Betrachtung über Sterben und Tod

Aphorismen aus dem Tagebuch des P. Rinn SJ

III. Über das Sterben

Ich wünsche täglich aus freiem Antrieb so zu sterben, mich aus Liebe zu Gott aller Geschöpfe zu entäußern, daß der Tod selbst nichts mehr an mir finde, was er mir nehmen könnte, als diese schwere Last meines Leibes.

O heilige Anmut! o selige innere Freiheit von allen Geschöpfen. Selig, wem Gott die Kraft verleiht, freiwillig zu verlassen, was er doch einst gewiß verlassen muss.

Das ist der größte Todesschmerz, wenn das Herz erst dann von allen Kreaturen gewaltsam losgerissen werden muss.
Also hänge dein Herz nicht an irgend ein Geschöpf. – „Machet euch Säckel, die nicht veralten, einen Schatz, der nicht ausgeht im Himmel, wohin kein Dieb naht, und wo keine Motte zehrt.“ Luk. 12, 33. O heilige, weise Emsigkeit derjenigen, die für diese Stunde sammeln.

Der eine Tag – des Todes ist unbekannt, damit man alle andern Tage wohl beachte.

„Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ (Hebr. 10, 31) Erbarmen, o guter Jesus! trage Sorge meines Endes. Erbarme dich meiner scheidenden Seele, welche du mit deinem kostbaren Blut erkauft hast. Sage für mich Sterbenden zu deinem Vater: „Vater, verzeihe ihm.“ – Sage deiner Mutter: „Siehe da deinen Sohn.“ – Sage du selbst meiner Seele: „Heute wirst du bei mir im Paradiese sein.“
Gib mir doch das Eine Notwendige: einen guten Tod, und die ewige Ruhe in Frieden. Amen!

Der einzige Stachel, mit dem der Tod stechen kann, ist die Sünde; brichst du ihm diesen während des Lebens ab, so hat der Tod nichts mehr, womit er dich stechen kann.

Ich wünschte, einst zu sterben – los geschält von allen Geschöpfen, welche mein herz zu deiner Beleidigung fesseln! – Sieh! Ich entsage ihnen schon jetzt! – Ich wünschte zu sterben, mit Reue und tiefster Abscheu über meine Sünden. Sieh, ich bereue und verabscheue sie jetzt, und will täglich öfter einen Akt der Reue erwecken.
Ich wünschte zu sterben nach einer aufrichtigen Beichte. Sieh, ich mache den Vorsatz, von jetzt an so zu beichten, als wäre es das letzte Mal. …

Ich wünschte zu sterben, wo und wie es dir gefällt, wenn ich nur in dir, o Jesu! sterbe, – damit ich durch dich auferstehe, und mit dir lebe und Eins sei in alle Ewigkeit! Amen.
Halte Öl bereit in deiner Lampe! Sieh! der Bräutigam kommt! –
aus: Friedrich Rinn SJ, Die ewigen Wahrheiten der geistlichen Übungen des heiligen Ignatius von Loyola, 1878, 1. Bd., S. 55 – S. 56

Category: Betrachtungen, Rinn

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