Gedenket alle Tage an ihn den Gekreuzigten

Die Liebe zu Jesus Christus: Zwei Engel halten das Schweißtuch Jesu in den Händen, dahinter sind das Kreuz und die Leidenswerkzeuge

Gedenket alle Tage an ihn Christus den Gekreuzigten

Betrachtung zum 19. Januar

Recogitate eum, qui talem sustinuit a peccatoribus adversus semet ipsum contradictionem, ut ne defatigemini animis vestris deficientes; nondum enim usque ad sanguinem restitistis adversus peccatum repugnantes.

„Gedenket an ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und euren Mut nicht sinken lasset. Noch habt ihr nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde.“ (Hebr. 12, 3 u. 4)

1. Betrachte, daß du niemals satt werden darfst, an Christus den Gekreuzigten zu denken; denn dies wird dir in jeder Widerwärtigkeit eine Quelle des Trostes sein, und der Apostel sagt deshalb: Gedenket, weil dieser Gedanke uns oft beschäftigen soll.

Wenn du die Leidensgeschichte Jesu Christi betrachtest, so musst du ganz besonders diese drei Fragen erwägen: Wer leidet, von wem leidet er und was leidet er? Derjenige, der da leidet, ist der König der Glorie, der zwar schon vom Anfang der Welt an in seinen Gerechten, wie Abel, Joseph, Jeremias, Isaias, gelitten hat; jetzt aber nicht bloß in den Seinigen, sondern in eigener Person leidet: „An sich selbst.“ Von wem leidet er? „Von den Sündern“, von den nämlichen, für deren Heil er am Kreuz hängt. Was leidet er? „Solchen Widerspruch“, Verfolgung jeder Art und zwar eine so schmerzvolle, so schmähliche, so ungerechte. Alle diese Umstände erforsche und durchdringe, so tief du es im Stande bist.

2. Betrachte den besonderen Nutzen, den du aus dem oftmaligen Andenken an den leidenden Heiland ziehen wirst, nämlich großen Mut in Ertragung der Leiden. „Daß ihr nicht ermüdet und euren Mut nicht sinken lasset.“ Den Soldaten ermutigt nichts so sehr, als wenn er seinen König sich anstrengen, abmüden und in den ersten Reihen von Blut triefen sieht. Hast du es etwa nicht nötig, auf solche Weise ermutigt zu werden? Sieh nur zu, welche Kleinigkeit dich entmutigt, wie verzärtelt und schwächlich du bist, wie leicht du der Fahne Gottes untreu wirst!

3. Betrachte, wie sehr du dich schämen musst, wenn du dein Elend zu den Füßen eines Kruzifixes ernstlich erwägst. Christus hatte durch deine Sünde keinen Schaden; und doch siehst du, was er am Kreuz getan hat, um dich davon zu befreien. Dir aber bringt sie den größten Schaden; und was hast du getan, um sie von dir ferne zu halten? Hast du auch nur einen Blutstropfen deshalb vergossen? O! Der Apostel hat nur zu sehr Recht, wenn er sagt: „Noch habt ihr nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde.“

Du willst nicht nur kein Blut vergießen, sondern manchmal nicht einmal ein bißchen Ehre, Vermögen oder Gesundheit opfern, ja selbst eines eitlen Trostes nicht beraubt werden. So geht es nicht gut; sondern du musst widerstehen, streiten und kämpfen, bis zum Ende des Krieges, bis aufs Blut. Es handelt sich nämlich hier um eine Sache von höchster Wichtigkeit, um die Abwendung der Sünde, zu deren Tilgung Christus all sein Blut bis auf den letzten Tropfen vergießen und solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich selbst erdulden wollte. –
aus: Paul Segneri S.J., Manna oder Himmelsbrod der Seele, 1853, Bd. I, S. 36 – S. 37

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