A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Götzendienst

Götzendienst (von Götze = Gussbild), also göttliche Verehrung gegossener Bilder, dann jeglichen Symbols oder Bildes der Götter. 1) Allgemein siehe Abgötterei. – 2) Im alten Bund. Die Bibel nennt Hausgötzen, Schnitzbilder, Gussbilder, eigentlich geschnitztes Bild mit Silber überzogen (Richt. 17,4); mit Gold überzogen: Ephod (Richt. 8,27; vgl. Is. 30,22 u. Ex. 32, 3 u. 4 u. 20); doch gab es auch Bilder aus Ton und Stein), Bilder (wahrscheinlich in menschlicher Gestalt) im Gegensatz zu den Symbolen (Pfahl der Astarte), „Nichtse“, verächtlich, richtig „Mistgötzen“, „Gräuel“, „Abscheulichkeiten“.

Zum verbotenen Bilderdienst im Alten Testament, den die Propheten oft mit beißendem Spott schildern und bekämpfen (Is. 44,12ff; 41,21ff; 43,9ff), gehörte auch die Aufstellung von Malsteinen, die oft in den Kopf der Astarte endeten und die Form von Phallen hatten. Häufig finden sich Stiere und andere Tierbilder als Symbole der verschiedenen Götter (Stierdienst), welche aber, wie die Jahwebilder in menschlicher Gestalt (z. B. Richt. 8,27; 17,4), ursprünglich nicht Götzenbilder, sondern Symbole Jahwes waren. Ihre Verehrung war daher nicht Götzendienst, sondern ungesetzlicher Jahwekult, der aber in Götzendienst ausartete.

Überhaupt war der Götzendienst dem Volk Israel nicht von Haus aus eigen, sondern etwas Fremdes, Importiertes (vgl. Dt. 32,16f). Der verderbliche Einfluss ging besonders von 2 Völkern aus: zur Zeit der Richter von den Kanaanitern (Baale, Astarten, Höhenkult; vgl. 1. Kg. 16,31; 18,21; 19,10; 2. Kg. 16,3; 21,6 (Menschenopfer); zur Zeit der Könige von den Assyriern und Babyloniern (vgl. 2. Kg. 16,17f; 21,3-5; 23,11f). Ersterer wurde durch die Tätigkeit Samuels ( 1. Sm. 28,9), letzterer durch das Babylonische Exil und die großen Propheten jener Zeit überwunden (vgl. Jer. 19,13; Ez. 16,28f; 23,12ff).

Daneben machte sich stets auch der ägyptische Einfluss geltend (Ez. 16,26; 23,8 u. 19). Die Errichtung von Denksteinen an den durch göttliche Offenbarungen geheiligten Stätten (Bethel) hat nichts zu tun mit den heidnischen Bätylien.

Nach dem Babylonischen Exil brachte der Hellenismus den Götzendienst in Schwung. Die Hohenpriester Jeschua (174-171) und Eljakim (162-160), die ihre Namen hellenisierten (Jason, Alkimos), standen sogar an der Spitze der hellenistisch gesinnten Partei (2. Makk. 4; 14,3ff; 1. Makk. 7,5-25; 9, 1 u. 54ff). Man sandte nicht nur eine Beisteuer zum Staatsopfer für Melkart-Herakles in Tyrus (2. Makk. 4,18ff), sondern errichtete auch auf dem Brandopfer-Altar im Tempel zu Jerusalem den „entsetzlichen Götzen“ das Bild des Zeus Olympios, und auf Garizim das des Zeus Xenios (1. Makk. 1,54ff; 2. Makk. 6,2ff; Dn. 9,27). (Siehe auch den Beitrag: Gräuel der Verwüstung im Alten Bund)

Gegen dieses Heidentum kämpften die Makkabäer mit dem Schwert siegreich. Viele Gläubige starben den Märtyrertod. Man betrachtete immer mehr den Götzendienst als Dämonenkult (Dt. 32,17 u. Ps. 95,5 u. 105,37 LXX, Bar. 4,7). Dasselbe tut das Neue Testament (1. Kor. 10, 20). In Röm. 1, 20-23 geißelt Paulus den Götzendienst der Heiden als vernunftwidrige Verirrung (Strafe ihrer Selbstüberhebung). –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, Sp. 625 – Sp. 626

Tags: Judentum
Buch mit Kruzifix
Arnauld
Buch mit Kruzifix
Gerberon

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Bildzauber

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bildzauber Bildzauber, die abergläubische Verzerrung des christlichen Bilderkultes; in der Höchststeigerung Identifizierung des Bildes mit seinem Subjekt, die bis zur Taufe des Bildes auf den Namen der vom Bild zu gebenden Personifikation geht. Der…
Buch mit Kruzifix

