Lexikon M

Marcus Magus

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Marcus Magus

Marcus Magus Gnostiker, Schüler des Valentin, Zeitgenosse des Irenäus, der des Marcus Anhänger, die Markosier, im Rhonetal kennen lernte. Ausführlich berichtet Irenäus (Adv. Haeres. I c. 13-21) von ihren unsinnigen Zahlenspekulationen. (siehe den Beitrag: Die gnostische Bedeutung der Zahl 888) Für ihn ist Marcus ein ganz gewissenloser Betrüger, der durch Zaubersprüche den Eucharistiewein rot färbte und vermehrte, durch Besprechung und geschlechtliche Verbindung die Gabe der Weissagung auf vornehme Frauen übertrug.

Seine Anhänger hatten auch sakramentale Riten, wie Waschungen und Salbungen zum Zweck der Erlösung, die beim Eintritt in die Sekte und beim Sterben gewährt wurden. Dem ewigen Richter man sich durch Aussprechen einer Zauberformel, die den Sünder für Gott unsichtbar machte. Darum eine große Sittenlosigkeit: se libere omnia agere, nullum in nullo timorem habentes (c. 13) –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VI, 1934, Sp. 959

Dieser Marcus, der allem Anschein nach sich zuerst in Asien herum trieb, später auch in das südöstliche Gallien kam und etwa um die Mitte des 2. Jahrhunderts oder bald danach auftrat, war berüchtigt wegen seiner Zauber- und Verführungskünste. Er suchte hauptsächlich reiche und vornehme Frauen zu gewinnen, und dies gelang ihm, nach dem Bericht des Zeitgenossen Irenäus, mit Hilfe des Teufels teils durch Liebestränke, teils durch Lockung ihrer Eitelkeit, indem er ihnen die Gabe der Prophezeiung verlieh, ja selbst die Darbringung des heiligen Opfers gestattete.

Neben anderen Zauberkünsten, welche gerade wie Taschenspieler-Stückchen aussehen, ist eine besonders merkwürdig, weil sie auf den Glauben der Christen an die wahrhafte Verwandlung des Weines in das Blut Christi schließen lässt. Wenn er nämlich bei seinem Gottesdienst die Konsekrations-Formel sprach, wusste er zu bewerkstelligen, dass der weiße Wein die rote Farbe annahm, um so das Blut jedermann anschaulich zu machen (Iren. Adv. Haer. 1, 13).

Dieser Verführer, dem besonders die Frauenwelt stark anhing, stellte ein dem System Valentius ganz ähnliches auf, welcher er jedoch in eine höchst unverständliche, aber hoch klingende, den Pythagoräern oder der jüdischen Kabbala nachgebildete Zahlenmystik einhüllte und mit Bibelstellen des Alten und des Neuen Bundes verbrämte. Irenäus von Lyon, in dessen Bereich diese Irrlehre gleich anfangs viele Anhänger fand, hat das häretische System des Marcus einlässlich mit staunenswerter Geduld dargestellt. (Adv. Haer. 1, 14-21, wörtlich aufgenommen von Epiph. Haer. 34) und bei ihm kann man die Einzelheiten nachsehen.

Marcus und seine Anhänger setzten sodann großen Wert in ihre sog. Erlösung (redemtio), womit sie jenen Akt bezeichneten, in dem das Werk Christi in jedem Einzelnen aus ihnen zum Abschluss und zur völligen Ausführung komme. Dieser Akt der Redemtion ward jedoch bei seinen Anhängern sehr mannigfach aufgefasst, indem sich eine rein spiritualistische Richtung von der andern Richtung ausschied, die mehr oder minder sich der alt herkömmlichen christlichen Sitte und dem Gebot des Erlösers fügte.

Die Anhänger jener rein spiritualistischen setzten die Redemtion in die bloße Erkenntnis des höchsten Gottes und verwarfen jedes äußere sinnliche Zeichen; diese werden auch mit dem besonderen Namen des Askodruten oder Askodrupiten als eigene Sekte angeführt (bei Theodoret Haer. Fabul. 1, 10).

Andere hatten zwar eine Wassertaufe, verfälschten aber nach ihrem Aeonensystem die Taufformel, welche mehrere aus ihnen mit hebräischen Worten ausdrückten, worauf sie eine Salbung mit Balsam beifügten; andere mischten Wasser und Öl unter einander und tauften mit dieser Mischung; andere endlich verschoben die Redemtion durch die Taufe mit Wasser und beigemischtem Öl bis zur Sterbestunde und gaben dann dem Sterbenden zugleich gewisse Bannformeln mit, wodurch er die Geister, die ihn nach dem Tode auffangen wollten, ja den ihm auflauernden Demiurg selbst vertreiben könne (Iren. 1, 21).

Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, dass eine ähnliche „Erlösung“ bei den im 12. und 13. Jahrhundert im südlichen Frankreich auftauchenden gnostisch-manichäischen Sekten der Albigenser und Waldenser unter dem Namen Consolamentum, Tröstung, sich findet.

Marcus und seine Anhänger hatten zu ihren Zwecken eine große Zahl von Apokryphen verfasst, wussten aber auch die Stellen der echten Evangelien gewandt für ihre Zwecke auszubeuten (Iren. 1, 20) Sie erklärten sich selbst für die allein Weisen und Vollkommenen (Iren. 1, 19, n. 2; 1, 21, n. 2. 4) und fanden diese Behauptung dadurch nicht beeinträchtigt, dass sie so schamlos wie ihr Meister die Frauen zur Unzucht verführten: als großen erhabenen Geistern sei ihnen aalles erlaubt, und sie hätten sich vor niemandem, nicht einmal vor dem künftigen Richter, zu fürchten (Iren. 1, 13, n. 6. 7).

Schon im 2. Jahrhundert fand diese Sekte einen übrigens unbekannten katholischen Gegner, der sie in Versen angriff (Iren. 1, 15, n. 6). Am nachdrücklichsten hat Irenäus in seinem großen Werk gegen die gnostischen Häresien diese Irrlehre bekämpft. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 8, 1893, Sp. 686 – Sp. 689

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