Lasse nie die Hoffart herrschen in deiner Rede

Das Bild zeigt die Sünde und ihre Folgen: Gottvater, ein Engel mit dem Flammenschwert zu Eva gewandt, ein anderer Engel mit einem Zweig zu Maria gewandt

Betrachte alles Unglück von der Hoffart

 14. März

Superbiam nunquam in tuo sensu aut in tuo verbo dominari permittas; in ipsa enim initium sumsit omnis perditio..
„Lasse nie die Hoffart in deinem Sinn oder deiner Rede herrschen, denn in ihr hat alles Verderben seinen Anfang genommen.“ Job 4. 14.

1. Betrachte, wie alles Unglück von der Hoffart, welche ein ungeordnetes Verlangen nach Auszeichnung ist, seinen Anfang genommen hat.
Zweifach war das Verderben der Welt; das eine kam von den Engeln, das andere von Adam. Ein jedes davon ist nicht bloß von der Hoffart ausgegangen, was bei jeder Sünde der Fall ist, sondern bestand in der Hoffart selbst, weshalb es nicht heißt: von der Hoffart, sondern in der Hoffart, hat alles Verderben seinen Anfang, weil sowohl die Engel, als Adam, die ihnen vorgeschriebenen Grenzen überschreitend, Gott ähnlich werden wollten; zwar nicht ganz und gar, was ihnen nicht in den Sinn kommen konnte, aber doch so sehr als möglich. Sieh also, welch ein Übel die Hoffart ist, da sie die dem Anschein nach unverderblichen Zedern, nicht des Libanon, sondern des Paradieses stürzte. O wie sehr ist sie zu fürchten, und doch wuchert sie überall, an edlen wie an gemeinen Pflanzen!

2. Erwäge, worin sowohl die Engel, als auch Adam die Grenzen überschritten haben. Es gibt drei Haupteigenschaften der Gottheit: Macht, Weisheit und Güte. Die Engel waren Gott hinreichend ähnlich an Güte, denn sie waren vollkommen schön; und ebenso an Weisheit, denn sie waren, wie Ezechiel sagt (28, 12), voll von Weisheit; nur die Macht fehlte ihnen, und deshalb strebten sie, ihre Herrschaft über die Sterne zu erhöhen. „Über die Gestirne Gottes will ich meinen Thron erhöhen.“ (Is. 14, 13)
So war auch Adam Gott ähnlich, an Güte durch die ursprüngliche Gerechtigkeit, und an Macht durch die Herrschaft über alle Geschöpfe. Ihm fehlte die Wissenschaft, die er nicht, wie die Engel, bei der Schöpfung erhielt, sondern sich allmählich erwerben sollte, und deshalb verlangte er wider das Gebot darnach; sei es, daß er aus eigenen Kräften das Gute und Böse unterscheiden oder dasselbe vorher wissen wollte. Wahr ist es, daß Adam, wie Viele behaupten, auch durch die Esslust sündigte. Indes konnte dies nicht die erste ungeordnete Begierde sein, die sich in ihm regte; denn die Sinne waren dem Geist bis dorthin noch nicht widerspenstig entgegen getreten, und so konnte ihn das erste innerliche Vergehen nicht zur Erlangung eines sinnlichen, sondern nur eines geistigen, ihm nicht gebührenden Gutes antreiben.
Du siehst daraus, wie wichtig es sei, sich stets und überall in den von Gott gesetzten Grenzen zu halten. Wer sich daran hält, heißt demütig, wer sie überschreitet, hoffärtig.

3. Betrachte, wie schrecklich das Verderben war, das von der Hoffart ausging. So viele Millionen der erhabensten Geister, die vornehmsten unter den Geschöpfen, die Gottes Hand hervor gebracht, so liebenswürdig, so voll Herrlichkeit, – werden aus dem höchsten Himmel hinab gestürzt in die tiefste Hölle, und nicht bloß hinab gestürzt, sondern zugleich in die abscheulichsten Ungeheuer verwandelt.
Wenn ein besonders gütiger König eine Menge der vornehmstenMänner, darunter Grafen, Fürsten und Herzöge, seine bisherigen Lieblinge, auf öffentlichem Platz aufhängen ließe, was sagtest du dazu? Glaubtest du nicht, sie müssten ein ungeheures Verbrechen begangen haben? Und doch, was sind alle diese im Vergleich mit den Engeln? Sie sind kaum tauglich zu erachten zum niedrigsten Dienst derselben. Und doch ward an Allen die schrecklichste Gerechtigkeit geübt. Schließe daraus, welch großes Übel die Hoffart sein müsse, auch nur in Gedanken begangen.

