Die Abendmahlsworte Jesu sind eindeutig

Jesus hält in der Eucharistie die Hostie hoch, der Kelch steht vor ihm auf dem Tisch, das Bild ist umrankt mit Girlanden aus Weinblättern, Trauben und Ähren

Der papierne Fels des Herrn Schenkel (1851)

9. Die Einsetzungsworte Jesu im Abendmahl sind eindeutig

Bekanntlich hat Herr Schenkel in Heidelberg sich vor mehreren Jahren berufen gefühlt, gegen meine Schrift „Diamant oder Glas“ aufzutreten mit einer andern Schrift „Fels oder Sand“, worin er darzutun sich bemüht, daß wir Katholiken auf beweglichem Sand sitzen, während er, der Herr Schenkel, seinen Fuß gestellt habe auf den Fels der Bibel… Es ist diese Geschichte eine lebendige Antwort auf die Frage, ob denn die papierne Bibel allein für sich ein Fels sei, auf welchen der Christ sicher und unwandelbar seinen Glauben gründen könne. Auch der neueste Bericht des gelehrten und unbefangenen Professors Tischendorf möchte dem redlich suchenden Protestanten die äugen öffnen bezüglich der Unsicherheit, über welche das bloße Wort der Bibel nicht hinaus hilft. Tischendorf sagt nämlich: „Die zwei ältesten Handschriften der Heiligen Schrift, der vatikanische Kodex und der sinaitische, und die Kopien von zwei Handschriften aus dem 4. Jahrhundert stimmen namentlich in den Evangelien so wenig miteinander überein, daß nicht einmal eine Textstrecke von fünf Versen ganz gleichlautend zu finden ist.“
Also dies ist euer Fels, auf welchen ihr mit eurer willkürlichen Auslegung euren Glauben und euer ewiger Heil gründen wollt!…

Die Einsetzungsworte

Herr Schenkel läßt zwar gelten, daß Jesus das Brot, das er den Jüngern bei dem letzten Mahl zu lesen gab, seinen für sie dahin gegebenen Leib genannt habe; es sei aber kindische Unwissenheit, schriftwidrig und abergläubisch, an eine Wandlung zu glauben. Um dieses zu beweisen, braucht Herr Schenkel zwei Beispiele, die wir später genauer berücksichtigen wollen, und getröstet sich sodann fröhlichen Mutes, er habe nun auf das schlagendste nachgewiesen, daß Christus nirgends auch mit der leisesten Andeutung etwas von der Wandlung lehre.
Wir wollen nun die Sache untersuchen, wie sie in der Heiligen Schrift steht. Es heißt daselbst: „Da sie nun aßen, nahm Jesus das Brot, dankte, segnete und brach es, gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, dieses ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“

Christus hatte also vor sich Brot liegen. Dieses Brot nahm er nun in seine Hände, und nachdem er gedankt und es gesegnet hatte, versicherte er seine Jünger, das, was er in seinen Händen habe und ihnen zum Essen reiche, sei sein Leib, welcher für sie hingegeben werde. Er sprach: „Dieses ist mein Leib.“ Christus sagte nicht: „Das Brot ist mein Leib“ – solches wäre sinnloser Widerspruch gewesen, sondern sagte: „Dieses ist mein Leib.“ Das Wort dieses steht aber nicht für das Wort Brot; denn das Wort Brot (…) ist in der griechischen Sprache männlichen Geschlechtes; würde sich das Fürwort dieses auf Brot beziehen und statt desselben stehen, so müsse das Fürwort auch im männlichen Geschlecht gebraucht sein (…). Solches ist aber nicht der Fall, dieses wird im sächlichen Geschlecht gebraucht in jener Stelle, (…). Es muss folglich das, was Christus seinen Jüngern reichte, etwas anderes gewesen sein vor dem Segen, nämlich Brot wie jedes andere Brot, und muss etwas anders gewesen sein nach dem Segen, nämlich das, was Christus sagt, sein Leib. Ist aber das bisherige Brot nach dem Segen der Leib Christi, so muss eben eine Verwandlung des Brotes seinem inneren Wesen nach geschehen sein, während nur die sinnliche Gestalt verblieben ist.

