Ein Freund der Welt wird ein Feind Gottes

Wer ein Freund der Welt sein will, wird ein Feind Gottes

Betrachtung zum 23. März

„Wer ein Freund dieser Welt sein will, wird ein Feind Gottes.“ (Jak. 4, 4)

1. Betrachte, wie vergänglich die Güter dieser Welt sind: – aufs Höchste genießt man sie hundert Jahre. Ja, wo findet sich in unsern Tagen Jemand, der sie so lange genießt? Dasselbe Jahrhundert, das sie dir gibt, nimmt sie auch wieder. So betrüglich ist die Welt mit ihren Gütern.
Der Welt wird nun in obiger Stelle Gott entgegen gesetzt: und was will dieses Wort sagen? Es besagt, daß er der Herr der Welt ist, unsterblich, unveränderlich, der nicht der Zeit unterworfen ist, weil er selbst sie gemacht und über sie herrscht: „Gott ist König vor aller Zeit.“ (Thren. IV,18)

2. Betrachte, daß die gegen Gott widerspenstige Welt sich einbildet, in deinem Herzen mehr zu vermögen als Gott selbst; und obgleich sie dir am Ende nichts Anderes geben kann, als ihre vergänglichen Güter, die deshalb zeitliche und vorüber gehende Güter heißen; so vermißt sie sich doch, daß du ihr mehr als deinem Gott anhangen sollst, der dir Güter verheißt, die ihm selbst ähnlich sind, nämlich ewige. An dir ist es nun, dich zu entscheiden.
Denke dir, daß die Welt von der einen, und Gott von der andern Seite um deinen Besitz gleichsam streiten. Die Welt verheißt dir alle ihre Güter, Freuden, Reichtum und Ehren, aber nur so lange als du hier auf Erden lebst; wenn du aber im andern Leben schlecht fährst, das kümmert sie nicht, es ist dein Schaden. Gott will dir noch unendlich größere Güter geben, aber nicht in der Welt, sondern in der Ewigkeit. Wem von beiden zu folgen scheint dir vernünftig?

3. Erwäge, daß in diesem Fall ein Zweifel unmöglich zu sein schiene, wenn man nicht so Viele sehen müßte, die mehr der Welt als Gott anhangen; denn die Mehrzahl der Menschen lebt tierisch, d.h. sieht nur auf das Gegenwärtige, wenig auf das Zukünftige. Sei doch du ein wahrer Mensch und schaue deshalb mehr auf die Zukunft, als auf die Gegenwart.
Vor dir öffnen sich zwei Straßen: jene, auf welcher die Welt und jene, auf der Gott dich führen will. Betritt sie nicht mit geschlossenen Augen, sondern sieh dich zuvor wohl um. „Der Weg der Sünder (nämlich die große Weltstraße, der Weg des großen Haufens) ist mit Steinen geebnet.“ (Ekkli. 21,2) O welche schöne Straße, mit glänzenden Steinen gepflastert, so eben, so angenehm! Lockt sie dich nicht, auf ihr zu wandeln? Doch gehe etwa weiter und du wirst sehen: „An ihrem Ende“ (und das ist das Schlimmste, bald endet die schöne Straße und dann?) „an ihrem Ende ist die Hölle, Finsternis und Qual (ebd.). Die Hölle für die Stolzen, die sich vom Ehrgeiz aufblähen ließen; die Finsternis für die Geizigen, die sich von zeitlichem Gewinn verblenden ließen; die Qual für die Unzüchtigen, die der Begierlichkeit zum Opfer fielen.
Betrachte dagegen den Weg Gottes, d.h. Jenen Weg, der sich außerhalb der Welt hält. Ich stelle nicht in Abrede, daß er dir anfangs beschwerlich vorkommen dürfte; denn keusch, arm und in beständiger Unterwürfigkeit leben ist am Anfang nicht leicht. „Eng ist der Weg“: aber weißt du, wohin er führt? „Er führt zum Leben.“ (Matth. 7,14)
Was sagst du nun? An welchen von beiden Wegen willst du dich halten? An jenen der Welt oder an den Weg Gottes? Entscheide dich jetzt, aber bedenke dabei ernstlich, daß „wer ein Freund dieser Welt sein will, ein Feind Gottes wird.“