Humanität

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Humanität Humanität (humanitas) bezeichnet 1) als Allgemeinbegriff das Wesen des Menschen, das ihn der Art nach von jedem andern Seienden unterscheidet. In diesem Sinn entwickelte den Begriff die scholastische Christologie für die humana natura…
Buch mit Kruzifix

Caulet von Pamiers

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Caulet von Pamiers Caulet, Franz Stephan von, Bischof von Pamiers, erwarb sich im Regalienstreit durch den Mut, mit dem er den Anmaßungen Ludwigs XIV. Widerstand, einen verdienten Ruhm; diesem jedoch tut sein Verhalten in…
Buch mit Kruzifix

Mormonen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Mormonen Mormonen, nordamerikanische Sekte, gegründet 1830 in Fayette (Neuyork) durch Joe Smith, von dem sie in Wesen und Lehre ihr eigenartiges Gepräge erhielt. Die Sekte bildet einen straff organisierten Kirchenstaat mit theokratischer Verfassung. Im…
Buch mit Kruzifix

Quanta cura

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Quanta cura Quanta cura, Rundschreiben Pius IX., die schärfste Verurteilung des politischen und religiösen Liberalismus und Staatsabsolutismus seitens des Hl. Stuhles, am 8.12.1864 zugleich mit dem Syllabus und einem Begleitschreiben des Kardinals Antonelli an…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Gamaliel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gamaliel Gamaliel (Gamali`el): 1) Familienhaupt im Stamme Manasse (Nm. 1,10; 2,20; 7,54 u. 59; 10,23). 2) Gamaliel I, der Ältere, gefeierter Gesetzeslehrer, zu dessen Füßen auch der hl. Paulus saß (Apg. 22,3; vgl. 5,34ff); im Gegensatz zu Rabbi Schammai nicht Rigorist. Auf seinen vermittelnden Einfluß hin, wobei er das…
Buch mit Kruzifix

Judäa

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judäa Judäa (so 2. Makk. ausschließlich, in 1. Makk. daneben häufiger das hebräisierende), in gräzisierte Form aus aramäisch = Jude, bezeichnet zunächst den nachexilischen Wohnsitz der Juden. Politisch genommen, bedeutet es im Zusammenhang mit den Eroberungen der Makkabäer das Hasmonäer-Reich, später das Reich des Herodes d. Gr., weiterhin und…
Buch mit Kruzifix

Core

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Core Core, 1. dritter Sohn Esau`s von Oolobana (Gen. 36, 5. 14. 18; 1. Par. 1, 35). – 2. Der fünfte Sohn Eliphaz`, des erstgeborenen Sohnes Esau`s von Ada (Gen. 36, 16). – 3. Ein Nachkomme Calebs, Sohn Hebrons (1. Par. 2, 43; s. Keil im Comm. z.d.St.). –…
Buch mit Kruzifix

Karäismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Karäismus Karäer (= Schriftkundige oder = Anhänger der Schrift), jüdische Sekte, welche die rabbinische Tradition und damit den Talmud verwirft. Unrichtig ist, daß sie aus dem Sadduzäismus hervorgegangen seien, wenn sie sich auch sadduzäische Lehrmeinungen, soweit solche in der talmudischen Literatur noch vorhanden waren, zu eigen machten. Als Grund…
Buch mit Kruzifix

Menelaus

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Menelaus Menelaus, verdrängte durch Bestechung des Antiochus IV. Epiphanes den Hohenpriester Jason, war nach 2. Makk. 4, 23 Bruder des Tempelbeamten Simon, gehörte also der Priesterfamilie Balgea an (ebd. 3, 4; so ist statt „Benjamin“ mit Altlateinisch und Armenisch zu lesen), war also nicht aus hohepriesterlichem Geschlecht. Auf die…
Buch mit Kruzifix

Schriftgelehrte

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Schriftgelehrte Jüdische Schriftgelehrte am Grab des Propheten Ezechiels Schriftgelehrte (Schreiber, Sekretäre) sind Juden, die sich berufsmäßig mit der Erforschung des Gesetzes beschäftigen. Als eigener Stand gesetzeskundiger Lehrer und Richter erscheinen sie seit Esdras, der den Späteren stets als Vater und Vorbild der Schriftgelehrsamkeit galt. Esdras war noch Priester und…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner