Pfingstfest Die Taufe mit Heiligem Geist

Vierte Betrachtung

Pfingstfest: Die Taufe mit Heiligem Geist

Die Taufe mit Wasser und Heiligem Geist

An demselben Tage, an welchem unser göttlicher Herr und Heiland Jesus Christus in den Himmel auffuhr, befand Er Sich bei Seinen Jüngern zu Tische und richtete diese Worte an sie: „Ihr werdet getauft werden mit dem Heiligen Geist nicht lange nach diesen Tagen!“ (1) Es ist der gläubigen Seele von Nutzen, in den Sinn dieses göttlichen Ausspruches tiefer einzudringen, und ich könnte es mir nicht zu sehr angelegen sein lassen, diese Worte zu betrachten, wenn ich immer besser die Wirkungen des Versprechend kennen lernen will, das allen Gotteskindern in Bezug auf die Ankunft des Heiligen Geistes gegeben ist.
Wenn ich nach der eigentlichen Bedeutung des Wortes „Taufe“ suche, welches so oft in der heiligen Schrift und in der katholischen Liturgie gebraucht wird, so finde ich, es bedeutet ein Eintauchen, die Handlung des Untertauchens, um Jemanden dadurch zu waschen, zu reinigen und allen Schmutz von ihm zu entfernen.

Die Bedeutung des Wortes „Taufe“

Das Waschen und die Reinigung des Leibes durch Wasser, in welches man denselben eintaucht, galt bei den alten Völkern, bei den Heiden sowohl wie bei den Juden, als Symbol der Reinigung der Seele. Alle Sprachen bezeugen dies, indem sie uns dieselben Ausdrücke bieten, um die innerlichen oder mystischen, und die äußeren oder körperlichen Reinigungen zu bezeichnen. Daher rühren jene Waschungen aller Art, welche man unaufhörlich erneuerte, bevor man in das Innere eines Tempels trat, bevor man Opfer darbrachte. Bei den Juden besonders ist es gewiß, daß das Wort „Taufe“ beständig eine Reinigung durch Wasser, eine Abwaschung, ein heiligendes Bad bezeichnete. Johannes der Täufer predigte und spendete die Taufe mit Wasser, und diese äußere Handlung ward den Juden durch den heiligen Vorläufer erklärt als das sichtbare Zeichen der Reinigung der Seele durch Verabscheuung der Sünde und eine aufrichtige Reue (2). Der Glaube lehrt uns, daß der göttliche Heiland Selbst das Wasser als Materie jenes Sakramentes wählte, durch das wir wiedergeboren und durch die Adoption zu Kindern Gottes werden.
Aber Johannes der Täufer hatte dem Volk gesagt, das aufmerksam seinen Worten lauschte: „Der nach mir kommt, wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen.“ (3)
Und nun siehe, in jenem Augenblick, in welchem der Weltheiland die Erde zu verlassen und den Menschen Seine sichtbare Gegenwart zu entziehen gedenkt, macht Er Seinen Jüngern dieses Versprechen: „Ihr werdet getauft werden mit Heiligem Geist nicht lange nach diesen Tagen.“ (4) Wenn es wahr ist, daß das Taufen darin besteht, daß man Jemanden ins Wasser eintaucht, so daß das Wasser ihn umgibt, ihn von allen Seiten einschließt; wenn die Person, welche man tauft, in das Wasser versenkt und gleichsam vergraben wird; wenn sie vom Wasser bedeckt wird, welches gleichsam ihr Kleid wird, da sie ganz von demselben eingehüllt ist: so habe ich das Recht, die Rede Jesu Christi näher zu untersuchen und mir Rechenschaft zu geben, um verstehen zu lernen, wie man mit Heiligem Geist getauft werden kann. Diese Untersuchung will ich veranstalten, da ich ganz fest überzeugt bin, darin eine Lichtquelle und die Offenbarung der trostreichsten Wahrheiten zu finden.

Anmutung

Stehe mir bei, o Heiliger Geist! Gib, daß meine Seele in den Gedanken meines Erlösers Jesu Christi eindringe und daß sie die unaussprechliche Süßigkeit jenes göttlichen Ausspruches empfinden könne, welcher das ewige Leben in sich schließt! –

Anmerkungen zu: Die Taufe mit Wasser und Heiligem Geist

(1) Act. 1,5: Baptizabimini Spiritu Sancto non post multos hos dies.
(2) Vgl. Matth. 3,11: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße.“
(3) ebd.
(4) Act. 1,5

 

Erster Punkt

Das Wasser und das Feuer

Reinigung durch das Feuer

Es ist sicher, daß das Wasser reinigt, wäscht, Flecken und Schmutz entfernt. Aber wird man sagen, daß das Feuer diese Eigenschaft, diesen Vorsatz nicht besitze? Man müsste ganz gewiß sehr unwissend sein, wenn man dem Feuer eine läuternde Tätigkeit absprechen wollte, da alle Wissenschaften sie bezeugen, und Niemand dieselbe bezweifelt. Ja, noch mehr, das Feuer besitzt einen noch weit höheren Vorzug, als das Wasser. Die Reinigung durch das Feuer erstreckt sich viel weiter, als diejenige, welche man durch Anwendung und Benutzung von Wasser erreichen kann. Das Feuer brennt und verzehrt Alles, was die Schönheit und Reinheit der Metalle beeinträchtigt, und jedes Metall, in welchem man fremde Stoffe vermutet, muss durch`s Feuer gehen. Ganz gewiß reichen dieEigenschaften des Wassers nicht so weit in Bezug auf die Reinigung der Körper.
Nun kommt Jesus Christus und verdient für den Menschen die Gnade, welche ihn abwaschen, ihn rein und heilig machen soll in den Augen Gottes: und diese unschätzbare Wohltat kündigt Er uns an und zeigt sie uns unter den symbolischen Gestalten des Wassers und zeigt sie uns unter den symbolischen Gestalten des Wassers und des Feuers. Wir werden getauft werden mit Wasser, das ist wahr: dieses Wasser versinnbildet aber die innere Wirkung der Gnade, welche die Seele reinigt, die Flecken der Sünde von ihr entfernt, sei rein und unschuldig macht in den Augen ihres Schöpfers. Aber, vergessen wir es nicht: wir müssen auch mit Feuer getauft werden! Welches ist dieses Feuer, und welche Wirkung hat es auf unsere Seele?

Die Taufe mit Heiligem Geist

Ich muss zuerst bemerken, daß der göttliche Heiland für die Taufe mit Feuer ein sinnliches Bild wollte, ein wirkliches Feuer als Symbol jenes göttlichen unsichtbaren Feuers, das aus dem Schoß Gottes sich in unsere Seele ergießt. Das sehen wir am hochheiligen Pfingstfest. Aber wie das Wasser, so war auch jenes Feuer nur ein Zeichen, es stellte die übernatürlichen Wirkungen dar, welche der Heilige Geist in uns hervorbringt.
Als nun gesagt wurde, der Heiland werde mit Feuer taufen, musste man unter diesem Feuer den Heiligen Geist verstehen; und dies sagt der hl. Johannes der Täufer ganz ausdrücklich: „Er wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen.“ (Matth. 3,11) Aber wie kann dieser Ausdruck: „Taufe mit Feuer“, „Taufe mit Heiligem Geist“ gerechtfertigt werden? Das ist leicht zu verstehen. „Ebenso – sagt der hl. Augustinus – wie in der Taufe das Wasser dadurch, daß es den Körper berührt, das Herz abwäscht und reinigt und jeden Makel von ihm entfernt, ebenso läutert der Heilige Geist durch Seine Ankunft in unsere Seele unseren Verstand und unser Herz und entfernt von uns jedes Laster, jede Sünde, jede Leidenschaft.“
O wunderbare Wirkung der Sendung des Heiligen Geistes! Wenn der liebe Gott Ihn einer Seele sendet, so wird diese Seele eingetaucht, versenkt und gleichsam begraben in den Geist Gottes, und folglich auch in das Licht, in die Wahrheit, in die Liebe; sie ist eben dadurch gewaschen, gereinigt von allem Irrtum und aller sträflichen Neigung; Alles, was nicht von Gott und nicht für Gott ist, verschwindet; die Seele wird gerecht, rein, heilig, so wie der liebe Gott sie wünscht. Was ist doch mit dieser Seele vorgegangen? Sie ward getauft mit Heiligem Geist, einem geheiligten Feuer, dem ewigen Feuer, das nichts Anderes als die Liebe ist.

Die Taufe mit Feuer kann erneuert werden

Nein, gar kein Flecken widersteht der Wirkung der Liebe; und wenn man eine so große Zahl von Seelen sieht, die Sklaven der Begierlichkeit und des Stolzes sind, so kommt es daher, daß die göttliche Liebe sie nicht umgibt: sie sind nicht eingetaucht in den Heiligen Geist und in das Feuer der Liebe. Leider fordert die Reinigung durch das göttliche Feuer der Liebe die Mitwirkung des menschlichen Willens, und die Verweigerung dieser Mitwirkung verhindert für Viele die Verwirklichung der wunderbaren Verheißung: „Ich werdet getauft werden mit Heiligem Geist!“ –
Hier muss ich aber die Unermesslichkeit der göttlichen Barmherzigkeit bewundern. Während die Wassertaufe nicht wiederholt werden kann, und man sein ganzes Leben weinen müsste über das Unglück, das Kleid der Unschuld befleckt zu haben, mit welchem die Seele in diesem heiligen Sakrament bekleidet worden war, kann andererseits die Taufe mit Feuer, mit Heiligem Geist, mit der göttlichen Liebe oft erneuert werden, und sie ersetzt den Verlust, den man durch Veruntreuung gegen die Gnade der ersten Taufe erlitt. Dieser Gedanke ist höchst trostreich für die Sünder. Ja, o daß sie es doch wissen möchten: ihnen allen wird gesagt: Wenn ihr wollt, werdet ihr von Neuem mit dem Feuer der Liebe, mit heiligem Geist getauft werden! Betet, seufzet, rufet zum Himmel, und der Heilige Geist wird in euch kommen, Er wird euch taufen: ihr werdet gereinigt, ihr werdet heilig werden! …
Doch ihr eifrigen Seelen, die ihr beständig über eure täglichen Fehler seufzet, erhebt euren Mut! Ihr sündigt, sagt ihr, jeden Augenblick. Ich glaube es: aber auch in jedem Augenblick ist der Heilige Geist in euch tätig: Er reinigt euch, Er tauft euch! –

 

Zweiter Punkt

Die Vorzüge des Wassers und des Feuers

Die Taufe verleiht heiligmachende Gnade

Die Wassertaufe besteht nicht allein in der Reinigung der Seele, welche sie empfängt: sie bringt auch auch noch andere Wirkungen hervor. Sie verleiht der Seele die heiligmachende Gnade, und mit ihr den Glauben, die Hoffnung und die Liebe; mit diesen drei Tugenden führt die heiligmachende Gnade in uns die Gaben des Heiligen Geistes ein. So lehrt der hl. Thomas, und er führt als Grund an, daß der Heilige Geist nicht in eine Seele Einkehr nimmt ohne das göttliche Gefolge der übernatürlichen Gaben, welche von Ihm Selbst unzertrennlich sind.
Wenn ich nun nach dem Grund suche, warum Jesus Christus Seinen bereits gerechtfertigten Aposteln ankündigte, daß sie in wenigen Tagen mit Heiligem Geist getauft würden, so wird er leicht für mich zu finden sein.
Was will der göttliche Meister Seinen Jüngern geben, die Er so sehr geliebt hat? Eine Überfülle von Gnaden, einen wunderbaren Zuwachs an den himmlischen Gütern, die Er ihnen mitgeteilt hatte. Er will sie erheben zu einer erhabenen Vollkommenheit und, wie die Erklärer sagen, ihnen die Fülle der Güter und Schätze der Gnade mitteilen. Das ward ihnen zu Teil am Pfingstfest.

Die Fülle der übernatürlichen Gaben durch den Hl. Geist

Hast du vernommen das Wort: „Ihr werdet getauft werden mit Heiligem Geist“ und „Ihr werdet empfangen die Kraft des Heiligen Geistes“? (1) Der Heiland sagt nicht – „die „Gaben“, die „Gnaden“, die „Erleuchtungen“: Er gebraucht nur ein Wort, aber dieses Wort umfaßt Alles. Man glaubt den Engel Gabriel zu hören, da er Maria die Botschaft Gottes bringt. Wozu wird die Jungfrau Mutter? Was verspricht ihr der Himmel? Die „Kraft des Allerhöchsten“, d. h. die göttliche Allmacht, alle Schätze Gottes. Nun, das ist dieselbe Sprache, welche die Apostel vernahmen: Ihr werdet empfangen die Kraft des Heiligen Geistes, Ihr werdet mit ihr bekleidet werden! O, wer wird brechen die Umhüllung, wer wird eindringen in den Sinn, in den Geist dieses großen Wortes? –
Also die Fülle, die Vollkommenheit der übernatürlichen Gaben ist den Aposteln mit diesen Worten versprochen worden: „Ihr werdet getauft werden mit Heiligem Geist!“ Könnte wohl Jemand hieran zweifeln, wenn er die Umbildung betrachtet, welche im Speisesaal mit all` jenen bisher so unvollkommenen Menschen vor sich ging? –

Die Wiederholung des Pfingstfestes in den Heiligen

Aber sollten diese Wirkungen der Taufe im Feuer der Liebe, in Heiligem Geist, sich beschränken auf die Apostel und jene Jünger, die sich am großen Tage des Pfingstfestes im Speisesaal befanden? Das zu behaupten wäre eine Gotteslästerung, und diese Gotteslästerung würde die gröbste Unwissenheit unterstellen. Wenn ich die Kirchengeschichte aufschlage, wenn ich das Leben der Heiligen lese, so ist es es mir unmöglich, für gewisse Seelen die Wiederholung des Pfingstfestes zu leugnen, und zwar in allen Jahrhunderten. Ich weiß wohl, sehr oft bleiben diese großen Wirkungen der Taufe im Feuer der Liebe für das gewöhnliche Volk verborgen; aber nichts desto weniger sind sie in einer großen Zahl von Seelen vorhanden, welche bereit waren, aus sich selbst herauszugehen und sich ganz zu versenken in den Heiligen Geist. Wenn du gar keine dieser Seelen kennst, bist du sehr zu bedauern!
Wer sollte mich schließlich abhalten, meinen Ehrgeiz sehr hoch zu schrauben, und für mich dieses Feuer zu begehren, das Alles wegnimmt, um Alles zu geben; das beraubt, um zu bereichern; das verschlingt, um zu entzünden? Wehe jenen Christen, die dahin leben ohne eine Ahnung von dieser Umbildung, so durch die Kraft des Heiligen Geistes bewirkt wird! Sie haben die Gnaden verloren, welche sich an die Taufe mit Wasser knüpfen, und sie denken nicht daran, daß die Taufe mit Feuer und mit dem Heiligen Geist sie in einem Augenblick in neue Geschöpfe umwandeln könnte, von denen die Engel voll Freude sagen würden: Sie sind getauft worden mit Feuer: und die „Kraft von Oben“ ist hinab gestiegen in ihr Herz! –

Anmutung

Komm, Heiliger Geist! Erfülle die Herzen aller Gläubigen!

Anmerkungen zu: Die Vorzüge des Wassers und des Feuers

(1) Act. 1,8: Accipietis virtutem supervenientis Spiritus Sancti in vos.

 

Dritter Punkt

Die Kraft des Wassers und des Feuers

Sieh hin auf einen neuen Christen

Es ist im Feuer wie im Wasser eine doppelte Kraft, welche die Menschen verpflichtet, ebenso wohl sich zu schützen gegen diese beiden schrecklichen Kräfte, als auch Zuflucht zu ihnen zu nehmen, um großen Nutzen aus denselben zu ziehen: die Macht des Widerstandes, und die Macht der Bewegung oder der Tätigkeit. Den Widerstand dieser beiden Elemente zu besiegen und ihre Tätigkeit gut zu benutzen, daß ist eine Wissenschaft, welche die Menschen nicht vernachlässigen dürfen.
Nun wollte die göttliche Weisheit das Wasser und das Feuer als symbolische Zeichen des Widerstandes und der Tätigkeit in der menschlichen Seele gebrauchen. Sieh hin auf einen neuen Christen: wie hat das Wasser der Taufe ihn stark gemacht gegen die Bosheit der Hölle, gegen das Ungestüm seiner Leidenschaften! Kaum ist er heraus gestiegen aus diesem heilsamen Wasser, aus diesem wunderbaren Bad, da wir „Taufe“ nennen, so ist er fähig, allen Kraftanstrengungen der Hölle, der Leidenschaften und der Welt, die sich zu seinem Sturz vereinigt haben, einen grenzenlosen Widerstand entgegen zu setzen. Die ganze Kirchengeschichte ist die Geschichte dieses Widerstandes.

Die Kraft des Hl. Geistes in den Verfolgungen

Andererseits teilt die heilige Taufe demjenigen, welcher sie empfängt, jene Gabe der Kraft mit, durch welche er die wunderbarsten Werke unternimmt und ausführt. Wer kann das Schauspiel schildern, das der Welt geboten ward durch die Gläubigen aller Jahrhunderte? Eifer, Mut und Kraft haben stets die Christen gekennzeichnet; und in den ersten Jahrhunderten, als das Feuer der Verfolgung die Welt mit Opfern anfüllte, sah man bei dem schwachen Geschlecht, bei dem Alter, in welchem die Ungläubigen keine Tugend zu suchen gewagt haben würden, Wunder von Heiligkeit, übermenschliche Handlungen, welche gleich auf den Empfang der heiligen Taufe folgten. Diejenigen, welche aus diesem geistigen Bade heraus stiegen, waren fast immer mit der Kraft ausgerüstet, welche die Helden hervorbringt. Welche Kraft besitzt also das Taufwasser! – Was werde ich nun sagen von dieser Macht des Feuers? Wenn es sich nur um das wirkliche Feuer handelte, so würde ich unsern Gelehrten überlassen, uns die Macht seiner Tätigkeit zu schildern; aber wissen dieselben Gelehrten, was in einer Seele das göttliche Feuer vermag, das übernatürliche Feuer, das der Heiland Seinen Jüngern versprochen, und in welchem dieselben getauft wurden? Sehet, ihr Gläubigen die ihr die Verheißung Jesu Christi gründlich kennen lernen wollet, sehet diese Macht des Widerstandes und dann diese Macht der Tätigkeit in den Aposteln und in den Heiligen aller Jahrhunderte! Wer vermochte es, jene Menschen zurückzuhalten, die da vom Feuer der göttlichen Liebe verschlungen waren? Welches Hindernis war im Stande, ihrer Tätigkeit Schranken zu setzen, und sie zu hindern, auf die ganze Welt einzuwirken? Welche Gewalt hat sie zurücktreiben können? Ihre Geduld, ihr Mut und ihr Eifer haben all` ihre Peiniger ermüdet und wurden so die großen und furchtlosen Verteidiger des heiligen Glaubens.

Der Hl. Geist macht die Seelen wie Feuer

Woher kam aber dieser starke, mächtige Eifer, den nichts entmutigen noch niederwerfen konnte? Fraget den Heiligen Geist; Er ist es, der die Seelen wie Feuer macht; Er ist es, der alle Arten von Tugenden, alle Arten von Heldenmut erzeugt und hervorbringt. Wann eine Seele in Ihn eingetaucht und gleichsam begraben ist, dann ist diese Seele unbesieglich, und ihre Handlungen werden göttlich. „Ich vermag Alles – ruft der hl. Paulus aus – in dem, der mich stärkt.“ (1)
Die ganze Welt kann sagen, ob dieser erstaunliche Mann übertrieben hat, indem er von der Macht redete, die der Heilige Geist ihm mitgeteilt.
Ach, woher doch so viele Nachlässigkeiten, so viele Unentschlossenheiten, eine so wunderbare Schwäche bei einer so großen Zahl von Christen? Das kommt daher, weil diese Unglücklichen die Taufe mit Heiligem Geist vernachlässigen. Man schwimmt im Geiste der Welt, man hat nur Achtung vor dem Geist der Kreaturen, vielleicht auch vor jenem besonderen Geist, der das menschliche Ich ausmacht. Den Heiligen Geist, den Geist Gottes vergißt man und ruft Ihn niemals an. Was sage ich? Wenn Er erscheint, weist man Ihn ab; wenn Er spricht, heißt man Ihn stillschweigen; wenn man Ihm begegnet, wendet man das Gesicht ab; man fürchtet Ihn, Er ist lästig, Er ist nur ein Fremdling, den man sorgfältig ausweicht, weil man nicht die Sprache versteht, welche er redet. Wie sollte man in Ihm getauft, in Ihm untergetaucht werden, in Sein Licht, in Seine Liebe?

Anmutung

O mein Gott, ich kenne Seelen, die der Heilige Geist gleichsam versengt, die Er verzehrt: ich wollte gerne ihnen gleichen! Komm, komm, o Geist Gottes, Geist der Liebe, steige hinab in mein Herz, und ich werde stark, unbesiegbar, voll guten Willens, voll Eifer und Mut: und mein ganzes Leben wird nur mehr ein großer Akt der Aufopferung sein für die Ehre meines Herrn Jesus! Amen!

Anmerkungen zu: Die Kraft des Wassers und des Feuers

(1) Phil. 4,13: Omnia possum in eo, qui me confortat.

aus: F. X. Coulin, Apostol. Missionar und Ehrendomherr von Marseille, Der Heilige Geist Betrachtungen, 1881, S. 59 – S. 72

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