Abendmahlsstreit

  1. Start
  2. Sakramente
  3. Abendmahlsstreit

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Abendmahlsstreit

Abendmahlsstreit, betraf die Art und Weise der Gegenwart und Vergegenwärtigung des Leibes und Blutes Christi in der Eucharistie.
I. Erster Abendmahlsstreit. Bei dem im 9. Jahrhundert entstandenen sog. 1. Abendmahlsstreit zwischen Paschasius Radbertus einerseits und Rathramnus, Hrabanus Maurus sowie dem anonymen Verfasser des Traktats Cuiusdam sapientis (Migne PL 112, 1510ff) anderseits handelte es sich um das Verhältnis zwischen dem sakramentalen und historischen, d.h. aus Maria geborenen, gekreuzigten und nunmehr erhöhten Leib Christi. Nach Radbert sind beide völlig gleich. Er hat den Realismus, wie er von der gallischen und römischen Liturgie sowie von der Ambrosius folgenden Theologie vertreten ward, genauer als Identität von sakramentalem und historischem Herrenleib bestimmt. Die Art der Vergegenwärtigung erfolgt nach ihm durch die Verwandlung des Elementes. Ihm gegenüber lehnen Hrabanus Maurus, der Anonymus und Rathramnus die Identität ab und heben den Unterschied beider hervor. Besonders Rathramnus betont den Unterschied durchgängig und derart, daß er einer dynamischen Auffassung sehr nahe kommt. Im Zusammenhang damit übt er auch Kritik an der Verwandlung. Seinen Abschluss fand der 1. Abendmahlsstreit in dem Brief Radberts an Frudigar, in dem er gegenüber dem symbolisch-dynamischen Aufstellungen seiner Gegner noch schärfer die völlige Gleichheit von historischem und sakramentalem Herrenleib herausstellt, wobei er besonders auf seine geistige Seinsart hinweist.

II. Zweiter Abendmahlsstreit. Bei dem im 11. Jahrhundert zwischen Berengar von Tours und seinen Gegnern (Eusebius Bruno (anfänglich sein Anhänger), Adelmann von Lüttich …) sich abspielenden 2. Abendmahlsstreit handelt es sich sowohl um die Art der Gegenwart wie der Vergegenwärtigung des Herrnleibes. Berengar von Tours leugnete in Anlehnung an Scotus Eriugena und Rathramnus die Möglichkeit einer Verwandlung der Elemente und der realen Gegenwart des Herrnleibes und vertrat anfänglich eine bloß dynamische, später nur mehr (wie Scotus Eriugena) eine symbolisch-spiritualistische Auffassung des Sakramentes. Durch die consecratio werde das das elementum zum sacramentum, d.h. zur figura des Herrenleibes. Ihm gegenüber verteidigten seine Gegner sowohl die reale Gegenwart des Leibes und Blutes bzw. der ganzen gottmenschlichen Persönlichkeit in der Eucharistie wie auch die Verwandlung des Elements, die sie (Guitmund v. Aversa) näherhin als eine Verwandlung der Substanz von Bort und Wein in die Substanz von Leib und Blut des Herrn bestimmten (Transsubstantiation). Berengar selbst legte 1079 ein Glaubensbekenntnis ab, worin die substantiale Gegenwart des Herrnleibes (in proprietate naturae et veritate substantiae), wie die substantiale Verwandlung (substantialiter converti) ausgesprochen war. Einem Wiederaufleben der Berengarschen Ansicht zu Beginn des 12. Jahrhunderts traten Gregor von Bergamo und Alger von Lüttich entgegen, dessen Schrift über das Altarssakrament den Abschluss des 2. Abendmahlsstreites darstellt.

