Sei beharrlich daß niemand deine Krone erhalte

Bedenke: Sei beharrlich daß niemand deine Krone erhalte

10. März

Die heiligen vierzig Märtyrer stehen auf dem Eis in der Kälte, während die Soldaten um ein Feuer herum sitzen; einer der vierzig hält die Marter nicht mehr aus und geht ins warme Bad; über den Heiligen auf dem Eis sieht man zahlreiche Engel, die bereits die Märtyrerkronen in Händen halten

Fest der vierzig Märtyrer

Ecce venio cito; tene qod habes, ut nemo accipiat coronam tuam.
„Sieh, ich komme eilig; halte fest, was du hast, damit Niemand deine Krone erhalte.“ ( Offenb. 3, 11)

1. Betrachte, daß sehr viele von der Beharrlichkeit im angefangenen Guten nur dadurch abgehalten werden, weil sie sich einbilden, sie hätten noch sehr lang zu leben. Du mußt deshalb, um dich zur Ausdauer zu ermutigen, gerade das Gegenteil tun, und dir denken, jeder Tag sei der letzte deines Lebens. Oder kann etwa nicht jeder Tag dein letzter sein? Höre, was der Herr dir sagt: „Siehe, ich komme schnell“; er sagt nicht: ich werde schnell kommen, sondern: ich komme, denn er nähert sich schon und zwar mit großen Schritten. Wie leicht kann er gar bald an deine Türe klopfen und sagen: Komm mit mir – denn „er ist nahe an der Türe“ (Matth. 24,33).

2. Erwäge, daß diese Aufforderung, die der Herr jetzt an dich ergehen läßt, selbst schon ein starkes Anklopfen ist. Er könnte zu dir kommen wie ein Dieb, zu einer Zeit, wo du seiner ganz uneingedenk dahin lebtest, wie so viele Andere. Aber er tut es nicht. Sieh, er läßt sich anmelden bei dir, indem er sagt: „Ich komme eilig.“
Und wie viele andere Mahnungen hat er dir nicht schon zukommen lassen! Als solche mußt du ansehen jene immerwährende Kränklichkeit, der du beinahe zu unterliegen anfängst, jene Abnahme des Gesichtes und des Gehöres, jene mehr und mehr sich bleichenden Haare. Der Apostel nannte jene schreckliche Posaune, welche ertönen wird zum allgemeinen Gericht, die letzte (1. Kor. 25,52). Es müssen demnach schon andere Posaunen vorher gegangen sein.
Und wer kann daran zweifeln? Wenn du sagen hörst: Dieser und jener hat sich durch einen Fall von einer Leiter herab erstürzt – siehe, das ist eine Posaune; dieser hat seinen Tod im Feuer gefunden, – eine neue Posaune; Jener ist abends frisch und gesund zu Bett gegangen, am Morgen fand man ihn vom Schlag getroffen tot, – sieh, das Alles sind für dich Posaunen. Weißt du nicht, wie viele du deren schon gehört hast? Aber du glaubst nicht, daß sie für dich tönen; und deshalb wird der Herr einmal ganz unverhofft zu dir kommen, und zwar durch deine eigene Schuld; denn er hat dir schon Boten voraus geschickt: „Sieh, ich komme eilig.“

