Heiliger Ivo Patron der Priester

Christus sitzt in der Mitte, Löwe und Stier zu seinen Füßen, die Heiligen aus den Orden und Jungfrauen stehen in der oberen Reihe, in der unteren Reihe knien heilige Kinder und Ehepaare

Heiligenkalender

19. Mai

Der heilige Priester Ivo: „Ja, ich will ein Heiliger werden“

Die heilige Schrift des alten Testamentes bezeichnet öfters die Mutter jedes Königs der Israeliten ausdrücklich mit Namen und will dadurch andeuten, wie viel es bei der Erziehung der Kinder auf die Mutter ankommt. Gewöhnlich haben die Heiligen eine gute, fromme, christliche Mutter gehabt; dies ist auch der Fall bei dem Priester Ivo, den man nur „den heiligen Priester“ nannte.

Seine Mutter, Azona mit Namen, hatte gleich nach der Geburt ihres Kindes im Traum von Gott die Versicherung erhalten, dass Ivo ihm ein gefälliger Diener sein werde. Dies machte ihren Eifer noch größer, ihr Kind recht fromm zu erziehen. –
Kaum war der Verstand des kleinen Ivo ein wenig erwacht, so sagte sie zu ihm oft und oft: „Ivo, du musst ein Heiliger werden“, und wenn dann Ivo verwundert zur Mutter aufblickte, dann sagte sie ihm mit kindlichen Worten, was ein Heiliger sei, wie Gott die Heiligen liebe und ehre und wie hoch er sie im Himmel erhebe, und wenn dann der Knabe begierig fragte: „Wie kann ich ein Heiliger werden?“
Dann erzählte sie ihm von Jesus Christus und zeigte ihm, wie er demselben nachfolgen, seine Worte befolgen und besonders das Kreuz ihm nachtragen müsse. Mit größter Aufmerksamkeit hörte Ivo der frommen Mutter zu; es wurde ihm warm um’s Herz, er bekam eine große Liebe zu Jesus und mit freudigem Angesicht sagte er dann zur Mutter: „Ja, ich will ein Heiliger werden, ich verspreche es meinem Jesus; ja ich will ihm das Kreuz nachtragen.“

Legte auf solche Weise die fromme Mutter den Samen eines heiligen Lebens in das Herz ihres Kindes, so half ihr auch der fromme Vater, Helorius mit Namen, hierin mit. Besonders munterte er seinen Sohn auf zu einer herzlichen Liebe gegen die Armen und ließ ihn daher frühzeitig schon Werke der Barmherzigkeit ausüben.

Nachdem die christlichen Eltern zuerst ihr Kind mit Jesus und einem frommen Leben bekannt gemacht hatten, schauten sie auch darauf, daß Ivo in den Wissenschaften gehörig unterrichtet werde. Sie schickten ihn also fleißig zur Schule, und Ivo hatte es durch seinen Eifer bald so weit gebracht, dass er mit 14 Jahren schon auf die berühmte Hochschule zu Paris geschickt wurde. Dort waren unter den vielen tausend Jünglingen auch viel böse Kameraden, die es darauf anlegten, den frommen, noch ganz unschuldigen Ivo zu verführen.

Aber das Wort seiner Mutter: „Ivo, du musst ein Heiliger werden,“ und dann sein beständiges Gebet rettete ihn aus ihren Schlingen. Unbefleckt an Leib und Seele und voll guter Kenntnisse kehrte er nach Hause zurück mit dem Entschluss, ein Priester zu werden. Groß war deshalb die Freude der guten Eltern und von ihrem Segen geleitet, trat Ivo auch wirklich in den Priesterstand. Jetzt sollte der Traum seiner Mutter in Erfüllung gehen; er betrachtete sich nicht anders als einen Knecht Christi und da dieser gesagt hat: „Was ihr dem Geringsten in meinem Namen getan habt, das habt ihr mir getan“, so weihte er sich auch ganz der Sorge für das Heil der Seelen. Wegen seines Eifers und seiner großen Kenntnisse erhob ihn der Archidiakon Mauritius von Renn es zum Vorstand des geistlichen Gerichtes, welches damals auch in weltlichen Prozessen zu entscheiden hatte. In diesem schwierigen Amt zeigte nun der heilige Priester seine grenzenlose Liebe gegen die Armen, sich erinnernd an die Worte seines Vaters: „Sei barmherzig gegen die Armen und Bedrängten.“

Bei jeder Gelegenheit nahm er sich der Armen an, verteidigte ihre Rechte und führte ihre Prozesse unentgeltlich. Dabei suchte er aber vor Allem immer auf Versöhnung und Frieden unter den streitenden Parteien hinzuarbeiten. Unablässig betete er zu diesem Zwecke, und als es ihm einst lange nicht gelingen wollte, eine Mutter mit ihrem Sohne zu versöhnen, welche einen Prozess führten, so brachte er das heilige Messopfer insbesondere für sie dar und siehe da, er hatte die Freude, dass sich die Getrennten gänzlich aussöhnten.
Auf solche Weise erwarb sich Ivo den Namen eines „Advokaten der Witwen und Waisen“, aber auch an den Armen hinwieder Advokaten bei Gott; denn nichts wird dich, christliche Seele, einst in deinem Sterbestündlein kräftiger verteidigen als die Barmherzigkeit, welche du den Armen erwiesen.

Der Ruf von dem eifervollen heiligen Priester Ivo war auch dem Bischof von Trequier zu Ohren gekommen. Eine Viertelstunde von dieser Stadt war Ivo geboren. Der Bischof rief also den heiligen Diener Gottes zu sich und übertrug ihm dasselbe Amt in seinem Bistum. In kurzer Zeit fand er auch hier dieselbe Liebe und eine allgemeine Besserung der Gläubigen war sichtbar; denn ohne Furcht widerstand er den Bösen, wenn sie auch noch so angesehen und mächtig waren und beschützte die Schwachen und Niedrigen.
Jetzt aber kam ihm nach jahrelanger Arbeit in Mitten der Welt die Sehnsucht nach Einsamkeit; er verlangte und erhielt vom Bischöfe zuerst die Pfarrei Tresdretz und nachdem er dort acht Jahre unermüdlich im Weinberge des Herrn gearbeitet, die Pfarrei Lohanek, wo er bis zu seinem Tode verblieb. In diesem neuen Amt führte er nun den heiligsten Lebenswandel und steht als Muster aller wahren Seelsorger da. –

Er betrachtete seine Pfarrkinder als ein von Gott ihm anvertrautes kostbares Gut, erkauft durch das Blut Jesu; ihnen opferte er alle Zeit und Kraft seines Lebens. Um Mitternacht erhob er sich von seinem ärmlichen Bette, um das Brevier zu beten und zu betrachten. Früh Morgens bereitete er sich auf den Knien liegend mit größter Inbrunst auf das heilige Messopfer vor. Das heiligste Opfer brachte er gewöhnlich unter heißen Tränen dar.
Mit allem Eifer predigte er das Wort Gottes nicht bloß in seiner Pfarrei, sondern auch bei entfernten Gemeinden, nicht bloß an Sonn- und Feiertagen, sondern oft mehrmals an einem Tage. Täglich besuchte er die Kranken; jedem Betrübten und Armen stand seine Türe offen; all sein Einkommen verwendete er auf Werke der Barmherzigkeit; er selbst lebte arm wie ein Einsiedler; seine Kleidung war einfach, seine Speise Suppe und Gemüse, sein Bett war Stroh.
Es genügte ihm nicht, seine Pfarrkinder in der Kirche zu unterrichten; er ging in ihre Wohnungen, um dort den Kindern und Hausgenossen christlichen Unterricht zu erteilen.

Sein Pfarrhaus war zugleich eine Herberge für Fremde, die er gastlich aufnahm. Um für das Krankenspital zu sparen, ging er immer zu Fuß; wenn die Ernte eingebracht war, behielt er für sich, was er notdürftig brauchte, das Übrige wurde unter die Armen verteilt.
Als ihm einst Jemand den Rat gab, mit dem Verkauf seines Getreides zuzuwarten, gab er zur Antwort: „Weiß ich denn, ob ich dann noch leben werde?“ Und da ihm dieselbe Person nach einem Monat sagte: „Ich habe durch Zuwarten ein Fünftel an meinem Getreide gewonnen“, gab er zur Antwort: „Ich aber durch meinen schleunigen Verkauf das Hundertfache. Was man den Armen tut, belohnt ja Gott hundertfach.“
Neun Jahre ernährte er eine Familie und da er allen, die ihn um ein Almosen ansprachen, gab, so kam es, dass zur Zeit einer Hungersnot nur ein Brot mehr in seinem Hause war und auch dies wollte er unter die Armen verteilen. Sein Kaplan machte aber dagegen Einwendungen.
Da brach Ivo das Brot mitten entzwei, gab einen Teil den Armen, den anderen dem Kaplan, für sich aber behielt er nichts. Gleich darauf sandte ihm eine Unbekannte drei Stück Brot, von denen längere Zeit sein ganzes Haus lebte. Denn so oft Ivo davon abschnitt, vermehrte es sich wieder.
Einst kam ein Aussätziger in den Pfarrhof und bettelte. Sogleich ließ Ivo denselben an seinem eigenen Platze zu Tische sitzen, und bot ihm seine eigenen Speisen an. Da aber veränderte sich die Gestalt des Aussätzigen; sein Angesicht erleuchtete das Zimmer und der Fremde verschwand mit den Worten: „Der Friede sei mit dir!“ Es war Jesus selbst, den der Heilige bewirtete.
Ein anderes Mal erinnerte ihn der Haushälter, dass kein Getreide mehr auf dem Speicher sei, als gerade ein Armer um Getreide bettelte. Voll Vertrauen auf Gottes Hilfe sagte er zum Haushälter: „Gehe nur auf den Speicher und gib dem Armen.“ Wirklich fand dieser dort Getreide, wo er vorher kein Körnlein mehr bemerkt hatte.

Auf solche Weise befolgte Ivo die Lehren seiner frommen Eltern und wurde ein Heiliger; man nannte ihn nur „den heiligen Priester“, und sein gottseliges Leben, sowie die Gabe derWunder gab Zeugnis hiervon. Er trieb durch sein Gebet Teufel aus und heilte eine Menge Kranke.
Bis zum Ende seines Lebens folgte er getreu seinem Heilande nach, der ihm auf seinem Krankenlager noch viele Leiden schickte und endlich am 19. Mai 1303 zu sich nahm, beweint von Hunderten von Armen und Kranken, denen er ein Vater gewesen.

Er wird abgebildet in priesterlicher Kleidung, Bettler und Presshafte neben sich. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 785-789

Bildquellen

  • Bitschnau Das Fest Der Heiligen: Bildrechte beim Autor

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