Du liebst Gott wenn du Ihm gehorchst

Gott prüft dich ob du Ihn liebst

Betrachtung zum Fest des heiligen Antonius 

 zum 17. Januar

Beatus vir, qui sufferet tentationem; quoniam, cum probatus fuerit, accipiet coronam vitae, quam repromisit Deus diligentibus se.

„Selig der Mann, der die Anfechtung aushält; denn wenn er ist bewährt worden, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott Denen verheißen hat, die ihn lieben.“ (Jak. 1,12)

1. Erwäge, aus welcher Ursache Gott zuläßt, daß sich der Teufel gegen dich waffnet, daß dir Widerwärtigkeiten begegnen, Trübsale zustoßen. Die Ursache davon ist keine andere, als weil er dich prüfen, ob du ihn liebst; denn wenn Alles nach Wunsch geht, ist es nicht schwer zu sagen, daß du Gott liebst. Aber lasse nur eine kleine Prüfung kommen, ich meine innere Kämpfe, Krankheiten, Verachtung und Trostlosigkeit – siehe, wie du gleich ganz anders bist. Weißt du nicht, daß der Teufel selbst Jobs Tugend für Blendwerk hielt, bis er sie erprobt hatte? Wie willst du demnach auf deine Tugend etwas halten? Lasse sie darum von dem Herrn prüfen, denn es bleibt dir sonst nichts übrig. Jetzt ist die Zeit der Prüfung: „Ein Kampf ist des Menschen Leben auf Erden“ (Job 7,1); oder wie die Siebzig sagen: Eine Versuchung. Das ist vielleicht die Ursache, warum der heilige Jakobus nicht sagt: „Selig der Mann, der die Anfechtungen aushält“, sondern die Anfechtung; denn Jener ist in der Tat selig, dessen Leben eine beständige Anfechtung ist, wie das des heiligen Antonius, der unter den Heiligen mit Recht ein Mann genannt werden kann.

2. Betrachte, daß du glücklich sein wirst, wenn du fest gestanden bist in der Anfechtung, weil du die Krone des Lebens empfangen wirst. Was wird das für eine Krone sein, die der Herr am Tage deiner feierlichen Krönung auf dein Haupt setzen wird! Hitzig waren einst die Kämpfe um eine Krone von Lorbeer, Efeu und Fichten, die doch so bald verwelken musste, und du sollst um eine unverwelkliche Krone der Glorie (1. Petr. 5,4) nicht kämpfen können? Diese wird Krone des Lebens genannt , zum Unterschied von jenen, welche die Menschen erteilen und die bald dem Tode anheim fallen.

3. Erwäge, daß diese so kostbare Krone dir zugesichert sei. Sie kann dir nicht fehlen, weil Gott sie dir nicht bloß einmal, sondern tausendmal und noch öfter versprochen hat: Wiederholt hat er sie verheißen, das bezeugt die ganze heilige Schrift. Du glaubst einem Fürsten, wenn er einem Wettläufer einen großen Preis verspricht, obgleich du ihn nie gesehen hast; und Gott glaubst du nicht?

Wenn der Herr nur ein einziges Mal dir die Krone gezeigt hätte, die er dir bestimmt hat, o welcher Mut, welche Freude würde dich beseelen! Aber er will eben zu deinem größeren Vorteil nicht, daß du sie siehst, sondern daß du ihm glaubst. Freilich, wie kannst du nur verlangen sie zu sehen, da sie noch nicht fertig ist? Du musst sie dir selbst machen. So groß deine Geduld ist, so groß wird auch deine Krone sein; deshalb heißt es nicht: Der Herr hat sie dir verheißen, sondern entgegen verheißen : weil sie kein Ehrengeschenk, sondern eine Vergeltung ist. –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 33 – S. 34

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