4. Erwäge, daß es nicht heißt, wer in der Welt leben will, wird ein Feind Gottes sein, sondern wer ein Freund dieser Welt sein will; denn um die Wahrheit zu sagen, du könntest in der Welt bleiben und doch nicht ihr Freund sein, nämlich nicht ihre Wege wandeln, vielmehr den entgegen gesetzten Weg gehen, den der Ordensleute, weil der wahre Ordensgeist an keinen Berg gebunden ist, weder an den von Alvernia, noch von Camaldoli, von Cassino oder Grenoble. Du kannst ihn mitten in der Welt finden, wenn du dich nur rein zu erhalten weißt. „Ein reiner Gottesdienst vor Gott und dem Vater ist dieser: sich unbefleckt von dieser Welt bewahren.“ (Jak. 1,27)
Aber hast du den Mut, so Hohes erreichen zu können? Wenn dies so leicht wäre, wie du vielleicht glaubst, so würde der Ordensgeist sich nicht auf jene Berge geflüchtet haben, die wahrlich sehr zurückschreckend sind. Es ist sehr schwer, in der Welt zu leben und doch kein Freund der Welt zu werden. Sobald du aber ihr Freund wirst, ist`s vorbei; dann bist du schon ein Feind Gottes, denn „wer ein Freund dieser Welt sein will, der wird ein Feind Gottes.“
Scheint es dir ein kleines Übel, wenn du, abgesehen von allem Andern, in beständiger Gefahr bist, dieser schrecklichen Feindschaft zu verfallen? Was tust du nicht Alles, um der Feindschaft eines Fürsten, eines Edelmannes, eines Bürgers, eines deines Gleichen auszuweichen? Und um der Feindschaft Gottes zu entgehen, willst du deiner Sinnlichkeit zu lieb kein Opfer bringen? Bedenke wohl, daß Freundschaft mit dieser Welt schließen schon Feindschaft mit Gott ist: – das ist gleichbedeutend, es gibt kein Mittelding. „Wer ein Freund dieser Welt sein will, wird ein Feind Gottes“; es heißt nicht, er wird es werden, sondern er wird es. Dies will sagen, daß man sogleich ein Feind Gottes wird, und gleich Jenen, die schon lange Zeit seine Feinde sind, in starker, heftiger Feindschaft lebt, die nicht so leicht aufhört. Denn wer einmal anfängt, die gegenwärtigen Güter mit Vorsatz hoch zu schätzen (d. h. ein Freund dieser Welt sein will) – o wie schwer wird es einem solchen, je wieder an den zukünftigen Gütern Freude zu bekommen! Willst du demnach weise handeln, so verlasse die Welt, in so weit du sie verlassen kannst, und suche deine Welt außer der Welt. Gehe hin, wo du auf der Erde nicht bloß gut, sondern auch heilig leben kannst. „Stelle dich auf die Seite der heiligen Welt (Eccli. 17, 25): d. h. des heiligen Geschlechtes.

5. Erwäge endlich, was du tun mußt, wenn du etwa nicht im Stande bist, der Welt auf irgend eine Weise zu entfliehen. Was hast du zu tun? Man kann dir kein anderes, als das angeführte Gesetz geben: „Macht euch dieser Welt nicht gleichförmig.“ (Röm. 12, 2) Mache dich ihr weder in den Grundsätzen, noch in den Neigungen, noch in den Handlungen gleichförmig. Ich sehe wohl ein, daß es schwer ist, in der Welt zu leben und sich doch der Welt nicht gleichförmig zu machen. Doch was bleibt übrig? Sobald du dich ihr gleichförmig machen willst, willst du auch ihr Freund sein; denn Freundschaft mit Jemandem haben – heißt nichts anderes, als Einer Meinung mit ihm sein, oder in Grundsätzen, Neigungen und Handlungen mit ihm übereinstimmen.
Trachte demnach, nicht dahin zu gehen, wohin der große Haufe geht. „Folge nicht der Menge, um Böses zu tun.“ (Exod. 23, 2) Gehe mit Jenen, die nicht Freunde dieser Welt sind: besuche gerne die Kirchen, Klöster und jene Orte, die der Welt entfremdet sind. Mit einem Wort: mache es dir nie zur Regel, so zu handeln, wie es in der Welt Gewohnheit ist; – deine Regel sei das Gesetz Gottes.
Aber wie kannst du dazu gelangen? Wenn du oft bedenkst, was zuletzt alle jene Güter sind, die dir die Welt geben kann, ihre Freuden, Reichtümer und Ehren. Sind sie auch Güter, so sind sie es höchstens für ein Jahrhundert. –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 227 – S. 232

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