Geschlechtsregister

  1. Start
  2. Altes Testament
  3. Geschlechtsregister

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Geschlechtsregister

Geschlechtsregister in der Bibel. Die meisten finden sich in den Büchern Gn, Esr, Neh und Chr. Zu unterscheiden ist zwischen Geschlechtsregister, die eine Verwandtschaft von Personen dartun, und zwischen Verzeichnissen von Völkern nach Analogie von Stammbäumen. Die Listen, in denen Völker als „Söhne“ eines Volkes (oder Landes) erscheinen, wollen zeigen, daß zwischen den genannten Völkern (bzw. Volk und Land) Beziehungen vorliegen, sei es Blutsverwandtschaft, sei es Nachbarschaft der Wohnsitze in Vergangenheit oder Gegenwart; Beispiel die Völkertafel Gn 10. Die Sethitentafel Gn 5 stellt die Verbindung zwischen Adam und Noe her, die Semitentafel Gn 11, 10ff verknüpft Abraham mit Sem; beide Geschlechtsregister bieten Personennamen. Die eigentlichen Geschlechtsregister zeigen die Abstammung eines Israeliten von Abraham bzw. einem seiner Nachkommen; sie sind aufgestellt, weil im Alten Bund die göttlichen Offenbarungen auf Israel beschränkt war und somit die Zugehörigkeit zum „Samen Abrahams“ das Anrecht auf die Segnungen der wahren Religion verbürgte. Die Priester mussten imstande sein, durch Geschlechtsregister ihre Herkunft von Aaron zu beweisen, weil damit allein das recht auf das Priestertum verbunden war (Esr 2, 61ff; Neh 7, 63ff). Da sie nur eine isrelitische Jungfrau oder Witwe heiraten durften, mussten sie deren Stammbaum genau prüfen; das setzt voraus, daß sehr viele Familien im Besitz von Geschlechtsregistern waren. Daß die Geschlechtsregister der nachexilischen Bücher erdichtet seien, ist eine unbewiesene Aufstellung der modernen negativen Kritik. Zur Zeit Christi legten die Juden allein auf die leibliche Abstammung von Abraham Wert, ohne an die religiösen Pflichten zu denken, welche die Zugehörigkeit zum Gottesvolk auferlegte (Mt 3, 9; Lk 3, 8; Joh 8, 33).

Die Geschlechtsregister Jesu, in Mt 1, 1-17 und Lk 3, 23-38 geboten, geben unter Auslassung einzelner Glieder den Stammbaum Josephs als des gesetzlichen Vaters Jesu, da entsprechend der jüdischen Auffassung in den amtlichen Listen die Abstammung von der Frau nicht entscheidend war. Die Jungfrau-Geburt aus Maria wird von beiden Evangelisten bezeugt, die Abstammung Marias von David (2 Sm 7, 13-16) wird Lk 1, 27 ausgesprochen (vgl. Mt 1, 1; Röm 1, 3). Die Geschlechtsregister nennen die Ahnen Abraham (Gn 12, 3) und David (2 Sm 7, 13-16), um Jesus als den verheißenen Messias zu kennzeichnen. Mt führt für die Judenchristen das Geschlechtsregister von Abraham über den König Salomo und Jakob herab; Lk führt für die Heidenchristen sein Geschlechtsregister über Heli und den Propheten Nathan bis auf Adam durch, um anzudeuten, daß Jesus der Erlöser der gesamten Menschheit ist. Jakob war wohl der leibliche, Heli der gesetzliche Vater Josephs. Mt rechnet in Zahlensymbolik 3mal 14 Geschlechter (14=2mal 7 oder Zahlenwert von „David“); Einschnitte sind Davids Königtum und das babylonische Exil; die Bemerkung „Jechonias und seine Brüder“ weist auf das Ende des davidischen Königtums; die Aufnahme der nichtisraelitischen Frauen Thamar, Rachab und Ruth in den Stammbaum weist auf den Universalismus des Christentums, die der Sünderinnen Thamar, Rachab und Bethsabee auf die geheimnisvollen Gnadenwege Gottes hin. Lk läßt in seinem Stammbaum nicht die natürliche Zeugung und damit für die Zugehörigkeit zum messianischen Reich nicht die leibliche Abstammung von Abraham maßgebend sein. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, Sp. 452 – Sp. 453

