Heiliger Turribius Erzbischof von Lima

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

23. März

Der heilige Turribius, Erzbischof von Lima

Als im Jahre 1492 der fromme, gottesfürchtige Seefahrer Kolumbus das feste Land von Amerika entdeckt hatte, da schifften immer mehr Europäer, namentlich Spanier, nach Amerika hinüber, in der Absicht, um dort Gold, Silber, edle Steine und andere Schätze zu finden und sich zu bereichern. Die Einwohner Amerikas waren noch wilde Indianer, die vom Christentum nichts wußten. Die Männer, welche nach Amerika reisten, um reich zu werden, bekümmerten sich anfänglich wenig um diese armen, unwissenden Indianer, ja sie drückten dieselben unmenschlich und suchten nur Gold von ihnen zu erpressen. Doch wurden schon im Jahre 1493 von dem König von Spanien Missionare nach Amerika geschickt, um die noch dem Heidentum ergebenen Indianer zum Christentum zu bekehren und nach und nach gelang es auch, viele Tausende derselben Christo, dem Herrn zu gewinnen. Es wurden daher Bischofssitze errichtet, Pfarreien gegründet, Kirchen gebaut und auf solche Weise auch das Reich Christi, die heilige katholische Kirche, in Amerika ausgebreitet. Allein leider waren die Spanier, welche nach Südamerika einwanderten, größtenteils nur Christen dem Namen nach und führten ein lasterhaftes, ausschweifendes Leben. Sie verführten auch die armen Indianer, preßten dieselben bis auf`s Blut und verdrängten sie immer weiter aus ihrem Lande. Ja viele Tausende derselben flüchteten sich vor diesen grausamen Spaniern in die Gebirge und Wälder und diejenigen unter ihnen, welche schon Christen waren, wurden wieder Heiden, die anderen, die noch Heiden waren, wollten vom Christentum nichts wissen; „denn“, sagten sie: „wenn die christliche Religion gut wäre, so würden ihre Anhänger, die Spanier, nicht so grausam und lasterhaft sein.“ Du siehst da, lieber Leser, welch großes Unheil das böse Beispiel anrichtet und wie viele Irr- und Ungläubigen sich bekehren würden, wenn nicht viele katholische Christen so gottlos lebten!!

Namentlich im Lande Peru, in Süamerika, im Bistum Lima war um das Jahr 1580 die christkatholische Religion ganz in Verfall geraten. Das Bistum Lima, war über 130 Stunden groß und umfaßte nebst mehreren Städten eine unzählige Menge von Dörfern und Weilern. Einige Anführer der Spanier, welche dieses Land erobert hatten, verfuhren ungemein hart gegen die Indianer, es entstanden Empörungen und Kriege, das ganze Land wurde verwüstet und überall erblickte man nur Grausamkeit, Verräterei und Ausschweifungen. –

Um diesen großen Übeln Einhalt zu tun, erweckte Gott den heiligen Turribius. Er war in Spanien von edlen Eltern geboren und zeigte schon als Knabe einen außerordentlichen Abscheu vor der Sünde. Als er einst einer Frau begegnete, die wegen eines Verlustes sehr erzürnt war, mahnte er sie mit guten Worten zur Sanftmut und ersetzte ihr den Verlust, nur daß sich der Zorn lege und Gott nicht mehr beleidigt werde. Die liebe Gottesmutter Maria liebte er sehr; täglich betete er ihr zu Ehren den Rosenkranz und die Tagzeiten und fastete alle Samstage. Um die Armen zu speisen, tat er sich täglich Abbruch am Essen und seinen Leib behandelte er so strenge, daß man ihm Einhalt gebieten musste. Nachdem er seine Studien vollendet hatte, übertrug ihm der König Philipp II., der seine Tugend und Gelehrsamkeit kannte, wichtige Ämter und als das Erzbistum Lima erledigt war, wählte ihn der König zum Erzbischof. Turribius erschrak sehr, als er davon hörte, er weigerte sich, diese Würde anzunehmen und flehte unter Tränen zu Gott, ihm diese Last weg zu nehmen. Er war noch nicht Priester und hielt dies dem König in einem Schreiben vor; allein all sein Sträuben war vergebens, denn ihn hatte ja gerade Gott der Herr ausersehen, um die katholische Religion im Bistum Lima wieder herzustellen und die armen Indianer zu bekehren.

