Unsere Liebe Frau von Konstantinopel

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Unsere Liebe Frau von Konstantinopel in Neapel

Jene Kirche der heiligen Jungfrau, in welcher der heilige Franziskus von Hieronymo, 22 Jahre alle Dienstage das Lob der Himmelskönigin verkündete, und Tausende von herzen zu ihrer Liebe und Verehrung entflammte, wird heute noch gerne von dem gläubigen Volk Neapels besucht. Das Bild U. L. Frau, welches dort verehrt wird, stammt aus Konstantinopel. Diese Stadt zeichnete sich einst durch große Andacht zur seligsten Jungfrau Maria aus. Diese Andacht war besonders durch das berühmte, vom heiligen Evangelisten Lukas gemalte Bild der Mutter Gottes, welches um das Jahr 451 von der Kaiserin Eudoxia aus Jerusalem an die heilige Kaiserin Pulcheria nach Konstantinopel geschickt worden war, angefacht. Nach diesem Mutter-Gottes:bild des heiligen Lukas wurden bald viele andere gemalt und in verschiedene Länder verschickt. Daher kommt es, daß viele Kirchen sich rühmen, ein vom heiligen Lukas gemaltes Bild der Mutter Gottes zu besitzen. Eine Kopie von dem Muttergottes-Bild kam auch nach Neapel und wurde in einer Kapelle, welche in Folge eines Gelübdes zur Abwendung einer Landplage errichtet worden war, andächtig verehrt. – Doch im Laufe der Zeit, wahrscheinlich durch ein Erdbeben, wurde die Kapelle zerstört und das Bild unter den Ruinen begraben. Nach langer Zeit gefiel es Gott, durch Entdeckung dieses Bildes die Andacht zur seligsten Jungfrau aufs Neue zu beleben.

Im Jahre 1528 war nämlich zu Neapel eine mörderische Pest ausgebrochen. Zu Anfang des Jahres 1529 hörte sie wieder auf, und zwar auf die Fürbitte Unserer Lieben Frau, wie aus einer Erscheinung, welche einer armen Jungfrau in Neapel zu Teil wurde, abzunehmen ist. Der frommen Jungfrau erschien nämlich die Mutter Gottes und sprach: „Erfreue dich, meine Tochter! der Zorn meines göttlichen Sohnes hat sich gelegt. Bring diese frohe Botschaft deinen bekümmerten Mitbürgern und sage ihnen in meinem Namen, daß sie zur Danksagung hier in der Nähe (Unsere Liebe Frau bezeichnete den Ort) die Erde aufgraben lassen sollen. Dort werden sie unter den Ruinen einer Kapelle mein Bildnis an einer Wand finden. Ich will, daß an jener Stelle zu Ehren meines göttlichen Sohnes und meines Namens eine Kirche erbaut werde; die, welche mich daselbst verehren werden, sollen an mir eine liebevolle Fürsprecherin finden.“ Das fromme Mädchen machte gehörigen Orts Anzeige von der Erscheinung und dem ihr gewordenen Auftrag. Sogleich ward nun an der bezeichneten Stelle nachgegraben, und man entdeckte wirklich die Überreste einer zerfallenen Kapelle mit einem Mutter Gottes Bild in der Wand. Noch in demselben Jahr wurde an dieser Stelle der Bau einer Kirche begonnen, in welcher das erwähnte Bild U. L. Frau von Konstantinopel seitdem verehrt wird.Die Neapolitaner haben aber auch die mächtige Fürbitte der Mutter Gottes zur Zeit der Pest und in anderen Nöten öfters erfahren. Hiervon nur ein Beispiel.

Als der Kardinal Alphons Gesualdo Erzbischof von Neapel war, herrschte daselbst eine so andauernde Dürre, daß eine große Hungersnot unvermeidlich schien. Der fromme Erzbischof beschloss, zu der allerseligsten Jungfrau seine Zuflucht zu nehmen, um durch ihre Fürbitte einen längst entbehrten Regen zu erlangen. Zu diesem Zweck wurde von der Kathedralkirche aus eine feierliche Prozession zu dem Mutter Gottes Bild von Konstantinopel veranstaltet. Eine große Menge Menschen begleitete die Prozession voll Andacht und Zerknirschung. Der Kardinal, sowie ein Teil der Geistlichkeit und des Volkes ging barfuß. Als man in der Kirche U. L. Frau von Konstantinopel angekommen war, wurde das Mutter Gottes Bild mit einer großen Menge von Wachslichtern beleuchtet und ein feierliches Hochamt gehalten. Kaum war das Hochamt zu Ende, so strömte der Regen vom Himmel und tränkte die dürren Felder.

Diese Kirche U. L. Frau wurde später umgebaut und verschönert, und ein Frauenkloster zur Erziehung junger Mädchen hinzu gefügt. Viele und schöne Andachts-Übungen wurden i dieser Kirche zur Erbauung des Volkes gehalten. Eine Marmorplatte in der Kirche enthält folgende Inschrift:

„Der heiligen Maria von Konstantinopel hat die Bürgerschaft von Neapel unter Kaiser Karl V. zur Abwendung der Pest diese Kirche gelobt, erbaut und gewidmet; unter Philipp III. sie von neuem und schöner mittelst frommer Beiträge aufgebaut, und ein Nonnenkloster hinzu gefügt im Jahre 1612.“ (A. Riccardi, Storia de Santuari piu celebri di Maria sanctissima IV.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1173 – Sp. 1174

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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