Simon Magus

  1. Start
  2. Neues Testament
  3. Simon Magus

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Simon Magus

Simon Magus der Magier, aus Gittä in Samaria, vom Diakon Philippus dort für das Christentum gewonnen (Apg. 8, 9-13). Er glaubte, die Gabe, durch Handauflegung des Hl. Geist zu erteilen, von den Aposteln Petrus und Johannes mit Geld erkaufen zu können (ebd. 18-24); danach seitdem die Bezeichnung Simonie = Kauf oder Verkauf von geistlichen Sachen. Simon`s Geschichtlichkeit ist unbezweifelbar. Für die nicht durchweg übereinstimmende Berichterstattung einzelner altchristlicher Schriftsteller (Justin, Origenes, Irenäus, Tertullian, Hippolyt) stand seine Lehre, eine älteste Stufe des Gnostizismus, im Vordergrund: Simon Magus „die Kraft Gottes, welche die große genannt wird“ (Apg. 8, 10), aus der durch Emanation die weibliche Gottheit, die Engel, die Materie und als deren Endglied der Mensch hervorgegangen seien. Mit jenem Titel, der übrigens auch aus Inschriften für Gottheiten des Ostens fast gleichlautend nachweisbar ist, war Simon Magus von seinen Landsleuten wegen seiner Zauberkünste und wohl auch deshalb beehrt worden, weil diese darin eine Angleichung an das samaritanische Wort Megala (= Offenbarer der verborgenen Gottheit, i. e. Ta`eb = samaritanischer Messias) empfanden. Simon Magus scheint in Wirklichkeit auch messianische Ansprüche („Ich bin der Große“) erhoben zu haben. Daß ihm in Rom Kaiser Claudius ein Standbild mit der Inschrift „Simoni Deo Sancto“ errichtet hätte, beruht auf einer Verwechslung Justins (Apol. I 26) bzw. seiner Quelle mit dem durch die 1574 aufgefundene Inschrift der Tiberinsel „Semoni Sanco Deo Fidio Sacrum“ bezeugten altitalienischen Gott Semo Sancus. Doch hat, wie Irenäus (Adv. Haeres. I 23,4) verlässig berichtet, die Sekte der Simonianer, die einem sittlichen Libertinismus huldigte und in geringen Resten bis ins 4. Jahrhundert sich behauptete, dem Standbild des Simon göttliche Ehrungen erwiesen. – Gelegentliche Angaben antiker Profanschriftsteller (Juvenal, Sueton, Dio v. Prusa, Lucian) lassen erschließen, daß mit Simon Magus identisch sein muß ein in der klaudinischen-neronischen Zeit berühmt gewordener Zauberkünstler des Ostens, der im Theater zu Rom in Anwesenheit Neros als 1. Aeronaut des Altertums nicht mit einem der schon früher bekannten „Petauristen“, sondern mittels angehefteter Flügel einen (mißlungenen) Flugversuch unternahm. Dieses Auftreten Simon`s in Rom (wahrscheinlich Herbst 66), vielleicht zugleich als Parodie der Lehre von der Himmelfahrt Christi gedacht, mag eine der Veranlassungen zu Gefangensetzung und Martyrium des hl. Petrus gewesen sein. Beide Begegnungen des Simon Magus mit Petrus in Samaria und Rom bilden ein beliebtes Motiv der altchristlichen Roma-Literatur, so in den Pseudo-Klementinen und Acta Petri, wo Streitreden oder Wettkampf im Wunderwirken zwischen Petrus und Simon Magus phantasiereich ausgemalt sind. – Mit dem Zauberer Barjesus aus Zypern ist Simon Magus nicht gleich zu setzen, wenn auch das Wandern solcher Astrologen und Zauberkünstler zwischen Fürstenhöfen und Statthalter-Residenzen damals vorkam.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, S. 572-573

Sollizitation
Marcus Magus

Weitere Lexikon-Einträge

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Michael von Cesena Michael von Cesena, OMin, * zu Cesena, † 29.11.1342 zu München; studierte zu Paris, wurde Magister theol., 1316 Ordensgeneral. Gab 1316 und 1325 dem Orden neue Generalstatuten und rottete im Einvernehmen…