Wenn Christus bei der Hochzeit zu Kana aus den Wasserkrügen selbst einen Becher voll Wasser geschöpft hätte, es dann gesegnet und mit den Worten herum gereicht hätte: „Trinket daraus, dieses ist Wein“, so würden doch gewiß diese Worte anzeigen, daß das Wasser in Wein verwandelt worden ist. In gleicher Weise sagen die Worte Christi: „Dieses ist mein Leib, dieses ist mein Blut“, daß das Brot in seinen Leib und der Wein in sein Blut verwandelt worden ist. Allerdings konnte bei der Hochzeit von Kant die geschehene Wandlung auch mit den Sinnen wahrgenommen werden, hingegen kann die Wandlung bei dem heiligen Abendmahl nicht sinnlich wahrgenommen werden. Allein die Wandlung des Wassers in Wein geschah bei der Hochzeit von Kana, um Menschen, welche noch keinen Glauben hatten, zum Glauben durch ein sinnliches Wunder zu bringen. Die Wandlung im Abendmahl geschieht für solche Menschen, welche schon lebendigen Glauben haben, welche an die Worte Christi glauben, ohne gesehen zu haben.

Die Beispiele, mit welchen Herr Schenkel beweisen will, daß das Wort ist nicht heißen können verwandelt werden, sind folgende: „Wenn ich sage: „Dieser Baum ist grün“, ist das gleichviel, als ob ich sagte: „Dieser Baum wird (im Augenblick, wo ich rede) verwandelt in grün? Oder wenn ich sage: „Dieser Mensch ist ein Europäer“, ist das gleichviel, als wenn ich sage: „Dieser Mensch wird (Im Augenblick, wo ich rede, ja durch meine Rede) verwandelt in einen Europäer? – So weit die Worte des Herrn Professors Daniel Schenkel.
Wenn ich die Ehre hätte, zu seinen guten Freunden zu gehören, so würde ich ihm zweierlei raten: 1. das gründlicher zu überlegen, was ihm beim Schreiben einfällt; 2. sein Leben lang keine Beispiele oder Gleichnisse mehr zu ersinnen, da ihm das Talent hierfür gänzlich abgeht.

Wenn ich sage: Der Baum ist grün, der Mensch ist ein Europäer, so bedeutet das Wort ist nicht verwandelt sein, weil ein Baum grün sein kann und ein Mensch ein Europäer sein kann ohne alle Verwandlung. Wenn man aber von einem Gegenstand, der bisher ein Baum war, sagen würde: Dieses ist ein Stein, oder wenn man von einem bisherigen Menschen sagen würde: Dieses ist eine Bildsäule, so würde das ist eine Verwandlung bedeuten, weil ein Baum nicht zugleich ein Stein sein kann, und ein lebendiger Mensch nicht zugleich eine Bildsäule sein kann. Der Baum muss aufgehört haben, ein Baum zu sein, wenn er jetzt ein Stein ist; und der Mensch muss aufgehört haben, ein Mensch zu sein, wenn er jetzt eine Bildsäule ist; das heißt: der Baum und der Mensch sind verwandelt worden. Desgleichen, wenn Jesus von einem Gegenstand, welcher bisher Brot gewesen ist, sagt: Dieses ist mein Leib, so sagt er damit: Was ihr seht, ist nicht mehr Brot, es ist verwandelt, es ist mein Leib.
Würde ein gewöhnlicher Mensch solches gesagt haben, dann müssten wir allerdings annehmen, daß er entweder sich selbst getäuscht habe, oder daß er lüge, oder daß sein Ausdruck ungenau sei und anders ausgelegt werden müsse. Da aber der Sohn des allmächtigen Gottes dieses gesagt hat, der nicht irren oder lügen kann, da eine Wandlung seiner Allmacht nicht unmöglich ist und seiner Heiligkeit nicht widerspricht, so halten wir Katholiken uns genau an seine Worte: was im Abendmahl geboten wird, ist seinLeib, und zwar nichts als nur sein Leib, folglich kein Brot mehr, und ist folglich verwandelt.

