Gebrauchsanweisung zum Beten des Rosenkranzes

Ein wunderschönes eingerahmtes Bild der Muttergottes Maria sowie ein Rosenkranz mit einem goldenen Kruzifix

 Beten des Rosenkranzes nach der dritten Gebetsweise des hl. Ignatius

Betrachtung beim Beten des Rosenkranzes

Worin besteht denn aber diese Gebrauchsanweisung? – Auf vielen Stationsbildern, namentlich jenen, die der fromme Maler Führich von Wien malte, erblickt man unter den teilnehmenden Begleitern, die dem Kreuz tragenden Heiland auf seinem Leidenswege von Station zu Station folgen, in bitterer Reue und Leid, in ein aschgraues Gewand gehüllt, auch einen mitgehenden – Sünder. Er soll die schuldbeladene Menschheit vertreten, für die der leidende Erlöser Sühne leistet. Dieser reuige Repräsentant der Menschheit auf dem Leidensweg des Herrn ist aber so ganz in der richtigen Stimmung, in welcher der Christ auch den Rosenkranz beten soll, nämlich in bitterer Reue und Leid über seine Sünden. Kommt dazu noch ein kindlich gehorsamer Glaube, eine zuversichtliche Hoffnung und eine opferbereite, dankbare Liebe, so besitzt der Christ alles, was notwendig ist, um den Rosenkranz nicht bloß andächtig, sondern auch für die Seele nutzreich zu beten. Möge es also keiner, der den Rosenkranz beten will, versäumen, sich vorher in die angegebene Armen-Sünderseelen-Stimmung zu versetzen.

Dazu gehört aber noch, daß er den Rosenkranz nach der sogenannten dritten Gebetsweise des heil. Ignatius von Loyola bete. Diese, auch Beschauung genannt, besteht darin, daß der Betende unter Anwendung seiner Sinne und seiner Einbildungskraft ein Geheimnis des Glaubens betrachtet, so zwar, daß er den Ort, wo das Geheimnis stattgefunden, z. B. die Krippe, den Ölberg, die Schädelstätte sich gegenwärtig vorstellt, die beteiligten Personen gleichsam mit den Augen schaut, ihre Worte gleichsam mit den Ohren hört, ihre Werke seinem Geiste so lebhaft vorführt, als ob das Ereignis gerade jetzt vor ihm stattfände. In diese Gebetsweise aber sucht unsere heilige Kirche alle ihre Kinder einzuführen; daraufhin zielen ihre Freuden- und Trauergesänge, die glänzenden und düsteren Farben ihrer Gewänder, die Mannigfaltigkeit ihrer Zeremonien, die Verzierung ihrer Tempel und Altäre; daraufhin ist die kirchliche Malerei, Musik, Bildhauerkunst, Poesie und Beredsamkeit gerichtet. Wir sollen, soviel als möglich, schon jetzt sie selige Gegenwart unseres Erlösers genießen – wie Augen- und Ohrenzeugen, so daß jeder von uns mit dem Liebesjünger auszurufen vermöchte: „Was vom Anfange war, was wir gehört, was wir mit unsern Augen gesehen, was wir beschaut und unsere Hände betastet haben, von dem Worte des Lebens, – was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir euch.“ Daher sollen wir diese Gebetsweise, die sogenannte Beschauung, wo es nur immer geht, uns recht angelegen sein lassen und uns in dieselbe recht hinein üben und hinein leben, dabei aber ganz besonders jene Wahrheit ins Auge fassen, daß Christus, wie für das Menschengeschlecht, so für jeden einzelnen aus uns gesprochen, gehandelt, gelitten hat und gestorben ist, und daß es auf der ganzen Erde keinen Sünder gibt, der nicht ebenso wahr wie Sankt Paulus sprechen kann: „Er hat mich geliebt und sich für mich hingegeben.“ Das macht dann aber diese Gebetsweise nicht bloß trostreich für unser Herz, sondern auch wirksam in Bezug auf die Besserung unseres Wandels. Wir sollen darum dieselbe so üben, daß wir uns von dem Gedanken durchdrungen und beherrscht fühlen, als ob jedes Wort Christi geradezu an uns persönlich gerichtet, jeder Tropfen seines heiligen Blutes für uns geflossen, jede seiner Handlungen, jedes seiner Leiden um unsertwillen stattgefunden habe. Auf diesen Gedanken kommt der hl. Ignatius immer wieder zurück: „Vor allem will ich Jesum Christum mir vorstellen, wie er die Augen gerade auf mich heftet; ich will ihn anflehen um seine Gnade, daß ich recht erkennen möge, zu welchem Zweck, in welcher Absicht, unter welcher Bedingung er für mich Mensch, für mich arm, gehorsam, demütig geworden ist – was sein Verlangen war, indem er für mich starb, für mich von den Toten auferstand (idque mei causa):“ (Einleitung zur Marensa Regensburg 1853)

Nun gibt es aber außer dem Stationsgebet oder der Kreuzwegs-Andacht kein Gebet, das sich in dieser Gebetsweise, als Beschauung, unter Anwendung der Sinne, unter Mitwirkung der Einbildungskraft, dieser geheimnisvollen, blitzschnellen Malerin, so leicht, so wirksam, so segensreich verrichten läßt, als der Rosenkranz mit all seinen heiligen Orten, all seinen heiligen Taten, all seinen geistigen Schauspielen, all seinen unergründlichen Geheimnissen der göttlichen Barmherzigkeit. Um also den Rosenkranz gut zu beten, muss man ihn nach dieser Gebrauchsanleitung, nach der angegebenen Gebetsweise beten. –
aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 83 – S. 85

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