Luciferianer

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Luciferianer

Luciferianer: 1) Anhänger Lucifer von Calaris. – 2) Dualisten, die Lucifer als guten Gott anbeteten und seinen endgültigen Sieger über den wahren Gott verkündigten. Vertreter dieses Wahnes finden sich im Mittelalter vereinzelt im ganzen Abendland, besonders auch unter den Brüdern des freien Geistes. Eine geschlossene und größere Sekte scheinen sie nicht gewesen zu sein. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VI, 1934, Sp. 678

Luciferianer, mehrere Sekten, welche die aus dem Morgenland in das Abendland eingeschleppten gnostisch-manichäischen Irrtümer (siehe den Beitrag: Die Irrlehre des Manichäismus) bis zu dem Extrem steigerten, daß sie Lucifer wie Gott verehrten, seinen Sturz vom Himmel für eine Ungerechtigkeit hielten und behaupteten, er mit seinen anderen gefallenen Engeln werde einst wieder erhoben, dagegen der Erzengel Michael mit seinem Anhang in das ewige Feuer gestürzt werden. Daß sich die gnostisch-manichäische Ketzerei bis zu diesem Grad des Hasses gegen Gott und die sichtbare Kirche ausgebildet, ist ganz glaubwürdig; nur fragt es sich, ob alle, welche des Luciferianismus angeschuldigt worden sind, auch wirklich demselben huldigten. Unter den Luciferianern werden vorerst die Stedinger aufgeführt, Bewohner des Gaues Steding an den Niederungen der Weser, welche 1234 von einem gegen sie ausgezogenen Kreuzheer großenteils aufgerieben wurden. Dann sind die im Anfang des 14. Jahrhunderts in Österreich entdeckten und zahlreich verbreiteten Manichäer zu nennen, welche sich der gräulichsten Blasphemien und Unsittlichkeiten schuldig machten und vor Lucifer eine hohe Achtung bezeigten, ihn dem Erzengel Michael vorzogen und seinen endlichen Triumph über diesen behaupteten (Klein, Geschichte des Christentums in Österreich und Steiermark, Wien 1840, II 394 – 402; Raynald, Annal. Eccl. Ad a. 1318, n. 44). Daß unter die Fraticellen und das geistesverwandte Gesindel auch Luciferianer sich einschlichen, hat alle Wahrscheinlichkeit für sich; vielleicht waren die 14 Luciferianer beiderlei Geschlechts, welche1336 zu Tangermünde in der Mark Brandenburg verbrannt wurden, solche Überläufer; indes reichten auch der Fraticellismus, sowie die Anschauungen der Brüder und Schwestern des freien Geistes allein schon hin, um Luciferianer zu erzeugen. –

Auch in der Freimaurerei der Gegenwart treten die alten gnostischen Gedanken wieder zu Tage. In dem Hochgrad der Ritter Kadosch wird der Recipient, nachdem er die vorbereitenden „philosophischen“ Stufen durchlaufen hat und nunmehr „sehr ausgewählter Kadosch“ oder „vollkommen Eingeweihter“ werden soll, zur Erkenntnis geführt, daß Adonai, der Gott der jüdisch-christlichen Offenbarung, das böse Prinzip sei, während in Lucifer, dem Lichtengel, das höchste Wesen, der Weltenbildner, verehrt werden müsse. Bei dieser Aufnahme finden entsetzliche Gotteslästerungen und dann Opfer und Gebet zu Lucifer statt (s. Leo Taxil (Jogand-Pagès), Die Drei-Punkte-Brüder, deutsche Bearbeitung, II, Freiburg-Schweiz 1887, 280ff). In die Öffentlichkeit traten solche Luciferianer in Rom bei der Enthüllung des Denkmals für Giordano Bruno am 9. Juni 1889, als sie Fahnen und Embleme des Teufels in ihrem Zug mitführten. Leo XIII. erhob in der Allokution vom 20. Juni gerade mit Bezug auf diese Tatsache seine klagende Stimme. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 8, 1893, Sp. 202 – Sp. 203

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