen. Je näher er Gethsemani kam, um so mehr nahm seine Traurigkeit und Angst zu, und es mochte sich auch wohl äußerlich zeigen, was in seinem Herzen vorging. Auch die Jünger gingen gar traurig zur Seite und lauschten ängstlich seinen Worten. – So betrübt aber der Herr auch einher ging so war er doch voll Starkmut und Entschlossenheit dem Willen nach und zögerte keinen Schritt, sich dem verhängnisvollen Ort seiner Trauer und Gefangennehmung zu machen.

Die Unterhaltung mit den Aposteln

Die Unterhaltung auf diesem Weg war über das bevorstehende Leiden, seinen Tod und die Flucht der Jünger. Es sagt ihnen voraus, daß sie diese Nacht alle an ihm Ärgernis nehmen werden (Matth. 26,31; Mark. 14,27). Zu diesem Zweck führt er die Prophetenstelle bei Zacharias an: „Erhebe dich, Schwert, gegen meinen Hirten und gegen den Mann, der mir zunächst steht; schlage den Hirten, und zerstreuen werden sich die Schafe“ (Zach. 13,7; Joh. 16,32). Die letzten Worte des Propheten: „Doch ich werde zuwenden meine Hand den Kleinen“, gibt der Heiland deutlicher in seiner Weise: „Nachdem ich aber auferstanden sein werde, gehe ich euch voran nach Galiläa.“ (Matth. 26,32; Mark. 14,28). Dagegen sträuben sich die Jünger und versichern, daß sie ihn nie verlassen werden und eher mit ihm sterben wollen (Matth. 26,35; Mark. 14,31).

Besonders beteuerte Petrus wieder: Und wenn alle ihn verließen, er werde nie Ärgernis nehmen. Da versichert ihm der Herr, daß er ihn dreimal verleugnen werde, bevor der Hahn diese Nacht zweimal krähe. Petrus aber besteht darauf, daß er eher sterben wolle, als ihn verleugnen (Matth. 26,33-35; Mark. 14,29-31). – In diesen Worten des hl. Petrus liegt nun gewiß Ungläubigkeit, Überschätzung seiner selbst und vielleicht einige Selbstüberhebung den anderen Aposteln gegenüber, aber sich auch innige Liebe, aufrichtige Entschlossenheit und wohl auch das Bestreben, dem Heiland und den anderen Aposteln Mut einzuflößen. Wer wird hier nicht an Ethai und die treuen Diener erinnert, die David weinend über den Ölberg folgten, während Absalom das traurige Vorbild des Judas war? (2. Kön. 15) Der Heiland aber nimmt die Versicherung der Treue, die sich nicht glänzend bewähren sollte, nicht ungnädig auf, tröstet im Gegenteil, obwohl des Trostes selber so bedürftig, die Apostel durch den Hinweis auf die Schrift und durch die Verheißung, daß die Prüfung vorüber gehen und er seinen Plan mit ihnen nicht aufgeben werde. Der gute Hirt! Wer wird sein Trostwort nicht zu schätzen wissen in diesen Umständen?

Jesus betritt den Garten Gethsemani 

Gethsemani war ein Landgut (Matth. 26,36; Mark. 14,32) mit einem Garten (Joh. 18,1) von Olivenbäumen, wahrscheinlich auch mit einem Landhaus und einer Olivenkelter am westlichen Abhang des Ölberges (Luk. 22,39). Noch jetzt besteht ein Teil dieses Landgutes und umschließt in seiner Umfriedung acht uralte Ölbäume, der Überlieferung nach die Zeitgenossen Jesu und die Zeugen der Gottesnot, mitten in einem stillen, immer blühenden Garten von Rosmarinen und den bekannten roten Immortellen, das Messiasblut genannt, ein freundlich tröstendes Fleckchen Erde mitten in dem trostlos öden Totenacker des Tales Josaphat. In diesem Garten nun trat der Heiland mit seinen Jüngern, um dort nach seiner Gewohnheit zu beten (Joh. 18,2; Luk. 21,37) und sein Leiden zu beginnen.

Warum wollte der Heiland nun in diesem Garten und mit Gebet sein Leiden beginnen? Unter den Bäumen Edens in einem Garten vollzog sich der Sündenfall unserer Stammeltern; so sollte auch die Wiederherstellung dieses Falles in einem Garten vor sich gehen. Die Frag Gottes, die einst in dem Garten erscholl: „Adam, wo bist du?“ und von dem ersten Adam Genugtuung forderte, war bisher noch unbeantwortet geblieben. Niemand erschien, um die Sühne zu bieten. Jetzt erscheint der Heiland, der zweite Adam; er stellt sich zur vollkommenen Genugtuung und spricht: „Siehe, ich komme“ (PS. 39,8). – Zweitens: von dem Ölberg aus sollte der Heiland durch die Himmelfahrt zum Thron seiner Herrlichkeit aufsteigen; in dem Tal Josaphat soll er einst die Menschen richten; wie passend, daß auch dort sein Leiden beginnt! – Endlich kann kein majestätischerer Eingang zum Leiden gedacht werden als das Gebet. Es gab keine wichtige Unternehmung in dem öffentlichen Leben des Heilandes, die er nicht durch Gebet einleitete: um wieviel mehr sein seliges und heilbringendes Leiden! Es ist das Gebet am Ölberg so das majestätische Tor und die Vorhalle zum Heiligtum seines Leidens und die erste Station des Leidens selbst. Er wußte wohl, daß dieses Gebet selbst ihm unsägliches Herzeleid und das Opfer seiner Freiheit bringen sollte. Er unterläßt es aber nicht. So trat der Heiland in den schrecklichen Kreis seines Leidens ein. –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes in Betrachtungen Zweiter Band, 1912, S. 301 – S. 305

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