Der Hl Geist legt Zeugnis ab für Jesus Christus

Fünfte Betrachtung

Der Heilige Geist legt Zeugnis ab für Jesus Christus

Gott Vater legt Zeugnis ab für Jesus Christus

Ohne Zweifel legten die Werke Jesu Christi, als Er auf Erden lebte, ein herrliches Zeugnis für Seine Gottheit ab. Der göttliche Meister sagte es Selbst, sowohl wenn Er mit Seinen Jüngern, als wenn Er mit Seinen Feinden redete. Aber die Menschen mit ihren verdorbenen Sinn verwarfen unaufhörlich dieses Zeugnis. Jesus Christus hatte dann als Zeugen für die Wahrheit Seiner Rede Gott den Vater, der Seine Stimme vom Himmel ertönen ließ an jenem Tage, als Sein eingeborener Sich demütigte und in die Reihen der Sünder Sich stellte aus Liebe zu uns, indem Er aus der Hand Johannes des Täufers die Taufe zur Buße empfangen wollte. Eine Stimme ward gehört vom Himmel her, die da sprach: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe!“ (1) Dasselbe Zeugnis für die Gottheit des Erlösers ward gegeben am Tage Seiner Verklärung auf dem Berg Tabor. (2)

Die besondere Aufgabe des Hl. Geistes Zeugnis zu geben

Die Aufgabe, Zeugnis zu Gunsten Jesu Christi abzulegen, war aber ganz besonders dem Heiligen Geist aufbewahrt. Was der Sohn Gottes zu Gunsten Seines himmlischen Vaters zu erfüllen in die Welt gekommen war, das sollte der Heilige Geist zu Gunsten Jesu Christi erfüllen bis zum Ende der Zeiten. Als der göttliche Heiland die Ankunft des Heiligen Geistes auf Erden ankündigte, beeilte Er sich, auch Wesen und Endzweck Seiner Sendung anzugeben mit den Worten:
„Wenn aber der Tröster kommen wird, den Ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, welcher vom Vater ausgeht, so wird Er von Mir Zeugnis geben.“ (3) Es ist also eine unbestreitbare Wahrheit, daß die Sendung des Heiligen Geistes nach den ewigen Ratschlüssen der unendlichen Weisheit die Bezeugung der Gottheit des Erlösers zum Zweck hatte.
Der Heilige Geist sollte nicht Fleisch werden; in dieser Beziehung gleicht Seine Sendung nicht der des Gottessohnes. Wenn Jesus Christus von Seinen Aposteln gesehen, gehört und berührt wurde, so konnte nicht dasselbe mit dem Heiligen Geist geschehen.
Er musste Menschen zu Seinen Werkzeugen und Organen nehmen und sie mit Sich Selbst erfüllen, und so durch sie handeln und wirken, um die Gottheit des Erlösers einleuchtend, sicher und unbestreitbar zu machen. Daher fügt Jesus Christus, sobald Er die Worte gesprochen: „Der Heilige Geist wird Zeugnis (von Mir) geben“, sogleich hinzu: „Und auch Ihr werdet Zeugnis (von Mir) geben!“ (4) Nun wird dieser letzter Ausspruch des Heilandes noch bekräftigt durch einen andern; denn in dem Augenblick, als der Sohn Gottes Seine Jünger verlassen wollte, um zu Seinem Vater zurückzukehren, rief Er aus: „Ihr werdet Mir Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an die Grenze der Erde!“ (5)

Anmutung

Das ist also die große Wahrheit, eine für mein Tun und Handeln höchst wichtige Wahrheit, die ich heute betrachten soll. Als Christ bin ich von Jesus Selbst als Zeuge Seiner Gottheit und der Heiligkeit Seiner Lehre ernannt und eingesetzt. O mein Gott, wie bin ich so glücklich bei den Betrachtungen, die notwendig aus dieser trostreichen Wahrheit sich für mich ergeben müssen! –

Anmerkungen zu: Gott Vater legt Zeugnis ab Jesus Christus

(1) Matth. 3,17: Hic est Filius meus dilectus, in quo mihi complacui!
(2) Mit dem bedeutungsvollen Zusatz: „Ihn höret“ (vgl. Matth. 17,5). – Wie der himmlische Vater Seinem geliebten Sohn Zeugnis gab, als Derselbe Seine Lehrtätigkeit begann, so gibt Er Ihm auch feierliches Zeugnis vor Beginn Seines Leidens.
(3) Joh. 15,26
(4) Joh. 15,27
(5) Act. 1,8

 

Erster Punkt

Der Heilige Geist macht den Christen zum Zeugen für Jesus Christus

Der Christ ist Verteidiger Jesu Christi

Auch mir ist gesagt: „Du wirst Mir Zeuge sein, und aus diesem Grunde wirst du den Heiligen Geist empfangen: voll von diesem Geist, von diesem Geist der Wahrheit geleitet und geführt, wirst du Mich unterstützen, Mich verteidigen, wirst durch deine Werke, durch dein ganzes Leben Zeugnis ablegen für Meine Gottheit, für Meine unendliche Heiligkeit und für die Wahrheit des Evangeliums. Darum hat der Heilige Geist dich mit Sich Selbst bekleidet, darum hat Er Seinen Thron in deines Herzens Mitte aufgeschlagen!“ –
Welch` eine unendlich große Ehre! Welche erhabene Würde! Ich bin der Verteidiger Jesu Christi: ich weise alle Vorwürfe zurück, die man gegen Ihn macht; Ich lege Zeugnis ab zu Seinen Gunsten; ich räche Ihn für die Beleidigungen, die man sich gegen Seine anbetungswürdige Person erlaubt; ich bin der Zeuge Seiner Größe, Seiner unendlichen Heiligkeit! Die Menschwerdung des Sohnes Gottes, Seine Geburt aus einer Jungfrau, die Erhabenheit Seiner Tugenden, die Allmacht, so Er in Seinen Werken entfaltet hat, Sein Tod, Seine Auferstehung, die Ewigkeit Seines Reiches -: all` dieses ist somit mir überlassen, mir anvertraut, damit ich es verteidige, ausbreite und erhalte mitten in der Welt, indem ich mein Leben zu einem unabweisbaren Zeugnis für alle diese Wahrheiten mache!

Wie erfülle ich diese Aufgabe?

Wie kann man aber schließlich diese Aufgabe erfüllen? Aus sich selbst ist der Mensch dazu nicht im Stande; es handelt sich um einen göttlichen Dienst in seinem Ursprung wie in seinem Endziel; die sich selbst überlassene menschliche Natur könnte zu einer solchen Höhe sich nicht erheben. Der Heilige Geist wird also dem Menschen gegeben werden, welcher Sein Werkzeug und Sein Organ wird: und der Mensch, der voll des Geistes Gottes ist, ist befähigt, Jesu zur Stütze zu dienen, Ihn zu verteidigen, die Interessen Seiner Ehre zu rächen, Sein Reich zu verewigen hienieden bis zum Ende der Zeiten. Dieser Mensch bin ich, wenn ich will; ja, ich bin`s, wie der Weltapostel nachdrücklich sagt: „Der Heilige Geist wohnt in uns!“ ((1)
Und hier muss ich mich sorgfältig in Acht nehmen vor dem Gefühl einer falschen Bescheidenheit, denn es wäre abgeschmackt, zu sagen: Dieser Dienst ist zu erhaben für mich; ich überlasse ihn den Aposteln oder den großen Heiligen. Wenn ich eine solche Sprache führte, so wäre ich ein sinnloser Mensch, denn eine Ehre, welche direkt vom lieben Gott kommt, welche angeboten – nein, ich sage zu wenig – welche zur Pflicht gemacht ist durch Seinen allerhöchsten Willen, eine solche Ehre abzuschlagen: Das wäre wahrlich wahnsinnig! Ich sage noch mehr: Diese Weigerung ist eine Schmach für Jesus Christus, es ist ein Verbrechen gegen die Gerechtigkeit, da ja die Gerechtigkeit es fordert, daß Jesus Christus verteidigt werde! –

Kann ich mich neutral verhalten?

Aber noch mehr: wenn man kein Zeuge, kein Verteidiger Jesu Christi wäre, könnte man sich da neutral verhalten, ohne sich unter Seine Feinde und Seine Ankläger zu reihen? Diese Meinung ist von Jesus Christus Selbst feierlich verurteilt worden, da Er spricht: „Wer nicht mit Mir ist, der ist wider Mich!“ (2) Hörst du es, feige Seele, du träges und furchtsames Herz? Der göttliche Angeklagte steht vor dir: Seine Feinde überhäufen Ihn mit Vorwürfen, sie finden in Ihm einen großen Schuldigen: „Er hat die Welt verführt, indem Er Sich für einen Gott ausgab!“ (3) Bei diesen Worten empören sich die Freunde Jesu; sie bezeugen die Heiligkeit und Göttlichkeit ihres Meisters, und sie opfern alles, auf daß Er verherrlicht werde. Und du, du beobachtest Stillschweigen? Weder deine Werke, noch deine Reden werden zu erkennen geben, von welcher Partei du bist. Dein Vorgehen ist unsinnig, denn dein Untätigkeit und dein Stillschweigen hat dich bereits unter die Gegner Jesu Christi gereiht. „Wer nicht mit Mir ist, der ist wider Mich!“
Die Eigenschaft eines Zeugen Jesu Christi muss man also annehmen und wollen. Wenn der Heilige Geist in uns ist, wird uns Nichts ehrenvoller erscheinen. Wenn aber diese Eigenschaft und der Dienst, der sich daraus ergibt, uns Widerwillen und Abscheu einflößt, so hüten wir uns, zu sagen, der Heilige Geist sei in unserem Herzen! Das wäre eine schreckliche Lüge!

Anmutung

Treue Seelen, eifrige Herzen, ihr begreifet die Liebe, welche Jesus Christus für euch hatte, als Er euch erwählte, als Er dieses wunderherrliche Wort zu euch sprach: „Ihr werdet Meine Zeugen sein!“ Es gibt unter euch solche, die sich nicht damit begnügen, durch die Heiligkeit ihres Lebens Zeugnis abzulegen zu Gunsten der Vorschriften des heiligen Evangeliums: ihr Anspruch geht weit höher. Sie müssen bevorzugte Zeugen der Heiligkeit der Wünsche Jesu Christi und der Räte Seines Evangeliums sein. So macht die himmlische Reinigkeit, die freiwillige Armut und das vollkommene Opfer des Willens eure höchste Lust aus! Genießet euer Glück und denkt oft an die ehrenvolle und süße Aufgabe, die euch anvertraut worden, Zeugen der höchsten und erhabensten Lehren eures geliebten Jesus zu sein! –

Anmerkungen zu: Der Heilige Geist macht den Christen zum Zeugen

(1) Vgl. Röm. 8,11: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird der, welcher Jesum Christum von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber beleben wegen Seines euch inne wohnenden Geistes.“
(2) Matth. 12,30
(3) Vgl. Joh. 7,12

 

Zweiter Punkt

Die Christen, welche nicht würdig sind, Zeugen Jesu Christi genannt zu werden

Die Feindschaft der Welt gegen Jesus Christus

Als die Apostel nach der glorreichen Auffahrt ihres Meisters ausriefen: „Wir sind Zeugen für diese Dinge, die wir euch verkünden“ (1), d. h. für die Wahrheit derselben, -: da verwirklichen sie das, was der Heiland gesagt hatte durch den Propheten Isaias: „Ihr seid Meine Zeugen“ (2), d. h. ihr seid die Menschen, welche bezeugen Mein Dasein, Meine unendlichen Vollkommenheiten, welche bezeugen Mein Wort, Meine Rede, Meinen Sohn! Ja, der menschgewordene Gottessohn, der Heiland, der Erlöser, der Fürst eines neuen Volkes, der höchste Priester, der Richter der Lebendigen und der Toten -: Er ist der Gegenstand des Zeugnisses, welches die Apostel mit großer Kraft, mit unüberwindlichem Mut ablegten, als der Heilige Geist ihrer Seele sich bemächtigt hatte.
Begleitet aber diese Kraft und dieser Mut meine Zeugnis-Ablegung zu Gunsten Jesu Christi? Ganz gewiß hört die Welt nicht auf, Jesum Christum vor ihr Gericht zu stellen, sie verhört Ihn, und beraubt Ihn bald eines Teiles Seiner Würde, bald leugnet sie Ihn ganz und gar. Welcher Grundsatz, welcher Ausspruch Jesu Christi wir immer anerkannt und hoch geachtet? Ach, die Verleugnungen sind so zahlreich, Jesus Christus wird dermaßen verkannt, verstoßen, verkleinert, daß für viele nichts mehr von Seinem Ansehen, von Seinen Vollkommenheiten und Seiner Lehre übrig bleibt! Angesichts dieser gotteslästerlichen Freveltaten, angesichts dieser Feinde, die unaufhörlich mit den Juden an jenem Karfreitag ausrufen: „Hinweg mit Diesem!“ (3) -: wo sind da die Zeugen, die mit Stolz und Entschiedenheit antworten: „Wir wollen Ihn“? – –

Die furchtsamen und feigen Christen

Diese Zeugen für Jesus Christus darf man nicht suchen unter den Feigen und Furchtsamen, die stets Angst haben! Ähnlich wie der hl. Petrus, bevor der Heilige Geist Sich seiner bemächtigt hatte, sagen diese, wenigstens durch ihre Haltung und ihr Stillschweigen: „Ich kenne Ihn nicht!“ (4) Als Sklaven der Rücksicht auf die Menschen halten sie die Wahrheit gefangen, schweigen, handeln selbst oft gegen den Ruf ihres Gewissens, und man sollte sie für wirkliche Feinde des Heilandes und Seines Evangeliums halten! Vielleicht werden sie auch die Wahrheit sagen, aber nur zur Hälfte; die ganze Unschuld des Angeklagten leuchten zu lassen – das wagen sie nimmer; zum Mindesten lassen sie diese Wahrheit nur in halbem Licht erscheinen.
In den Augen der furchtsamen und feigen Christen ist Festigkeit der Sprache eine wahre Unklugheit, Klarheit bei Verteidigung des Evangeliums eine Art Verwegenheit. „Wohin könnte denn ein solcher Eifer führen, den unsere heutige Gesellschaft nicht mehr ertragen kann? Man würde sich überall Feinde schaffen“: hinter diesen und ähnlichen Vorwänden sucht sich die Feigheit zu schützen, und läßt Jesum Christum in jeder Seiner Lehren verleugnen, angreifen und verkleinern. So bleibt die Welt in Ruhe und kann sich damit beschäftigen, Jesum Christum, das Evangelium und die Kirche zu vernichten, ohne dabei in manchen Häusern auch nur einem zu begegnen, der ihr widerspricht. Wie oft kommt es vor, daß eine „fromme“ Dame, welche am Morgen die heilige Kommunion empfing, am Abend nicht den Mut hat, ihren Glauben gegen einen jugendlichen Dummkopf, der eben erst aus der höheren Stadtschule entlassen ist, zu verteidigen, und es z. B. nicht wagt, zu behaupten, daß die Ehe ein Sakrament ist, und somit zwei Personen, die vom Standesamt kommen, wo sie ein Blatt Papier unterschrieben haben, ebenso wenig verheiratet sind, als sie es waren, bevor sie in dieses Haus hinein gingen! –

O Feigheit, wohin wirst du uns bringen?

O Feigheit, wohin wirst du uns noch bringen? Deine Zugeständnisse beabsichtigen nichts Geringeres, als das Evangelium in Vergessenheit zu bringen! Nachdem du zugelassen, daß man die Räte des Sohnes Gottes angriff, daß man Kot auf die heilige Jungfräulichkeit warf, die du schon längst den beißenden Spottreden, der Ausschweifung und der Gemeinheit überlassen, duldest du schließlich die schrecklichsten Gotteslästerungen, die man gegen die Kirche schleudert, gegen ihr göttliches und unfehlbares Ansehen, gegen die Heiligenverehrung, gegen die Grundsätze der christlichen Moral, und gegen alles, was von Jesus Christus kommt! Und am beklagenswertesten ist hierbei, daß diese unwürdigen und gemeinen Flüchtlinge der Wahrheit, diese falschen Zeugen Jesu Christi, den entsetzlichen Mut haben, an den Tisch des Herrn zu kommen und ihre Lippen dem Kelch des Heiles zu nähern! –
Aber sind denn diese feigen und bangherzigen Christen niemals tapfer, mutig und voll Energie, wenn es sich um die Interessen Jesu Christi handelt? Doch, ohne Zweifel; aber nur dann, wenn auch ihre eigenen materiellen Interessen auf dem Spiele stehen! Welchen Schluß muss man aus ihrem Benehmen ziehen? Nur einen: Der Heilige Geist ist fern von ihnen; sie haben Ihn aus ihren Herzen vertrieben; sie haben Seine Flamme ausgelöscht. Wie sollten sie also noch Zeugen Jesu Christi sein? –
Man spricht zuweilen in der Welt von Zeugen, die sich bestechen lassen. Die Versprechen und Drohungen eines hochgestellten Mannes genügen, um ihnen den Mund zu schließen, oder eine Lüge von ihnen zu erhalten. Man hat erlebt, daß Ärzte als Zeugen für den Irrsinn einer Person auftraten, welche weit von Irrsinn entfernt war, an deren erdichteten Irrsinn aber ein reicher Herr Interesse hatte.
Sieh hin auf die Soldaten, welche das Grab Jesu Christi im Augenblick der Auferstehung bewachten! Man gibt ihnen ein Stück Geld, und sie gehen darauf ein, die albernsten Betrügereien zu unterstützen. (5)
Diese Soldaten sind nicht weit; ich sehe ihrer täglich eine gute Zahl! Bist du ihnen niemals begegnet? – Hier ist ein Feind des Glaubens; als solcher ist er wohl bekannt. Er ist aber so reich, er macht uns so viele Versprechungen, man darf so viel hoffen von unsern Beziehungen mit ihm! „Schweigen wir, wenn er spricht! Lächeln wir sogar, da er das ja wünscht: der liebe Gott weiß wohl, daß wir nicht denken, wie er!“ – Ja, der liebe Gott weiß, daß Er euch ernannt hat zu Zeugen Seines eingeborenen Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi! Der liebe Gott weiß, daß ihr errötet über die Wahrheit und über die Verbindlichkeiten eurer Taufe -: Er weiß, daß ihr von der nämlichen Legion seid, wie die Soldaten am Grabe Jesu Christi!! – –
O mein Gott, wie viele Glaubens-Verleugnungen werden bezahlt mit einer Stellung, einem Gehalt, einem Ordensband, einem Lächeln! Und es gibt Christen, welche dieses Verbrechen als sehr ehrenvoll betrachten! Aber der Heilige Geist hat gesagt: „Ein lügenhafter Zeuge wird zu Grunde gehen!“ (6)

Anmutung

Komm, o Heiliger Geist! Nimm wieder Einkehr in jene armen Seelen, die Dich aus sich vertrieben haben! Dein Licht möge ihnen das schreckliche Verbrechen zeigen, dessen sie sich dadurch schuldig gemacht haben, daß sie in ihrer Hartnäckigkeit die Aufgabe nicht erfüllen wollten, die ihnen auferlegt ward am Tage ihrer taufe: „Ihr werdet Meine Zeugen sein bis an die Grenze der Erde!“ –

Anmerkungen zu: Die Christen welche nicht würdig sind

(1) Vgl. Act. 5,30-32: „Der Gott unserer Väter hat Jesum auferweckt, den ihr getötet habt, indem ihr Ihn an das Kreuz hängtet. Diesen hat als Fürsten und Heiland Gott erhöht durch Seine Rechte, Buße zu verleihen Israel und Sündern Vergebung. Und wir sind Zeugen für diese Dinge und der Heilige Geist, den Gott allen gegeben hat, welche Ihm gehorchen.“
(2) Vgl. Is. 44,8: „Zaget nicht und fürchtet nicht! Von jeher ließ Ich es Dich vernehmen und habe es verkündet; ihr seid meine Zeugen. Ist etwa ein Gott außer Mir, und ein Bildner, welchen ich nicht kennen würde?“
(3) Vgl. Luk. 23,18: „Es schrie die ganze Menge zusammen und sprach: Hinweg mit Diesem, und gib uns den Barabbas los!“
(4) Vgl. Matth. 26,71-72: „Als er (Petrus) aber den Torweg hinaus ging, sah ihn eine andere Magd und sagte zu den Umstehenden: Auch dieser war bei Jesus dem Nazarener! Und wiederum leugnete er mit einem Schwur: Ich kenne den Menschen nicht!“
(5) Vgl. Matth. 28,12-15: „Und sie (die Hohenpriester) versammelten sich mit den Ältesten, und als sie einen Ratschluss gefaßt hatten, gaben sie den Soldaten Geld, in dem sie sprachen: Saget: Seine Jünger kamen des Nachts und stahlen Ihn, während wir schliefen! Und wenn dies dem Landpfleger zu Ohren kommt, so werden wir ihn bereden und euch sicher stellen. Diese aber nahmen das Geld, und taten, wie sie angewiesen waren; und diese Sage verbreitete sich unter den Juden bis auf den heutigen Tage.“
(6) Prov. 21,28: Testis mendax peribit.

 

Dritter Punkt

Die wahren Zeugen Jesu Christi

Zwei Dinge sind für einen Zeugen Christi wichtig

Nie wird die Kirche unfruchtbar sein; ihre Fruchtbarkeit wird erst mit der Welt ihr Ende haben. Auch sehen wir sie immerdar verherrlicht durch eine große Zahl von Kindern, die ihrer Mutter ergeben, und bereit sind, eher alles zu opfern, als je von der Verteidigung ihres göttlichen Gemahls, unseres Herrn Jesu Christi, abzulassen.
Wie soll man aber mitten in der Welt die wahren Zeugen Jesu Christi, Seine Stützen, Seine treuen Verteidiger erkennen? Wo hat man sie zu suchen? Welche Eigenschaften zeichnen sie aus?
Zwei Dinge sind für einen Zeugen wesentlich: das Licht oder die Wissenschaft und der gute Wille. Zweifelsohne muss man die Tat kennen, die man zu beweisen unternommen, die Person, die zu rechtfertigen und zu verteidigen man sich entschlossen hat. Ohne diese Kenntnis würde man sich großer Verachtung aussetzen; man könnte sonst den Unschuldigen, den Angeklagten, den man verteidigen will, nur in Verlegenheit bringen. Dieser Grundsatz, auf unser Gegenstand angewandt, ist reich an praktischen Folgerungen.

Das Studium Jesu Christi

Ich soll Jesum Christum verteidigen. Kann ich mich darüber hinweg setzen, Ihn kennen zu lernen? Ich will für Seine Interessen eintreten, Seine von der Welt verkannte und geleugnete Ehre rächen: muss ich da nicht wissen, worin eben diese Interessen bestehen, und worin die wahre Ehre Des Sohnes Gottes zu suchen ist? In meiner Eigenschaft als Zeuge bin ich verpflichtet, das Evangelium zu verteidigen; dürfte ich da eben dieses Evangelium nicht kennen? Wenn der Zeuge Jesu Christi all` diese Kenntnisse nicht besitzt, so wird er tausend Unklugheiten begehen; seine angebliche Verteidigung wird dem, welchem sie gilt, große Nachteile bringen können: Das haben wir oft genug gesehen.
Bevor der göttliche Heiland zu Seinen Aposteln sprach: „Ihr werdet Meine Zeugen sein“, hatte Er ihnen diese Verheißung gegeben: „Der Heilige Geist wird euch alle Wahrheit lehren, Er wird euch Alles in Erinnerung bringen!“ Wer wird aus dieser Handlungsweise des göttlichen Erlösers nicht die Notwendigkeit des Studiums, der christlichen Unterweisung für alle Jünger des Evangeliums ersehen? Ich sage es in der Bitterkeit des Herzens: Die Unwissenheit richtet uns zu Grunde! Die Reichen und die Armen, die Könige und ihre Minister, die Gelehrten und die Arbeiter -: sie kennen nicht die Grundwahrheiten des Christentums! Wenn man sie sprechen hört, muss man vor Mitleid lächeln, – wenn man nicht bitter weint! – –
Nein, ein Zeuge, der nicht aufgeklärt ist über die Angelegenheit, die er unterstützen und verteidigen will, wird nie im Stande sein, seine Aufgabe zu erfüllen! –

Anmutung

O ihr, die ihr das Studium Jesu Christi, Seiner Geheimnisse und Seines Evangeliums liebet, ich habe euch im Kampf gesehen mit berühmten Gelehrten, und ich ward von Trost und Freude erfüllt! Die Sache meines Jesu hat gesiegt, weil jede eurer Reden ein Lichtstrahl war, den die geschicktesten Trugschlüsse nie verdunkeln konnten! Studiert weiter das Evangelium, erleuchtete Zeugen, ihr werdet leichter Zeuge voll Liebe und Eifer! –

Das Feuer der göttlichen Liebe

Der Heilige Geist ist Licht und Liebe; Er erleuchtet und erwärmt; wenn Er einen zum wahren Zeugen Jesu Christi machen will, ergießt Er in seine Seele Licht und Liebe.
Man hat auch schon erleuchtete Zeugen gesehen, die aber kalt und gleichgültig sind. Ihre Reden sind matt und farblos. Man sieht, daß sie notgedrungen eine Pflicht erfüllen, welche sie drückt, und sie beeilen sich, sich zurückzuziehen. Die Verteidiger eines Verwandten, eines Freundes haben einen andern Charakter: das Feuer, das aus ihren Augen leuchtet und das ihnen von Herzen kommt, teilt sich einem jeden ihrer Worte mit. Der Erfolg, den sie erzielen, ist stets eine große Wohltat für den Angeklagten.
Als Jesus Zeugen haben wollte, wo hat Er sie hergenommen? Bei denselben Menschen, zu denen Er kurz vorher gesagt: „Ihr seid Meine Freunde!“ (1) Nachdem Er sie so bezeichnet hatte, sagte Er ihnen: „Ihr werdet Meine Zeugen sein!“
Man darf es sich nicht verhehlen, daß die wahren Zeugen Jesu Christi sich nur in jenen Christen finden, deren Herz das Feuer der göttlichen Liebe heimsuchen kann. Je mehr man Jesum Christum liebt, desto beredter findet man sich auch, wenn es sich darum handelt, Zeugnis für Ihn abzulegen. Wenn ein Heide sagen konnte: „Das Herz mach beredt“ (2), was werden wir nicht selbst sagen, angesichts alles dessen, was wir sehen? Seit 1800 Jahren ist es immer so gewesen; das Herz der Freunde Jesu macht sie zu beredten Menschen; der Eifer, das Feuer ihrer Rede ist nur hervorgebracht von dem Feuer, daß sie innerlich entzündet. Wenn die Welt ihnen diesen Eifer zum Vorwurf macht, wirft sie ihnen vor, daß sie Jesum Christum zu sehr lieben. Zweifeln wir nicht hieran!
So macht also Licht und Liebe die wahren Zeugen Jesu Christi aus. Und da der Heilige Geist allein unsere Seele mit Licht erfüllen und unser Herz mit Liebe zu Jesus Christus entzünden kann, so hat der göttliche Meister zu uns gesagt: „Ihr werdet empfangen die Kraft des über euch herabkommenden Heiligen Geistes, und werdet Mir Zeugen sein – bis an die äußerste Grenze der Erde!“ (3)

Anmerkungen zu: Die wahren Zeugen Jesu Christi

(1) Vgl. Joh. 15,14-15: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was Ich euch gebiete. Nicht mehr nenne Ich euch Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch habe ich aber Freunde genannt, weil Ich alles, was Ich gehört von Meinem Vater, euch kund getan habe.“
(2) Quintil. (Inst. l. 10. c.7): Pectus est, quod disertos facit.
(3) Act. 1,8

aus: F. X. Coulin, Apostol. Missionar und Ehrendomherr von Marseille, Der Heilige Geist Betrachtungen, 1881, S. 73 – S. 90

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