Die treu sind in der Liebe werden Ihm gehorchen

Die treu sind in der Liebe werden Gott gehorchen

Betrachtung zum 16. Januar

Fideles in dilectione aquiescent illi.
„Die treu sind in der Liebe, werden ihm gehorchen.“ (Weish. 3,9)

1. Erwäge, daß es ein sicheres Kennzeichen ist, ob du Gott liebst, wenn du mit dem göttlichen Willen übereinstimmst. Leicht ist es, ihn zu lieben, wenn er uns willfährig ist, uns nach Wunsch tut, uns „gehorcht“, indem Er uns die Gesundheit erhält, Ehre spendet, uns erhöht oder wenigstens mit verschiedenen geistigen Tröstungen erquickt. Aber die wahre Liebe zeigt sich dann, wenn wir ihm gehorchen müssen, wenn wir Krankheiten, Verachtung und Unbequemlichkeiten zu ertragen, ja sogar immerwährende Seelen-Trockenheit zu leiden haben. Und sicherlich ist das sein Wille, daß uns niemals Stoff zum Leiden mangle, und wir selbst verlangen im eigentlichen Sinn nichts anderes, wenn wir beten: „Dein Wille geschehe“ (Matth. 6,10). Denn sein Wille ist, daß wir heilig seien: „Der Wille Gottes ist eure Heiligung“ (1.Thess. 4,3). Und Niemand wird auf einem anderen, als auf dem Leidensweg heilig werden: „Alle, die Gott gefällig waren, sind durch viele Trübsale gegangen“ (Judith 8,23).

2. Betrachte, daß diese Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen sehr vollkommen sein müsse, weil der Weise sagt: „Sie werden ruhig beipflichten.“ Nicht als ob auch der untere Teil unserer Seele ruhig sein müsste, sondern weil es der obere sein muss: ja der Wille sowohl als der Verstand müssen ruhig sein. Der Wille zwar beruhigt sich leicht bei vielen Vorfällen, aber nicht so der Verstand; denn Manchen kommt es bisweilen sehr schwierig vor, auf diese oder jene Weise von Gott behandelt zu werden; und sie können sich nicht überzeugen, daß es für sie gar nichts Besseres gebe, als was sie gerade trifft. Wenn auch du so handelst, so pflichtest du nicht gänzlich Gott bei, und darfst dir deshalb gar nicht schmeicheln, denn du bist nicht treu: „Die treu sind in der Liebe, werden ihm gehorchen.“

3. Betrachte, daß diese vollkommene Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen es sei, die mehr als alles Andere der Seele den Frieden gibt, und deshalb heißt die Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen eine Beruhigung. So wirst auch du, wenn du den Willen Gottes oder desjenigen, der an seiner Statt dich leitet, nach dem deinigen richten willst, nimmer mehr zur Ruhe kommen. Dann nur wirst du dies erreichen, wenn du zugibst, daß Gott oder dein Oberer deinen Willen gänzlich nach dem ihrigen leiten können. Überlaß dich also endlich gänzlich seinem Willen: „Gehorche ihm also“, sage ich dir mit Job, „und habe Frieden“ (Job 22,18). –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 31 – S. 33

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