Seliger Ferdinand Fürst von Portugal

Christus sitzt in der Mitte, Löwe und Stier zu seinen Füßen, die Heiligen aus den Orden und Jungfrauen stehen in der oberen Reihe, in der unteren Reihe knien heilige Kinder und Ehepaare

Heiligenkalender

5. Juni

Der selige Ferdinand, Infant von Portugal

Dieser heilige Fürst, den Jesus Christus reichlich an seinen Leiden teilnehmen ließ, war der Sohn des Königs Johann I. von Portugal. Seine kranke Mutter brachte ihn, vertrauend auf eine Reliquie des wahren Kreuzes Christi, glücklich zur Welt; er blieb aber von der Wiege bis zum Tod immer kränklich. Sein Lebensbeschreiber, der Gefährte seiner Leiden, schreibt, daß er sein Leben lang an Schmerzen im Herzen zu dulden hatte, daß ihm aber dafür der liebe Gott die schönsten Tugenden eingegossen habe, die er immer bewahrte, so daß sein Leben mehr dem eines Engels als eines Menschen glich. Absonderlich zeichnete er sich durch unversehrte Reinigkeit aus. Seine Freude war, die priesterlichen Tagzeiten mitsingen zu dürfen, und zur höchsten Ehre schätzte er sich, das heiligste Sakrament zu den Kranken mit einer Kerze zu begleiten. –

Den Armen war er ein Vater, den Kranken ein Tröster. – Für Ausbreitung des heiligen Glaubens eiferte er ungemein; viele Juden und Mohren bekehrte er mit Gottes Gnade. Gegen sich selbst war er ungemein streng, gegen andere kannte er nur Milde und Erbarmen. Alle Samstage und alle Vorabende der Fest Jesu und seiner gebenedeiten Mutter fastete er, und um Mitternacht erhob er sich, um die Mette zu singen. –

Von Jedermann dachte er nur Gutes und von Herzen verabscheute er freventliche Urteile und Verleumdungen. Nie sah man ihn müßig, und genau war seine Zeit zwischen dem Dienst Gottes und den weltlichen Geschäften eingeteilt. –

Wider seinen Willen, weil er sich mit den Gütern der Kirche nicht bereichern wollte, übernahm er die Ordensmeisterstelle von Aviso.

Ferdinand soll mit einem Kriegsheer gegen die Mauren kämpfen

Papst Eugen IV. wollte ihn zum Kardinal erheben, er aber war nicht zu bewegen, diese Würde anzunehmen. – Im Jahr 1437 übertrug ihm der König, sein Bruder, den Befehl, über ein Kriegsheer gegen die Stadt Tanger in Nordafrika, welche die ungläubigen Mauren besetzt hielten. –

Bevor er mit seinem zweiten Bruder Heinrich abreiste, ließ er bekannt geben, daß er jeden Schaden, den er Jemanden zugefügt, vergüten wolle, und Jedermann, den er etwa beleidigt habe, ihm verzeihen möge. In der Kapelle der heiligen Maria von der Stiege beichtete er reumütig, empfing dann die heilige Kommunion, und mit dem Kreuz in der Hand begab er sich an das Ufer des Flusses Tajo bei Lissabon, um bei günstigem Wind über das Meer mit seinem kleinen Häuflein Soldaten zu setzen.

Vertrauend auf den Beistand der glorwürdigen Himmelskönigin, die er glühend verehrte, schiffte er sich am Vorabend des Himmelfahrts-Tages der lieben Frau ein, blieb aber vor Anker, um folgenden Tages das hohe Fest zu feiern, und obwohl von einem Fieber befallen, setzte er am 22. August mit 7000 Mann nach Afrika über. Anfangs kämpfte er glücklich gegen die Ungläubigen; endlich aber musste er mit seinen wenigen Soldaten der Übermacht des Feindes unterliegen. –

Der Fürst unterliegt dem Feind und wird eine Geisel

Um seine noch übrigen treuen Soldaten zu retten, schloss er mit den Feinden Friede, unter der Bedingung, daß ihnen die Festung Ceuta übergeben wurde, und zur Versicherung stellte sich Ferdinand freiwillig als Geisel, wogegen die Ungläubigen ebenfalls einer ihrer Edlen als Geisel auslieferten. Ferdinand dachte nicht daran, wie treulos die Feinde gegen ihn handeln, wie grausam sie gegen ihn sein werden. Man führte ihn in die Stadt Arsilla, wo ihn der Mohrenfürst Zalazenbala dem Gespött und dem Hohn des Volkes preisgab, und dann in einem Turm scharf bewachen ließ. Unterdessen töteten die Mohren wider den Vertrag viele von den Leuten des Bruders Ferdinands, als er abziehen wollte: daher sich derselbe auch nicht mehr gebunden glaubte, die Festung Ceuta heraus zu geben, sondern den Antrag machte, die Geiseln auszuwechseln. Damit waren aber die Mohren nicht zufrieden, sondern schickten Ferdinand nach Fez an ihren König, der ihn mit Ketten beladen in ein finsteres Gefängnis mit 2 Christen werfen ließ.

Ferdinand muss als Sklave arbeiten

Da dieselben ihr trauriges Schicksal laut beklagten, tröstete sie Ferdinand: „Lasst uns als gute Christen handeln, wenn es der Wille Gottes ist, daß wir unser Leben verlieren sollen. Ich glaube fest, daß wir das Reich Gottes erben werden. Wir sind ja Sünder, Gott weiß aber, was uns zum Besten dient; er wird für uns sorgen.“ Am 1. Oktober des Jahres 1483 wurden Ferdinand und seine Gefährten all ihrer Habe beraubt und gefesselt in die Gärten des Königs abgeführt, wo sie wie Sklaven den ganzen Tag den Boden umgraben und schwere Arbeiten verrichten mussten. Unbeschreiblich sind die Leiden, welche Ferdinand erdulden musste, als ein Anschlag, ihn zu entführen, vor der Zeit entdeckt wurde. Er musste die Pferdeställe reinigen und andere erniedrigende Arbeiten vollziehen, und Hunger und Durst dabei leiden. Endlich sonderte man ihn ganz ab und warf ihn in ein Gefängnis, wo man ihn aufs Schärfste bewachte.

Unterdessen unterhandelte der Mohrenkönig mit den Portugiesen um den Preis für die Loslassung der Gefangenen. Die Summe aber war zu groß. Doch ließen sich die Mohren endlich herbei, den Prinzen Ferdinand gegen den Edlen, welchen sie als Geisel gegeben, auszuwechseln. Die Portugiesen gingen sogleich darauf ein, schickten den edlen Mohren und seine Begleiter zurück, aber gegen alle Treue ließen die Mohren Ferdinand in dem Gefängnis schmachten. Abgeschwächt und krank verlebte er seine Tage. Immer näher kam er dem Tod, auf den er sich mit möglichstem Eifer vorbereitete. Ein Arzt, der ihm zugeschickt wurde, ließ ihm bessere Speisen bereiten; er aber fastete. Beim Schein einer Lampe, die ihm seine Gefährten zu verschaffen wussten, betete er das Brevier. –

Ferdinand erliegt seiner Krankheit in der Gefangenschaft

Viele mündliche Gebete verrichtete er auf den Knien; oft bekannte er heimlich seinem Beichtvater, der in seiner Nähe war, reumütig seine Sünden. Dabei weinte er so viele Tränen, daß dieselben ganze Furchen in seine abgehärmten Wangen machten. Seine einzige Freude war, mit seinen Gefährten, die neben ihm gefangen lagen, und die er aus dem Klang ihrer Ketten kannte, zu sprechen, und so oft er mit ihnen sprach, sagte er: „Aus Liebe zu Gott verzeiht mir, daß ihr wegen meiner so viele Leiden auszustehen habt.“ Noch kurz vor seinem Tod sprach er durch die Öffnung zu ihnen: „Aus drei Ursachen wünschte ich zu leben: erstens, um euch für eure Leiden belohnen zu können; zweitens, um die Christen anzueifern, diese ungläubigen Länder zu bekriegen, nicht aus Rache, denn ich habe meinen Feinden Alles vergeben; und drittens, um meinen Herrn und König und meinen Bruder zu bewegen, die gefangenen Christen aus den Händen der Ungläubigen zu befreien.“

Seine Krankheit nahm aber immer mehr zu, und führte endlich seine Todesstunde herbei, die er schon lange erwartete. – An einem Mittwoch des Jahres 1443 trat früh Morgens der Beichtvater mit dem Arzt in sein Gefängnis. Er stellte sich zu den Füßen des Kranken, und wollte sehen, ob er schlafe. In sein Gesicht schauend, sah er von demselben einen großen Glanz ausgehen; es war heiter und lieblich, und die Augen, zum Himmel gerichtet, standen voll Tränen. Mit großer Verwunderung fragte er den Prinzen mehrmals, ob er schlafe. Längere Zeit schwieg derselbe, endlich gab er ihm zur Antwort, daß er ihn gut gehört habe. Der Beichtvater wollte ihn nicht mehr mit Fragen belästigen, und setzte sich vor seine Lagerstätte. –

Die Jungfrau Maria erscheint dem Todkranken

Nach einiger Zeit rief Ferdinand den Beichtvater, nachdem der den Arzt ersucht hatte, sich zu entfernen, und sprach zu ihm: „Ihr habt mich heute früh gefragt, wie ich mich befinde, und ich gab euch keine Antwort, denn ich wollte nicht, daß ein Anderer uns höre. Nun müsste ihr mir versprechen, daß ihr das, was ich euch sagen werde, unter dem Siegel der Beichte bei euch behaltet, und erst in Portugal nach meinem Tod davon redet, wenn nicht Gottes und der glorwürdigen Jungfrau Ehre es anders erfordert.“ Hierauf fing er an, Folgendes zu erzählen:

Zwei Stunden vor Sonnenaufgang lag ich auf meinem Bett, und betrachtete das Elend der Welt und die Glorie der Seligen, Da senkte sich großer Trost in mein Herz, und es kam mir eine Sehnsucht, zu sterben. Während ich meine Augen auf die Wand heftete, sah ich mir gegenüber eine Frau, sitzend auf einem Thron mit großer Majestät, umgeben von vielen schönen, anmutsvollen Personen. Alsbald erkannte ich, daß es Maria, die Jungfrau und Mutter sei, die Schützerin und Beiständerin der Sünder. Ich warf mich vor ihr auf die Knie, und einer aus ihrer Gesellschaft sprach: „Ich beschwöre dich, o Frau, erbarme dich dieses deines Dieners, der dir so treu gedient und dich geehrt hat auf Erden. Siehe, wie lange er schon gelitten! Bitte deinen Sohn, daß er seinen Leiden ein Ende mache. Ich opfere dir, o Frau, für ihn meine Bitten, weil er Andacht zu mir trug. Möge es dir gefallen, zu bewirken, daß er in unsere Gesellschaft gelange.“ Wie ich das gehört, richtete ich meine Augen auf den Redenden, und ich sah, daß er in der einen Hand eine Waage, in der andern Hand ein Kreuz trage, mit welchen Sinnbildern die Christen den Erzengel Michael zu malen pflegen, und ich erkannte, daß es derselbe sei, welchen Gott mir durch diese Zeichen zu erkennen gab.

Bald darauf sah ich einen anderen nach ihm, welcher die Knie beugte, in der einen Hand einen Kelch, in der andern ein Buch haltend, in welchem ich las den Anfang des Evangeliums nach Johannes: Im Anfang war das Wort etc. Alsbald erkannte ich ihn, und hörte ihn sagen: „O Mutter und Frau, habe Mitleid mit diesem deinem Diener, der mir ergeben ist, und lasse ihn nicht länger peinigen, es ist Zeit, daß er mit uns teilnehme am himmlischen Mahl mit unseren Brüdern.“ Auf den Bitten der beiden Heiligen hörte ich die seligste Jungfrau, welche mich mit liebenden und wohlwollenden Blicken betrachtete, sagen, daß ich noch an diesem Tage in ihre Gesellschaft geführt werde. Sie verschwand gerade, als du mich anredetest. Mit großem Trost hat mich dieses Gesicht erfüllt, und ich zweifle nicht, daß ich heute noch sterben werde.“

Ferdinand stirbt eines seligen Todes

Als der Beichtvater solches hörte, fing er an zu weinen und Gott zu loben, und den Prinzen aufzumuntern, daß ihm Gott eine gute Gesundheit verleihen werde. Allein dieser erwiderte mit zum Himmel erhobenen Händen: „Dort wird mir Gesundheit werden, und all mein Trost besteht darin, daß ich eine solche Seligkeit erlangen werde, wie sie Gott seinen Dienern verleiht. Wer bin aber ich, o mein Gott, daß ich verdient habe, daß deine glorwürdige Mutter mit himmlischer Gesellschaft kam, mich zu besuchen und mich meiner Glorie zu versichern? Wer bin ich armer Sünder, daß du, o Herr, solche Barmherzigkeit mir erweist, da doch alle Leiden dieser Welt nicht das kleinste Teilchen dieser Glorie aufwiegen? O meine Seele, wie sehr musst du dich freuen über deinen Gott, der dich so sehr liebt, und dir solche Gnaden erteilt, daß er dir für kurze Arbeit ewige Ruhe mitteilt. Herr, wenn du siehst, daß ich in so kurzer Zeit einen solchen Lohn verdient habe, dann will ich sterben, doch bin ich bereit, Alles, auch das Härteste zu ertragen bis zum Tod; denn ich fühle die Kraft in mir, in der Hoffnung eines solchen Lohnes alle Leiden zu dulden. Herr, wie es dir gefällt, so geschehe mir!“

Bis zum Abend wurde der heilige Prinz immer schwächer. Da fragte ihn sein Beichtvater, wie er sich befinde, und er antwortete: „Ich werde bald von hinnen gehen.“ „So legt“, entgegnete der Beichtvater, „eine Generalbeichte ab.“ Der Prinz tat es; alsdann bekannte er nochmals seinen Glauben und legte die Arme über die Brust zusammen, sich erinnernd an das Leiden Christi, an die seligste Jungfrau und alle Heiligen. –

Nachdem er die Generalabsolution erhalten hatte, wandte er sich auf die rechte Seite und sprach: „Nun lasset mich sterben“; mit diesen Worten gab er ohne irgend eine Bewegung ganz ruhig seinen Geist auf am 5. Juni. Sein Leichnam, aus welchem die Mohren die Eingeweide heraus genommen hatten wurde an den Mauern von Fez aufgehangen. Die Eingeweide aber von des heiligen Prinzen Mitgefangenen gesammelt, aufbewahrt, und im Jahr 1451 nach Portugal in das Kloster Baralha gebracht, wohin auch kurz hernach der heilige Leib durch einen vornehmen Mohren in einem Sarg gebracht wurde. (Ex Bollando.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1355 – Sp. 1359

Ferdinand der Standhafte, * 29.9.1402 zu Santarem, † 5.6.1443; selig gesprochen 1470 durch Papst Paul II; sein Leben wurde von seinem Leidensgenossen Alvares beschrieben, von Calderón in El principe constante dramatisch behandelt. (Buchberger, Lexikon Bd. III, Sp. 1002)

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