III. Viertes Laterankonzil. Die ganze Lehre von der Eucharistie erhielt eine gewisse Zusammenfassung durch die Definition des 4. Laterankonzils (1215), wonach Leib und Blut Christi im Altarssakrament unter den Gestalten von Brot und Wein wahrhaft enthalten sind, indem eine Transsubstantiation des Brotes in den Leib und des Weines in das Blut Christi stattfindet. Damit war die überlieferte Glaubenslehre zugleich definiert und formuliert gegenüber verschiedenen spiritualistischen, dualistischen und anderen Sekten des Mittelalters: den Bogomilen, Paulizianern, Albigensern, Katharern, Heinrizianern, Petrobrusianern, Flagellanten usw., welche die wirkliche Gegenwart des Leibes Christi in der Eucharistie leugneten.

IV. Sog. Vorreformatoren und Protestantismus. Im Spätmittelalter kehrt bei Wiclif und Hus der Symbolismus Berengars wieder. Nach Wiclif fügt die conscratio zum esse naturale des Elementes das superadditum sacramentale, wodurch das Brot zum Zeichen der Herrenleibes wird. Die Husiten traten vor allem für Empfang der Kommunion unter beiden Gestalten ein. Von einem eigentlichen Abendmahlsstreites aber kann man erst wieder zur Zeit der Reformation reden.
Luther (und Melanchthon) vertrat unter dem Eindruck der Einsetzungsworte stets die reale Gegenwart des Herrenleibes, verwarf aber die Transsubstantiation und bekannte sich zu Konsubstantiation, nach der Leib und Brot eine Einheit bilden und der Leib in, unter und mit der noch vorhandenen Brotsubstanz empfangen wird. Die Möglichkeit der realen Gegenwart des Leibes im Sakrament sieht er mit Occam in der Ubiquität des Leibes Christi begründet. Ihm gegenüber vertraten Zwingli, Ökolampadius, Karlstadt und Butzer die symbolische Auffassung. Insbesondere Zwingli leugnete die Allgegenwart des Leibes Christi und damit auch seine Gegenwart im Sakrament. Nach ihm ist das Abendmahl eine Erinnerung an unsere Erlösung durch Christi Tod. Die 1524-152 zwischen Luther und Zwingli geführte Kontroverse war ergebnislos. Weder das Marburger Religions-Gespräch (Oktober 1529) noch die Wittenberger Konkordien-Formel (1536) erzielten eine Einigung. Calvin verwarf ebenfalls die Allgegenwart des Leibes Christi. An den Himmel gebunden, könne er auf Erden nur seiner Kraft nach gegenwärtig sein. So wird für Calvin das Sakrament zum Zeichen, bei dessen Genuss den Auserwählten die Gnade des Leibes Christi dargeboten wird. – Bei den jüngeren protestantischen Sekten ist das Abendmahl vielfach nur Danksagungs- und Bekenntnis-Zeremonie. Ferner macht sich unter dem Einfluß der Theosophie auch die mystische Auffassung von Ötinger und Baader geltend. Doch huldigt die Mehrzahl der Protestanten der dynamischen (calvinischen) und symbolisch-spiritualistischen (zwinglianischen) Auffassung. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 19 – Sp. 21

Buch mit Kruzifix
Alarich
Buch mit Kruzifix
Vandalen

Weitere Lexikon-Einträge

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Römisch-deutsche Kaiser mit Namen Karl Karl der Große (768-814) * Karl II. der Kahle (875-877) * Karl III. der Dicke (881-888) * Karl IV. (1316 bis 1378) * Karl V. (1500 bis 1558) Karl…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Brüder und Schwestern des freien Geistes Brüder und Schwestern des freien Geistes, eine seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern auftauchende Sekte, welche einem vollendeten Pantheismus huldigte und bis ins 15. Jahrhundert…
Buch mit Kruzifix

Lessius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lessius Lessius (Ley), Leonhard, SJ (seit 1572), scholastischer Theologe, * 1.10.1554 zu Brecht bei antwerpen, lehrte 1574-1581 Philosophie in Douai, studierte 1583-1584 in Rom Theologie unter Suarez, lehrte 1585 bis 1600 Theologie am Jesuitenkolleg…
Buch mit Kruzifix

