Wer den Sohn Gottes mit Füßen tritt

Die Liebe zu Jesus Christus: Zwei Engel halten das Schweißtuch Jesu in den Händen, dahinter sind das Kreuz und die Leidenswerkzeuge

Wer den Sohn Gottes mit Füßen tritt, verdient härtere Strafen

Betrachtung zum 13. Januar

„Hat Jemand das Gesetz Moses übertreten, so muß er ohne Erbarmen auf Zweier oder Dreier Zeugnis sterben; wie viel mehr, meint ihr, verdient Jener härtere Strafen, welcher den Sohn Gottes mit Füßen getreten, und das Blut des Bundes, wodurch er geheiligt worden, für unrein gehalten, und dem Geist der Gnade Schmach angetan hat?“ (Hebr. 10, 28)

Erwäge, wie viel das Neue Testament höher steht als das Alte. Und doch mußte jeder, der ein Gebot des Alten Testamentes übertrat, wenn er seines Vergehens überführt war, ohne Hoffnung auf Begnadigung sterben, sei es durch Steinigung, auf dem Scheiterhaufen oder durch den Strick, nach jenem Wort des Herrn: „Er soll sterben und du wirst dich seiner nicht erbarmen.“ (Deut. 19,13) Wie viel mehr ist somit derjenige, der ein Gebot des Neuen Testamentes übertritt, der schwersten Strafe würdig? Und dir scheint eine kleine Buße so schwer, die dein Beichtvater dir auferlegt?

Betrachte, daß derjenige, der im Christentum sündigt, nicht diesem oder jenem Gesetzgeber, sondern dem Sohn Gottes selbst entgegen handle.

Man sündigt aber auf zweierlei Weise: entweder aus Verachtung oder aus Übereilung. Wer aus Übereilung, d. h. unüberlegt oder in der Hitze der Leidenschaft sündigt, dessen Vergehen ist weniger groß, und von diesem Sünder reden wir hier nicht. Von Jenem ist die Rede, der aus Verachtung sündigt, und von ihm heißt es deshalb, daß er „den Sohn Gottes mit Füßen tritt.“ Wehe dir, wenn du die Sünde, die du begehst, erkennst und sie entweder für nichts oder nur für eine Kleinigkeit hältst! Das heißt den Sohn Gottes mit Füßen treten.

Erwäge, daß wir aus drei Gründen dem Sohn besonders verbunden seien: nämlich weil er für uns Mensch geworden, weil er für uns gestorben ist, und weil er nach seiner Auffahrt in den Himmel sogleich den heiligen Geist uns gesendet hat. Der Christ nun ist, wenn er sündigt, undankbar gegen alle diese drei größten Wohltaten. Undankbar gegen die Menschwerdung, weshalb es heißt: „Er tritt den Sohn mit Füßen.“ Undankbar gegen das Leiden Christi, und deshalb heißt es: „Er hält das Blut des Bundes, wodurch er geheiligt worden, für unrein“, d.h. für gemein. Er ist endlich undankbar gegen den heiligen Geist, und deshalb heißt es: „Er tut dem Geist der Gnade (d.h. dem gnädig geschenkten Geist) Schmach an.“ Der Undank ists also, der des Christen Schuld so groß macht. –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 26 – S. 28

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