Nur eine von Gott geoffenbarte Religion ist wahr

Indifferentismus gegenüber der Wahrheit

Nur die eine von Gott geoffenbarte Religion ist wahr

Zweiter Teil der Vierten Konferenz

Eine Religion, die nicht vor Allem den Glauben fordert, kann keine geoffenbarte sein. – Eine geoffenbarte Religion verlangt ferner, daß Gott Alles in Allem auch für den Willen werde, daß mithin das Gesetz der Ordnung, und zwar der vollsten, strengsten Ordnung auch für den Willen eintrete, daß mithin nicht menschliche Neigung oder Leidenschaft die Richtschnur des Verhaltens und Lebens werde, sondern vielmehr das ewige Gesetz die Neigungen, die Leidenschaften regele und dem höchsten Gut, das Gott ist, unterwerfe. Es muss also eine Religion, die wirklich Anspruch auf den Namen einer von Gott geoffenbarten machen will, notwendig der verderbten Natur zuwider sein. Eine Religion, bei der die Leidenschaft sich wohl befindet, kann sehr menschlich sein und ist es auch. Aber eine Religion, die wahrhaft ordnet, die den Menschen verklärt und hinauf zieht und Gott, dem reinen, höchsten Geist ähnlich macht, eine solche Religion hat an sich die Signatur der Göttlichkeit. – Außerdem muss eine geoffenbarte Religion für den ganzen Menschen, für den Einzelnen, wie für das Allgemeine sein; sie darf das daher nicht bloß zeitweilig sein, sondern sie muss das Menschengeschlecht umfassen. Es ist ja klar, daß, wenn es der Weisheit Gottes angemessen ist, die Schwäche des Menschen zu unterstützen; da, wo die Schwäche anfängt, auch die göttliche Unterstützung erwartet werden kann. Nun aber ist die Schwäche tatsächlich von Anfang da gewesen – wir sahen es -, also folgern wir mit Recht, wird die göttliche Hilfe auch schon da gewesen sein, und was später geschehen ist, kann nur Fortsetzung und Entwicklung der Einen Offenbarung Gottes von Anfang an sein. Es kann also bei ihr nicht wohl ein Einschnitt stattgefunden haben, der die Vergangenheit völlig außer Acht läßt, oder die Zukunft gänzlich von der Vergangenheit trennt. –

Unter allen Religionen ist Eine die wahre

Aus demselben Grund ist es endlich auch nicht denkbar, daß diese Offenbarung Gottes von der Erde ganz verschwinde. Es ist möglich, daß der Mensch gegen sie ankämpfe, daß er sie zu vernichten trachte, aber es ist nicht möglich, daß sie vollkommen und für immer überwunden werde. Es ist nicht anzunehmen, daß sie ganz von der Erde verschwinde, und daß, da doch immer ein nicht geringer Teil der Menschen eines guten Willens ist, dieser ohne Hilfe von oben seiner eigenen Schwäche überlassen bleibe. In dieser Beziehung läßt sich sagen, daß die Offenbarung das Bild der Ewigkeit Gottes in sich tragen werde. Vielleicht könnten noch einige andere Bedingungen beigefügt werden, die einer Offenbarung den Charakter der göttlichen Wahrheit aufdrücken; doch mögen diese genügen, um zu zeigen, daß das Christentum, und zwar einzig und allein dieses, die Offenbarung Gottes ist.

Wir hätten jetzt, meine Herren, eigentlich einen sehr leichten Weg gewonnen. Wir brauchten bloß so zu schließen: Unter allen religiösen Bekenntnissen ist Eines das wahre. Das wahre wird aber dasjenige sein, welches sich am allermeisten als Stimme und Sprache Gottes kund gibt; und da kann es doch schon für niemanden mehr ein Zweifel sein, daß dieses beim Christentum der Fall ist. Folglich ist es allein die wahre Offenbarung, weil es nur Eine geben kann. Aber wir werden genauer verfahren.

Betrachten wir einmal das Christentum in sich. Seine Lehren sind gar tief und hoch; sie sind vielfach unergründliche und unausdenkbare Geheimnisse, aber Geheimnisse, die das Kind versteht, ohne sie zu begreifen, und die dem Allerweisesten Gelegenheit geben zum Forschen und neue Wahrheiten zu finden, ohne daß er jene erschöpft. Zugleich wirken sie lebendig auf das ganze Herz ein; in den Geheimnissen des Christentums liegt seine Zauberkraft, sie machen es eigentlich, daß das Christentum so große, heilige, herrliche Wirkungen hervorbringt. Ich erinnere nur an die Lehre von der Menschwerdung Jesu Christi. Dieses Geheimnis hat alle großen Taten der Christen hervorgerufen. Also Sie sehen, Geheimnisse sind da, aber Geheimnisse, die für Jeden sind, und Geheimnisse, die lebendig wirken, Geheimnisse, die von den Christen allgemein angenommen werden, die den Menschen wohl unter Gott unterwerfen, aber so, daß sie ihn zugleich zu Gott empor ziehen. –

Das Christentum verlangt viel vom Menschen

Wiederum sehen wir, wie das Christentum ein Gesetz hat, welches durchaus groß und heilig ist. Es schmeichelt nicht den Sinnen, nicht dem Stolz, nicht der verderbten Leidenschaft. Nein. Es verlangt viel von dem Menschen; es verlangt Keuschheit und Liebe gegen Alle, Liebe sogar gegen den verachtetsten Teil der Menschen und Liebe zu den Feinden. Und das verlangt das Christentum nicht als Rat, sondern als strenges Gesetz und als Bedingung des Lebens. Es lehrt mich, daß ich nur dann Gottes Erbarmung hoffen darf, wenn ich gegen denjenigen Barmherzigkeit übe, der mich haßt und mir wehe tut. Ist das nicht mehr als menschlich?

Das Christentum fordert, daß man unter allen Umständen und jeglicher Beleidigung verzeihe, und nicht nur verzeihe, sondern auch vergesse, und nicht nur vergesse, sondern daß man das Böse mit Gutem vergelte. Ist das nicht übermenschlich und göttlich? Sie sehen, den menschlichen Leidenschaften wird da nicht geschmeichelt. Darum übt das Christentum einen so mildtätigen Einfluß auf den ganzen Menschen aus. Nehmen wir einen Augenblick an, meine Herren, daß es in allen Menschen recht lebendig herrsche, sagen Sie, würde die Erde nicht viel glücklicher sein, als sie es ist? Das wird Niemand leugnen, auch der Ungläubige nicht.

Nie wird das Leid ganz von der Erde verschwinden, es wird immer Krankheiten, Armut, innere und äußere Not geben, und alle die schönen Pläne der Sozialisten, einmal ein vollkommenes irdisches Paradies zu gründen, werden an der Zeit selbst scheitern. Sie werden den Tod und das Elend nie ganz weg dekretieren können; das ist unmöglich. Was aber erreicht werden kann, das ist, daß diese Leiden getröstet, daß sie gelindert, daß sie selbst zum Mittel werden, um sich mit Gott zu vereinigen, daß sie die moralische Kraft und Größe erproben und erhöhen, und zu Stufen werden, auf denen, der Mensch immer mehr zu dem Leben in Gott empor steigt; und das leistet in Bezug auf sie das Christentum allein. Es gibt kein einziges Leid, welches das Christentum außer Acht läßt.

Das Christentum läßt kein Leid außer Acht

Lassen Sie es einmal von der Erde verschwinden, was wird aus den Armen werden? Die äußeren Gaben, die werden das Elend nicht sonderlich mildern; da muss schon die Liebe, und zwar die christliche Liebe eintreten. Der Schmerz, die Krankheiten, sie alle werden versüßt durch den Gedanken an den leidenden Heiland, den nur das Christentum uns bietet. Das Christentum kann den Heroismus im Dulden steigern, ja so steigern, daß der Mensch, um seinem Gott ähnlich zu werden, das Kreuz mit Freude und mit Dank umfaßt; das ist in Wahrheit eine übermenschliche Wirkung. –
aus: Theodor Schmude SJ, Conferenzen über den religiösen Indifferentismus, 1863, S. 45 – S. 48

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