Vandalen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Vandalen Vandalen, ostgermanische Völkergruppe, die ihre Wanderungen von Jütland bis nach Spanien und Nordwestafrika ausdehnte. Zur Zeit des Plinius und Tacitus zwischen zwischen Weichsel und Oder angesiedelt (Heiligtum des Teilstammes der Silingen auf dem…
Buch mit Kruzifix

Goffine, Leonhard

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Goffine Goffine, Leonhard, OPraem, religiöser Volksschriftsteller, * 6. 12.1648 zu Köln, 1669 Ordensprofeß in Steinfeld, 1676 Priester, tätig bei den Prämonstratenserinnen in Dünnwald und Ellen, 1680-1685 Novizenmeister; dann Pfarrer in Klarholz, Niederehe, Coesfeld, Wehr,…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Sabbatharier

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sabbatharier Sabbatharier, im allgemeinen vom Christentum ausgehende Sekten, welche unter anderem die Feier des Sabbat (Samstags) betonen. Hierher gehören besonders: 1) Eine aus den Kreisen der Altunitarier oder Davidisten stammende judaisierende Sekte, entstanden im 16. Jahrhundert in Böhmen, seit Anfang des 17. Jahrhunderts hauptsächlich in Siebenbürgen, wo ihr einflußreiches…
Buch mit Kruzifix

Valentinianer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Valentinianer Valentinus, hellenisierender Gnostiker, von Irenäus (adv. Haer. I 11, 1) Vater der gnostischen Häresie genannt; nach Epiphanius in Ägypten geboren, weilte 136-165 in Rom und begab sich dann nach Zypern. Sein Bruch mit der Kirche fand sicher in Rom statt (nach Epiphanius und Philastrius (Haer. 38) erst in…
Buch mit Kruzifix

Novatian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Novatian Novatianer (Novatiani oder Novatianenses), Sekte aus der Mitte des 3. Jahrhunderts, empfing Namen und Ursprung von Novatian (der von Eusebius und den späteren Lateinern überlieferte Namen „Novatus“ ist falsch). Trotz seiner klinischen Taufe (Eusebius, HE VI 43) gewann Novatian dank seiner philosophischen Durchbildung (Kenntnis besonders der Stoiker: Cyprian,…
Buch mit Kruzifix

Kainiten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kainiten Kainiten, 1) Nachkommen Kains. – 2) Gnostische Sekte. Zweig der Ophiten, für die 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts bezeugt von Irenäus, auch von Epiphanius erwähnt. In Konsequenz ihrer gnostischen Ansicht vom bösen Gott des Alten Testamentes verehrten sie alle Personen, die im Alten Testament als böse dargestellt sind,…
Buch mit Kruzifix

Geheimbünde

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Geheimbünde Geheimbünde sind Vereinigungen, die ihre Existenz selbst oder ihre Verfassung, Lehren, Gebräuche und Ziele geheim halten. Die Eingeweihten, meist erst nach einer Prüfung und oft unter kultischen Reinigungen aufgenommen, sind streng zum Schweigen verpflichtet. Bei den Naturvölkern dienen sie dem religiösen Kultus, vielfach auch der Erreichung wirtschaftlicher, sozialer…
Buch mit Kruzifix

Unitarier

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Unitarier Unitarier (Ein-Gott-Leute) heißen in der Reformationszeit auftretende Antitrinitarier, die in Gott nur eine Person, demnach bloß den Vater als den einen wahren Gott anerkannten. Unitarier war schon der von den Mennoniten hergekommene Taufgesinnte Adam Pastoris, eigentlich Roelf (Rudolf) Martens; er wollte die Hl. Schrift grammatikalisch-wörtlich erklärt wissen, die…