Seliger Gottfried von Kappenberg O.Pr.

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

13. Januar

Der selige Gottfried ist zu sehen im weißen Ordensgewand, in der linken Hand hält er einen Kranz, in der rechten einen Speer, links unten auf dem Boden liegt ein Totenkopf, im Hintergrund ist eine Ortschaft

Seliger Gottfried von Kappenberg, Prämonstratenser

Der selige Gottfried war ein geborener Graf von Kappenberg, ein mächtiger Herr in Westphalen, welcher von Karl dem Großen abstammte. Wie gottesfürchtig er erzogen wurde, bewies er sogar in seinem Soldatenleben; denn als Feldherr ließ er nie zu, daß seine Untergebenen ohne Not und ungerecht jemanden beschädigten. So hatte einer seiner Unteroffiziere einem Bauern etliche Stücke Hornvieh weggeführt, des Willens, sie als Beute zu behalten. Der Heilige befahl dem Übeltäter, auf der Stelle das Vieh seinem Eigentümer zurück zu geben, oder der strengsten Strafe gewärtig zu sein. Tief bekümmerte den frommen Kriegsmann der Gedanke, daß noch mehr derartige Freveltaten von den Seinigen verübt werden könnten, und er, als Feldherr, dieselben einst vor Gott zu verantworten hätte. Darum bat er Gott den Herrn inständig um Errettung aus der Gefahr von so vielen fremden Sünden. – Gott hat sein Gebet erhört.

Es lebte damals der wegen seiner Heiligkeit allenthalben berühmte Ordensstifter Norbert, welcher durch seine Predigten sehr viele von den Eitelkeiten der Welt abgezogen, zu einem frömmeren Leben geführt, und zu diesem Ziel viele Klöster errichtet hatte. Dieser kam in die Gegend, wo Gottfried sich aufhielt. Bei Anhörung einiger Predigten des Heiligen fühlte er sich, durch Gottes Gnade erleuchtet, angetrieben, sich alles Zeitlichen zu entäußern, und dem Dienst Gottes ganz und vollkommen zu ergeben. Besonders drängte es ihn, sein Schloß Kappenberg und sein übriges Hab und Gut zur Erbauung mehrerer Klöster zu verwenden. Diesem gottseligen Verlangen standen aber viele Hindernisse in dem Weg. Es mussten sein Bruder Otto und seine Ehegemahlin Jutta ihre Einwilligung dazu geben. Ungeachtet dessen begab er sich zu dem heiligen Norbert, eröffnete demselben sein Vorhaben und verlangte, in dessen heiligen Orden aufgenommen zu werden. Der Heilige willigte zwar ein, aber unter der Bedingung, daß er vorerst jene Hindernisse beseitigen und bis dahin in seinen weltlichen Kleidern verbleiben sollte. Gottfried rief Gott inständig um Beistand an und sprach dann mit Frau und Bruder. Und so rührend waren seine Bitten, so erschütternd seine Rede, daß sie nicht nur die Einwilligung gaben, sondern selbst in den Orden des heiligen Norbert traten. Gottfried, voll Freude, übergab unverweilt sein ganzes Schloß dem heiligen Norbert, welches sogleich in ein Kloster umgewandelt und mit frommen Geistlichen besetzt wurde. Er widmete auch noch zwei andere große Güter zu zwei weiteren Klöstern, die er zu gleichem Zweck erbauen ließ, eines zu Varlar und das andere zu Ilmstadt.

Es widersetzte sich aber Friedrich Graf von Arensberg, Gottfrieds Schwiegervater, der heiligen Stiftung mit Hartnäckigkeit; er gedachte, die reichen Güter seinem Geschlecht zuzuwenden. Gottfried kam sogar in Gefahr, von dem wilden Mann gefangen gehalten zu werden; indes zeigte er doch nicht die mindeste Furcht, weil er wußte, daß seine Sache vor Gott eine gerechte wäre. Gott beschützte auch seinen Diener augenscheinlich und bestrafte denjenigen, der sich so boshaft diesen heiligen Stiftungen widersetzte. Denn als Friedrich einmal voll Zorn gegen Gottfried zu Tische saß und seiner Lästerzunge wider den heiligen Norbert und den frommen Gottfried abermals freien Lauf ließ, riß sein Unterleib, und er verschüttete, wie einst Judas, alle Eingeweide, worauf er elendiglich seinen Geist aufgab. Da erschraken die Spötter, das Strafgericht Gottes erkennend, und schwiegen; sie sahen nun, daß der Himmel selbst gut heiße, was Gottfried zur Ehre Gottes, zu seinem eigenen Seelenheil und dem noch vieler anderen getan.

Da nun alle Hindernisse glücklich gehoben waren, nahm der Diener Gottes samt seinem Bruder Otto im Jahre 1121 das Ordenskleid und begann in dem Kloster Kappenberg ein geistliches Leben. Von da wurden beide später nach Prämontré in das erste Ordenshaus geschickt. In beiden Klöstern zeigte der selige Gottfried einen ungemeinen Eifer in allem dem, was zur geistlichen Vollkommenheit erfordert wird. Als aber Norbert den erzbischöflichen Stuhl von Magdeburg besteigen musste, berief er sowohl den seligen Gottfried als Otto zu sich, damit er sich ihres Rates in den wichtigsten Geschäften bedienen könnte. Gottfried war die Einsamkeit schon gewöhnt; daher zog ihm die neue Lebensart bald nach seiner Ankunft eine tödliche Krankheit zu. Der heilige Norbert entließ ihn deswegen wieder von sich, damit er anderswo seine Gesundheit besser pflegen könnte.

So kehrte Gottfried nach Ilmstadt zurück; hier verschlimmerte sich sein Leiden derart, daß er selbst sein herannahendes Ende erkannte. So sehr alle Religiosen sich darüber betrübten, ebenso sehr erfreute sich Gottfried, der nichts inbrünstiger verlangte, als Gott bald anzuschauen. Seinem Bruder Otto, der mehr als alle anderen Geistlichen seine Traurigkeit an den Tag legte, sagte er unter anderem: „Laßt uns doch diese Stunde mit Freuden annehmen und Gott Dank sagen, daß er uns von der Arbeit zur Ruhe, von der Armseligkeit zur wahren Glückseligkeit abfordert; weil kein anderer Weg, zu dem letzten Ziel und Ende zu gelangen, gefunden wird, als der Tod.“ Nach dem Empfang der heiligen Sterbesakramente bat er alle Ordensbrüder um Verzeihung wegen seiner Fehler und verrichtete darauf sein Gebet zu Gott. Endlich wendete er sich nochmals zu seinem Bruder Otto und sprach: „Lieber Bruder! Ich höre eine Stimme, die da sagt: Geht ihm entgegen.“ Und gleich danach: „Siehe, ich sehe die Abgesandten meines Herrn mir entgegen kommen. O wie willkommen sind mir diese Gesandten meines Schöpfers!“ Mit diesen Worten gab er seinen Geist auf den 13. Januar 1127. In der nämlichen Stunde erschien er seiner Base Gerberga, welche Äbtissin zu Münster war, in himmlischem Glanz, mit einer goldenen Krone auf dem Haupt. Und so erkannte Gerberga mit den übrigen die Herrlichkeit, deren sich der Heilige im Himmel bereits erfreute. Ein Teil seines heiligen Leibes wurde später nach Kappenberg überbracht.
Sein Verehrungstag ist der 13. Januar. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 34 – S. 35

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