Das Menschenwesen nimmt seinen Anfang und seine Nahrung aus Blut und Fleisch der Mutter; später nährt und erneuert sich sein Körper aus den Produkten der Erde, zum Beispiel aus Brot und Wein, ohne daß er aufhört, derselbe ursprüngliche Leib zu sein. Desgleichen ist Christi Menschenwesen, sein lebendiger Leib, geworden aus Blut und Fleisch seiner heiligen MutterMaria. Nach der Geburt Christi, während seines irdischen Lebens, verwandelte sich die von der Erde genommene Nahrung in sein Blut und Fleisch, wie solches bei andern Menschen auch geschieht. Dasselbe nun, was in den jähren seiner irdischen Erscheinung auf natürlichem Wege geschah, die Verwandlung der Speise in sein lebendiges Blut und Fleisch, geschieht im Abendmahl auch, aber auf übernatürlicher Weise. Und wie der Mensch stets dieselbe Person bleibt, wenn er auch zahllos oft in langen Jahren Nahrung zu sich nimmt und diese Nahrung in die Substanz seines Leibes sich verwandelt: so bleibt es auch immer das Wesen desselben Leibes, der aus Maria der Jungfrau geboren, gekreuzigt worden und auferstanden ist, wenn in der Wandlung Brot und Wein geheimnisvoll übergehen in Fleisch und Blut Christi.

Daß eine solche Verwandlung der Speise auch in den verklärten Leib Christi geschehen könne, darauf weist die Heilige Schrift selbst hin.
Als Christus von den Toten auferstanden, war sein Leib nicht mehr den Naturgesetzen unterworfen wie unser grob sinnlicher Leib, sondern er war umgewandelt zu einem solchen Leib, wie es zur Erhebung und zum Wohnen im Himmel erforderlich ist. Derselbe Körper aber, der bei verschlossenen Türen plötzlich vor den Jüngern stand, hatte zugleich eine solche Natur, daß er Nahrung zu sich nahm (Lk. 24, 43). Ich frage nun, was ist aus dieser Nahrung geworden? Daß Christus nur den Schein des äußerlichen Essens bewirkt habe, ohne daß die Nahrung auch wirklich gegessen, das heißt von den Verdauungs-Werkzeugen verarbeite und innerlich aufgenommen wurde, ist bei der reinsten Wahrhaftigkeit Christi nicht denkbar. Wenn also die genommene Speise in Blut und Fleisch des Auferstandenen überging, so ist damit die Möglichkeit dargetan, daß auch irdische Nahrungsmittel verwandelt werden können in den geistigen übernatürlichen Leib des Heilandes. Deshalb ist es keineswegs unmöglich oder der Vernunft widerstrebend, daß im Abendmahl auch Brot und Wein in den verklärten Leib Christi verwandelt werde.

Wenn ich aber ein Christ bin, so muss ich die bestimmte Versicherung Christi nicht anders deuten, als seine Worte lauten, da der wörtlichen Deutung weiter nichts als die gewöhnliche alltägliche Naturordnung im Wege steht. Ein Wunder ist das Abendmahl für jeden, der an Christus glaubt, wenn sich etwa sein Glaube nicht bis zum leeren „Bedeuten“ verdünnt hat. Darum glauben wir Katholiken dieses Wunder in der Weise, wie Christus es bezeichnet, nämlich daß, was er im Abendmahl reicht, sein Leib ist, daß folglich das Brot verwandelt ist. Alle andern Deutungen widersprechen den Worten Christi mehr oder weniger, erfinden folglich Wunder, von denen der Herr nichts gesagt hat. –
aus: Alban Stolz, Gesammelte Werke, Kleinigkeiten, Erste Sammlung, 1909, S. 104-109

Bildquellen

  • Ott Jesus Christus Eucharistie: Bildrechte beim Autor

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