Archelaus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Archelaus Archelaus, Sohn Herodes‘ des Großen, hatte mit seinem Bruder Antipas eine Samariterin Namens Malthace zur Mutter und war gleich diesem seinem Bruder in Rom erzogen worden (Jos. Antt. 17, 1, 3; 10, 1).…

Dionysius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Dionysius Dionysius, hl., Papst 22. 7. 259-268; Grieche, vorher römischer Presbyter, stand als solcher in Sachen der Ketzertaufe mit Dionysius von Alexandria in brieflichem Verkehr (Eusebius, HE VII 5,6). Sein Pontifikat verlief unter Gallienus,…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Droste von Vischering Droste von Vischering, Kaspar Max Freiherr von, *9.7.1770 auf Schloß Vorhelm (Westfalen), † 3.8.1846 zu Münster; 1793 Priester, 1795 Weihbischof von Münster, nahm als solcher 1819/11 an dem von Napoleon berufenen…

Akazius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Akazius Akazius (Agathius, Achatius), hl., Märtyrer der diokletianischen Verfolgung in Konstantinopel. Nach der Märtyrerlegende, die in lateinisch (ActaSS MAII II (1738) 293/98), griech. (ebd. 762/66; Migne PG 115,217/40) und syr. (Bedjan VI 68/82) Bearbeitung…

Weitere Lexikon-Beiträge

Manichäismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Manichäismus Mani (bei den Griechen: Manes; im Abendland: Manichäus), Begründer des Manichäismus, einer gnostischen Weltanschauung und Lebenslehre, die an Bedeutung und Verbreitung zeitweilig fast einer Weltreligion gleich kam, * um 216 n. Chr. Bei Seleucia-Ktesiphon aus parthischem Hochadel, †275 oder 276 in Belapat oder Gundeschapur (persien). Manis Leben ist…

Abrahamiten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abrahamiten Abrahamiten, 1. eine Sekte des neunten Jahrhunderts, welche die Gottheit Christi leugnete; sie erhielt den Namen von ihrem Haupt Abraham von Antiochien und war in Syrien weit verbreitet. – 2. Deisten in Böhmen, ein Häufchen ungebildeter und mißgeleiteter Landleute in der Gegend von Pardubitz, das als Sekte aus…

Luciferianer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Luciferianer Luciferianer: 1) Anhänger Lucifer von Calaris. – 2) Dualisten, die Lucifer als guten Gott anbeteten und seinen endgültigen Sieger über den wahren Gott verkündigten. Vertreter dieses Wahnes finden sich im Mittelalter vereinzelt im ganzen Abendland, besonders auch unter den Brüdern des freien Geistes. Eine geschlossene und größere Sekte…

Unitarier

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Unitarier Unitarier (Ein-Gott-Leute) heißen in der Reformationszeit auftretende Antitrinitarier, die in Gott nur eine Person, demnach bloß den Vater als den einen wahren Gott anerkannten. Unitarier war schon der von den Mennoniten hergekommene Taufgesinnte Adam Pastoris, eigentlich Roelf (Rudolf) Martens; er wollte die Hl. Schrift grammatikalisch-wörtlich erklärt wissen, die…

Sabbathianer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sabbathianer Sabbathianer. Sabbathai Zewi, kabbalistischer Schwärmer, * 1626 in Smyrna, gab sich im Jahre 1648, dem vom Sohar (Kabbala) prophezeiten Anfang des Erlösungsjahres, als Messias aus. Deswegen vom Rabbinat seiner Heimat exkommuniziert und ausgewiesen, begab er sich nach Saloniki, nach mehrfachen Wanderungen 1660 nach Kairo, wo er einen tatkräftigen…

Marcion

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Marcion Marcion, neben den Gnostikern der gefährlichste Irrlehrer des 2. Jahrhunderts, * in Sinope (Pontus), reicher Schiffsherr, von seinem Vater, der Bischof war, aus der Heimatkirche „wegen Verführung einer Jungfrau“ ausgeschlossen, kam um 140 nach Rom, wo er 144 exkommuniziert wurde, † um 160. Marcion konstruierte einen absoluten Gegensatz…
Menü