3. Betrachte, daß du, weil der Herr schon im Kommen begriffen ist, dich herzhaft zur Ausdauer entschließen mußt: „Halte fest, was du hast“; denn es handelt sich um einen gar wichtigen Punkt. Wie wäre es dir, wenn du durch eine Ungeduld von wenigen Tagen um jene schöne Krone kämest, die dir bereitet ist, wenn du ausharrest? O welcher Schmerz, welche Trauer, welche Verwirrung für dich! Halte deshalb fest, was du hast.
Aber was sollst du denn festhalten? Gewiß nicht jene Krone selbst, denn diese hast du ja noch nicht, sondern wirst sie erst nach glücklich bestandenem Kampf bekommen. Was du also festhalten mußt, ist dein Posten: „Sei standhaft auf dem Wege des Herrn“, ruft dir der Weise zu (Ekkl. 5, 12). Du hast beständig festzuhalten jenes lebhafte Verlangen, Gott dem Herrn treu zu dienen; du hast festzuhalten an jenen frommen Übungen, welche dich im Dienst Gottes am meisten vorwärts bringen; festzuhalten an jener beständigen Übung des Gebetes, an jenen öfteren Beichten und Kommunionen, an jener Lesung geistlicher Bücher, jener Demut, jenem Gehorsam, jenem Eifer, jener Sanftmut des Herzens, jener Abtötung der Sinne und jener Entschlossenheit, womit du jede Versuchung gleich anfangs aus dem Herzen vertreiben sollst; du hast mit einem Wort festzuhalten alles Gute, das du tust, weil es bei dir steht, dasselbe fortzusetzen. Wäre es nicht in deiner Gewalt, so würde dir der Herr nicht so ausdrücklich sagen: „Halte fest, was du hast.“
Wohl ist es wahr, daß du dazu der Gnade bedarfst, aber diese erhältst du jedesmal, wenn du sie verlangst; und sie zu verlangen steht wieder bei dir: „Bittet, und ihr werdet empfangen.“ (Joh. 16, 24)

4. Betrachte, wie wichtig es aber sei, daß du auf genannte Weise dich zur Beharrlichkeit aneiferst, denn dies Alles ist bloß zu deinem Besten: „damit Niemand deine Krone erhalte.“ Glaube ja nicht, daß dir Gott wegen seines eigenen Vorteils solches gebietet. Wenn er dich verliert, wird es ihm etwa an treuen Dienern fehlen? „Er wird Viele (die besser sind als du) und unzählige (deines Gleichen) zerschmettern und Andere an ihren Platz stellen, sagt der fromme Job (Job 34, 24) Sieh nur, wie der Herr für jenen Unglückseligen, der heute abgefallen, sogleich mitten unter den Heiden Einen fand, der eilig seine Kleider von sich wirft, sich nackt in den gefrorenen Teich stürzt, und so die Zahl der gekrönten vierzig Märtyrer vollständig macht.
Um deshalb beständig in heilsamer Furcht zu leben, mußt du stets ernst und lebendig die Überzeugung festhalten, daß du Gott notwendig hast, er aber keineswegs dich; und magst du auch ein noch so großes Werkzeug zu seiner Ehre sein, ein großer Theologe, Prediger oder Prälat, – Gott hat deiner nicht nötig. Weißt du nicht, wie er einen Saul, einen Salomon, ja selbst einen seiner geliebten Jünger fallen ließ, und an Judas Stelle den Matthias zu setzen wußte?

5. Betrachte, daß diese Krone, so ungewiß sie auch noch ist, doch die deinige genannt wird (damit Niemand deine Krone erhalte), weil der Herr sie für dich bereitet hat. Zwar hast du darauf noch nicht jenes Recht, das man durch den Besitz einer Sache erwirbt, sondern nur die Anwartschaft darauf, wenn du ausharrst. Und so siehst du, daß dir Niemand diese Krone mit Gewalt entreißen kann. Wenn ein Anderer sie erhält, so ist es darum, weil du sie ihm freiwillig abtrittst; und deshalb vielleicht sagt der heilige Geist nicht: damit Niemand sie dir raube, sondern: damit kein Anderer sie erhalte.
Sieh also, wie gütig und wohlwollend der Herr seinerseits gegen dich ist, mehr als gegen viele Andere. Dich hat er vorgezogen, dich auserwählt, dir zuerst Gelegenheit gegeben, eine so glänzende Krone zu erwerben, wenn du nur willst. Wie viele Seelen hat er verlassen – dort in Amerika, denen er nicht den mindesten Teil jener Gnaden zugewendet, die er dir verliehen hat. Wenn er deshalb wegen deiner Undankbarkeit dich verläßt, und in Peru, in Paraguay oder Chile Bewerber um jene Krone sucht, die er dir zuerst angeboten, wirst du dich über ihn beklagen können? –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 190-193

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