Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Gerberon

Gerberon, Gabriel, Mauriner von gründlicher Gelehrsamkeit und leidenschaftlicher Feder, * 12.8.1628 zu St-Calais (Maine), † 28.3.1711 zu Paris; lehrte Rhetorik, Philosophie und Theologie an verschiedenen Ordensschulen (seit 1666 in St-Germain-des-Prés), 1672 Subprior in Argenteuil und 1675 in Corbie. Eifrig patristischen Studien obliegend, schrieb er eine Apologie pro Ruperto (v. Deutz) (Paris 1669; gegen die calvinistische Abendmahlslehre) und Acta Marii Mercatoris (Brüssel 1673) und besorgte 1675 die Neuausgabe der Werke des hl. Anselm von Canterbury.

Temperamentvoll griff er das Regalienrecht an, erregte großes Aufsehen durch die scharfe Schrift gegen die Hofäbte: Abbé commendataire (Köln 1674; der 2. Teil des Werkes v. F. Delfau), und durch seine Gnadenlehre hauptsächlich in den Werken Miroir sans tâche (Paris 1680). Knapp entging er Januar 1682 der vom König angeordneten Verhaftung durch Flucht nach Amiens, weilte 1683-90 in Holland, dann in Brüssel, war dort Mitstreiter Arnaulds, hier Nachbar und Freund Quesnel, unerschöpflich in literarischer Produktion und heißer Polemik für den Jansenismus und gegen die Jesuiten meist unter den Decknamen Flor de Ste-Foy, Rigberius, Abbé Valentin, Sieur Poitevin, Sieur de Froimont.

1703 nach Vincennes, wo er im April 1710 seine Irrtümer widerrief und die Freiheit erlangte. Doch blieb er in der Stille v. St-Denis innerlich bis zum Tode Jansenist. Von seinen vielfach unveröffentlichten Schriften, nach Tassin insgesamt 111, sind noch zu nennen: Essais de théologie morale (1686) und Disquisitiones de praedestinatione, beide von Rom verboten, sowie die Selbstbiographie Les avantures de Dom G.G. (Manuskript in der Nat.-Bibl. Paris). –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, Sp. 409 – Sp. 410

Buch mit Kruzifix
Genugtuung
Buch mit Kruzifix
Geschlechtsregister

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Rongeanismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rongeanismus Ronge, Johann, Begründer des Deutschkatholizismus, * 16.10.1813 in Bischofswalde bei Grottkau, schon als Gymnasiast in Neiße ein Eigenbrödler, religiöser Grübler und Skrupulant, studierte aus Rücksicht auf seine Angehörigen Theologie in Breslau, dabei Mitglied…
Buch mit Kruzifix

Makkabäer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Makkabäer Makkabäer (entweder von Hammer, Hammerschläger oder Auslöscher; vgl. den Namen eines Helden Davids: 1. Chr. 12, 9 u. 14; dazu Revue des Etudes Juives 1932, 180f), eigentlich Beiname nur des Judas, des 3.…
Buch mit Kruzifix

Wiedertäufer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Wiedertäufer Wiedertäufer (Anabaptisten), Bezeichnung für das weit verzweigte Sektentum der Täuferbewegung. Diese entstand zur Zeit der Glaubensspaltung infolge der durch den Protestantismus angeregten allgemeinen und ungeregelten Bibellektüre, die unter den Einflüssen von Erasmus, Zwingli,…
Buch mit Kruzifix

Arnold von Brescia

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arnold von Brescia Arnold von Brescia, * wohl Ende des 11. Jahrhunderts, † 1155. Studierte in Paris bei Abaelard und wurde in Brescia Priester und Augustiner-Chorherr. Ein eigenwilliger, zum Extremen geneigter Kopf, strengster Aszese…
Buch mit Kruzifix

Epikie

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Epikie Epikie (Billigkeit) heißt in der Moral die auf Gründen der Vernunft beruhende Annahme, dass ein Gesetz in einem speziellen Fall wegen besonderer Umstände nicht verbindlich sei. Der Gesetzgeber kann nämlich nie alle Fälle…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner