Der Glaube ist zu bewahren durch Studium

Hut, bischöflicher Krummstab, Kleidungsstücke eines Papstes

Papst Leo XIII. sitzt in seiner päpstlichen Kleidung in seinem Arbeitszimmer, links von ihm sieht man auf einem Art Altar ein Kruzifix, rechts ist ein Bücherschrank

Die Christenpflicht nach Papst Leo XIII.

Enzyklika „Sapientiae Christianae“ v. 10. Januar 1890

Auszug

Der Glaube ist zu bewahren durch Studium und Gebet

In dieser traurigen Lage (Anm.: infolge der Anstürme gegen Glauben und Sitten) muss jeder vor allem darauf bedacht sein und angelegentlichst dafür Sorge tragen, daß er den mit dem Herzen tief erfaßten Glauben durch treue Wachsamkeit beschütze, die Gefahr meide und sich namentlich gegen die vielfachen Trugschlüsse stets gewappnet zeige. Zur Reinerhaltung dieser Tugend ist Unserer Meinung nach von großem Nutzen und infolge der Zeitverhältnisse dringend notwendig ein eifriges Studium der christlichen Wahrheit, soweit Talent und Fähigkeit des einzelnen es erlauben; ebenso aber auch eine möglichst große Kenntnis jener Wahrheiten, welche mit der Religion zusammenhängen und mit der Vernunft allein schon erkannt werden können. Da aber der Glaube nicht bloß im Herzen unversehrt leben, sondern auch stetig wachsen soll, so müssen wir immer wieder das flehentliche und demütige Gebet der Apostel wiederholen: Vermehre in uns den Glauben. (Luk. 17, 5)

Doch gibt es in Bezug auf den christlichen Glauben noch andere Pflichten, deren genaue und gewissenhafte Erfüllung, wenn je, dann besonders in unserer Zeit zum Heile notwendig ist. Gegenüber diesen überaus großen und weit verbreiteten unsinnigen Irrtümern, von denen Wir reden, hat zuallererst die Kirche die Pflicht, die Wahrheit zu verteidigen und die Irrtümer aus den Herzen zu verbannen; dies ist ihr heiliges und ständiges Amt, weil die Ehre Gottes und das Heil der Menschen in ihrer Obhut stehen. Wenn aber die Not es verlangt, haben nicht bloß die Vorsteher die Pflicht, die Unversehrtheit des Glaubens zu beschützen, sondern „jeder Christ ist alsdann verpflichtet, seinen Glauben vor anderen zu verteidigen, sowohl um die anderen Gläubigen zu belehren und zu befestigen, als auch um die Angriffe der Ungläubigen zurückzuweisen.“ (Thomas von Aquin, Sum. theol. II-II)

Vor dem Feinde zurück zu weichen oder zu verstummen, wo von allen Seiten mit lautem Geschrei die Unterdrückung der Wahrheit gefordert wird, ist das Merkmal eines feigen Menschen, oder eines, der an dem Glauben, den er bekennen soll, zweifelt. Beides ist eine Schmach und eine Unbill gegen gegen Gott; beides gereicht dem einzelnen wie dem Staate zum Verderben und nützt nur den Feinden des Glaubens, da die Feigheit der Guten die Verwegenheit der Schlechten ganz besonders reizt.

Diese Gleichgültigkeit der Christen ist um so tadelnswerter, als die falschen Anschuldigungen und die verderblichen Irrtümer sich meistens leicht, jedenfalls stets bei einiger Anstrengung zurückweisen lassen. Schließlich ist es doch niemandem verwehrt, jenen Mut zu zeigen, der des Christen Kennzeichen ist, durch den allein oft die Verwegenheit der Widersacher zurückgeschlagen und ihre Pläne zuschanden gemacht werden. Übrigens ist der Christ zum Kampf geboren; je heißer er ist, desto sicherer ist mit Gottes Hilfe der Sieg. Habet Vertrauen, denn ich habe die Welt überwunden. (Joh. 16, 33).

Man werfe doch nicht ein, Jesus Christus bedürfe zur Erhaltung und Verteidigung seiner Kirche nicht menschlicher Hilfe. Nicht aus Mangel an Macht, sondern aus übergroßer Liebe will er, daß auch wir etwas beitragen, um die Früchte des Heiles, das er uns erworben hat, zu erlangen.

Zunächst verlangt diese Pflicht, daß wir den katholische Glauben offen und standhaft bekennen und ihn, jeder nach seinen Kräften, auch verbreiten. Oft genug und mit vollem Recht ist nämlich gesagt worden, daß es kein größeres Hindernis für die christliche Wahrheit gebe als deren Unkenntnis. Richtig verstanden, hat sie in sich Kraft genug, Irrtümer zu widerlegen, und die Vernunft ist zur Annahme bereite, sobald ein aufrichtiger und vorurteilsfreier Geist an sie herantritt. Nun ist die Tugend des Glaubens ein großes Geschenk der Gnade und Güte Gottes, die Wahrheiten jedoch, die wir glauben sollen, werden uns fast nur durch das Anhören kund. Wie werden sie glauben, wenn sie nicht gehört haben? Wie werden sie aber hören ohne Prediger? … Also kommt der Glaube vom Anhören, das Anhören aber von der Predigt des Wortes Christi. (Röm. l0, l4,17).

Doch soll niemand glauben, es sei den Privatpersonen jegliche Arbeit auf diesem Gebiete verboten, besonders jenen, denen Gott die Fähigkeit dazu und Eifer im Guten verliehen hat: diese dürfen sich zwar nicht das Lehramt anmaßen, aber sie sollen, so oft die Umstände es erfordern, in passender Weise das, was sie selbst empfangen, anderen mitteilen, gleichsam als Echo der Lehrer. Ja, den Vätern des Vatikanischen Konzils erschien diese Mitwirkung der Privatpersonen so zweckdienlich und segensreich, daß sie dieselbe einfachhin als Pflicht erklärten. „Alle Christgläubigen, besonders aber jene, die Vorsteher oder Lehrer sind, bitten wir um der Liebe Christi willen, und befehlen ihnen kraft der Autorität unseres Herrn Jesu Christi, allen Eifer und alle Mühe darauf zu verwenden, jene Irrtümer von der heiligen Kirche abzuwehren und auszurotten, damit das Licht des reinsten Glaubens hell erstrahle.“ (Vatik. Konzil, Sess III c. 4 can. 3, Denzinger Nr. 1819)

Auch soll sich jedermann erinnern, daß es den katholischen Glauben durch die Macht seines Beispiels ausbreiten und dadurch standhaftes Bekenntnis verkünden kann und soll. Unter den Pflichten also, die wir Gott und die Kirche haben, steht an erster Stelle jene, nach Möglichkeit mit Eifer die christliche Wahrheit zu verbreiten und die Irrtümer abzuwehren.

(Offizieller lateinischer Text: ASS XXII [1889-1890] 385-404) –
aus: Anton Rohrbasser u.a., Heilslehre der Kirche, Dokumente von Pius IX. bis Pius XII., 1953, S. 551 – S. 554

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