Heilige Veronika von Mailand Klosterfrau

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

 Heiligenkalender

13. Januar

Die heilige Veronika von Mailand

Bei Gott gilt kein Ansehen der Person; er wählt sich seine Auserwählten aus allen Ständen und gerade das Schwache wählt er aus, wie der Apostel sagt, um das Starke zu beschämen und wie die Mutter des Heilandes gesungen: die Stolzen stößt er vom Throne, die Niedrigen aber erhebt er. Dies sehen wir bestätigt an dem Beispiel der Heiligen welche die katholische Kirche am heutigen Tage verehrt.

Veronika erblickte in einem Dorf nicht weit von Mailand das Licht der Welt. Ihre armen Eltern lebten von Handarbeit, waren aber reich an christlichen Tugenden. Besonders übte ihr Vater die Redlichkeit auf das Genaueste aus. Jede Art des Betruges haßte er; nie verkaufte er etwas, ohne den Käufern offen die Güte und die Mängel der Ware zu gestehen. Seine Armut war so groß, daß er seine Tochter nicht in die Schule schicken konnte. Veronika lernte also nicht lesen, aber dies hinderte sie nicht, Gott von Herzen zu dienen. Ihre Eltern gaben ihr ja das beste Beispiel. Beten war ihre liebste Beschäftigung, und aufmerksam hörte sie die Christenlehre an, die den Kindern gehalten wurde. Schon in der zartesten Jugend gewährte ihr der heilige Geist große Einsicht in die Geheimnisse des Glaubens und durch innerliches Gebet und Betrachtung nahmen ihre Kenntnisse in göttlichen Dingen und ihre Fortschritte in der Frömmigkeit immer mehr zu. Mit dem Gebet und der Betrachtung verband sie aber auch die größte Arbeitsamkeit; sie floh den Müßiggang und gehorchte ihren Eltern und Vorgesetzten auch in den kleinsten Dingen. Mit ihren Gefährtinnen lebte sie immer friedlich, erwies ihnen Gutes, wo sie nur konnte, und sah sich immer als die letzte unter ihnen an. Besonders suchte sie ihren eigenen Willen abzutöten, und brachte es darin so weit, daß man glaubte, sie hätte keinen Willen mehr. Ihr Wandel war im Himmel, unausgesetzt waren ihre Gedanken bei Gott; auch mitten in der Arbeit und umgeben von Menschen vergaß sie ihres Gottes nicht; besonders liebte sie die Einsamkeit und floh den geräuschvollen Umgang mit Menschen, dabei aber blieb sie immer heiter und froh, wenn gleich ihre Augen oft voll Tränen standen, die sie im einsamen Gebet vergoß. Ihre Liebe zur Einsamkeit brachte auch in ihr den Entschluss zur Reife, in ein Kloster zu gehen. Aber wie sollte sie dieses bewerkstelligen, da sie nicht lesen und schreiben konnte? Doch verlor sie deswegen den Mut nicht. Da sie bei tage arbeiten musste, verwandte sie einen Teil der Nacht, um lesen und schreiben zu lernen, was ihr auch ohne Hilfe eines Lehrers gelang. Sie hatte es dabei sehr hart und machte nur geringe Fortschritte; aber die heilige Jungfrau Maria, die sie immer kindlich als ihre liebe Mutter verehrte, tröstete sie. „Laß“, so sprach einst Maria in einer Erscheinung zu ihr, „laß deine Unruhe und sei nicht so bekümmert; es ist genug, wenn du drei Buchstaben kennst. Der erste Buchstabe ist die Herzens-Reinigkeit, welche darin besteht, daß man Gott über Alles und die Geschöpfe nur in ihm und wegen seiner liebt; der zweite Buchstabe ist die Geduld und Sanftmut, so daß man niemals murret und beim Anblick der Fehler des Nächsten nicht ungeduldig wird, sondern sie mit Ergebung trägt und für ihn betet; der dritte Buchstabe besteht darin, daß man jeden Tag eine bestimmte Zeit auf das Betrachten des Leidens Christi verwende.“ –

Endlich ward Veronika nach einer dreijährigen Vorbereitung in das Kloster der Augustinerinnen von Sankt Martha zu Mailand aufgenommen. Hier lebte sie ein still verborgenes, heiliges Leben; der Welt gänzlich abgestorben lebte sie nur mehr für Jesus, dem sie sich ganz geschenkt. Ohne einenWillen zu haben, gehorsam wie ein gutes Kind, ließ sie sich von ihren Obern leiten mit allem zufrieden, was Gott über sie verhängt. Drei Jahre musste sie in stetes, schmerzhafter Krankheit zubringen, und obwohl man sie bat, auf ihre schwächliche Gesundheit Rücksicht zu nehmen, beobachtete sie doch immer genau alle Ordensregeln, indem sie zur Antwort gab: „Ich muss arbeiten, so lange ich Zeit habe.“ Obgleich sie von Kindheit an immer einen ganz reinen, unschuldigen Lebenswandel geführt hatte, sah sie sich doch für die größte Sünderin an; hielt sich für die Geringste unter allen Ordensschwestern und verrichtete am liebsten die niedrigsten Arbeiten. Beständig war sie im Gebet mit Gott vereinigt und ihr Herz war immer so zerknirscht, daß sie beinahe unaufhörlich weinte. Ihre reden waren daher auch salbungsvoll, daß die verstocktesten Sünder dadurch gerührt wurden. Endlich wurde das Sehnen ihres Herzens, mit ihrem göttlichen Bräutigam Jesus ewig vereinigt zu werden, gestillt; ihre heilige Seele verließ im Jahre 1497 zu der von ihr vorher gesagten Stunde den jungfräulichen Leib, nachdem sie ein Alter von 52 Jahren erreicht hatte. Gott verherrlichte seine Dienerin durch viele Wunder, und Papst Benedikt XIV. ließ ihren Namen in das Verzeichnis der Heiligen eintragen. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 86 – S. 88

Bildquellen

  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor

Verwandte Beiträge

Die christliche Tugend der Demut
Die Kardinaltugend des Starkmutes
Menü