Was schulden wir dem Heiligen Geist

Komm heiliger Geist erfülle die Herzen deiner Gläubigen, das ist der Spruch auf der mit Pflanzen geschmückten Bild; in der Mitte ist der Heilige Geist als Taube dargestellt, von sieben Feuerflammen umgeben

Für die heilige Pfingstzeit – Der Gott der Wahrheit, Gutheit und Schönheit

Was schulden wir dem Heiligen Geist?

Gewiß Anerkennung und freudigen Dank. Wir sehen ja, wie die kostbare Gabe des Vermögens der schönen Kunst uns Menschen, unsern Fähigkeiten, dem Verstand, dem Gefühl und unsern Sinnenvermögen entspricht und wie der Heilige Geist den Bedürfnissen und Anmutungen unserer Natur entgegen kommt in „allem, was wahr, was ehrbar, was gerecht, was heilig, was liebenswert, was guten Rufes, was irgend Tugend, wo irgend Lobpreis der Zucht ist“ (Phil. 4, 8). Dadurch zeigt er, daß er der Freund und Gott der Menschen ist, indem er alles Gute und Schöne, das er in ihre Natur gelegt hat, in Ehren hält und seiner Sorge und seines Entgegenkommens würdigt. Ferner bereitet uns der Heilige Geist durch die schöne Kunst unendlich viel Freude und Erbauung. Die Aufgabe der Kunst ist ja Erkenntnis der Wahrheit und Gutheit und Freude an ihrem bezaubernden Ausdruck. Alle Wahrheit und Gutheit aber kommt von Gott und führt zu Gott. Je reiner und harmonischer für alle geistigen, sittlichen und sinnlichen Fähigkeiten der Ausdruck der geschaffenen Schönheit ist und Gott, das Urideal aller Schönheit darstellt, um so mehr vermag das Kunstwerk uns zu Gott empor zu heben. Das Gefühl des wahrhaft Schönen ist ein wahrer Ausflug des ganzen Menschen zu Gott, wie der Psalmist sagt: „Mein Herz und mein Fleisch frohlocken auf zum lebendigen Gott“ (Ps. 83, 3).

Namentlich ist das der Fall in der religiösen und kirchlichen Kunst, deren Wirkung übernatürliche Freude an Gott und göttlichen Dingen ist. Aus dieser Freude ergibt dann von selbst die Erbauung. Nirgends wirkt die Kunst reiner und mächtiger als im Dienst der Religion. Es ist gar nicht abzusehen, wieviel religiöse Erkenntnis und Erbauung, wieviel Glaube und Gottseligkeit von wahrhaft kirchlichen Kunstwerken in Wort, Ton und Farbe ausgeht und das werktägliche, weltliche Leben reinigt, erhebt, erfreut und heiligt. Durch die Freude an himmlischer Schönheit den Menschen zu Gott zu führen, ist der schöne Pfad der kirchlichen Kunst. Es ist ein wahrer Gottesdienst, und in der Pflege der Gott begnadeten Kunst ist die Kirche wirklich Dienerin und Ausspenderin der Geheimnisse Gottes (1. Kor. 4, 1) Durch die Kunst verherrlicht die Kirche aber auch den heiligen geist. Sie begnügt sich nicht damit, was sie vom Heiligen Geist glaubt und was sie an Liebe zu ihm im herzen hegt, auszusprechen durch das Wort der Predigt und der Konzilien-Beschlüsse, sie zaubert das alles auch in Farben und rhythmischem Wohllaut unserem Sinne vor, damit ihre Andacht zum Heiligen Geist um so lebhafter in unser Herz dringe und unser ganzes Wesen für seinen Dienst in Besitz nehme, wie sich das gegenüber unserem Herrn und Gott gebührt.

Wahrheit, Gutheit, Schönheit, welch unermessliche Reiche sind das und welch herrliche Schöpfungen umfassen diese Begriffe nicht in sich! Wenn es einen Menschen gäbe, der alles himmlische Wissen und alle Himmels-Weisheit besäße, die je einen Menschengeist entzückt, und allen übernatürlichen Seelenadel und alle Herzens-Gutheit, die je Himmel und Erde erbaut und erfreut haben, wenn es einen Menschen gäbe, der über alle künstlerische Begabung und Idealmacht bevorzugter Geister verfügte, wer alles dies besäße, welch ein Wesen wäre er? Nun vergessen wir aber nicht, was die Heilige Schrift sagt, daß es einen gibt, der viel vorzüglicher und mächtiger ist als alles dieses, der alles beherrscht und der Urheber all der Schönheit ist (Weish. 13, 3f). „Dieser ist unser Gott, ein anderer wird mit ihm nicht in Vergleich gesetzt; er machte ausfindig jeden Weg der Führung und teilte ihn mit.“ (Bar. 3, 36f). Dieser Gott der Wahrheit, der Gutheit und Schönheit ist der Heilige Geist. Wenn nun seine Schöpfung, sein Reich so groß und herrlich ist, was muss er selbst sein! Schließen wir es aus dem, was er gemacht hat; „denn aus der Größe der geschöpflichen Schönheit kann vergleichsweise deren Schöpfer erschaut werden“ (Weish. 13, 5). Was für ein mächtiger und schöner Geist muss es sein, der, wie die Schrift sagt, ein Geist ist verständig, heilig, einfach, vielfach, fein, beredt, beweglich, unbefleckt, stetig, lieblich, Gutes liebend, scharf, ungehemmt, wohltätig, menschenfreundlich, gütig, zuverlässig, allvermögend, allschauend und alle Geister durchdringend, sinnig, rein und zart (Weish. 7, 22f). Der Heilige Geist ist der Urheber alles Lebens und jedes Geistes; er ist Wahrheit, Gutheit, Schönheit, der Herr des Lichtes, der Farben, der Töne, der Bewegung, der sinnigen, großen, mächtigen Gedanken und der bezaubernden Gefühle; von ihm kommt alle hohe Inspiration, er macht die Sänger und Propheten; von ihm kommen die herrlichen Ideale und alle Macht, sie zu fassen in Wort, in Schall und Farbe, sie heraus zu bilden aus starrem, seelenlosem Stein und Holz. Wie billig, daß wir ihn loben, preisen,, anbeten und lieben, da er so unnennbar groß, herrlich und herzbeseligend ist.

Wir müssen den heiligen Geist auch bitten, daß er uns zu Jüngern seiner Wahrheit, zu Kindern seiner Gutheit und Liebhabern seiner reinen, göttlichen Schönheit mache. Der Heilige Geist findet hier auf Erden immer viel zu tun. Wir könnten schon ein neues Pfingstfest brauchen. Der Unglaube und Irrglaube haben ihre Waffen vor seiner Wahrheit noch nicht gesenkt; wir sind so arm an wahren Heiligen, und die heilige Quelle der Kunst, die einst in den Vorhöfen des Herrn sprudelte und Austeilerin der Geheimnisse Christi war, soll jetzt in dem Heidentempel der Weltlust Dienste tun. Möge doch der Heilige Geist sein heiliges Erbe, unsere Herzen, die ganze Welt mit den süßen Waffen seines göttlichen Trostes wieder erobern, wie er es schon einmal getan hat. Schön betet die Kirche: „O Gott, der du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes belehrt hast, gib uns die Gnade, in demselben Geist das, was recht ist, zu verstehen und uns seines Trostes immerdar zu erfreuen.“ –
aus: Moritz Meschler SJ, Aus dem katholischen Kirchenjahr, Erster Band, 1919, S. 439 – S. 441

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