Er wurde also zum Priester und Bischof geweiht und reiste dann im Jahre 1581 über das Meer nach Lima. Kaum dort angekommen, durchzog er sein großes Bistum, wobei er unbeschreibliche Mühseligkeiten und Gefahren auszustehen hatte. Selbst auf die hohen mit Schnee und Eis bedeckten Gebirge stieg er, um die Hütten der armen Indianer zu besuchen und sie zu trösten. Dabei betete und fastete er, um den Segen Gottes auf seine Arbeit zu erwirken. Gegen seine untergeordnete Geistlichkeit, die an guten Sitten sehr herab gekommen war, verfuhr er mit Strenge und duldete durchaus kein Ärgernis. Öffentliche Sünder bestrafte er ohne Rücksicht der Person und immer und überall nahm er sich der Unterdrückten an. Eine überaus große Liebe hatte er gegen die Armen, Kranken und die Indianer. Täglich besuchte er die armen Kranken in den Spitälern, tröstete sie und spendete ihnen selbst die heiligen Sakramente. Als die Pest in einem Teil des Bistums ausbrach, gab er, um der Not abzuhelfen, Alles hin, was er besaß und stellte sich selbst an die Spitze der Bittgänge, um unter Tränen und Gebet Hilfe von Gott zu erlangen. Wenn er erfuhr, daß die armen Indianer auf den Gebirgen oder Einöden umher irrten, so machte er sich wie ein guter Hirt sogleich auf den Weg, um sie aufzusuchen und für Jesus wieder zu gewinnen. Ohne Furcht durchwanderte er oft zu Fuß die grauenvollsten Wüsteneien, wo nur Löwen und Tiger hausen. Wenn man ihm vorstellte, daß doch die Gefahren zu groß seien, denen er sein Leben aussetze, so antwortete er:
„Ist Jesus sogar vom Himmel in das Tränental herab gestiegen, um uns zu retten. Ein wahrer Hirt muss bereit sein, Alles für die Erde Jesu zu leiden.”

Um den Indianern selbst predigen zu können, lernte er im hohen Alter noch ihre Sprache. Dreimal durchreiste er sein Bistum; die erste Reise dauerte 7 Jahre, die zweite 5 Jahre und die dritte etwas weniger. Kam er in einen Ort, wo eine Kirche war, so besuchte er diese zuerst, um da für das Heil der Seelen zu beten; dann machte er sich an den Unterricht der Armen und Unwissenden, der oft zwei bis drei Tage dauerte. Täglich las er die heilige Messe mit englischer Andacht, jeden Morgen beichtete er, um ja immer reiner zu werden, und mehrere Stunden des Tages verwendete er auf die Betrachtung, wobei immer ein himmlischer Glanz ihn umgab. Was er Gutes stiftete, das suchte er zu verbergen; auch von seinen Bußwerken ließ er nichts merken und dies aus lauter Demut. – Kein Wunder also, daß Gott seine Arbeiten so reichlich segnete, und ihm die Gnade verlieh, daß er die so herab gesunkene Religion und Sittlichkeit im Lande Peru wieder herstellte, Tausende bekehrte und die schönsten Früchte des christlichen Lebens wieder zum Vorschein kamen.

Auf einer Reise erkrankte er in Santa, einer Stadt, die 110 Stunden von Lima entfernt ist. Er hatte seinen Tod vorhergesagt und verteilte vor demselben noch seine Habe unter seine Diener und unter die Armen. Dann ließ er sich in die Kirche tragen, wo er mit tiefster Rührung die heiligen Sakramente empfing. Beständig wiederholte er die Worte des heiligen Apostels Paulus: „Ich wünsche aufgelöst zu werden und bei Christo zu sein.” In seinen letzten Augenblicken ließ er sich von den Umstehenden die Worte des 121. Psalmes absingen. „Ich habe mich darüber erfreut, als mir gesagt worden, wir werden eingehen in das Haus des Herrn”, und mit den Worten des Propheten: „Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist”, starb er am 23. März 1606. Nach einem Jahr brachte man seinen Leib nach Lima und fand ihn noch unverwest. Während seines Lebens hatte er einen Toten erweckt und mehrere Kranke geheilt; an seinem Grabe geschahen viele Wunder.
Er wird abgebildet in erzbischöflicher Kleidung, wie er armen Indianern predigt. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Erster Teil, 1904, S. 450 – S. 452

Category: Bischöfe, Ott
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