4. Betrachte, daß ein ähnliches Unglück im irdischen Paradies sich ereignete. Adam, dieser erhabene Erdenfürst, wird seiner Herrschaft entsetzt, und nicht bloß in seiner Person, sondern auch in seinen Nachkommen, schrecklich gestraft. Häufe alles Unglück auf Erden zusammen, alle Plage, Verachtung, Krankheit, Schrecken und Schmerz, Unglück, Krieg, Raub und Mord, Trübsal, Unwissenheit und Bosheit; und dann sage bei dir selbst: Welcher Strom konnte uns mit einer solchen Flut von Übeln überschwemmen? Das tat die Hoffart: und der Schaden dieser Überschwemmung war deshalb unverbesserlich, weil sie von oben kam. Welch großes Übel muss daher diese verfluchte Hoffart sein, und du könntest sie auch nur einen Augenblick über dich herrschen lassen?

5. Ferner erwäge, daß am angeführten Ort von einer doppelten Hoffart die Rede ist, des Sinnes nämlich und des Wortes, d. h. des Geistes und der Rede, weil sie bei diesen beiden am öftesten vorkommt. Jede musst du von dir fern halten, aber vorerst die des Geistes, weil von dieser die andere ausgeht.
Willst du aber die Hoffart des Geistes unterdrücken, so erwäge öfter, wer du bist und wer Gott ist. Du wirst finden, daß es billig sei, dich ihm in Allem zu unterwerfen und seinem Willen gleichförmig zu werden. „Soll meine Seele nicht Gott sich unterwerfen?“ (Ps. 61, 2)
Willst du die zweite Art der Hoffart bewältigen, so bedenke, wie unpassend und lächerlich du sie findest, wenn du sie an Andern bemerkst. Deshalb glaube sicherlich, daß Andere ebenso urteilen, wenn sie dieselbe an dir bemerken.
Noch bedeutet Wort in der heiligen Schrift öfter auch jedwede Sache, weil jedes Ding Gott nicht mehr als ein Wort kostete. Wenn es deshalb heißt: du sollst die Hoffart in deinem Sinne und in deinem Wort fliehen; so will dies auch noch bedeuten, daß du sie innerlich und äußerlich fliehest, oder mit andern Worten, dich in jeder Beziehung von diesem größten Übel (Ps. 18, 14) rein bewahrest.

6. Betrachte, da die Hoffart besonders geistiger Natur ist, – daß es nicht zu sagen ist, wie leicht sie sich, gleich einer bösartigen Schlange, auch unter die guten Werke versteckt. Deshalb musst du um so wachsamer sein, auf daß du sie von dir fern haltest. Es heißt darum nicht: Die Hoffart herrsche nicht in deinem Sinne und Worte, sondern: lasse sie nicht herrschen, weil es unmöglich ist, daß sie nicht hier und da dich unversehens übereile und über dich herrsche.
Was sollst du aber dann tun? Sie verjagen, sobald du ihrer gewahr wirst, entweder durch einen entgegen gesetzten Akt der Demut, oder wenn sie ungestüm ist, durch Verachtung und Hinwendung des Geistes zu andern Dingen. Wie unglücklich wirst du hingegen sein, wenn du dich ihr je überlassest! Du wirst im nämlichen Augenblick verloren sein.
Willst du wissen, wie sehr Gott sie haßt? Folgendes genüge dir: Kein kluger Arzt läßt, um eine gefährliche Krankheit zu heilen, den Kranken in eine andere fallen, wenn diese nicht bedeutend geringer ist. Und doch läßt Gott den Stolzen, um ihn zu heilen, öfter in Sünden fallen, deren Abscheulichkeit Entsetzen erregt, und demütigt ihn auf diese Weise. –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 204 – S. 207

Bildquellen

  • hattler-die-suende-und-ihre-folgen: Bildrechte beim Autor
Category: Betrachtungen, Segneri
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