siehe auch den Beitrag: Buch der Abstammung Christi

Hutten
Geschlossene Zeit

Weitere Lexikon-Einträge

Theodosia

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Theodosia Theodosia, hl., Jungfrau und Märtyrerin in Cäsarea (Palästina) im 5. Jahr der großen Verfolgung (308), die einzige sicher geschichtliche Märtyrerin dieses Namens in ihr, stammte aus Tyrus, sprach in Cäsarea mit gefangenen Christen,…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Brüder vom gemeinsamen Leben (Fraterherren) Fraterherren oder Brüder vom gemeinsamen Leben, fratres vitae communis, modernae devotionis, bonae voluntatis, fr. cucullati, Kugel- (Gugel-) oder Kogelherren, Kepplerbrüder, Kollatienbrüder, Brüder von der Feder, Schulbrüder, Hieronymianer, Gregorianer, Lollbrüder,…

Ketzertaufe

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ketzertaufe Ketzertaufe. Soweit die historischen Zeugnisse zurückreichen, stellte man sich in der alten Kirche zur außerkirchlichen Taufe verschieden. Im Morgenland erklärten sich um 230-240 die Synoden von Ikonium und Symnada (vgl. auch Can. apost.…
Buch mit Kruzifix

Deharbe, Joseph

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Deharbe Deharbe, Joseph, SJ (seit 1817), * 1.4.1800 zu Straßburg i. E., † 8.11.1871 zu Maria Laach. 1830-1836 und 1839 Professor der Rhetorik zu Brig, 1840-1841 Volksmissionar in der Schweiz und in Bayern, 1842-1845…

Pataria

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pataria Pataria, eine wahrscheinlich nach dem Platz des Trödelmarktes benannte mailändische Volkspartei, die sich gegen den reichen, verweltlichten Klerus, gegen Simonie und Priesterehe richtete und somit für die Ziele der kirchlichen Reformpartei kämpfte. Sie…

Weitere Lexikon-Beiträge

Judäa

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judäa Judäa (so 2. Makk. ausschließlich, in 1. Makk. daneben häufiger das hebräisierende), in gräzisierte Form aus aramäisch = Jude, bezeichnet zunächst den nachexilischen Wohnsitz der Juden. Politisch genommen, bedeutet es im Zusammenhang mit den Eroberungen der Makkabäer das Hasmonäer-Reich, später das Reich des Herodes d. Gr., weiterhin und…

Leviratsehe

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Leviratsehe Leviratsehe (lateinisch levir = Schwager), Schwagerehe, die Ehe, die der Bruder eines ohne männliche Nachkommen verstorbenen Ehemannes mit dessen Witwe eingehen mußte. Das Recht der Leviratsehe bestand schon zur Zeit der Patriarchen und wurde streng aufrecht erhalten (Gn. 38); es galt auch bei anderen Völkern (Hethiter, Assyrer, Inder)…

Galiläa

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Galiläa Galiläa. I. Landschaft in Palästina, das Bergland westlich des Jordan von der Bene Esdrelon und dem Tal des Nahr Dschalûd im Süden bis zur Senke Merdsch Ajjûn am Knie Nahr-el-Kāsimîje im Norden; wasserreicher und fruchtbarer als das judäische Bergland. Höchste Erhebung des fast nordsüdlich verlaufenden Gebirgskammes ist der…

Halacha

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Halacha Halacha, Plural Halachoth („Gang“, übertragen = was gang und gäbe ist, brauch, Norm), bezeichnet in der jüdischen Schulsprache das im Leben zur Geltung gekommene Gewohnheitsrecht, die normierte Satzung, die religionsgesetzliche Vorschrift, die festzustellen Aufgabe und Befugnis der anerkannten Gesetzeslehrer war. Die Halachoth wurden in den Schulen anfangs nur…

Makkabäerbücher

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Makkabäerbücher II. Makkabäerbücher 1) Die kanonischen (bei Juden und Protestanten aber für apokryph geltend): Das 1. Buch der Makkabäer behandelt nach kurzem Rückblick auf Alexander und die Gründung des Seleukiden-Reiches (1, 1-10) die jüdische Geschichte vom Regierungsantritt des Antiochus Epiphanes (175) bis zum Tod des Simon (134). Es ist…

Sara

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sara Sara, im Alten Testament 1. die Gemahlin des Patriarchen Abraham, war zugleich dessen Halbschwester, vom nämlichen Vater und einer andern Mutter geboren (Gen. 20,12). Die Annahme der Juden, sie sei identisch mit Jescha, der Tochter Arans (Gen. 11,29), wird zwar von manchen christlichen Exegeten geteilt, ist aber mit…
Menü