Jansenius

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Jansenius

Jansenius (Jansens, Janszoon), Kornelius der Ältere, * 1510 zu Hulst (heute in Holland), † 11.4.1576 zu Gent; las schon 1534 in Tongerloo über die Hl. Schrift, 1542 Pfarrer in Kortryk, 1562 Professor in Löwen, 1563 Abgeordneter der Universität beim Trienter Konzil, 1564 von Philipp II. zum 1. Bischof von Gent ernannt, erst 1568 von Pius V. bestätigt; gründete in Gent ein Seminar und hielt Diözesansynoden. Sein berühmtes Hauptwerk ist die Concordia evangelica (Löwen 1549; Auszug v. G. Serrano, Köln 1590) mit den zugehörigen Commentariorum partes IV (ebd. 1571 u.ö.; davon ein Compendium v. Matth. A Castro, Antw. 1593 u.ö.). Außerdem schrieb er Kommentare zu Prv (Löwen 1567 u.ö.), zu den Ps (ebd. 1568), zu Sir (Antw. 1569); Annotationes in Sap (1577). Gesamtausg.: Lyon 1578, 1580,1586 (vermehrt um einen Komm. Zu Hl), 1592 u.ö. Gegen seine Auslegung von Joh. 6 schrieb B. Castillus: Disputatio in c. 6 s. Joannis (Rom 1593). Alle seine Kommentare, namentlich die zu den Evangelien, erläutern gründlich den Literalsinn und berücksichtigen neben der Vulgata den Urtext.
Sein Neffe Kornelius der Jüngere, * 28.10.1585 zu Acoy (Nordholland), † als Katholik 6.5.1638 an der Pest zu Ypern; suchte, wie berichtet, in Löwen vergeblich Jesuit zu werden und war seitdem dem Orden abgeneigt, geriet unter den Einfluß der Bajaner, besonders befreundet mit Du Vergier, lebte mit ihm längere Zeit in Bayonne zusammen, wurde 1617 Leiter des neu organisierten holländischen Kollegs in Löwen, 1619 Doktor, 1630 Professor der Theologie, 1636 Bischof von Ypern. Schrieb u.a. einen Kommentar über den Pentateuch, die satirische Schrift Mars Gallicus gegen die französischen Könige und in 20jähriger Arbeit sein Hauptwerk: Augustinus seu doctrina S. Augustini de humanae naturae sanitate, aegritudine, medicina adversus Pelagianos et Massilienses (3 Bde), das er sterbend dem Urteil des Apostolischen Stuhles unterwarf. 1640 veröffentlicht, gab es Anlaß zur Entstehung des Jansenismus.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, S. 277-278

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