Galiläa

  1. Start
  2. Antike
  3. Galiläa

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Galiläa

Galiläa. I. Landschaft in Palästina, das Bergland westlich des Jordan von der Bene Esdrelon und dem Tal des Nahr Dschalûd im Süden bis zur Senke Merdsch Ajjûn am Knie Nahr-el-Kāsimîje im Norden; wasserreicher und fruchtbarer als das judäische Bergland. Höchste Erhebung des fast nordsüdlich verlaufenden Gebirgskammes ist der Dschebel Dschermak mit 1199m. Zwischen den Bergen liegen geräumige Ebenen (z. B. El-Battôf). Das tiefe Quertal von er-Râme teilt Galiläa in eine nördliche und südliche Hälfte. In der Bibel finden sich die ersten Spuren des Namens Galiläa bei Jos. 20, 7; 1. Kg. 9, 11 und Is. 8, 23 (Bezirk der Heiden); in der LXX (=Septuaginta) zu letzterer Stelle taucht das Wort ‚Galiläa‘ zum 1. Mal auf.

Galiläa war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Die israelitische Einwanderung fand kanaanitische Stadt-Fürstentümer vor. Deren Unterwerfung der Urbevölkerung gelang nur allmählich, die völlige Verdrängung der Urbevölkerung überhaupt nicht. Das Land erhielten die Stämme Issachar, Ascher, Zabulon und Nephthali; den äußersten Norden besetzte später der Stamm Dan. Als Durchgangsgebiet der Küstenstraße wichtig, war es ständig zwischen den Königen von Israel und Damaskus umstritten (1. Kg. 15, 20; 2. Kg. 13, 22). Galiläa wurde 734 v. Chr. unter Tigkathpileser IV. v. Assyrien von der Deportation betroffen. In das nach Rückkehr aus dem babylonischen Exil wieder zu besiedelnde Gebiet war es offiziell nicht eingeschlossen; doch bestanden dort allem nach beim Ausbruch der makkabäischen Erhebung jüdische Siedlungen (1. Makk. 5, 15ff). Eine förmliche, freilich oberflächliche Judaisierung geschah aber wohl erst unter Aristobul I. (Josephus, Antiqu. XIII 318). Nach des Herodes d. Gr. Tode war Galiläa Teil der Tetrarchie seines Sohnes Herodes Antipas (4 v. bis 39 n. Chr.), der zuerst in Sepphoris, dann in Tiberias residierte.

Unter seiner Regierung wurde Galiläa berühmt durch das öffentliche Auftreten Jesu. In Jerusalem bildete Jesu Herkunft aus Galiläa einen der Gründe, ihn abzulehnen (Joh. 7, 52). Denn die Hüter des Gesetzes achteten wegen der Durchdringung des Landes mit nichtjüdischen Elementen (vgl. z. B. die Namen Andreas und Philippus!) die Galiläer nicht hoch. Auch ihre Sprache war den Judäern auffällig (Mt. 26, 73; Apg. 2, 7) und Anlass zum Tadel.

Unter Herodes Antipas und Herodes Agrippa I. stand Galiläa günstig. Josephus schildert seine Bevölkerungsdichte und Fruchtbarkeit lebendig, wenn auch rhetorisch übertrieben (Bell. Jud. III 41/43; Vita 235). Nach dem Tode des Herodes Agrippa I (44) wurde Galiläa mit Ausnahme einiger Orte, z. B. Tiberias, das Herodes Agrippa II. erhielt, den römischen Prokuratoren v. Judäa unterstellt.

Der jüdische Aufstand weckte auch bei der Freiheit liebenden (Bell. Jud. III 41/43) Bevölkerung Galiläas lebhaftes Echo. Dich unterdrückte 67 bereits Vespasian die Bewegung in Galiläa. Nach dem Fall Jerusalems i. J. 70 und besonders nach der Niederwerfung des Bar Kochba-Aufstandes 136 wurde Galiläa ein Hauptsitz der rabbinischen Gelehrsamkeit. In byzantinischer Zeit gehörte Galiläa zur Palaestina secunda (Metropole Skythopolis).

In den Kreuzzügen bildete Galiläa ein Fürstentum des Königreiches Jerusalem. Aus dieser Zeit stammen u.a. die gewaltigen Ruinen von Toron (jetzt Tibnîn) und Montfort (=Starkenberg, jetzt Kal ʿat el-Kurên). 1187 sah Galiläa die verhängnisvolle Schlacht von Hattin. Unter türkischer Herrschaft gehörte es zum Wilajet Beirut. Die brit.-französ. Konvention v. 23.12.1920 zerriss Galiläa unnatürlich, indem der Norden und Nordwesten zu Syrien kam. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, Sp. 262 – Sp. 263

Galiläa hatte von alters her eine von Heiden und Juden gemischte Bevölkerung; es umfaßte zur Zeit Jesu Nordpalästina und erstreckte sich vom Karmel und Skythopolis bis in die Gegend des tarischen Gebiets. Flav. Jospehus (Bell. Jud. 3, 3, 1) unterscheidet ein Ober- und ein Untergaliläa; Obergaliläa reichte von Bersabee (Heptapegon, jetzt Et-Tabiga, am See Tiberias) bis zum Dorf Thella an der tyrischen Grenze, Untergaliläa von Bersabee bis Xaloth (jetzt Iksal) am Tabor. Dieselbe Einteilung wird im Talmud (Schebiith 9, 2) mit der Bemerkung gegeben: „Vom Dorf Chananija (jetzt Kefr Anan bei Zefath), wo keine Sykomoren wachsen, ist Obergaliläa; südlich von diesem Ort, wo Sykomoren wachsen, ist Untergaliläa.“ Die Provinz war sehr stark bevölkert, mit vielen Städten und Dörfern bedeckt und äußerst fruchtbar (Jos. Bell. Jud. 3, 3, 1), insbesondere der Bezirk von Tiberias,d as Land Gennesar oder Alnd Genesareth genannt (Jos. 1. c. 3, 10; vgl. Matth. 14,34; Mark. 6, 53). Die Galiläer waren arbeitsam, kühn und kräftig, darum (wie Jos. Vit. 17 bemerkt) reizbarer und mehr zum Widerstand bereit als die Bewohner Judäa’s. Sie hielten fest an ihren Gebräuchen. Besonders machte sie ihr Idiom in den Augen der Bewohner Judäa’s kenntlich (vgl. amtth. 26, 73; Mark. 14, 70), indem sie bei der Aussprache besonders die Gutturale nicht genug unterschieden. Obwohl im Allgemeinen strenger in der Beobachtung der religiösen Gebräuche als die Bewohner Judäa’s, waren letztere, in deren Mitte die priesterliche Körperschaft und die hohe Schule der Lehrer sich befand, mit dem religiösen Wissen und der jüdischen Orthodoxie der Schule besser vertraut als die Galiläer (vgl. Joh. 1, 46; 7, 41; Apg. 2, 7).

Galiläa war das hauptsächlichste Gebiet der irdischen Tätigkeit des Herrn; er hieß daher bei den Juden „der Galiläer“ (Matth. 26, 69; Luk. 22, 59); auch die meisten Jünger und apostel des Herrn hatten ihre Heimat in Galiläa (Apg. 1, 11; 2, 7). Die hauptsächlichsten und wichtigsten Städte Galiläa’s waren: Tiberias, Sephoris (Diocäsarea), Skythopolis, Akko, Bethsaida (Julias), Saphet, Nazareth, Kana, Kapharnaum, Naim, Endor. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 9, 1895, Sp. 1289 – Sp. 1290

Buch mit Kruzifix
Gottschalk von Orbais
Buch mit Kruzifix
Archelaus

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Geißler

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Geißler Geißler oder Flagellanten, auch Kreuzbrüder (Flagellarii, Flagellatores, Cruciferi), anfangs von ernstem Pathos durchdrungene schwärmerische Laien aller Stände und jeden Alters, welche die „disciplina flagelli“ (Geißelung) von den Klöstern auf die Straße trugen und…
Buch mit Kruzifix

Moralsysteme

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moralsysteme 1. Aufgabe und Richtungen Unter Moralsysteme im engeren Sinne versteht man systematische Versuche, angesichts des Zweifels, ob eine bestimmte Handlung moralisch erlaubt sei oder nicht, vom Zweifel zu einem Urteil, das ein Handeln…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Maistre, Joseph Marie Maistre, Joseph Marie Comte de, katholischer Denker, Diplomat und Publizist, * 1.4.1754 zu Chambéry (Savoyen) als ältestes von 10 Kindern. † 26.2.1821 zu Turin; als Kind rückhaltlos unterwürfig gegen die Eltern,…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Böhmische Brüder Böhmische Brüder (Brüderunität, Jednota bratrská, unitas fratrum), christliche Gemeinschaft, durch Abspaltung von den husitischen Utraquisten begründet, auch Mährische Brüder genannt, da sie nach 1575 ihren Hauptsitz in Mähren hatten. 1) Geschichte. In…
Buch mit Kruzifix

Hunolt, Franz

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hunolt Hunolt, Franz, SJ (seit 1709), Homilet, * 31.3.1691 zu Siegen, † 12. 9. 1746 zu Trier, hier 1724 bis 1743 Domprediger. Verfaßte Sittenpredigten in volkstümlicher Sprache, mit treffenden Vergleichen, Sprichwörtern, anschaulicher, dem Leben…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Die makkabäischen Brüder

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Die Makkabäischen Brüder Die Makkabäischen Brüder, Bezeichnung der 7 Söhne der „Makkabäermutter“, so genannt, weil sie alle in der Verfolgung starben, die den Anlass zum Aufstand der Makkabäer gab. – Diese Hebr. 11, 35 gepriesenen Vorkämpfer des Monotheismus wurden von den Frühchristen sehr geschätzt und schon von Cyprian (Ad…
Buch mit Kruzifix

Götzendienst

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Götzendienst Götzendienst (von Götze = Gußbild), also göttliche Verehrung gegossener Bilder, dann jeglichen Symbols oder Bildes der Götter. 1) Allgemein siehe Abgötterei. – 2) Im alten Bund. Die Bibel nennt Hausgötzen, Schnitzbilder, Gußbilder, eigentlich geschnitztes Bild mit Silber überzogen (Richt. 17,4); mit Gold überzogen: Ephod (Richt. 8,27; vgl. Is.…
Buch mit Kruzifix

Geschlechtsregister

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Geschlechtsregister Geschlechtsregister in der Bibel. Die meisten finden sich in den Büchern Gn, Esr, Neh und Chr. Zu unterscheiden ist zwischen Geschlechtsregister, die eine Verwandtschaft von Personen dartun, und zwischen Verzeichnissen von Völkern nach Analogie von Stammbäumen. Die Listen, in denen Völker als „Söhne“ eines Volkes (oder Landes) erscheinen,…
Buch mit Kruzifix

Archelaus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Archelaus Archelaus, Sohn Herodes‘ des Großen, hatte mit seinem Bruder Antipas eine Samariterin Namens Malthace zur Mutter und war gleich diesem seinem Bruder in Rom erzogen worden (Jos. Antt. 17, 1, 3; 10, 1). nach dem zweiten Testament des Herodes (in dem ersten hatte er Antipas zum alleinigen Erben…
Buch mit Kruzifix

Core

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Core Core, 1. dritter Sohn Esau`s von Oolobana (Gen. 36, 5. 14. 18; 1. Par. 1, 35). – 2. Der fünfte Sohn Eliphaz`, des erstgeborenen Sohnes Esau`s von Ada (Gen. 36, 16). – 3. Ein Nachkomme Calebs, Sohn Hebrons (1. Par. 2, 43; s. Keil im Comm. z.d.St.). –…
Buch mit Kruzifix

Gamaliel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gamaliel Gamaliel (Gamali`el): 1) Familienhaupt im Stamme Manasse (Nm. 1,10; 2,20; 7,54 u. 59; 10,23). 2) Gamaliel I, der Ältere, gefeierter Gesetzeslehrer, zu dessen Füßen auch der hl. Paulus saß (Apg. 22,3; vgl. 5,34ff); im Gegensatz zu Rabbi Schammai nicht Rigorist. Auf seinen vermittelnden Einfluß hin, wobei er das…